Fondsmanager J. P. Scandalios im Interview
29. März 2017

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Der Technologiesektor hält für die Anleger so manchen Stolperstein bereit, er kann jedoch auch eine Quelle spannender Chancen sein. J. P. Scandalios ist seit zwei Jahrzehnten Portfoliomanager und Analyst für den Technologiesektor und erlebte die Pleite einiger Dot-Com-Unternehmen, aber auch einige großartige Erfolgsgeschichten, die buchstäblich die Welt veränderten. Der Weg von seinem Büro unweit des Zentrums des Silicon Valley in Kalifornien zu jenen Unternehmen, die den dramatischen Wandel und die Innovation durch bahnbrechende Technologien vorantreiben, ist kurz.  In diesem Beitrag erfahren wir mehr über J. P. Scandalios und seinen Investmentansatz.

JP Scandalios

JP Scandalios

J.P. Scandalios, CFA
Senior Vice President, Director
Portfolio Manager
Franklin Equity Group

Wie ich weiß, waren Sie in jüngeren Jahren ein ziemlich guter Sportler und studierten in den ersten Jahren am College Geschichte. Wie kamen Sie in die Finanzdienstleistungsbranche und was interessierte Sie daran?

JP. Scandalios: Während meines Studiums der Geschichte belegte ich einige Kurse in Mathe, Wirtschaft und Buchführung, und mir gefiel, wie dort Fragestellungen gelöst wurden. Nach meinem Abschluss hatte ich zwei Stellenangebote. Eines davon war im Management-Training-Programm von Chase Manhattan Bank.  Aufgrund meiner Affinität für diese Disziplin schienen Finanzdienstleistungen eine passende Wahl zu sein. Meine zweite Stelle in der Rotation bei Chase war bei seiner Private Bank. Dort wurden gerade die ersten Investmentfonds aufgelegt. Das gesamte Paket aus Research, Wertpapieranalyse, Portfolioverwaltung und Einbindung in die Finanzmärkte faszinierte mich. Chase Manhattan und Franklin sind die einzigen Unternehmen, bei denen ich bisher gearbeitet habe, abgesehen von einer Unterbrechung für meine Promotion. Ironischerweise stammte das zweite Stellenangebot nach dem College (das ich abgelehnt hatte) von einem Halbleiterunternehmen, das ich nun als Research-Analyst beobachte.

J.P. Scandalios

J.P. Scandalios: In Griechenland

Was konnten Sie aus Ihrer Zeit als aktiver Football-Spieler für Ihren beruflichen Werdegang mitnehmen?

J. P. Scandalios: Sport auf jedem Niveau bietet unschätzbare Erfahrungen, und man lernt Zusammenhalt, Disziplin, Scheitern, Gewinnen/Verlieren, das Ausloten der eigenen Grenzen, den Wert harter Arbeit und von Vorbereitung und vieles andere. Diese Erfahrungen können natürlich auf das Leben und den Arbeitsplatz übertragen werden. College-Sport steigert die Intensität auf ein viel höheres Niveau, denn Karrieren, Existenzen und die Einnahmen der Universitäten werden durch Sieg oder Niederlage und Teilnahmen an Endspielen beeinflusst.

College-Sport wird nicht mehr nur aus Spaß betrieben, sondern ist eine Milliarden Dollar schwere Branche, ein Mikrokosmos unserer Wirtschaft. Aktien-Research und Portfoliomanagement erfordern ebenfalls viel Disziplin und stehen ähnlich unter Beobachtung. Wie im Sport haben wir eine tägliche Auswertung, um unsere Leistung zu beurteilen, und auch die seit langem bestehenden Teams haben eine starke Unternehmenskultur, bewährte Prozesse und anerkannte Fachleute. Seinen Zielwert zu übertreffen ist immer befriedigend, aber meiner Meinung nach ist die Euphorie nach einem Sieg gegen das Football-Team der University of Southern California vor 90.000 Fans mit nichts zu vergleichen!

Was macht ihren Ansatz als Investmentmanager aus?

J. P. Scandalios: Ich würde meinen Ansatz mit den Wörtern „methodisch“ und „geduldig“, ausgestattet mit einer gesunden Portion Skepsis beschreiben. Ich bin ziemlich risikoavers, was für einen Anleger im Technologiesektor wie ein Widerspruch erscheinen könnte.

