Beyond Bulls & Bears

Britischer Aufschwung stößt auf Marktwiderstände

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Von der Zitterpartie im Frühherbst haben sich die britischen Aktienmärkte zwar offenbar erholt, doch es ziehen weiter dunkle Wolken auf in Form von Sorgen um Europa, weltweit aufflackernden geopolitischen Konflikten und Ängsten vor einer Ebola-Pandemie. Die zunehmenden Diskussionen um den Ausgang der britischen Parlamentswahl im nächsten Jahr sorgen zusätzlich für Unsicherheit. Das Franklin UK Equity Team geht aber davon aus, dass sich unter den derzeit herrschenden Bedingungen Bewertungsanomalien ausfindig machen lassen. Im Folgenden legen Mitglieder des UK-Teams ihre Einschätzungen dazu dar, wie der Markt beschaffen ist und wo das aktuelle Investmentklima Chancen eröffnet.

UK PMsMark Hall, Vice President, Portfolio Manager
Richard Bullas, Vice President, Portfolio Manager
Paul Spencer, Vice President, Portfolio Manager                        
Franklin UK Equity Team

Globale Krisen und Ungewissheit im eigenen Land erschütterten die britischen Aktienmärkte diesen Herbst und ließen den FTSE 100 von Anfang September bis Mitte Oktober um 10% einbrechen.[1] Seither hat sich der Index spürbar erholt, doch die Märkte werden weiter von wechselhaften Konjunktureinflüssen gebeutelt.

Mit Blick auf die internationale Lage waren es offenbar vor allem die drängenden Probleme in der Eurozone, die britische Anleger beunruhigten. Europa als einer der wichtigsten Handelspartner Großbritanniens muss auf Kurs bleiben, um der britischen Wirtschaft weiterhin einen ausgewogeneren, nachhaltigeren Aufschwung zu ermöglichen. Nervosität lösten bei den Marktbeobachtern aber auch die Deflationsgefahr für Europa und die Befürchtung aus, dass die Politik ihr Pulver bereits verschossen hat – abgesehen von direkten quantitativen Lockerungen (QE), die von maßgeblichen Mitgliedern des erweiterten Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) nach wie vor vehement abgelehnt werden.

Im eigenen Land fordert die für Mai 2015 anberaumte Parlamentswahl augenscheinlich bereits ihren Tribut von den Märkten. Unserer Ansicht nach leiden diese schon Monate vor der Wahl unter den unterschiedlichen Ansätzen der beiden großen Parteien, Labour und die Konservativen (Tories), zu Themen wie Steuern, Staatsdefizit und anderen Wirtschaftsfragen. Es verringert die Planungssicherheit der Unternehmen, wenn sie die Spielregeln für ihre Tätigkeit nicht kennen.

Gleichzeitig befürchten manche Beobachter, dass die Erholung Großbritanniens von der Finanzkrise 2008 an Dynamik verliert. Die britische Wirtschaft weist zwar Wachstum aus, doch die Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) fürs dritte Quartal von 0,7% enttäuschte manche Beobachter.[2]Außerdem ging die Inflation von August bis September von 1,5% auf 1,2% zurück.[3] Die Furcht vor einem Anstieg der langfristigen Zinsen flaut angesichts der Aussicht auf weiter gedämpfte Inflation und der Wachstumssorgen rasch ab. Wir rechnen daher für Großbritannien noch für längere Zeit mit niedrigeren kurzfristigen Zinsen.

Unter diesen Bedingungen waren erhöhte Nervosität bei den Anlegern und verstärkte Volatilität durchaus zu erwarten. Der im Oktober beobachtete Rücksetzer fiel jedoch nicht so dramatisch aus wie die Korrekturen der vier Vorjahre. Jedes neue Kapitel der Eurozonen-Saga hat die Aktienmärkte beeinträchtigt, mit kurzfristigen Einbrüchen von über 15% in den Jahren 2010 und 2011 und geringeren Einbußen 2012 vor EZB-Präsident Mario Draghis Zusage, alles zu tun, um den Euro zu retten. Einen ähnlichen Rückgang erlebten wir, als der Aktienmarkt im Juni 2013 mit einem „Drosselungskoller“ auf die Ankündigung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) reagierte, sie werde ihr Anleihenkaufprogramm zurückfahren.

