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Perspektiven

Unbekanntes Terrain: Die Markttreiber von heute

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Der Aufschwung in Entwicklungs- und Schwellenländern förderte trotz der Unsicherheiten in diesem Jahr eine positive Stimmung gegenüber Aktien und Anleihen. Angesichts der drohenden geopolitischen Risiken und der historisch niedrigen Volatilität, vor allem bei Aktien, fragen sich jedoch viele Anleger, ob die Stimmung nicht umschlagen könnte. Vor diesem Hintergrund erörtern die leitenden Anlagespezialisten von Franklin Templeton, wo sie künftig Chancen und Risiken sehen.

Weltweite Geldpolitik

F: In den USA hat die US-Notenbank Fed den Pfad zu einer Normalisierung des Zinsniveaus eingeschlagen. Der Weg bis zu diesem Ziel wird jedoch möglicherweise länger dauern als erwartet. Wo liegen hier die Treiber und rechnen Sie mit einem Tempowechsel bei der künftigen Geldpolitik?

Chris Molumphy: Wir gehen davon aus, dass die Normalisierung des Zinsniveaus durch die Fed länger als erwartet und länger als in der Vergangenheit dauern wird. Bei ihrem letzten Straffungszyklus, der allerdings mehr als zehn Jahre zurückliegt, erhöhte die Fed den kurzfristigen Leitzins in knapp zwei Jahren von 1% auf über 5% und drehte praktisch auf jeder Sitzung an der Zinsschraube.

In ihrem aktuellen Straffungszyklus liegt der erste Zinsschritt bereits eineinhalb Jahre zurück, dennoch ist der Leitzins bis dato um weniger als 1% gestiegen. Die Situation ist folglich eine völlig andere.

Mehrere Aspekte sind in diesem Zyklus anders. Zum einen das Tempo des Wirtschaftswachstums. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist über weite Teile des aktuellen Wachstumszyklus, der mittlerweile in sein achtes Jahr kommt, jährlich um rund 2% gestiegen. Das ist im historischen Vergleich relativ wenig.

Ein weiterer Unterschied ist die Inflation. Die Teuerungsrate steigt trotz einer aktuellen Arbeitslosenquote von 4,3% nur sehr langsam. Derzeit ist die Inflationsrate nur sehr gering, und beide wichtige Kennzahlen belegen nach wie vor ein Inflationsniveau von unter 2%.

Interessant ist, dass sich der von der Fed verlautbarte zukünftige Kurs und die vom Markt prognostizierten Maßnahmen der Währungshüter nicht decken.

Die US-Notenbank hat bekannt gegeben, dass sie die Zinsen in den kommenden Jahren etwa drei Mal jährlich anheben würde. Der Markt geht indes von insgesamt zwei Zinsschritten in diesem Jahr aus.

F: Mit welchen geldpolitischen Kurswechseln der Notenbanken ist in den Industrieländern abgesehen von den USA rund um den Globus zu rechnen?

Michael Hasenstab: Das bis dato einmalige Experiment des Anwerfens der Notenpresse ist inzwischen in den meisten Industrieländern zur Normalität geworden.

Vor Kurzem war ich in Japan, das ganz andere Probleme als die USA bewältigen muss. Während die US-Wirtschaft sich in den Jahren nach der weltweiten Finanzkrise langsam normalisiert hat, ist Japan davon weit entfernt. Das Land verfehlt nach wie vor sein Inflationsziel, das Wachstum kommt nicht in Schwung und die Währungshüter haben alle erdenklichen geldpolitischen Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft unternommen.

Trotz alledem konnte sich Japan nicht aus der Sackgasse befreien, in der es seit Jahrzehnten steckt.

Die überaus akkomodierende Geldpolitik allein hat nicht die von manchen Politikern erhofften Ergebnisse beschert. Meines Erachtens dürfte sich Japan daher, ebenso wie die USA und Europa, als Nächstes trotz immenser Defizite in diesen Ländern auf die Fiskalpolitik verlagern.

In Europa halten meines Erachtens eine gewisse Haushaltsdisziplin und Haushaltsregeln die Eurozone bislang zusammen. Die Welle des Populismus in Europa würde diese am liebsten über Bord werfen, so dass wir damit rechnen dürfen, dass die bereits recht akkomodierende Geldpolitik durch eine aggressivere Fiskalpolitik ergänzt werden wird. In den USA wird bereits offen über eine Erhöhung der Haushaltsausgaben gesprochen.

Ich halte es für äußerst gefährlich, eine extrem aggressive Geldpolitik mit einer ebenso extremen Fiskalpolitik zu kombinieren.  Wir sollten uns bewusst sein, dass wir uns hier auf völlig unbekanntem Terrain bewegen.

Chancen und Risiken

F: Welche Chancen und Risiken sehen Sie für Aktien in Industrieländern?

Stephen Dover: Das Klima für Aktien erscheint derzeit weltweit so günstig wie seit Langem nicht. Rund um den Globus wächst das BIP und die Unternehmensgewinne steigen. Die US-Wirtschaft nimmt an Fahrt auf und in Europa keimen langsam wieder Chancen.

Das Klima für Aktien scheint allgemein recht günstig. Allerdings bereitet uns die fiskalische Stimulierung Sorgen. Zweifellos hat die erwartete Erhöhung der Haushaltsausgaben in den USA zu der kurzfristig positiven Entwicklung am Markt beigetragen.

Gleichwohl ziehen am Horizont potenziell negative langfristige Herausforderungen für Aktien auf. Sie sprechen für die Vorteile, die eine aktive Verwaltung unseres Erachtens bescheren kann.

Ich bin mir nicht sicher, ob sich viele Anleger in passiven Fonds der potenziellen Risiken bewusst sind, die sie eingehen. Wir sind überzeugt, dass wir Wertzuwachs erzielen können, indem wir uns um eine Portfoliodiversifizierung bemühen, um diese Risiken zu verringern, statt auf eine traditionelle, kapitalisierungsgewichtete Strategie zu setzen, die sich am Index orientiert.

F: Es scheint, als gebe es bei Aktien und Anleihen viele potenzielle, äußerst interessante Anlagechancen. Wie ist die Portfoliostrukturierung aus Multi-Asset-Perspektive zu beurteilen? Gibt es bei den Korrelationen oder relativen Bewertungen Trends, die Anleger berücksichtigen sollten?

Ed Perks: Wir beobachten unter anderem, dass die Verteilung auf verschiedene Märkte innerhalb derselben Assetklasse und in bestimmten Sektoren einer Assetklasse recht gering ist, aber langsam zunimmt.

Andererseits sind die Korrelationen in den letzten fünf Jahren innerhalb der Anlageklassen und über deren Grenzen hinaus tendenziell rückläufig.

Rückblickend auf die letzten fünf Jahre war das Klima für passive Anlagestrategien wohl günstig. Künftig dürfte jedoch ein aktiver Ansatz entscheidend dafür sein, um die bekanntermaßen bestehenden Unsicherheiten zu meistern.

Über alle Anlageklassen hinweg haben sich US-Aktien glänzend entwickelt. Rund um den Globus hellen sich die Aussichten für die Fundamentaldaten gerade allgemein auf. Zudem sind die relativen Bewertungen möglicherweise vorteilhaft. In den USA gibt es zwar Anlagechancen, aber das Spektrum der Anlagemöglichkeiten wird größer. Für viele Anleger ist das meines Erachtens ein äußerst wichtiger Aspekt.

Da sich die Anleihemärkte auf breiter Front auf mittelfristig höhere Zinsniveaus einstellen, könnten sich die Chancen auch für uns ausweiten.

Vielversprechende Nischen in Schwellenländern

F: Wenden wir uns nun den Schwellenländern zu. Die Anlageklasse insgesamt hat sich im letzten Jahr zweifellos kräftig erholt. Rechnen Sie damit, dass sich der solide Aufwärtstrend der Schwellenländer fortsetzen wird? Und welcher Risiken sollten sich die Anleger bewusst sein?

Michael Hasenstab: Schwellenländer sind für uns ein interessanter Bereich. Die Fed, die Europäische Zentralbank und die Bank von Japan halten die Zinsen zwar bereits seit Längerem künstlich niedrig, dennoch zählten Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern trotz der vergleichsweise deutlich höheren Renditen in den letzten drei Jahren zu den unbeliebtesten Anlageklassen.

Hintergrund waren Befürchtungen, steigende US-Zinsen würden einen Exodus auslösen. Dementsprechend floss Kapital ab, noch bevor die Fed mit der Zinsstraffung begann.

Dadurch entstanden unglaubliche Bewertungschancen. Die Bewertungen an den Lokalwährungsmärkten erreichten Niveaus, die zuletzt während der weltweiten Finanzkrise, der asiatischen Finanzkrise oder während der Peso-Krise in Mexiko (der sogenannten Tequila-Krise) Mitte der 90er Jahre verzeichnet worden waren.

Für uns stellt sich die Frage, ob die aktuellen Fundamentaldaten in einigen dieser Länder tatsächlich schlechter sind als vor diesen Krisen. Wir haben diese Länder jahrelang besucht, um für uns herauszufinden, ob die Märkte die Situation richtig oder falsch bewerten. In einigen Fällen lagen die Märkte zweifellos richtig. Einige Schwellenländer wie Venezuela oder die Türkei halten wir für besonders anfällig.

