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Die US-Zinsstrukturkurve: Sollten wir eine Invertierung fürchten?

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Im Laufe dieses Jahres wurde viel über die Abflachung der US-Zinsstrukturkurve gesprochen, einer grafischen Darstellung des Abstands zwischen kurz- und langfristigen Zinsinstrumenten.

Wenn sich in der Vergangenheit die Abstände zwischen kurz- und langfristigen Zinsen verengten, war dies in der Regel ein Hinweis darauf, dass der Markt der Ansicht war, dass das Wirtschaftswachstum und die Inflation nicht nachhaltig seien und künftig sinken werden.

Unsere leitenden Anlageexperten zeigen jedoch Gründe auf, warum die „Vorhersagekraft“ der Zinsstrukturkurve im Fall der US-Wirtschaft dieses Mal womöglich nicht ganz so hoch sein könnte.

Warum sich die Zinsstrukturkurve abflacht

Anhand geldpolitischer Maßnahmen, d.h. durch den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, kann die US-Notenbank (Federal Reserve, Fed) zwei kurzfristige Zinssätze kontrollieren: den Diskontierungssatz und den Leitzins (Fed Funds Rate). Die (als „Benchmark“-Satz geltende) Fed Funds Rate ist der Zinssatz, zu dem sich Banken und andere Einlageinstitute über Nacht gegenseitig Geld leihen.

Dies ist der Zinssatz, der häufiger manipuliert wird und der sich in der Regel auf andere kurzfristige Kreditzinsen entlang der Zinsstrukturkurve auswirkt. Seit 2015 hat die Fed diesen Leitzins als Reaktion auf die wachsende US-Wirtschaft angehoben, und andere kurzfristige Sätze sind diesem Vorbild gefolgt.

Unterdessen haben diverse Faktoren im Laufe dieses Jahres zu einer Begrenzung der Aufwärtsbewegung langfristiger Sätze geführt. Und wie einige Marktbeobachter angemerkt haben, kann die Fed das lange Ende der Zinsstrukturkurve, das durch Instrumente wie etwa 10- und 30-jährige Staatsanleihen abgebildet wird, ohne ein weiteres Programm zur quantitativen Lockerung nicht kontrollieren.

Einfach formuliert: wir haben beobachtet, dass die Fed ihre kurzfristigen Zinsen anhoben hat, ohne dass dies zu einem entsprechenden Anstieg der langfristigen Zinsen geführt hätte. Hierdurch hat sich die Kurve abgeflacht.

US-Zinsstrukturkurve als Indikator für eine Rezession

Die Differenz zwischen kurz- und langfristigen Zinsen galt in der Vergangenheit stets als Indikator, der genau beobachtet wurde, um die aktuelle Verfassung der Wirtschaft einzuschätzen.  In der Vergangenheit haben Veränderungen der Zinsstrukturkurve als nützliches Barometer gedient, um zu bestimmen, in welcher Phase des Zyklus sich die US-Wirtschaft gerade befindet.

Da sich die Zinsstrukturkurve im Laufe dieses Jahres abgeflacht hat, fragt sich der ein oder andere Anleger womöglich, ob sich die Zinsstrukturkurve früher oder später nun umkehren oder unter den Nullpunkt sinken wird.

In diesem Artikel zeigt Ed Perks, CIO von Franklin Templeton Multi-Asset Solutions, auf, dass eine invertierte Zinsstrukturkurve in der Vergangenheit stets auf eine anstehende Rezession in den USA hingedeutet hat. Die nachfolgende Grafik zeigt, dass der Abstand zwischen zweijährigen und zehnjährigen US-Staatsanleihen im August auf rund 24 Basispunkte geschrumpft ist und dass die Renditekurve das niedrigste Niveau seit August 2007 erreicht hat.


„Diese Kennzahl wird aufgrund ihres offensichtlichen Vorhersagewertes genau beobachtet: Jeder Rezession der letzten 60 Jahre ging eine Umkehr der Renditekurve oder ein Rückgang unter Null voraus.“ – Ed Perks, 31. Juli 2018.

Warum die Bedeutung einer invertierten Zinsstrukturkurve möglicherweise sinkt

Auch wenn sich die Zinsstrukturkurve umkehrt, haben einige unserer leitenden Anlageexperten Anzeichen dafür gefunden, dass die Vorhersagekraft der Zinsstrukturkurve womöglich nicht ganz so hoch sein könnte wie in der Vergangenheit. Beispielsweise argumentierte ein Fed-Vertreter Anfang September, die Zentralbank solle sich bei der Bestimmung des optimalen geldpolitischen Kurses nicht von einer potenziellen Invertierung der Zinsstrukturkurve abschrecken lassen.

In diesem Artikel argumentiert Chris Molumphy, Chief Investment Officer der Franklin Templeton Fixed Income Group, dass die Zentralbanken die Märkte in dieser Ära globaler quantitativer Lockerung auf unkonventionelle Art und Weise beeinflussen. Beispielsweise hat die Fed im Nachgang der Finanzkrise des Jahres 2008 erhebliche Mengen an Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten gekauft, wie die nachfolgende Grafik zeigt.  Molumphy zufolge haben diese Käufe der Zentralbank Auswirkungen auf die Kurse von Wertpapieren gehabt, was bedeutet, dass nicht-fundamentale Kräfte am Werk sind.


Folgen für Anleger

Alles in allem sind unsere führenden Anlageexperten bezüglich einer Fortsetzung des Wirtschaftswachstums in den USA optimistisch. Die Möglichkeit einer bevorstehenden Rezession bereitet ihnen keine allzu großen Sorgen – zumindest noch nicht.

Nichtsdestotrotz erklärt Ed Perks, dass er die Situation einer neuerlichen Prüfung unterziehen würde, sollte die US-Wirtschaft die ersten typischen Anzeichen für das Ende des Zyklus zeigen, wie z. B. eine Verlangsamung der Gewinndynamik oder eine Umkehr der Renditekurven.

Angesichts des soliden konjunkturellen Umfelds in den USA ist Molumphy bis auf Weiteres jedoch der Ansicht, dass die Fed gut beraten ist, an ihrem Kurs einer allmählichen geldpolitischen Straffung festzuhalten.

„Wir schätzen die Normalisierung der Zinsen durch die Fed weiterhin positiv ein und gehen davon aus, dass die größten Marktrisiken sicherlich nicht-fundamentaler Art sein dürften. Die USA befinden sich bereits in einer recht fortgeschrittenen Phase ihres aktuellen konjunkturellen Wachstumszyklus, und es ist zweifellos umsichtig, gegen Ende des Zyklus im Zuge der Vorbereitung auf die nächste Rezession erhebliche Munition vorzuhalten.“ – Chris Molumphy, 27. September 2018.

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Alle Investitionen sind mit Risiken verbunden, einschließlich eines möglichen Kapitalverlustes. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Anleihenkurse entwickeln sich im Allgemeinen entgegen der Zinsen. Wenn sich also die Anleihenkurse in einem Investmentportfolio an steigende Zinsen anpassen, kann der Wert des Portfolios sinken.