Indiens Staatshaushalt 2017/18
9. März 2017

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Indiens Wirtschaft erlebte eine vorübergehende Liquiditätskrise, nachdem die Regierung Ende letzten Jahres alle 500- und 1000-Rupienscheine eingezogen hatte. Dies geschah im Rahmen der vom indischen Premierminister Narendra Modi forcierten Korruptionsbekämpfung. Daher sind die Sorgen einiger Anleger um den indischen Staatshaushalt 2017-18 und mögliche Folgen für den Markt verständlich. Sukumar Rajah, Managing Director und Chief Investment Officer, Asian Equity, analysiert die langfristige Etatplanung von Modi und des indischen Finanzministers Arun Jaitley. Er untersucht den möglichen Nutzen einer anlegerfreundlichen Politik für die indische Wirtschaft im nächsten Jahr.

Sukumar Rajah

Sukumar Rajah

Sukumar Rajah
Managing Director und Chief Investment Officer, Asian Equity
Franklin Local Asset Management

Als die indische Regierung ihr sogenanntes Demonetisierungsprogramm im November bekannt gab, sorgte sie weltweit für Schlagzeilen und verursachte kurzfristig Schwankungen im indischen Aktienmarkt. In der Folge verlor Indien zwar den Titel als wachstumsstärkste größere Volkswirtschaft der Welt1, jedoch bewirkte das Demonetisierungsprogramm aus unserer Sicht nicht die von zahlreichen Beobachtern zunächst befürchteten schweren Störungen. Die Folgen des Programms zur Eindämmung des Bargelds dürften von kurzer Dauer sein, da neue Geldscheine in Umlauf kommen.

Da in diesem Jahr Wahlen in wichtigen Bundesstaaten bevorstehen, hatten die Märkte auf einen im Vergleich zu heute eher populistischen Haushalt gesetzt. Stattdessen schrumpfte der Etat dieses Jahr im Rahmen der Konsolidierung und senkte insbesondere die Haushaltsdefizite der Regierung. Unserer Meinung nach könnte diese konservativer ausgerichtete Haushaltspolitik dazu beitragen, die Wirtschaft in den nächsten zwei Quartalen wieder auf Wachstumskurs zu bringen.

Unserer Ansicht nach ist die jüngste Demonetisierungsphase vor dem Hintergrund umfassenderer Maßnahmen der Regierung zu sehen. Trotz der kurzfristigen Auswirkungen der Bargeldbegrenzung sind wir der Meinung, dass langfristige Maßnahmen wie die Goods and Services Tax (GST), Programme für die finanzielle Inklusion und Effizienzsteigerungen in Regierungsprogrammen deutlich mehr Klarheit über den langfristigen Kurs Indiens schaffen.

Der Haushalt legt langfristig eindeutig großen Wert auf Wachstum. Die Agenda für Umbau, Energie und Umwelt bleibt nahe an den Kernthemen Modis, nämlich die Einhaltung der Haushaltsdisziplin mit Betonung auf einem langfristig soliden Haushalt, höheren Investitionen in Infrastruktur, mehr Steuerehrlichkeit und Finanzierung von Sozialleistungen.

Spielraum für Wachstum bei indischen Aktien

Die Reaktion des indischen Aktienmarkts auf den Haushalt war positiv. Das Ende mangelnder Freistellung von der Besteuerung der Veräußerungsgewinne von Aktien sorgte für deutliche Kurssprünge. Hier sehen wir durchaus Spielraum für weitere Steigerungen. Indiens Aktienmarkt ist einer der am stärksten diversifizierten Märkte der Welt und hat Widerstandskraft gegenüber externen Schocks bewiesen. Die Anzahl inländischer Anleger in indische Aktien ist noch niedrig, jedoch stehen hier Änderungen bevor.

Die indische Regierung bemüht sich außerdem um ausländische Anleger. In diesem Zusammenhang sind die Abschaffung der Bewilligung durch das Foreign Investment Promotion Board (FIPB) und ein einfacheres Verfahren für ausländische Direktinvestitionen (FDI) zu nennen. FDI orientieren sich immer langfristiger: Wir beobachten, dass die FDI-Zuflüsse im Kalenderjahr 2016 um 18% gestiegen sind.2

Andererseits dürfte unserer Meinung nach die Volatilität auch zunehmen, da einige Unternehmen – besonders im Sektor Zyklische Konsumgüter – unter den Folgen des Demonetisierungsprogramms leiden dürften, weil das Bargeld nicht umläuft.

Sektoren, die zu beobachten sind

Der diesjährige Haushalt setzt den Einsatz für Haushaltsdisziplin fort, wenngleich vereinzelt der Eindruck entstehen konnte, dass die Regierung Modi auf Sicherheit setzte.

Zyklische Konsumgüter

  • Von der Beachtung des ländlichen Indiens durch die Regierung und weiterer Steuersenkungen für einkommensschwächere Steuerbürger dürften Unternehmen profitieren, die in diesem Raum billigere Waren und Dienstleistungen bieten können.
  • Das Verbot größerer Barzahlungen könnte organisierte Unternehmen – eingetragene Firmen, die staatliche Vorschriften und Steuerpflichten einhalten – im Schmucksektor begünstigen.
  • Die Folgen des Demonetisierungsprogramms sind noch nicht vollständigen überwunden. Es würde uns nicht überraschen, wenn die inländischen Unternehmensgewinne kurzfristig weiter schwanken. Der Sektor Zyklische Konsumgüter wird diese Folgen vermutlich spüren.

Finanzwerte

  • Der auf Konsolidierung der Haushaltslage ausgerichtete Etat dürfte die aktuelle Liquiditätsaussichten weiter verbessern und etwas Spielraum für eine Senkung der Einlagenzinsen bieten, die in jüngster Zeit durch sinkende Kreditzinsen unter Druck gerieten.
  • Aus unserer Sicht wird der Haushalt keine direkten Auswirkungen auf indische Banken haben. Wir sehen jedoch zahlreiche indirekte Vorteile, besonders durch Digitalisierung, niedrigere Zinsen und Wirtschaftswachstum.

Materialien

  • Ein am Gewinn orientiertes Programm für erschwinglichen Wohnungsbau dürfte die Nachfrage nach Zement und anderen Baustoffen für den Hochbau beflügeln.

Industriewerte

  • Rund 60% des Etats für Infrastruktur entfällt auf Verkehr: Eisenbahnen, Autobahnen, die Metro, Bewässerungsprojekte und Häfen.

Aus unserer Sicht beschreitet der indische Staatshaushalt 2017-18 einen Mittelweg zwischen den geplanten Staatsausgaben, der Defizitbewältigung und Unterstützung des Sektorwachstums durch öffentliche Ausgaben. Einerseits wird Indiens Kreditwürdigkeit und das Anlegervertrauen gewahrt, andererseits erfährt das Wirtschaftswachstum den Schub, den es nach dem Demonetisierungsprogramm dringend benötigt. Daher sehen wir eine Menge potenzieller Chancen für Anlagen in Binnensektoren, die den indischen Markt für inländische Aktien tragen und den Kurs auf eine Haushaltskonsolidierung setzen dürften.

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  1. Internationaler Währungsfonds, World Economic Outlook, Januar 2017.
  2. Ministerium für Industriepolitik und Förderung, Dezember 2016.