Aktuelle Entwicklungen im US-Versorgungssektor
10. März 2017

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US-Aktien ziehen seit der Präsidentschaftswahl kräftig an, doch die relative Performance des Versorgungssektors sieht dagegen eher trüb aus. John Kohli und Blair Schmicker, Portfolio Manager bei der Franklin Equity Group, erläutern, welchen Gegenwind Versorgeraktien seit der Wahl verspüren (wie höhere Zinsen) und welche regulatorischen und technologischen Veränderungen dem Sektor auf die Sprünge helfen könnten.

Blair Schmicker

Blair Schmicker

John Kohli

John Kohli
Vice President, Research Analyst
Portfolio Manager
Franklin Equity Group

Blair Schmicker
Vice President, Research Analyst
Portfolio Manager
Franklin Equity Group

Seit mehreren Monaten hinken US-Versorgungstitel dem breiteren US-Aktienmarkt hinterher. Doch die unterdurchschnittliche Leistung der letzten Zeit hat unseres Erachtens wenig mit den Fundamentaldaten der Branche zu tun. Stattdessen hat der Versorgungssektor mit zwei Herausforderungen zu kämpfen, die zufällige Folgen der jüngsten Präsidentschaftswahl sind.

Erstens leidet der Sektor unter dem Anstieg der langfristigen Zinsen, dessen Tempo sich nach der Wahl beschleunigt hat. Höhere langfristige Zinsen senken den Multiplikator, zu dem Versorgeraktien gehandelt werden, denn die Entwicklung des Sektors ist mit der von Anleihen vergleichbar – und Anleihekurse fallen normalerweise, wenn Zinsen steigen.

Zweitens vertreten viele Beobachter die Ansicht, dass die geplante Unternehmenssteuerreform gewisse Ertragsrisiken für die Branche birgt. Die tatsächlichen Auswirkungen werden in erster Linie von den Einzelheiten der Reform abhängen. Dabei werden Regelungen hinsichtlich der Absetzbarkeit von Zinsaufwendungen und vollumfänglichen Verbuchung von Abschreibungen für die Branche entscheidend sein.

Unserer Meinung nach werden diese beiden Faktoren die relative Wertentwicklung des Sektors auch künftig bestimmen. Zum Thema Zinsen: Wenn das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in den USA anzieht und die US-Notenbank aufgrund einer drohenden Inflation eine hawkische Zinspolitik einschlägt, werden sich kurz- und langfristige Zinsen tendenziell nach oben entwickeln und die Multiplikatoren für Versorgungstitel weiter drücken.

Und wenn ein umfassenderes Steuerkonzept eingeführt wird, etwa wie das, für das sich Paul Ryan, Sprecher des Repräsentantenhauses, und die Republikaner im Repräsentantenhaus einsetzen, dürfte das – alles in allem – die Erträge von Versorgungsbetrieben noch stärker belasten, vor allem im Vergleich zu den breiteren Indizes, die von einem derartigen Konzept überwiegend profitieren dürften. Zum Beispiel würde das Gros der Versorgungsbetriebe unserer Einschätzung nach nicht von einer niedrigeren Körperschaftsteuer profitieren; Regulierungsbehörden würden wahrscheinlich verlangen, dass sie die Stromtarife senken, um der geringeren Steuer Rechnung zu tragen, sodass zwar die Kunden, nicht aber die Versorgungsbetriebe einen Nutzen sehen würden.

Wenn diese politischen Ziele hingegen nicht im Gesetz verankert werden – oder insoweit sie vor ihrer Verabschiedung „verwässert“ werden – könnten Versorgungstitel möglicherweise eine bessere relative Performance liefern. Wie stark die Wirkung ist, hängt von den Feinheiten der Reform ab – in beide Richtungen.

Regulatorisches Roulette

Nun zum Thema Regulierung: Wie sich das Wahlergebnis auf Umweltgesetze auswirken wird, steht noch in den Sternen. Energie scheint für die neue Regierung vorerst keine oberste Priorität darzustellen. Im letzten Jahr verzögerte der Oberste Gerichtshof die Umsetzung des Klimaschutzplans „Clean Power Plan“ (CPP) des ehemaligen Präsidenten Obama, der den Kohlendioxid-Ausstoß drastisch reduziert hätte. Unter der Regierung von Präsident Donald Trump würden wir davon ausgehen, dass die Umsetzung des CPP auf Eis gelegt wird – vorausgesetzt, die Hürden vor Gericht werden überwunden. Dennoch gehen die meisten bundesstaatlichen Regulierungsbehörden vorerst davon aus, weiter auf den CPP und dessen Einhaltung hinzuarbeiten, da sie die Regelung oder einen ähnlichen Plan letztendlich für unvermeidbar halten.

