Beyond Bulls & Bears

Perspektiven

Verborgene Chancen hinter den politischen Turbulenzen in Europa

Die bevorstehenden Wahlen in Europa und der Beginn der Brexit-Verhandlungen führen zu politischer Unsicherheit in Europa. Dahinter findet relativ unbeachtet eine andere Entwicklung bei verbesserten Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Unternehmen statt. In diesem Beitrag beschreiben Philippe Brugere-Trelat und Katrina Dudley von Franklin Mutual Series, wie sie hinter den politischen Turbulenzen verborgenes Potenzial bei europäischen Aktien finden. Dabei betrachten sie besonders zwei Bereiche in einem neuen Licht, die zuletzt die Finanzmedien beherrschten: An britischen Börsen notierte Aktien und europäische Finanztitel.

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us unserer Sicht haben sich die wirtschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen für europäische Aktien aufgehellt. Die Region befindet sich in einer besseren Verfassung als in den letzten Jahren, um unerwartete Schocks aufzufangen. Einige jüngste Erfahrungen raten zwar zur Skepsis bei politischen Umfragen, jedoch gehen wir nicht davon aus, dass populistische Parteien in landesweiten Wahlen Mehrheiten erreichen, die ausreichen, um die Europäische Union (EU) in ihrer Existenz zu gefährden. Falls die Wähler entsprechend den Umfragen entscheiden und konstruktive Brexit-Verhandlungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU beginnen können, sehen wir gute Chancen, dass ein Nachfragestau bei Unternehmen sowie Erleichterung unter den Anlegern in weiten Teilen Europas zu einer erfreulichen wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklung führen.

Insgesamt bleiben wir bei unserem optimistischen Ausblick für europäische Aktien, jedoch hängt der Erfolg unserer Meinung nach entscheidend von der Auswahl ab. Unser Bottom-up-Auswahlprozess ist darauf ausgerichtet, Aktien von guten Unternehmen zu kaufen, die mit einem Abschlag auf ihren Substanzwert notieren, den wir durch Fundamentalanalyse ermitteln (z.B. Preis-Cashflow-Verhältnis oder Bewertung der Einzelteile des Unternehmens). Die gesamtwirtschaftliche Verfassung und politische Ereignisse können sich auf den Wert eines konkreten Unternehmens auswirken, jedoch nehmen wir keine Top-down-Entscheidungen für die Sektor- oder Länderpositionierung auf der Basis des erwarteten Ergebnisses eines bestimmten Ereignisses vor.

Gestützt auf unsere Fundamentalanalyse sind wir der Ansicht, dass sich die Bedingungen für europäische Aktien aufzuhellen beginnen, insbesondere für Value-Aktien und Unternehmen in konjunkturabhängigen Branchen. Europäische Aktien sind signifikant preiswerter als US-Aktien. Dies zeigt ein Vergleich des S&P 500-Index mit dem MSCI Europe-Index, gemessen anhand mehrerer Kennzahlen wie Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) und Kurs-Cashflow-Verhältnis. Die kürzliche Outperformance der US-Aktien über europäischen Titeln hat die Attraktivität der Bewertungen aus unserer Sicht noch gesteigert.[1]

Das anziehende Wirtschaftswachstum in Europa und die Rückkehr der Inflation sind aus unserer Sicht gute Nachrichten für die Gewinnmargen. Sie dürften unserer Meinung nach die Unternehmen in die Lage versetzen, etwas an Preismacht zurückzugewinnen. In ähnlichen Konjunkturphasen der Vergangenheit haben wir beobachtet, dass Unternehmen in konjunktursensiblen Branchen wie die Automobilbranche, die Bauwirtschaft und die Industrie, sich generell gut entwickelten und dass die Kurse im Vergleich historischer Durchschnittswerte derzeit attraktiv sind. Andererseits zeigt unsere Analyse der Unternehmen anhand einer Kombination von Faktoren, u.a. Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), KBV und Dividendenrendite, dass die Kurse in Aktienmarktsegmenten, die als defensiv oder weniger volatil angesehen werden (z. B. nichtzyklische Konsumgüter), historisch hoch sind.