Ich finde es auf lange Sicht viel einfacher, sich auf hochwertige Unternehmen zu konzentrieren, bei denen wir sehr unterschiedliche Fähigkeiten oder Personen erkennen. Ich bin der festen Überzeugung, dass das beste Risikomanagement vor allem darin besteht, für die Aufnahme eines Titels in ein Portfolio wirklich strenge/hohe Hürden zu setzen.

Ihr Spezialgebiet ist Technologie. Welche Bereiche reizen sie derzeit besonders?

J. P. Scandalios: Als Analyst für Aktien-Research bin ich für die Halbleiterbranche zuständig. Es gibt einige interessante Trends, die sich in der Branche gerade entwickeln, wie z. B. optische Verbindungen in Netzwerken und Rechenzentren, künstliche Intelligenz, virtuelle Realität, Fahrerassistenzsystem (Advanced Driver Assistance Systems, ADAS), Halbleiterlaufwerke, sog. Solid-State Drives (SSDs), Sensor- und Konnektivitäts-Chips für die zahlreichen Geräte für das Internet der Dinge (IdD), drahtlose Aufladung und auch den 5G-Drahtlos-Standard.

Im breiteren Technologiesektor erkenne ich starke langfristige Trends, bei denen die Ausgaben drastisch steigen. Dies umfasst öffentliche Clouds, Software-as-a-Service (SAAS), Cybersicherheit, digitale Zahlungen/Transaktionen, e-Commerce, Robotik, soziale und On-demand-Medien sowie die Trends, die ich bereits erwähnte.

Wie hat der Dot-Com-Boom und sein Scheitern vor mehr als zwei Jahrzehnten den Blick der Anleger auf den Technologiesektor beeinflusst? Betrachten Sie und Ihr Team den Sektor heute deswegen anders?

J. P. Scandalios: Die Vorstellung, dass die Dot-Com-Blase tatsächlich Jahrzehnte zurückliegt, erscheint unglaublich! Viele Jahre lang wollten die Anleger von Technologietiteln nichts hören, so sehr schmerzten die finanziellen Wunden. Eine ganze Generation von Anlegern wandte sich von dem Sektor ab, und manche betrachten Technologieunternehmen immer noch mit großer Skepsis.

Das Gute an dem Boom und seinem Scheitern ist, dass viele Anleger nun disziplinierter sind und sie Gewinne bzw. einen klaren Weg zu Rentabilität sehen möchten und dass sie sich der Bewertungen, die sie Technologie-Aktien zuschreiben, besser bewusst sind. Als Lehre aus dem Dot-Com-Boom und seinem Scheitern arbeitet unser Analystenteam für Technologie-Research so sorgfältig wie noch nie. Ich glaube, wir sind nun sensibler und vor einer derartigen überzogenen Überschwänglichkeit auf der Hut. 

Der Technologiesektor kann volatil sein. Wie gehen Sie mit problematischen Phasen um und welche Botschaft haben Sie für Anleger in schwierigen Marktphasen?

J.P. Scandalios: Ich erzähle den Anlegern, dass wir die Volatilität des Technologiesektors begrüßen und versuchen, sie auszunutzen.  Das ist leichter gesagt als getan, und wahrscheinlich ist es auch nicht gut für meinen Blutdruck! Aber mehr als 20 Jahre Erfahrung und ein erfahrenes Team sind von unschätzbarem Wert. Wir haben eine ganze Menge Volatilität erlebt. Man denkt sich, dass auch dies vorübergehend wird, und hält sich diszipliniert an seine bewährten Prozesse, und problematische Phasen bieten häufig spektakuläre Chancen. In vielen Fällen kennen unsere Analysten diese Technologieunternehmen so gut wie niemand sonst an der Wall Street, und wir hoffen, dass sich dies letztlich auszahlt.

Meine Botschaft für Anlieger wäre, dass der Technologiesektor gleichbedeutend mit Innovation ist. Innovation kann zu möglichen Marktstörungen führen, aber diese Störungen besitzen auf lange Sicht ebenfalls das Potenzial für die Generierung massiver wirtschaftlicher Erträge, und dies meiner Meinung nach wie in keinem zweiten Sektor.

Für mich wäre es schwieriger zu begründen, warum Anleger den Technologiesektor nicht in Betracht ziehen sollten. Wie schon gesagt, eröffnen sich in problematischen Phasen häufig die besten Chancen.

Sie sind nicht nur Manager eines Technologieportfolios, sondern verwalten auch ein Portfolio mit US-Small- und Mid-Cap-Wachstumswerten. Inwiefern unterscheiden sich hierbei die Chancen bzw. Ihr Ansatz?

