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Anleihen

Zurück von der Reise: Fünf Lehren aus unserer Reise durch Europa

Im Rahmen einer Reise durch Europa hatte David Zahn, Head of European Fixed Income bei Franklin Templeton, kürzlich Gelegenheit, Anleger aus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien zu treffen. In diesem Artikel schildert er die auf seiner Reise gewonnenen Erkenntnisse und auch einige Überraschungen.

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Fragen zum Wachstumspfad Europas …

Einige Anleger, mit denen wir auf unserer mehrwöchigen Tour sprachen, hatten Fragen zur künftigen Widerstandskraft der europäischen Wirtschaft.

Das Wachstum der Eurozone hat sich in diesem Jahr etwas verlangsamt, und wir wurden gefragt, ob wir dies für den Beginn eines Abwärtstrends halten.

Wir sind optimistisch. Wir sehen, dass sich das Wachstum der Eurozone verlangsamt, dies aus unserer Sicht jedoch nur, weil sie das starke Wachstum des Vorjahres nicht erreichen kann. 2017 betrug das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Europa knapp über 2,5 %. Nach unserem Dafürhalten bildet die Prognose für das diesjährige BIP-Wachstum von knapp unter 2 % ein nachhaltigeres Tempo ab.1

Zwar bewegen sich die größeren Volkswirtschaften in Richtung eines enttäuschenden Wachstums; das Wachstum in Deutschland war beispielsweise im dritten Quartal negativ, und Italien hat Nullwachstum. Doch wir halten diese Verlangsamung größtenteils für vorübergehend.

Insbesondere die Europäische Zentralbank (EZB) scheint sich mit der Lage anzufreunden und sieht die aktuellen Wachstumszahlen innerhalb ihrer Erwartungen.

… doch die Hauptsorge ist nach wie vor der Kurs der EZB

Während unserer Europa-Tour war der künftige geldpolitische Kurs der EZB das Hauptgesprächsthema.

Nach unserer Einschätzung dürfte die EZB ihre akkommodierende Geldpolitik noch für einige Zeit beibehalten. Sie hat zugesagt, ab Dezember dieses Jahres im Rahmen der quantitativen Lockerung (QE) keine neuen Wertpapiere mehr zu kaufen, beabsichtigt jedoch die weitere Wiederanlage fällig werdender Assets. Zudem rechnen wir, wie in der Vergangenheit bereits erörtert, nicht vor 2020 mit dem Beginn der Zinsanhebungen durch die EZB.

Der vermutete Ansatz der EZB wirft jedoch die Frage auf, ob sie genug Feuerkraft behält, um auf kurze und mittlere Sicht mit konjunkturellen Rückschlägen fertig zu werden.

Hinsichtlich der Bedenken um die Widerstandskraft Europas beantworteten wir eine Reihe von Anlegerfragen über die möglichen Optionen der EZB, falls die Eurozone in die Rezession abgleiten sollte, obwohl die Zinssätze im Währungsraum weiterhin auf historischen Tiefständen liegen.

Nach unserer Erwartung würde die EZB ihr QE-Programm wieder starten und ihre Wertpapierkäufe wieder aufnehmen.

Es herrscht kein Konsens über die politische Lage in Europa

Der Aufstieg des Populismus in ganz Europa sorgt weiter für Schlagzeilen, doch während unserer Treffen mit den Anlegern erfuhren wir unterschiedliche Ansichten über seine Bedeutung. Die Sorgen um die Bedeutung des Populismus waren in Frankreich und Deutschland weniger verbreitet als in Spanien und Italien, wo dies ein heißeres Gesprächsthema war.

In Spanien gab es Bedenken wegen der zunehmenden Unterstützung für die neue rechtsgerichtete Partei Vox, die einen ähnlichen Ansatz zu verfolgen scheint wie die deutsche AfD.

Italien hat bereits eine populistische Regierung, die in Meinungsumfragen an Unterstützung zu gewinnen scheint, da sie versucht, ihre Wahlversprechen, darunter höhere Staatsausgaben, umzusetzen.

Die Pläne der italienischen Regierung für einen höheren Haushalt verletzen die Haushaltsregeln der Europäischen Kommission, doch wir gehen von einer rechtzeitigen Lösung aus. Als drittgrößte Volkswirtschaft des Währungsraums bleibt Italien ein zentraler Bestandteil der Eurozone. Brüssel wird aus unserer Sicht wohl etwas Spielraum gewähren.