Unseres Erachtens sind die USA entscheidend dafür, dass die Aktienmärkte ihre Stabilität zurückgewinnen. Das Letzte, was die US-Konjunktur jetzt brauchen kann, ist eine Delle. Von der wetterbedingten Abschwächung im ersten Quartal hat sie sich gut erholt und gewinnt an Fahrt. Das BIP-Wachstum für dieses Jahr wurde unlängst auf 4,6% nach oben korrigiert. Nach der offiziellen Beendigung ihres QE-Programms muss die Fed unseres Erachtens ihre nächsten Schritte zur Normalisierung der Geldpolitik sehr vorsichtig setzen.

Es wäre unklug, vorzugeben, dass wir wissen, wo und wann die aktuelle Volatilität endet. Als langfristige Investoren können wir aber so viel sagen: Wir halten stets nach Chancen Ausschau, Kapital arbeiten zu lassen durch Investition in hochwertige Unternehmen zu Cashflow-Bewertungen, die aussichtsreich erscheinen für jeden, der die Geduld mitbringt, kurzfristige Marktausschläge auszusitzen.

Ein Segment, in dem wir diverse Chancen entdecken, sind Small- und Mid-Caps, die es in diesem Jahr schwer hatten. Vorauszuschicken ist, dass Small- und Mid-Caps höher kapitalisierte Werte bis Februar fast zwei Jahren lang deutlich überrundet hatten. Dann wurden sie plötzlich unpopulär und Large-Caps setzten zum Höhenflug an.

Zu diesem Umschwung haben viele Marktkräfte beigetragen. Zunächst war die jüngste relative Schwäche von Small- und Mid-Caps eine rationale Reaktion auf die Hausse, die sie in den letzten zwei Jahren verzeichnet hatten. Entsprechend ausgereizt waren die Bewertungen. Wir beobachteten Gewinnmitnahmen, als manche Anleger ihre Small- und Mid-Cap-Positionen in interessanter bewertete Large-Caps umschichteten. Manche Anleger investierten diese Gewinne in Neuemissionen. Unsere Vermutung ist, dass das wachsende Small-Cap-Universum allmählich Probleme bekam, das in den ersten neun Monaten des Jahres außergewöhnlich hohe Aufkommen an Aktienemissionen auf den britischen Primär- und Sekundärmärkten zu verkraften.

Es ist in der ersten Jahreshälfte schwieriger geworden, Small- und Mid-Caps ausfindig zu machen, die unsere Bewertungskriterien erfüllen, als noch vor zwei Jahren bei Einsetzen des Kursanstiegs. Die in diesem Zeitraum erfolgten Neubewertungen auf dem Markt bedeuten natürlich, dass es nicht mehr so viele Gelegenheiten gibt, Unterbewertungen auszunutzen.

Nach diesem für Nebenwerte unterdurchschnittlichen Zeitraum erkennen wir erste Anlagechancen zu Bewertungen, die in Anbetracht ihres Wachstumspotenzials eher niedrig wirken. Zu den größten Vorteilen der Anlage in diesem Marktsegment zählen das umfangreiche Anlageuniversum und die Gelegenheit, ungeachtet der herrschenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Bewertungsanomalien festzustellen.

Unserer Ansicht nach gilt heute wie eh und je, dass ein gut geführtes mittelständisches Unternehmen aus einer Wachstumsnische des Marktes das größte Anlagepotenzial bietet. Ertragssteigerungen und höhere Kennzahlen im Zuge der breiteren Anerkennung und Wertschätzung einer Aktie sind im Zusammenspiel eine starke Kombination.

 


[1] Quelle: Bloomberg LP, 24. Oktober 2014

[2] Quelle: Office of National Statistics, 24. Oktober 2014.

[3] Ebenda, 14. Oktober 2014.