Ein Anstieg der Zinsen und eine steiler werdende Zinsstrukturkurve dürften ebenfalls positiv für Finanzwerte sein, mit Ausnahme der „Rentenstellvertreter“ wie Aktien in den Sektoren Nichtzyklische Konsumgüter und Versorger. Im Finanzsektor haben wir mehr potenziell attraktive Gelegenheiten bei europäischen Versicherungen gefunden. Sie befinden sich unserer Meinung nach in einer besseren finanziellen Verfassung als Banken und sind in einem stabileren regulatorischen Umfeld tätig.

Darüber hinaus arbeiten einige Versicherungen an der Umstrukturierung ihrer Sparten und am Verkauf von Unternehmensteilen, die nicht zum Kerngeschäft gehören, mit dem Ziel, ihre operative Performance zu steigern.

Aus unserer Sicht stehen die Banken in Europa weiterhin vor großen Herausforderungen bei Themen wie Forderungsqualität (faule Kredite) und unzureichender Kapitalausstattung. Darüber hinaus hatte die Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) negative Folgen für die Zinsüberschussmargen und Rentabilität der Banken. Allerdings finden wir nicht alle Banken der Region unattraktiv. Wir sehen weiterhin Chancen bei französischen und britischen Banken mit relativ soliden Bilanzen, die eine Rückkehr des Kreditwachstums gut verkraften können und auch in anderen Teilen der Welt exponiert sind, insbesondere in den USA oder Asien.

Hinsichtlich des Vereinigten Königreichs sind wir der Meinung, dass die derzeitige Lage großen britischen, multinationalen Unternehmen nützt, die einen großen Teil ihres Gewinns im Ausland erzielen oder deren Bilanzwährung nicht das britische Pfund ist (z.B. internationale integrierte Öl- und Gaskonzerne). Am britischen Binnenmarkt orientierte Unternehmen dürften es schwerer haben, aufgrund eines schwächeren britischen Pfunds und potenziell verhaltener Nachfrage der Verbraucher. Darüber hinaus ist der Brexit ein erhebliches Risiko für britische Finanzunternehmen aller Art, da sie die Erlaubnis verlieren könnten, Finanzprodukte im gesamten europäischen Block zu verkaufen.

Unserer Meinung nach wird in Europa die Lage der Wirtschaft und der Unternehmen durch politische und finanzielle Ungewissheit überschattet. Der Brexit, mit Wahlen verbundene Ängste in anderen großen EU-Ländern und die Unsicherheit über die zukünftige Geldpolitik der EZB und der Bank of England haben Anleger anscheinend veranlasst, eine abwartende Haltung einzunehmen. Aus unserer Sicht ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass der Brexit und die Wahlergebnisse zu einem existenziellen Risiko für die EU führen.

Jedoch dürfte unserer Meinung nach die Volatilität wieder ansteigen, nach einer überraschend ruhigen Periode Ende 2016 und Anfang 2017. Während politische, wirtschaftliche und geopolitische Bedingungen eine Prognose kurzfristiger Änderungen oder das Timing von Portfoliotransaktionen erschweren, konzentrieren wir uns auf die Suche nach potenziellen Chancen bei Unternehmen mit attraktiven Risiko-Ertrags-Profilen. Aus unserer Sicht können sich Perioden erhöhter Volatilität wahllos auf Aktien auswirken und uns ausgezeichnete Gelegenheiten für opportunistische Anlagen bieten.

CFA® und Chartered Financial Analyst® sind Marken des CFA Institute.

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des potenziellen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen. Substanztitel können manchmal nicht die erwarteten Kursanstiege erzielen oder weiter an Wert verlieren. Investitionen im Ausland sind mit besonderen Risiken verbunden, darunter Währungsschwankungen, wirtschaftliche Instabilität und politische Entwicklungen.

[1] Quelle: FactSet. Der S&P 500-Index ist ein Maßstab für Aktien von US-Large-Caps. Er deckt 80 % der Marktkapitalisierung ab. Der MSCI Europe-Index umfasst Unternehmen mit hoher und mittlerer Kapitalisierung aus 15 europäischen Industrieländern. Indizes werden nicht gemanagt. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) eines Unternehmens berechnet sich, indem der aktuelle Aktienkurs durch den Buchwert des Unternehmens (oder den Nettowert) je Aktie geteilt wird. In einem Index ist das KBV das gewichtete Mittel aller KBVs der Basiswerte des Index.