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Anleihen

Die Präsidentschaftswahl in Frankreich aus der Sicht eines Anlegers

Für die meisten Berichterstatter geht es beim ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl in Frankreich am 23. April darum, welcher Kandidat bei der Stichwahl im Mai gegen die Parteivorsitzende der rechtsextremen Front National Marine Le Pen antreten wird. David Zahn, Head of European Fixed Income, Franklin Templeton Fixed Income Group, gibt eine Einschätzung ab, wie der Anleihemarkt auf die verschiedenen Anwärter auf das Präsidentenamt reagieren könnte.

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Auch wenn der migrationsfeindlichen, EU-skeptischen Partei bei der jüngsten Wahl in den Niederlanden der Sieg nicht gelungen ist, können wir den Einfluss des Populismus bei den anstehenden Wahlen in Europa nach unserer Ansicht nicht komplett außer Acht lassen.

Wie wir nach der niederländischen Wahl angemerkt haben, gibt es zahlreiche Parallelen zwischen der Front National unter Marine Le Pen in Frankreich und der Freiheitspartei PVV unter Geert Wilders in den Niederlanden.

Jedoch sollten sich Anleger unseres Erachtens nach der Wahlniederlage von Wilders in den Niederlanden (die die Märkte allgemein begrüßten) vor der Art von Selbstgefälligkeit hüten, die rund um das Brexit-Votum in Großbritannien und die US-Präsidentschaftswahl herrschte.

In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass Le Pen und der zentristische, unabhängige Kandidat Emmanuel Macron aus dem ersten Wahlgang am 23. April siegreich hervorgehen und dann bei der Stichwahl am 7. Mai gegeneinander antreten werden. Politische Prognosen sind zwar nicht unser Geschäft, doch sind wir der Überzeugung, dass Macron das Rennen um die Präsidentschaft machen dürfte.

Auch wenn wir uns bewusst sind, dass Le Pen die zweite Runde der Wahlen im Mai gewinnen könnte, halten wir dies für unwahrscheinlich. Selbst wenn es Le Pen nicht gelingt, die Wähler auf ihre Seite zu ziehen, rechnen wir damit, dass der Populismus das Geschehen auf der politischen Bühne Europas noch einige Jahre lang dominieren wird.

Wenn Macron im zweiten Wahlgang tatsächlich gegen Le Pen ins Rennen geht und die Oberhand gewinnt, erscheint uns eine Rallye für französische Staatsanleihen wahrscheinlich, wenigstens auf kurze Sicht.

Auf längere Sicht könnte sich ein Wahlsieg allerdings negativ auf den französischen Anleihemarkt auswirken, da die politische Richtung Macrons im Augenblick nicht eindeutig ist und wenig im Hinblick auf zwei bedeutende wirtschaftliche Aspekte zu unternehmen scheint: die hohe Schuldenstandsquote Frankreichs sowie das erhebliche Leistungsbilanzdefizit.

Bei einem Stichwahlsieg von Le Pen würden wir dagegen eine unmittelbarere negative Reaktion des Marktes erwarten.

Sollte Le Pen gewinnen, gehen wir von einem voraussichtlichen Bärenmarkt für französische Staatsanleihen aus. Le Pen spricht lautstark über ihr Vorhaben, ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft Frankreichs abzuhalten. Es bleibt abzuwarten, ob sie das erreichen könnte. Dennoch würden Märkte unserer Einschätzung nach die Wahrscheinlichkeit eines EU-Austritts Frankreichs allmählich berücksichtigen. Das wiederum würde wohl die Volatilität französischer Anleihen erhöhen.

Noch unwahrscheinlicher erscheint zu diesem Zeitpunkt ein Wahlsieg des rechtskonservativen Kandidaten François Fillon, dessen Kampagne von Vorwürfen von Fehlverhalten überschattet wurde.

Sollte Fillon jedoch Erfolg haben, könnte sich das möglicherweise als positiv für französische Anleihen herausstellen. Unserer Ansicht nach ist Fillon der einzige Präsidentschaftskandidat, der zentrale Themen der französischen Wirtschaft wirklich in Angriff nimmt. Unter den drei Spitzenkandidaten wäre er unserer Einschätzung nach der echte Reformer: Er verspricht, den Staatsapparat zu verkleinern und die Verschuldung und das Defizit in den Griff zu bekommen.

Ein wichtiger Aspekt, den es zu berücksichtigen gilt, ist der Umstand, dass selbst ein entscheidender Sieg für Le Pen im ersten Wahlgang nicht bedeuten würde, dass sie zugleich die Favoritin bei der Stichwahl ist. Doch gleichermaßen, falls ihr der Einzug in den Élysée-Palast nicht gelingt, rechnen wir nicht damit, dass dies das Ende des Einflusses von Le Pen und den Anhängern ihrer populistischen Ansichten einläutet.


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