Zunehmende Digitalisierung

Die Führungskräfte des Sektors haben zwar keinen Einfluss auf die Entwicklung der Zinsen und die Auswirkungen politischer Entscheidungen auf ihre Unternehmen, doch haben sie Mittel und Wege gefunden, effizienter zu wirtschaften und ihre Ausgaben zu drosseln. Dazu zählt auch die zunehmende Digitalisierung.

Intelligente Stromzähler bzw. „Smart-Meter“ messen den Stromverbrauch der Kunden mehrmals täglich und melden die Werte dem Versorgungsunternehmen. Intelligente Stromnetze bzw. „Smart-Grids“ sind Versorgungsnetze, die sich digitale Kommunikationstechnik zunutze machen, um lokale Veränderungen der Nutzung festzustellen und darauf zu reagieren. Diese neuen Geräte bilden das Fundament eines „digitalen Versorgungsbetriebs“, da sie enorme Datenmengen generieren. Größtenteils arbeitet die Branche noch daran, zu bestimmen, in welcher Form sie den Wert und die Nützlichkeit dieser Daten maximieren kann. Beispiele, die wir bis jetzt gesehen haben, sind etwa gezieltere Bemühungen zur Verbesserung der Energieeffizienz. Auch unterstützen die Daten Versorgungsbetriebe dabei, bessere Beziehungen zu ihren Kunden zu pflegen – zum Beispiel durch automatische Benachrichtigung über Ausfälle und Untersuchung dieser Ausfälle, sodass die Stromversorgung für die betroffenen Haushalte schneller wiederhergestellt werden kann.

Da Versorgungsbetriebe außerdem eine zunehmende Verbreitung dezentraler Energieerzeugung (d. h. Solaranlagen auf dem Dach, Heimenergiespeicher usw.) beobachten, werden sie neue Technologien einsetzen müssen, um sicherzustellen, dass die Spannung auch bei geänderten Netzbedingungen konstant bleibt. Der Einsatz dieser Technologien wirkt sich nicht eindeutig auf die Rentabilität aus, denn die Regulierungsprozesse fallen stärker ins Gewicht. Insofern die Einführung dieser Technologien jedoch Investitionen erfordert, ist ihre Nutzung eine Chance, Umsatz und Ertrag zu steigern. Insoweit diese Technologien die Bürde der Betriebskosten verringern können, setzen sie auch teuren Stromrechnungen für die Kunden eine Grenze. Das wiederum unterstützt eine konstruktive Beziehung zu den Regulierungsbehörden.

Viele Versorgungsbetriebe sind der Nutzung neuer Technologien gegenüber aufgeschlossen, dennoch gehen sie dabei im Allgemeinen vorsichtig und überlegt vor. Das kann für externe Pioniere, die die Branche in gewisser Weise aufrütteln möchten, frustrierend sein. Dennoch halten wir die Vorsicht der Versorgungsbetriebe für angebracht.

Versorgungsunternehmen sind zwei verbindliche Grenzen gesetzt: Zuverlässigkeit und Tariferhöhungen. Die meisten Kunden sind schlicht und einfach nicht bereit, mehr Serviceunterbrechungen oder höhere Kosten für die Einführung neuer Technologien in Kauf zu nehmen. Daher investieren Versorgungsbetriebe in der Regel nur in neue Technologien, wenn sie sich recht sicher sind, dass sie sich neutral bis positiv auf Zuverlässigkeit und neutral bis negativ auf Tarife auswirken (normalerweise die einzige Art von Investitionen, die Regulierungsbehörden billigen).

Es gibt Ausnahmen, doch dazu kommt es üblicherweise nur, wenn sowohl Versorgungsunternehmen als auch Regulierungsbehörden kraft Gesetzgebung wie Standards für erneuerbare Energien (Renewable Portfolio Standards) über Zweifeln erhaben sind.

Wir sehen in der anhaltenden Deflation der Erdgas- und Strompreise, den gesunden Beziehungen zu den Regulierungsbehörden, der größeren Zuverlässigkeit und steigenden Betriebsproduktivität insgesamt noch immer ein sehr solides Fundament für die finanzielle Gesundheit der Branche. Spekulationen über weitere Zinsanhebungen und eine mögliche Steuerreform haben für gewisse Marktstörungen und Volatilität gesorgt, die uns noch eine Weile erhalten bleiben könnten, dennoch halten wir das Investmentumfeld für Versorgungstitel im Allgemeinen noch immer für gesund.

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des potenziellen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen. Neben weiteren Faktoren weisen von Versorgungsbetrieben begebene Wertpapiere erfahrungsgemäß Zinssensitivität auf. Wenn die Zinsen fallen, steigen in der Regel die Kurse für Wertpapiere von Versorgungsbetrieben; wenn die Zinsen steigen, sinken ihre Kurse im Allgemeinen.