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Erneuerbare Energien nehmen an Fahrt auf

Erneuerbare Energien gewinnen aus zahlreichen Gründen an Fahrt. Gleiches gilt für die Anlagechancen in diesem Segment. Ketul Sakhpara, Portfoliomanager und Research Analyst bei Franklin Real Asset Advisors, stellt die drei wichtigsten Gründe für das Interesse dar und erläutert, wo sein Team Potenzial sieht. Es mag Sie überraschen, zu erfahren, dass heute insbesondere die Schwellenländer ihre Kapazitäten an erneuerbaren Energien stark ausbauen.

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Die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen bietet eine ganze Reihe von Vorteilen, darunter die Verringerung unserer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und eine Diversifizierung unserer Brennstoffquellen. Gleichzeitig erhalten Kommunalverwaltungen hierdurch einen Schub, dank der damit verbundenen Grundsteuern, die zur Finanzierung von Schulen, Parks und Rettungsdiensten wie Feuerwehr und Polizei beitragen.

Die meisten Kraftwerke für die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen werden nach Unterzeichnung eines 10- bis 20-jährigen Festpreis-Stromabnahmevertrags mit einem Versorgungsunternehmen oder einer staatlichen Stelle errichtet. Manche Stromabnahmeverträge sehen auch eine inflationsgebundene Anhebung der Tarife vor. Dies eliminiert einen Großteil des Umsatzrisikos aus der Anlage.

Darüber hinaus haben Solar- und Windkraftanlagen im Vergleich zu konventionellen Kraftwerken wie Kohle, Gas oder Atomkraft sehr niedrige Betriebs- und Wartungskosten und keine Brennstoffkosten. Dies kann Kunden vor unvorhersehbaren künftigen Strompreiserhöhungen schützen und stellt für Anleger einen beachtlichen Vorteil dar, da hierdurch die verbleibenden wesentlichen Risikofaktoren für die Erträge aus einer Investition in Kraftwerke eliminiert werden. Daher eignet sich der Bereich der erneuerbaren Energien aus unserer Sicht für Infrastrukturinvestoren sehr gut.

Es gibt zahlreiche Faktoren, die Anlagen in erneuerbaren Energien Auftrieb geben. Wir sehen jedoch vor allem drei Hauptaspekte:

  1. Kostenrückgang
  2. Aufsichtsrechtliche Unterstützung in Form von Steuergutschriften und Mandaten auf bundesstaatlicher Ebene
  3. Zunehmende Sensibilisierung und Förderung von Nachhaltigkeit

Diese treibenden Faktoren bieten schon jeweils auf eigenständiger Basis Unterstützung. Werden die Auswirkungen aller drei jedoch zusammengefasst, ergibt sich aus unserer Sicht ein exponentieller Effekt. Auf der Anlageseite sehen wir nur selten ein solches Zusammenwirken von Faktoren. Wenn die größte Volkswirtschaft der Welt einen Prozess der Veränderung ihrer Brennstoffquellen für die Stromerzeugung durchläuft, ergeben sich unserer Meinung nach enorme potenzielle Chancen.

Reduzierung der Kosten

Die Kosten für die Stromerzeugung aus Wind und Sonne sind in den letzten 5-7 Jahren um 15-17 % pro Jahr gesunken.[1] Verschiedenen Schätzungen zufolge werden die Kosten für die Stromerzeugung aus Wind und Sonne bis 2020 auf 2 bis 4 USD-Cent/Kilowattstunde (kWh) sinken, während Gas, Kohle und Kernenergie bei 3 bis 5 USD-Cent/kWh liegen werden.[2]

Die Kosten für Solar- und Windenergie sind derzeit in den meisten Regionen der USA im Vergleich zu konventionellen Energieträgern wie Gas, Kohle und Kernenergie entweder gleichauf oder sogar niedriger.

Mandate von US-Bundesstaaten

Die US-Bundesstaaten haben eine Ausweitung der Nutzung erneuerbarer Energien vorgeschrieben, woraus sich der zweite Wachstumstreiber ergibt. Kalifornien deckt derzeit ca. 30 % seines Stromverbrauchs über erneuerbare Energien, hat aber ein Mandat, bis zum Jahr 2030 50 % seines Stroms über erneuerbare Energien zu erzeugen.[3] Bis 2045 will der Bundesstaat vollkommen CO2-frei sein.

New York hat ein ähnliches Mandat, bis 2030 einen Anteil von 50 % zu erreichen.[4]

Insgesamt haben 29 US-Bundesstaaten Mandate in Bezug auf erneuerbare Energien erlassen, acht von ihnen verfolgen konkrete Ziele im Bereich der erneuerbaren Energien.

Unter den größten Volkswirtschaften Europas konnte Deutschland im Jahr 2017 36 % seines Stromverbrauchs über erneuerbare Energien decken, Großbritannien kommt auf einen Anteil von 30%.[5]

Während die Europäische Union (EU) die Erzeugung erneuerbarer Energien während der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts angeführt hat, haben die USA und einige Schwellenländer wie etwa China und Indien in den letzten Jahren versucht, aufzuholen. Es sieht so aus, als würden sie die EU in den nächsten Jahren bei der Erzeugung erneuerbarer Energien wohl überholen.

 

Die Sorge um Luftverschmutzung hat in China einen deutlichen Impuls in Richtung erneuerbare Energien gegeben. Der 13. Fünf-Jahres-Plan gibt für erneuerbare Energien bis 2030 ein Ziel von 20 % vor, es wird jedoch vereinzelt gemeldet, dass die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission Chinas das Ziel womöglich erhöhen könnte.

Indien hatte zu Beginn dieses Jahrzehnts fast überhaupt keine Kapazitäten für erneuerbare Energien, nimmt inzwischen jedoch Kurs auf die Erreichung einer Kapazität von 220 Gigawatt (GW) bis zum Jahr 2022.[6] Auf Basis der durchgeführten Auktionen und der während der letzten beiden Jahre hinzugekommenen Kapazitäten halten wir dieses Ziel für erreichbar.

Der Internationalen Energieagentur zufolge werden bis 2022 zwei Drittel des weltweiten Ausbaus erneuerbarer Energien auf drei Länder entfallen: China, die USA und Indien.[7]

Nachhaltige Lebensweise

Der dritte treibende Faktor für einen Umschwung auf erneuerbare Energien ist der soziale Impuls für eine nachhaltige Lebensweise. Meine beiden Kinder sind erst 8 und 6 Jahre alt, und sie haben mir sogar verboten, Sushi mit Einweg-Essstäbchen aus Holz zu essen. Für zukünftige Wähler (dazu zählen auch schon Kindergartenkinder!) ist eine nachhaltige Entwicklung so wichtig, dass ein Nachlassen dieses Trends unwahrscheinlich erscheint. In Kombination mit niedrigeren Kosten und aufsichtsrechtlicher Unterstützung ergibt sich hieraus eine langfristige Dynamik.

Erschließung potenzieller Anlagechancen

Das dritte Newtonsche Gesetz besagt, dass es für jede Aktion eine gleiche und entgegengesetzte Reaktion gibt. Daher haben herkömmliche Produzenten, die Strom aus Kohle und Kernenergie erzeugen – insbesondere die Handelsstromerzeuger in den USA und Europa – im Zuge der zunehmenden Beliebtheit erneuerbarer Energien gelitten. Als Anleger haben wir diese Stromerzeuger weitgehend gemieden.

Auf der anderen Seite werden die Kostenvorteile aus sinkenden Preisen für erneuerbare Energien in der Form niedrigerer Stromrechnungen an die Verbraucher weitergeleitet. Wir investieren nur ungern in die Wertschöpfungskette erneuerbarer Energien, wo das Geschäft stark standardisiert ist, etwa bei Eigentümern von Anlagen für erneuerbare Energien. Wir investieren lieber in Entwickler, beispielsweise im Bereich der Offshore-Windkraftanlagen, oder in Energieversorger, die von den niedrigeren Preisen profitieren.

Ein anderer Bereich, der uns interessant erscheint, sind Gaspipelines und die dazugehörige Infrastruktur. Erneuerbare Energien sind von Natur aus unvorhersehbar – an einem bestimmten Tag nicht weht vielleicht gerade kein Wind, oder die Sonne versteckt sich hinter den Wolken. Typischerweise werden sie daher mit Strom aus Gaskraftwerken kombiniert, die sich bei Bedarf kurzfristig, d.h. innerhalb von ca. 15 Minuten, ein- und ausschalten lassen. Für Kohlekraftwerke beträgt die Anlaufzeit 2-3 Tage, bei Atomkraftwerken sind es mehrere Monate.

Wir gehen davon aus, dass erneuerbare Energien im Zuge ihrer weiteren Verbreitung aus Gründen der Zuverlässigkeit zunehmend durch Gaskraftwerke ergänzt werden dürften. Dementsprechend erscheinen uns Investitionen in Gasinfrastruktur weltweit als Ergänzung erneuerbarer Energien ebenfalls attraktiv. Alles in allem sehen wir in diesem Bereich eine höhere Anzahl von Chancen, und wir sind sehr gespannt, was die Zukunft bringen wird.

CFA® und Chartered Financial Analyst® sind Marken des CFA Institute.

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des potenziellen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Aktienkurse schwanken, zum Teil schnell und dramatisch, aufgrund von Faktoren, die einzelne Unternehmen, bestimmte Branchen oder Sektoren oder allgemeine Marktbedingungen beeinflussen. Anlagen in einen Fonds, der sich auf den Rohstoffsektor konzentriert, bergen spezifische Risiken, unter anderem weil sie stärker auf widrige Veränderungen der den Sektor betreffenden wirtschaftlichen Entwicklung oder regulatorischen Entwicklungen reagieren. Die Kurse von Wachstumsaktien können erheblich sinken, wenn das betreffende Unternehmen seine Ertrags- oder Umsatzprognosen nicht erfüllt; ihre Kurse können volatiler sein als die anderer Wertpapiere, insbesondere über kurze Zeiträume. Kleinere Unternehmen können besonders anfällig für Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sein und haben weniger sichere Wachstumsaussichten als größere, besser etablierte Unternehmen und können insbesondere auf kurze Sicht volatil sein. Anlagen in ausländische Unternehmen können besondere Risiken mit sich bringen, darunter Währungsschwankungen und politische Unsicherheit. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe auch die Grenzmärkte gehören, sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und die nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren.

[1] Quellen: NextEra Energy, US-Energieministerium, IHS Markit. Durchschnittliche jährliche Rate.

[2] Es gibt keine Garantie dafür, dass sich Schätzungen oder Prognosen bewahrheiten.

[3] Quelle: California Energy Commission, Stand: August 2018.

[4] Quelle: New York State, Reforming the Energy Vision.

[5] Quelle: Europäische Kommission, Daten von 2017.

[6] Quelle: Indische Regierung, Ministerium für neue und erneuerbare Energien.  Es gibt keine Garantie dafür, dass sich Schätzungen oder Prognosen bewahrheiten.

[7] Quelle: Internationale Energieagentur, „Renewables 2017.“

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