Beyond Bulls & Bears

Anleihen

Endet mit dem Wahlergebnis in den Niederlanden der Siegeszug der Populisten?

Der gescheiterte Versuch des Rechtspopulisten Geert Wilders, bei der Wahl in den Niederlanden den erwarteten Durchbruch zu erzielen, verleitete einige Beobachter zu der Spekulation, dass das populistische Experiment in Europa ein Auslaufmodell ist. Doch David Zahn, Head of European Fixed Income, Franklin Templeton Fixed Income Group, empfiehlt den Anlegern, dieses Ergebnis besser nicht auf die anstehenden Urnengänge in Frankreich und Deutschland zu übertragen. Ferner wirft er einen Blick auf die Auswirkungen der politischen Lage in Großbritannien, wo sich die Regierung dem Ruf nach einem zweiten Unabhängigkeitsreferendum für Schottland gegenübersieht, während sie gerade die erste Phase des Austrittsprozesses aus der Europäischen Union einläutet.

Dieses Posting steht Ihnen in den folgenden Sprachen zur Verfügung: Englisch Vereinfachtes Chinesisch Holländisch Französisch Spanisch Polnisch

Noch eine Abstimmung und noch ein überraschendes Ergebnis, dieses Mal von der Parlamentswahl in den Niederlanden. Aber der Unterschied zwischen dem Ausgang der jüngsten Wahl in den Niederlanden und den vorherigen überraschenden Wahlausgängen besteht darin, dass der erwartete Erfolg der Rechtspopulisten ausblieb.

In dieser Hinsicht war das Ergebnis interessanter als erwartet. Wir halten es für besonders bemerkenswert, dass bei all dem Gerede um das Aufkommen des Populismus rund um den Globus in diesem Fall der Mehrheitspartner in einer Regierungskoalition tatsächlich besser abschnitt, als ursprünglich erwartet wurde. Darüber hinaus gewannen zwei der proeuropäischen Parteien der Niederlande bei der Wahl Sitze hinzu.

Auf der anderen Seite gewann die weit rechts angesiedelte Freiheitspartei (PVV) von Geert Wilders zwar einige Sitze hinzu, schnitt jedoch überraschend schlecht ab. Uns erschien die Stimmung unter den Wählern des Landes insgesamt proeuropäischer, als viele Beobachter gedacht hatten.

Das Ergebnis scheint nahezulegen, dass sich der in Meinungsumfragen ausgedrückte vermehrte Populismus bei den anderen Wahlen des Jahres 2017 in Europa letztlich nicht durchsetzen wird. Aus unserer Sicht sollte dies für Europa insgesamt positiv sein. Die meisten Beobachter dürften versuchen, das Ergebnis der Wahl in den Niederlanden auf Frankreich zu übertragen, wo der weit rechts stehende Front National unter der Führung von Marine Le Pen sich in den Umfragen gut schlägt.

Es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen dem National Front von Le Pen und der PVV von Wilders. Und so werden sich die Menschen möglicherweise allmählich fragen, ob Le Pen wirklich so viel Rückenwind hat, wie die Umfragen angedeutet haben. Dieses Ergebnis könnte die Märkte dazu bringen, die Wahrscheinlichkeit einer Präsidentschaft von Le Pen herunterzuspielen, und zu einer Auspreisung dieser Möglichkeit führen. Im Vorfeld der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich am 23. April werden wir möglicherweise eine Verengung der Spreads französischer/deutscher Staatsanleihen erleben.

Nach unserer Ansicht sollten sich die Anleger jedoch vor der Art von Selbstgefälligkeit hüten, die rund um das Brexit-Votum in Großbritannien und die US-Präsidentschaftswahl herrschte. Aus unserer Sicht besteht die wenn auch geringe Möglichkeit, dass Le Pen die zweite Runde der Wahlen im Mai gewinnen könnte.

Schottland erhöht Einsatz mit neuem Unabhängigkeitsbegehren

Derweil schien jenseits der Nordsee in Schottland die dortige Erste Ministerin Nicola Sturgeon der britischen Regierung bei deren Brexit-Verhandlungen Sand ins Getriebe zu streuen, bevor diese überhaupt beginnen, und forderte ein zweites Referendum über die Unabhängigkeit vom Rest des Vereinigten Königreichs noch vor einem Abkommen über die Trennung von der EU.

Beim ersten Unabhängigkeitsreferendum im September 2014 entschieden sich die schottischen Wähler zu 55,3 % für den Verbleib im Vereinigten Königreich (44,7 % dagegen). Angesichts der großen Mehrheit in Schottland für einen Verbleib in der EU beim letztjährigen Brexit-Referendum dürfte die Forderung der schottischen Regierung nach einer Abstimmung über die Unabhängigkeit für die meisten Beobachter nicht überraschend gewesen sein. Der Zeitpunkt hätte jedoch für die britische Premierministerin Theresa May, die sich anschickte, Artikel 50 auszulösen, um den Brexit-Prozess vor dem 31. März offiziell einzuleiten, kaum schlechter sein können.

Theresa May wies nun darauf hin, dass sie ein Unabhängigkeitsreferendum für Schottland erst nach dem Abschluss der Brexit-Verhandlungen zulassen möchte. Dennoch könnte alleine die Aussicht auf eine solche Abstimmung aus unserer Sicht zu dem Gefühl der Unsicherheit beitragen, dass über dem gesamten Brexit-Prozess schwebt. Für die Anleger könnten die daraus resultierenden Unbekannten und die Volatilität mögliche Chancen bieten. Wir rechnen jedoch anfangs damit, dass die Auslösung von Artikel 50 sich kaum auf die Märkte auswirken wird.

Augenmerk in Frankreich und Deutschland auf Problemen im Inland

Wir erwarten von den Verhandlungen vor Anfang nächsten Jahres keine wesentlichen Neuigkeiten, da die möglichen Gesprächspartner des Vereinigten Königreichs bei diesen Verhandlungen sich eher auf Probleme im Inland konzentrieren müssen. Die Wahlen in Frankreich, die im April und Mai dieses Jahres stattfinden, werden einen neuen Präsidenten der Republik hervorbringen, und es besteht die Möglichkeit, dass es in Deutschland nach den Wahlen im Herbst zu einem Führungswechsel oder zumindest zu einer neuen Zusammensetzung der Regierungskoalition kommen könnte.

Wir hielten es für ein sehr schwieriges Unterfangen, ohne Beteiligung der Führer Frankreichs und Deutschlands sinnvolle Verhandlungen mit der Europäischen Union (EU) zu führen. Aus diesem Grund rechnen wir damit, dass es um den Brexit etwas ruhiger wird, sobald Artikel 50 ausgelöst ist. Nach unserer Ansicht dürfte dies von Vorteil sein, denn so könnte ein Teil der Vorarbeiten hinter verschlossener Tür stattfinden.

Gegenwärtig spielt sich aus unserer Sicht das Positionsgerangel vor den Verhandlungen zu sehr in der Presse ab. Wir hegen die Hoffnung, dass die Beteiligten auf beiden Seiten sich etwas beruhigen und ihre Gespräche persönlich führen werden, so dass die Verhandlungen differenzierter und effizienter erfolgen, sobald Artikel 50 endlich ausgelöst ist.

Neue Rufe nach Abstimmung über Unabhängigkeit Schottlands

Obwohl in Schottland erst vor zwei Jahren ein Unabhängigkeitsreferendum abgehalten wurde, sagte die Unabhängigkeitsbefürworterin und Erste Ministerin Schottlands Nicola Sturgeon stets, dass sie sich das Recht vorbehält, eine zweite Abstimmung über die Unabhängigkeit zu fordern, falls es zu einer wesentlichen Änderung der Umstände kommt. Man könnte durchaus der Meinung sein, dass der Brexit eine sehr wesentliche Änderung darstellt. Wir glauben jedoch, dass ein weiteres Referendum für Theresa May nicht hilfreich wäre. Ein Ergebnis zugunsten der Unabhängigkeit Schottlands würden wir natürlich als erhebliche Schwächung der Verhandlungsposition des Vereinigten Königreichs insgesamt betrachten.

Basierend auf früheren Erfahrungen hielten wir eine Zersplitterung der EU durch die Brexit-Verhandlungen in integrationsfreundliche und integrationsfeindliche Länder für möglich. Aber mit diesen Rufen nach Unabhängigkeit sehen wir eine Zersplitterung auf britischer Seite, noch bevor die Verhandlungen aufgenommen werden. So bleibt abzuwarten, ob bzw. zu welchen Bedingungen London seine Genehmigung für ein zweites Unabhängigkeitsreferendum erteilen würde. Falls Schottland darauf hofft, der EU als unabhängiges Land beizutreten – oder sogar in der EU zu bleiben – ist es äußerst wichtig, dass ein Unabhängigkeitsreferendum die Unterstützung des britischen Parlaments in London hat. Sturgeons Schritt wirft auch die Frage nach der künftigen Rolle Nordirlands im Vereinigten Königreich auf; wie in Schottland stimmte in Nordirland beim letztjährigen Referendum eine Mehrheit für den Verbleib in der EU.

Lehren aus dem Referendum

Für den Fall, dass die britische Regierung ihre Zustimmung zu einer weiteren Abstimmung über die Unabhängigkeit Schottlands erteilen sollte, hegen wir die Hoffnung, dass die Politik ihre Lehren aus dem vorherigen Referendum gezogen hat und entweder eine viel höhere Wahlbeteiligung oder einen viel deutlicheren Wahlausgang vorschreibt, damit das Ergebnis bindend wird.

Die politischen Geschehnisse rund um die Kampagne für ein neuerliches Unabhängigkeitsreferendum und um die Brexit-Verhandlungen dürften für das britische Pfund und die britischen Märkte Unsicherheit und Volatilität erzeugen. Winzige Details, die wichtig erscheinen, jedoch nicht wichtig sind, werden nach unserer Ansicht vermutlich zu viel Aufmerksamkeit erhalten. Dies könnte für aktive Anleger, die nahe dran sind, Chancen bieten.

Generell dürften die Anleger ihren Blick jedoch auf traditionell defensive Vermögenswerte richten. Britische Gilts und Unternehmensanleihen könnten profitieren, da die Anleger angesichts der Unsicherheit in anderen Bereichen des Finanzmarktes mehr Sicherheit in ihrem Portfolio suchen. Es würde uns sehr überraschen, wenn die Bank of England ihren aktuellen Policy-Mix nicht beibehält, damit das quantitative Lockerungsprogramm seine Wirkung entfalten kann, und sie nicht in ihrer abwartenden Position bleibt.

Die in diesem Dokument zum Ausdruck gebrachten Kommentare, Meinungen und Analysen sind die persönlichen Ansichten des Anlageverwalters und dienen ausschließlich Informationszwecken und der Informierung der Allgemeinheit. Sie sind weder als Anlageberatung oder Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers oder zur Übernahme einer Anlagestrategie zu verstehen. Sie stellen auch keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die vorstehenden Informationen entsprechen dem Datum der Veröffentlichung und können sich ohne Vorankündigung ändern. Sie sind nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt oder eine Anlage gedacht.

In diesem Dokument möglicherweise verwendete externe Daten wurden von Franklin Templeton Investments („FTI“) nicht unabhängig verifiziert, bewertet oder überprüft. FTI haftet auf keinen Fall für Verluste, die durch die Nutzung dieser Informationen entstehen. Das Vertrauen auf die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument liegt im alleinigen Ermessen des Nutzers. Manche Produkte, Dienstleistungen und Informationen sind möglicherweise nicht in jedem Land verfügbar und werden außerhalb der USA von anderen mit FTI verbundenen Unternehmen und/oder ihren Vertriebsstellen, wie nach lokalem Recht und lokalen Vorschriften zulässig, angeboten. Bitte wenden Sie sich für weitere Informationen über die Verfügbarkeit von Produkten und Dienstleistungen in Ihrem Land an Ihren eigenen professionellen Berater.

Sie möchten weitere Einschätzungen von Franklin Templeton Investments per E-Mail erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Blog Beyond Bulls & Bears.

Die neuesten Tipps und Infos für Anleger finden Sie auf Twitter @FTI_Global und auf LinkedIn.

CFA® und Chartered Financial Analyst® sind Marken des CFA Institute.

Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, inklusive des möglichen Verlusts der Anlagesumme. Anleihenkurse entwickeln sich im Allgemeinen entgegen der Richtung der Zinsen. Wenn sich also die Anleihenkurse in einem Investmentportfolio an steigende Zinsen anpassen, kann der Wert des Portfolios sinken. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen.