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Anleihen

Warum GCC-Anleihen eine nicht beachtete Anlageklasse ist

Viele Anleger könnten nicht ausreichend in Anleihen des Golf-Kooperationsrats (GCC) investiert sein, meint Dino Kronfol, Chief Investment Officer, Global Sukuk und MENA Fixed Income. Er erklärt warum sich das Umfeld für Festzinsanlagen seiner Ansicht nach einem Wendepunkt nähert – und warum mehr Anleger womöglich erwägen sollten, diese dynamische Anlageklasse in ihr Portfolio aufzunehmen.

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Das Umfeld für Festzinsanlagen ändert sich seit Jahren beträchtlich. Der stetige Rückgang der Anleiherenditen ist seit Jahrzehnten gut dokumentiert, und die mangelnde Streuung der Renditen hat es für Manager schwieriger gemacht, sich Marktbewegungen zunutze zu machen, was wiederum die Realisierung von Alpha[1] erschwert.

Dies ist vermutlich zumindest in Teilen die Folge des Mangels an globaler Liquidität, die die Zentralbanken der Industrieländer mittels quantitativer Lockerung erzeugt hatten, und hat Anleger dazu veranlasst, abseits der traditionellen Anlageklassen und Regionen nach Rendite, Alpha und Diversifizierung zu suchen.[2] Trotz dieses Trends verpassen unserer Ansicht nach viele Anleger Chancen, indem sie Anleihen des Golf-Kooperationsrats (GCC) nicht genügend Aufmerksamkeit schenken.[3]

Wir sind davon überzeugt, dass GCC-Anleihen eine attraktive Anlageklasse darstellen, die generell eine niedrigere Volatilität aufweist und potenziell höhere Erträge liefert als Anleihen aus Industrieländern. Zudem sind wir der Meinung, dass diese Vermögenswerte häufig bessere zugrunde liegende Fundamentaldaten und höhere Bonitätsbewertungen aufweisen als Schwellenmarktanleihen in anderen Regionen.

Auch wenn manche Anleger möglicherweise der Ansicht sind, dass aktive Manager mit einem umfassenden oder breiten Schwellenländer-Mandat bereits eine ausreichende Allokation in GCC-Anleihen bieten, legt unser Research nahe, dass dem wohl nicht so ist. Unserer Analyse zufolge investieren scheinbar nur wenige aktive Manager in den GCC-Staaten.

GCC-Anleihen sind eine wenig beachtete Anlageklasse

Wir sehen GCC-Anleihen als wachsende Anlageklasse mit Merkmalen von sowohl Schwellen- als auch Industrieländern und als einen Bereich, dem viele globale Anleger – wenn nicht gar die meisten von ihnen – keine ausreichende Beachtung schenken.

Zum einen finden GCC-Anleihen in den meisten wichtigen Benchmark-Indizes keine Berücksichtigung oder sind dort nur geringfügig repräsentiert. Die nachfolgende Grafik zeigt, dass die Region im Bloomberg Barclays Global Aggregate Index[4] eine Allokation von lediglich 0,4 % hat, und im JP Morgan EMBI Global von 1,4 %.[5]

Die geringfügige Repräsentation der GCC-Staaten in diesen Benchmarks ist teilweise auf das rückwärtsgerichtete Wesen des Index-Aufbaus zurückzuführen, der auf historischen Trends bei der Emission von Schuldtiteln basiert. In den vergangenen Jahrzehnten erhöhten die Industrieländer wie z. B. die USA, Japan und einige europäische Länder ihre Verschuldung und begaben in einem globalen Umfeld mit stetig sinkenden Zinssätzen ein riesiges Volumen an Schuldtiteln.

Dagegen finanzierten die GCC-Staaten ihre Ausgaben in den vergangenen Jahrzehnten selbst und bauten dank der hohen Einnahmen aus dem Ölexport zugleich bedeutende finanzielle Reserven auf.

Mit Blick auf die Zukunft stehen wir unserer Ansicht nach an einem Wendepunkt, der aufgrund des steilen Verfalls der Ölpreise seit 2014 schneller erreicht wurde.Die Regierungen der GCC-Staaten haben mit Weitsicht erkannt, dass ihre Volkswirtschaften aufgrund ihrer jungen, rasch wachsenden Bevölkerung sowie der über Jahre aufgebauten Ineffizienzen einer aufgeblasenen Bürokratie und dominierender öffentlicher Sektoren auf lange Sicht nicht nachhaltig sind. Diese Erkenntnis ist der Grund für steigende Investitionen, um die Wirtschaft der GCC-Staaten weg vom Öl und hin zu Dienstleistungssektoren zu verlagern, die schneller wachsen und für langfristiges Wachstum besser positioniert sind. Hier zu zählen beispielsweise Technologie, Gesundheit und Tourismus.

Investitionen zur Ankurbelung des Wachstums in anderen Branchen als dem Ölsektor und die teilweise Beibehaltung langjähriger Steuergeschenke in Form von Subventionen und sonstigen Leistungen haben jedoch ihren Preis gefordert, so dass sich die GCC-Staaten nun wachsenden Defiziten ausgesetzt sehen. Diese Defizite, die nach unserer Auffassung auf mittlere Sicht bestehen bleiben dürften, können entweder durch die Auflösung der in den vergangenen Jahrzehnten aufgebauten, umfangreichen Reserven oder durch die Emission von Schuldtiteln finanziert werden. Zwar werden die staatlichen Defizitausgaben künftig aller Wahrscheinlichkeit nach über einen Mix aus beiden Ansätzen finanziert werden, doch nach unserer Einschätzung könnten die GCC-Staaten vermehrt Schuldtitel ausgeben und diesen Bereich für viele Anleiheanleger zu einem immer wichtigeren Teil des globalen Festzins-Universums machen. Dies ist einer der Gründe, warum wir davon überzeugt sind, dass die Nachfrage in einer von niedrigen Renditen geprägten Welt robust bleiben dürfte und es für viele Anleger Kapazitäten gibt, um erheblich mehr GCC-Schuldtitel aufzunehmen.

 GCC-Anleihen werden eine immer wichtigere Komponente des Anlageuniversums

Für die Untergewichtung der Anleger in der GCC-Region dürfte es eine ganze Reihe von Gründe geben.

Zum einen scheint es an aktiven Managern zu mangeln, die sich vor Ort mit GCC-Anleihen befassen. Und ohne dieses eingehende Research vor Ort könnte es für ortsfremde Anleger schwierig sein, sich ein gründliches Verständnis des Marktes zu verschaffen. Zum anderen gehen viele Anleger davon aus, dass die GCC-Staaten dem Ereignisrisiko und der Ölpreis-Volatilität ausgesetzt sind, obwohl sie sich eigentlich im Klaren sind, dass GCC-Anleihen beispielsweise eine sehr geringe Korrelation zum Ölpreis aufweisen.

Daher ist die Annahme, dass aktive Anlageverwalter (selbst im Schwellenmarktuniversum) ein beträchtliches Engagement in den GCC-Staaten bieten, nicht richtig. Und diese Unterallokation begrenzt die Möglichkeiten der Anleger zur Erzielung von Alpha.

Die GCC-Staaten sind ein attraktiver Anleihemarkt mit soliden Fundamentaldaten

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass wir den Markt für GCC-Anleihen aus mehreren Gründen als attraktive Anlageklasse ansehen. Allein die Marktgröße beläuft sich auf etwa 300 Mrd. USD.[6] Zudem hat es zuletzt ein robustes Emissionswachstum gegeben, das sich in den vergangenen Jahren aufgrund der sinkender Ölpreise belebt hat. Die GCC-Region profitiert von den für Anleihen günstigen Fundamentaldaten wie z. B. umfangreichen Reserven, einer im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt  (BIP) relativ niedrigen Verschuldung und einer mit Kapital gut ausgestatteten, engagierten Anlegerbasis.

Überdies profitieren GCC-Anleihen allgemein von guten Kreditratings. Sogar im neuen, von niedrigeren Ölpreisen geprägten Umfeld (das Rating-Schritte bei den schwächeren Staatsanleihen, also Bahrain und Oman, ausgelöst hatte) behält die Region im Durchschnitt ein attraktives, hohes Investment-Grade-Rating bei. Das Risiko weiterer Herabstufungen ist aus unserer Sicht begrenzt. In einem Festzins-Umfeld, in dem potenzielle Herabstufungen einen historischen Höchststand erreicht haben, sind die GCC-Staaten unserer Einschätzung nach mit ihren Devisenreserven von fast 3 Bio. USD (dies entspricht etwa 200 % des BIP der Region)[7] besser geschützt als das übrige globale Anlageuniversum.

Und letztlich haben sich GCC-Anleihen vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten als relativ stabil erwiesen. Die konsequente Inlandsnachfrage nach GCC-Anleihen ist auch in negativen Szenarien belastbar geblieben. Angesichts der geopolitischen Spannungen, denen wir im kommenden Jahr ausgesetzt sein dürften, könnte GCC Fixed Income unserer Einschätzung nach für viele Anleger eine zunehmend attraktive Anlageklasse darstellen.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, inklusive des möglichen Verlusts der Anlagesumme. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Anleihenkurse entwickeln sich im Allgemeinen entgegen der Richtung der Zinsen. Wenn sich die Anleihenkurse in einem Investmentportfolio den steigenden Zinsen anpassen, kann der Wert des Portfolios sinken. Anlagen in Entwicklungsländern beinhalten ähnliche Risiken, die jedoch aufgrund des relativ kleinen Volumens, der geringeren Liquidität und der weniger weit entwickelten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte höher sind. Solche Anlagen können im Verlauf eines bestimmten Jahres erheblichen Preisschwankungen unterworfen sein.

[1] Alpha ist ein risikobereinigtes Maß dafür, wie sehr ein aktiver Portfoliomanager positiv oder negativ zur Rendite eines Portfolios beiträgt.

[2] Diversifizierung ist keine Gewinngarantie und bietet keinen Schutz vor Verlusten.

[3] Der Golf-Kooperationsrat ist eine Allianz zwischen sechs Ländern des Nahen Ostens: Bahrain, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).

[4]Der Bloomberg Barclays Global Aggregate Index misst globale Investment Grade-Anleihen aus 24 Lokalwährungsmärkten und umfasst Schatzanleihen, von staatsnahen Stellen ausgegebene Anleihen, Unternehmensanleihen und verbriefte festverzinsliche Anleihen von Emittenten aus sowohl Industrie- als auch Schwellenländern. Indizes werden nicht gemanagt. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt.

[5] Der JP Morgan Emerging Market Bond Index (EMBI) Global ist ein Index von auf US-Dollar lautenden Staatsanleihen, die von Schwellenländern begeben werden. Indizes werden nicht gemanagt. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt.

[6] Bloomberg, Stand: 30. September 2017. Weitere Informationen zu Datenanbietern finden Sie unter www.franklintempletondatasources.com.

[7] Internationaler Währungsfonds, World Economic Outlook, April 2017, Sovereign Wealth Fund Institute.