Es stellt sich die Frage, wie viel Volatilität es von nun an bis zur Einigung beider Seiten geben könnte. Wir erwarten, dass italienische Assets – allen voran italienische Staatsanleihen – im Zuge dieser Verhandlungen eine Phase der Volatilität erleben werden.

Könnten Überlegungen zur Absicherung europäische Assets attraktiver machen?

Viele Anleger, mit denen wir auf unserer Reise durch Europa sprachen, waren wegen der Absicherungskosten für US-Dollar-Investments in Sorge. Europäische Anleger zahlen eine erhebliche Prämie, um Dollar-Anlagen gegen Euro abzusichern. Dies kann jeglichen Renditevorteil, den US-Anlagen im Vergleich zu europäischen Assets bieten mögen, rasch zunichtemachen.

Wir rechnen mit einem Anstieg dieser Kosten, da die US-Notenbank ihre Zinssätze weiter anhebt und die EZB ihren Zinssatz auf kurze Sicht unverändert belässt.

Nach unserer Erfahrung tendieren die meisten europäischen Anleger dazu, keine ungesicherten Positionen zu führen, doch dieses Umfeld könnte sie überzeugen, ihr Vorgehen zu überdenken. Europäische Anleger könnten erwägen, auf US-Dollar lautende Anlagen nicht abzusichern und das Dollar-Risiko einfach einzugehen.

Wir trafen jedoch auch europäische Anleger, die allmählich die Wichtigkeit von US-Dollar-Anlagen in ihren Beständen infrage stellen. Daher könnte es zu einem gesteigerten Interesse an europäischen Vermögenswerten nicht nur seitens europäischer Anleger kommen.

Es könnte auch größeres Interesse von nicht-europäischen Anlegern geben, die europäische Vermögenswerte kaufen und sie gegen US-Dollar absichern, um von der Wechselkursdifferenz zu profitieren.

Europäische Anleger unterschätzen die breiteren Folgen des Brexit

Wir sind erstaunt, dass während unserer Reise keine Fragen nach dem Brexit oder dessen Folgen für die europäische Wirtschaft gestellt wurden. Es schien die Ansicht zu herrschen, dass der Brexit ein nur auf Großbritannien beschränktes Problem ist.

Nach unserer Einschätzung dürften die Auswirkungen viel weitreichender sein. Unserer Ansicht zufolge hat beispielsweise kaum jemand wirklich durchdacht, wie der Austritt Großbritanniens das Machtgleichgewicht im Europäischen Parlament beeinflussen wird.

Länder der Eurozone könnten sich besser durchsetzen

Großbritannien wird die Europäische Union (EU) am 29. März 2019 verlassen. Zwei Monate danach finden die Wahlen zum Europäischen Parlament statt.

Mit dem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU wird im Europäischen Parlament der Sitzanteil der Länder außerhalb des Eurozonen-Blocks deutlich verringert werden.

Daher erwarten wir, dass sich die Aufmerksamkeit und das Interesse des Europäischen Parlaments viel stärker auf den Euro fokussieren werden.

Das Ende der Spar-Doktrin?

In ähnlicher Weise könnten wir in Europa nach dem Brexit einen Wechsel der wirtschaftlichen Doktrin erleben: Nur wenige Länder werden fiskalische Sparmaßnahmen auf europäischer Ebene unterstützen. Deutschland, der größte Befürworter wirtschaftlicher Vorsicht, könnte sich hierbei rasch isoliert sehen.

Es könnte daher zu einer Vergrößerung des EU-Haushalts kommen, die für die Bürger der Mitgliedstaaten langfristige Folgen hätte.

Wen könnte ein harter Brexit treffen?

Nach unserer Erfahrung ignorieren zu viele europäische Anleger die Folgen des britischen EU-Austritts für Länder und Märkte.

Es erscheint uns absehbar, dass der Brexit sich stärker auf Europa auswirken wird, als viele Anleger aktuell denken. Die engsten Handelspartner Großbritanniens – Irland, Deutschland und die Niederlande – dürften so hart getroffen werden, wie sich das bisher noch niemand vorstellt.

Aus unserer Sicht dürften die Folgen noch weit umfassender zu spüren sein. Sollten sich Großbritannien und die EU nicht auf ein Handelsabkommen für die Zeit nach dem Brexit einigen, könnten die Konsequenzen viel schlimmer sein.

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Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des potenziellen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Anleihenkurse entwickeln sich im Allgemeinen gegenläufig zu den Zinsen. Wenn sich also die Anleihenkurse in einem Investmentportfolio an steigende Zinsen anpassen, kann der Wert des Portfolios sinken. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen.