Wie eine steigende Inflation die Erträge in der Eurozone retten könnte
9. Februar 2017

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Zu Beginn des Jahres 2017 erscheint das makroökonomische Umfeld für europäische Aktien äußerst günstig. Die Differenz zwischen den Gewinnen europäischer und US-amerikanischer Unternehmen hält sich jedoch hartnäckig. Das könnte sich bald ändern, vermutet Dylan Ball, Executive Vice President der Templeton Global Equity Group. Er ist der Ansicht, dass die Aussichten auf eine höhere Inflation in der Eurozone als Katalysator dienen könnten, um diese Ertragslücke zu schließen.

Dylan Ball

Dylan Ball

Dylan Ball, ACA
Executive Vice President 
Templeton Global Equity Group

Nach einem Jahr, in dem die Schlagzeilen weltweit von politischen Überraschungen dominiert wurden, sieht alles danach aus, als würde europäischen Aktien ein positives Jahr bevorstehen — und dafür ist es auch allerhöchste Zeit. Die jüngsten Erfahrungen zeigen, dass sich die Aktienmärkte allgemein schwertun, politische Ereignisse korrekt einzupreisen. Wir sind allerdings der Ansicht, dass die Aktienmärkte langfristig nicht durch die Politik bestimmt werden. Diese bietet vielmehr kurzfristige Chancen, um sich längerfristige Trends zunutze zu machen. Als Value-Anleger versuchen wir, uns konsequent auf einen längerfristigen Anlagehorizont zu konzentrieren und uns Volatilität als Chance für die Identifizierung unterbewerteter Unternehmen zunutze zu machen.

Ein positives makroökonomisches Umfeld

Ein abgewerteter Euro, die Dynamik des Kreditzyklus und die allmähliche Beendigung der Sparmaßnahmen auf dem Kontinent werden allgemein als positive Faktoren für europäische Aktien gesehen. Was aus unserer Sicht für die Anlageklasse im Jahr 2017 noch wichtiger sein dürfte, sind allerdings die Aussichten auf eine höhere Inflation, die inzwischen vor der Tür zu stehen scheint. Aus unserer Sicht sollte sich Inflation positiv auf die Gewinnlage in Europa auswirken.

In der Vergangenheit ist die Inflation Veränderungen der Energie- und Rohstoffpreise stets mit einer Verzögerung von etwa drei bis vier Monaten gefolgt. Bis September des vergangenen Jahres hatte sich der Ölpreis gegenüber seinen historischen Tiefstständen erholt und war wieder auf etwa 50 USD je Barrel angestiegen. Die Auswirkungen dieses Preisanstiegs machen sich inzwischen in den Inflationszahlen bemerkbar. Dies legt nahe, dass Europa das Inflationsumfeld von 1% bis 2% möglicherweise hinter sich lassen und sich stattdessen auf einen Bereich von 3% bis 4% zubewegen könnte.

Warum ist dies für die Ertragslage europäischer Unternehmen relevant?

Die Differenz zwischen den Gewinnen US-amerikanischer und europäischer Unternehmen hat sich in den letzten Jahren hartnäckig gehalten. Die Gewinne europäischer Unternehmen liegen derzeit weiterhin 60% unter den 2008 bzw. 2009 erzielten Spitzenwerten, während US-Unternehmen heute 10% mehr verdienen als vor acht oder neun Jahren.[1]

Dylan Ball Feb Blog

Beobachter haben für diese Diskrepanz eine ganze Reihe möglicher Gründe angeführt, darunter auch die Behauptung, die von der Europäischen Zentralbank verfolgte Geldpolitik könne ohne eine fiskalpolitische Vereinigung keine Wirkung entfalten. Eine weitere Vermutung betrifft die positiven Ertragswirkungen von Aktienrückkäufen in den USA, wo derartige Maßnahmen seit jeher durch das Steuerreglement unterstützt werden.

Unserer Ansicht nach liegt der Hauptgrund, warum die Gewinne europäischer Unternehmen weiterhin hinter denen ihrer US-amerikanischen Pendants hinterherhinken, darin, dass sich die Gewinnmargen in Europa noch nicht so weit erholt haben, wie man es sich erhoffen würde.

Es mag für Beobachter ein Leichtes sein, zu konstatieren, dass die europäischen Arbeitsmärkte nicht so konkurrenzfähig sind wie der US-Markt und somit nicht so flexibel auf eine Abschwächung der Nachfrage reagieren können. Wir glauben jedoch nicht, dass dies der Fall ist; aus unserer Sicht waren die Lohnkosten in Europa zuletzt äußerst wettbewerbsfähig.[2] Stattdessen vermuten wir das zugrundeliegende Problem in der Preisgestaltung. Europäische Unternehmen sind in der Regel Preisnehmer. Wenn die Inflation sinkt, tendieren europäische Unternehmen dazu, ihre Preise zu senken, um mit ihren Wettbewerbern aus den USA und Asien mithalten zu können. Wenn die Inflation wieder steigt, erhöhen europäische Unternehmen ihre Preise normalerweise.

Daher rechnen wir damit, dass sich die Gewinnlücke zu den USA schließen wird, sobald europäische Unternehmen beginnen, auf die steigende Inflation zu reagieren.

Inflation: Gut für Europa, gut für Value-Anleger

Während der letzten acht bis neun Jahre war die Welt größtenteils von Deflation geprägt. Als antizyklische Investoren haben wir uns in dieser Zeit für Unternehmen interessiert, die sich gut entwickeln, wenn keine Inflation vorherrscht. Angesichts der Wiederbelebung der Inflation rechnen wir nun im Gegenzug mit einer Aufwertung von Industrie-, Finanz-, Öl- und Gasaktien in Europa.

Unsere Analyse der europäischen Aktienlandschaft legt nahe, dass diese Neubewertung Chancen auf langfristige Renditen liefern dürfte.

 

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

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[1] Quelle: FactSet. Europa und die USA werden gemäß ihrer Zugehörigkeit zum MSCI Europe Index bzw. zum MSCI USA Index definiert. MSCI gibt keine Gewährleistung und übernimmt keinerlei Haftung für hierin wiedergegebene MSCI-Daten. Eine Weiterverbreitung oder weitere Nutzung ist nicht zulässig. MSCI hat diesen Bericht weder erstellt noch bestätigt. Weitere Informationen zu Datenanbietern finden Sie unter www.franklintempletondatasources.com. Alle Daten per 31. Dezember 2016. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung. Indizes werden nicht gemanagt. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt.

[2] Eurostat, Dezember 2016.

[3] Quelle: Ölmarktbericht der internationalen Energieagentur, Daten zum Jahr 2016, Prognose für 2017. Es gibt keine Garantie dafür, dass sich Schätzungen oder Prognosen bewahrheiten.