Wir schwimmen zwar gerne gegen den Strom, handeln aber nicht ohne Grund gegen die allgemeine Marktstimmung. Wir verzichten auf ein Engagement bei zahlreichen Ländern, die unseres Erachtens schlicht und einfach zu riskant sind.

Andererseits sind wir überzeugt, dass andere Märkte wie Indien, Indonesien, Brasilien, Argentinien und Kolumbien sich entweder mitten in einer grundlegenden Transformation vom Populismus hin zu einer orthodoxeren Politik befinden oder ihre Fundamentaldaten solider sind als am Markt abzulesen ist. Unserer Auffassung nach bieten wohl überlegte Anlagen in Schwellenländern durchaus gute Chancen.

Dabei kommt es auf eine sorgfältige Auswahl an, selbst wenn dies eine stärkere Konzentration in einigen Ländern bedeutet.

F: Welches Anlagethema bei Schwellenländeraktien ist Ihres Erachtens unter Berücksichtigung der kurz- oder mittelfristigen Volatilität am interessantesten und welche Risiken bestehen?

Stephen Dover: Die Schwellenländer sind volatil. Dies ist ein alt bekanntes Phänomen dieser Märkte. Kursschwankungen hat es schon immer gegeben und sie werden auch in Zukunft bleiben.

Aber genau aus diesem Grund bieten die Schwellenländer unseres nach unserer Einschätzung vielfältige Chancen. Die einzige Frage ist, ob Anleger für dies Volatilität angemessen belohnt werden. Vor Kurzem ist die Volatilität in Katar und in Brasilien wieder in die Höhe geschnellt.

Dank meiner langjährigen Erfahrung in Schwellenländern kann ich inzwischen erkennen, wie gut Unternehmen in Schwellenländern auf die Kursschwankungen vorbereitet sind. Daher halten wir es für besonders wichtig, vor Ort zu sein und uns die individuellen Unternehmen anzusehen, um beurteilen zu können, wie sie mit der Volatilität in ihren Ländern fertig werden.

Von der Aktienseite aus betrachtet hat beim BIP-Wachstum in den meisten dieser Schwellenländer vor Kurzem eine Trendwende eingesetzt (wobei es auch hier einige Ausnahmen gibt) und in der Folge auch beim Gewinnwachstum.

Schwellenländer haben in den letzten Jahren allgemein nicht mit Industrieländern Schritt gehalten. Angesichts des beschleunigten Wachstums der Unternehmensgewinne besteht jedoch durchaus die Chance, dass sie gegenüber den Industrieländern aufholen. Dieser Trend ist bereits seit Jahresanfang zu beobachten und wird sich voraussichtlich fortsetzen.
Die in diesem Dokument zum Ausdruck gebrachten Kommentare, Meinungen und Analysen sind die persönlichen Ansichten des Anlageverwalters und dienen ausschließlich Informationszwecken und der Informierung der Allgemeinheit. Sie sind weder als Anlageberatung oder Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers oder zur Übernahme einer Anlagestrategie zu verstehen. Sie stellen auch keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die vorstehenden Informationen entsprechen dem Datum der Veröffentlichung und können sich ohne Vorankündigung ändern. Sie sind nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt oder eine Anlage gedacht.

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, inklusive des möglichen Verlusts der Anlagesumme. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen. Anleihenkurse entwickeln sich im Allgemeinen entgegen der Richtung der Zinsen. Wenn sich also die Anleihenkurse in einem Investmentportfolio an steigende Zinsen anpassen, kann der Wert des Portfolios sinken. High-Yield-Papiere tragen die mit solchen niedriger bewerteten Titeln verbundenen höheren Kreditrisiken und weisen mitunter die niedrigeren Marktkurse für solche Instrumente auf. Zinsveränderungen können sich auf den Anteilspreis und die Rendite des Fonds auswirken. Sofern Schatzanleihen bis Endfälligkeit gehalten werden, bieten sie eine feste Verzinsung und eine feste Anleihesumme; ihre Zinszahlungen und die Tilgung sind garantiert.

Investitionen im Ausland sind mit besonderen Risiken verbunden, darunter Währungsschwankungen, wirtschaftliche Instabilität und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Zusätzliche Risiken ergeben sich aus dem kleineren Marktumfang, der geringeren Liquidität sowie dem Mangel an rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte. Solche Anlagen können im Verlauf eines bestimmten Jahres erheblichen Preisschwankungen unterworfen sein.