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Gut informiert: Europas Kapitalmarktunion

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Gut informiert: Experten von Franklin Templeton Investments liefern Ihnen aufschlussreiche aktuelle Kurzinformationen zu einem brisanten Anlagethema.

Heute diskutiert Norm Boersma von der Templeton Global Equity Group die vor kurzem von der Europäischen Kommission bekannt gegebenen Pläne für eine Kapitalmarktunion.

Norm Boersma
Norm Boersma

Norman J. Boersma, CFA, ist Chief Investment Officer der Templeton Global Equity Group

Was ist eine Kapitalmarktunion?

Grundidee der Kapitalmarktunion in Europa ist die Stärkung des Finanzsystems in der Europäischen Union (EU). Durch die Integration der regionalen Kapitalmärkte sollen robuste und vielseitige Finanzierungsoptionen geschaffen werden, die eine effizientere Angleichung von Angebot und Nachfrage im Kreditmarkt ermöglichen. Die Befürworter hoffen, dies durch Abbau der Barrieren bei grenzübergreifenden Investitionen zu erzielen. So soll ein Binnenmarkt für Kapital, der alle 28 EU-Mitgliedsstaaten umfasst, geschaffen werden. Sie sind davon überzeugt, dass sich dadurch die Kreditkosten innerhalb der EU senken lassen.

Warum ist sie gerade jetzt in den Schlagzeilen?

Derzeit läuft ein Konsultationsprozess. Dieser beruht auf den Vorschlägen, die im Februar von Jonathan Hill, EU-Kommissar für Finanzdienstleistungen, präsentiert wurden. Lord Hills Vorschläge sollen die europäische Bankunion ergänzen und die Stärke und Flexibilität des breiteren regionalen Finanzsystems verbessern. Die Konsultationsphase endet am 13. Mai 2015. Ein Maßnahmenplan, der die Eingaben berücksichtigt, soll dann im dritten Quartal 2015 veröffentlicht werden. Man sollte aber daran denken, dass Strukturreformen dieser Art Zeit brauchen. Obwohl die Diskussionen jetzt, zum Zeitpunkt der formalen Vorstellung in der Politik, gerechtfertigt sind, werden diese Maßnahmen nicht von einem Tag auf den anderen umgesetzt werden. Wir erwarten kurzfristig einige anfängliche Fortschritte in den wichtigsten Bereichen, sind uns aber darüber im Klaren, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach noch Jahre dauern wird, bevor eine Kapitalmarktunion vollständig in der EU umgesetzt sein wird.

Was versucht die Europäische Kommission zu erreichen?

Politikern in Europa ist klar geworden, dass Reformen erforderlich sind, um den Zugang zu Krediten in der Eurozone, insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen, zu verbessern. Kleinere Unternehmen sind zu stark von Banken abhängig, wenn sie auf Kapital zugreifen wollen. Das schadet dem Kreditwachstum und der Wirtschaftsaktivität, wenn Banksysteme sich neu organisieren oder entschulden müssen, wie dies in Europa in den letzten Jahren der Fall war. Europa ist auch die relativ zügige Erholung des Finanzsystems in den USA , das am Rande einer Katastrophe stand, nicht entgangen. Man folgerte daraus, dass tiefere, liquidere und vielseitigere Kapitalmärkte Stabilität und Unterstützung bieten können.

Welche Auswirkungen hat das für Anleger?

Unserer Meinung nach dürfte diese Initiative die Liquidität erhöhen und die Investmentoptionen erweitern. In Europa stellen Banken etwa 70% der Fremdmittel von Unternehmen, der Rest kommt aus den Wertpapiermärkten. In den USA ist es umgekehrt: Der größte Teil der Finanzmittel für Unternehmen kommt aus dem Markt. Infolgedessen sind die Finanzmärkte in den USA viel dynamischer. Sie bieten Unternehmen Zugang zu Krediten mit effizienteren Konditionen und Sparern mehr Möglichkeiten ihr Geld zu investieren.

Inwiefern sind Ihre Strategien auf eine Reaktion ausgelegt, falls dies realisiert werden sollte?

Als Anleger in europäischen Banken gefällt uns das Kreditangebot, das sie kontrollieren. Bei holistischer Betrachtung ist uns allerdings klar, dass die unverhältnismäßig hohe Abhängigkeit Europas von den Banken das Wachstum und die Entwicklung des Unternehmenssektors in der Region behindert. Wir unterstützen im Allgemeinen „pro-europäische“ Maßnahmen, die helfen, die systematische Integration in der Währungsunion zu verbessern.

Unserer Meinung nach dürften Anleger letztlich von der höheren Liquidität und Stabilität, die eine Kapitalmarktunion in Europa aller Wahrscheinlichkeit nach schaffen wird, profitieren. Das Finanzsystem in den USA ist bei der Segmentierung des Marktes sehr gut. So ist es möglich, den richtigen Anleger mit den Bedürfnissen des Kreditnehmers zusammen zu führen. Risikokapital und Private Equity sind robuste Branchen in den USA, die bestimmten Bereichen des Marktes wettbewerbsfähige Finanzierungen ermöglichen, die über Banken nicht effizient möglich wären.

Forderungsbesicherte Wertpapiere können ebenfalls zu einer verbesserten Bereitstellung von Krediten beitragen, da Kredite aus den Bankbilanzen herausfallen. Dadurch können Banken dann mehr Kredite gewähren. Dabei bestehen natürlich auch Risiken, wie die weltweite Finanzkrise gezeigt hat. Wenn dies aber auf wohl überlegte Weise und in einem gut regulierten Finanzsystem geschieht, dürften solche marktbasierten Kreditlösungen unserer Meinung nach helfen Wachstum und Stabilität zu fördern. Wir erwarten, dass Europa, das auch weiterhin einen wichtigen Schwerpunkt unserer Aktienportfolios bilden wird, letztlich aller Wahrscheinlichkeit nach von diesen Initiativen profitieren können wird.

Wichtige Hinweise:

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Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, inklusive des möglichen Verlusts der Anlagesumme. Ausländische Wertpapiere bringen spezielle Risiken mit sich, darunter Wechselkursschwankungen, wirtschaftliche und politische Ungewissheit. Anlagen in Schwellenländern sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und den nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. 

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