J.P. Scandalios: Auch wenn ich mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung als Research-Analyst und Portfoliomanager im Technologiesektor habe, wendete ich ziemlich viel Zeit auf, um mich mit Titeln aus anderen Sektoren und den kritischen Faktoren vertraut zu machen, die man bei Anlagen in anderen Sektoren (Finanzen, Energie, Materialien, Gesundheit, Industrie usw.) beachten muss. Das ist, als würde man mehrere neue Sprachen gleichzeitig lernen. Allerdings unterscheiden sich die Chancen nicht. Mein übergreifender Ansatz für die Verwaltung aller Portfolios versucht, die besten Akteure und Personen in jeder Branche zu finden und dort chancenorientiert anzulegen, wobei ein langfristiger Anlagehorizont beibehalten wird.

Was mögen sie bei Ihrem Beruf am meisten und verschafft Ihnen die größte Zufriedenheit?

J. P. Scandalios: Die Modellierung macht mir immer noch Spaß, und auch die ganze Arbeit und die Analysen zur Ausarbeitung von Finanzprognosen für ein Unternehmen, und das natürlich besonders, wenn dies zu einer guten Wertentwicklung für unsere Anlagen führt.  Zu beobachten, wie ein Szenario eintritt, das man ausgearbeitet hat, kann sehr befriedigend sein. In meinem Fall geht es darum zu verstehen, welche Funktionen das Halbleiterprodukt eines Unternehmens ermöglicht, wie viel es verkaufen kann, an welche Kunden, zu welchem Preis, wer die Mitbewerber sind usw., und die letztliche Rentabilität eines Unternehmens einzuschätzen. Dies ist nach wie vor ein anregendes gedankliches Puzzle, das gelöst werden muss. Unser Research ist unsere Kernkompetenz, und unsere Analysten sind das Fundament unseres Unternehmens.

With family in Greece

Mit seiner Familie in Griechenland

Mit welcher Anekdote können Sie uns überraschen?

J. P. Scandalios: Ich bin griechischer Abstammung, und bis vor rund 300 Jahren war der Name meiner Familie Skilas. Die Fischerei ist und war besonders damals einer der wichtigsten Industriezweige auf den griechischen Inseln. Einer meiner Vorfahren wurde dabei erwischt, wie er ein Fischerboot „auslieh“. Um seiner Familie unendliche Schmach zu ersparen, musste er seinen Familiennamen in Scandalios ändern. Das ist vielleicht nicht die beste Geschichte für jemanden mit treuhänderischen Aufgaben, aber das liegt schon sehr lange Zeit zurück!

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

J. P. Scandalios: Meine Frau und ich haben drei aktive Kinder, die uns auf Trab halten! Ansonsten spiele ich in meiner Freizeit gerne Golf. Meine Frau und ich lieben das Reisen, und besonders die griechischen Inseln (meine Frau ist auch Griechin). Außerdem versuche ich herauszufinden, wie ich das Älterwerden hinauszögern könnte, aber es scheint nicht zu klappen. Ich werde immer älter, aber dafür hoffentlich auch klüger!

 

CFA® und Chartered Financial Analyst® sind Marken des CFA Institute.

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Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des potenziellen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück.
Die Kurse von Wachstumsaktien beruhen auf Prognosen für künftige Gewinne oder Umsätze und können daher erheblich sinken, wenn das betreffende Unternehmen diese Prognosen nicht erfüllt. Der Technologiesektor war schon immer volatil, was sich durch seine schnellen Produktwechsel und Entwicklungszyklen erklärt. Technologieunternehmen können klein und/oder relativ neu und unerfahren sein. Klein- und mittelkapitalisierte sowie relativ neue oder unausgereifte Unternehmen können gegenüber Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen besonders empfindlich sein, und ihre Wachstumsaussichten sind weniger sicher als die von größeren, besser etablierten Unternehmen. In der Vergangenheit unterlagen die Kurse solcher Wertpapiere – insbesondere auf kurze Sicht – stärkeren Schwankungen als die Aktien größerer Unternehmen.
Sofern ein Portfolio sich auf bestimmte Länder, Regionen, Branchen, Sektoren oder Arten von Anlagen konzentriert, kann es anfälliger für ungünstiger Entwicklungen in solchen Schwerpunktbereichen sein als ein Fonds, der in ein breiteres Spektrum von Ländern, Regionen, Branchen, Sektoren oder Anlageformen investiert. Bisweilen kann der Handelsmarkt für ein bestimmtes Wertpapier oder eine Wertpapierart weniger liquide oder sogar illiquide werden.