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Anleihen

Europawahlen: Große Veränderungen oder bleibt alles beim Alten?

Viele Beobachter rechnen damit, dass die bevorstehenden Europawahlen eine Welle populistischer Abgeordneter ins Europäische Parlament schwemmen werden. David Zahn, Head of European Fixed Income, ist der Meinung, dass es zwar zu einer Verschiebung des politischen Gleichgewichts kommen könnte, die Fähigkeit der Extremisten an beiden Enden des politischen Spektrums, die Richtung der Europäischen Union dramatisch zu verändern, jedoch beschränkt sein dürfte.

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Während sich die Aufmerksamkeit der Anleger in Europa auf die bevorstehenden Wahlen für das Europaparlament konzentriert, wird immer wieder über einen möglichen Populismusschub und die möglichen Auswirkungen auf die Finanzmärkte gesprochen.

Unserer Meinung nach dürfte es ungeachtet des Ergebnisses kaum Veränderungen für den Markt geben.

Für Anleihenanleger waren die wichtigsten Themen in Europa während der letzten zehn Jahre die politischen Entwicklungen und die Geldpolitik.

Das politische Feld bietet aus unserer Sicht keinen Anlass zu Veränderungen, die so stark wären, dass sie die Europäische Zentralbank (EZB) dazu bewegen würden, ihre gelockerte Haltung zu ändern. Wir gehen davon aus, dass die EZB noch auf absehbare Zeit an ihrer gemäßigten Ausrichtung festhalten wird. Unseren aktuellen Schätzungen zufolge dürften die Zinsen in der Eurozone frühestens 2022 ansteigen.

Zusammensetzung des Europäischen Parlaments

Das Europaparlament ist im Hinblick auf das Spektrum an vertretenen politischen Ansichten bereits heute recht vielseitig. Wir gehen nicht davon aus, dass sich nach den Wahlen hieran viel ändern wird, auch wenn sich das Gleichgewicht ein wenig verschieben könnte.

Zudem rechnen wir nicht damit, dass diese Wahl die politische Lähmung in Europa beenden wird. Genaugenommen könnte sie sie sogar verschärfen.

Populistische und extremistische Parteien dürften künftig stärker vertreten sein als derzeit der Fall ist. Infolgedessen wird die europäische Politik wahrscheinlich sehr viel turbulenter werden, und wir rechnen mit volatileren Diskussionen im Europäischen Parlament. Dies könnte erhöhte Unsicherheit über die politische Ausrichtung der Europäischen Union (EU) zur Folge haben, was wiederum bedeutet, dass Europa weiter stagniert und nicht in der Lage ist, gewünschte Änderungen umzusetzen.

Wir rechnen jedoch nicht mit einer dramatischen Veränderung der politischen Orientierung der EU.

Wir gehen davon aus, dass sehr viel mehr Parteien im Europaparlament eine Reform der EU verlangen werden. Unserer Meinung nach benötigt Europa in der Tat Reformen. Ob sich die neuen Volksvertreter im Parlament jedoch für die Art von Reformen einsetzen, die wir für richtig halten, bleibt abzuwarten.

Darüber hinaus wird in den wichtigsten europäischen Gremien eine neue politische Führung erwartet. In den kommenden Monaten werden neue Präsidenten der Europäischen Kommission, des Europäischen Rates, des Europäischen Parlaments und der EZB ihr Amt antreten.

Wir gehen davon aus, dass sich diese neuen Amtsinhaber in Anbetracht der veränderten politischen Landschaft von ihrer pragmatischen Seite zeigen werden. Allerdings ist es sehr viel leichter, Reformen zu versprechen, als diese auch umzusetzen. Reformen werden nur selten von allen Seiten begrüßt.

Wenn rechtsextreme Parteien besser abschneiden als vorhergesagt und die Kontrolle über das Parlament erlangen, könnte dies eher zu Veränderungen führen. Das Ergebnis der kürzlich abgehaltenen spanischen Parlamentswahlen legt jedoch nahe, dass der ein oder andere Kommentator den Reiz des Rechtspopulismus womöglich überschätzt.

Nichtsdestotrotz muss man vorsichtig sein, nicht zu viel in frühere Ergebnisse hineinzuinterpretieren, da Wähler die Wahlen zum Europaparlament häufig als Chance für eine Protestwahl genutzt haben.

Die Rolle Großbritanniens im Europäischen Parlament

Ein weiteres Haar in der Suppe ist die Tatsache, dass es so scheint, als würde das Vereinigte Königreich an den Wahlen zum Europaparlament teilnehmen. Allerdings werden die britischen Abgeordneten im Europäischen Parlament nur bis zur Finalisierung des Brexits im Amt bleiben.

In Großbritannien erzielt die kürzlich gegründete euroskeptische Brexit-Partei sehr starke Umfrageergebnisse – zulasten der Konservativen Partei. Wir vermuten dass die Abgeordneten der Brexit-Partei einen erheblichen Störfaktor für die politische Agenda der EU darstellen dürften.

Abgesehen davon gehen wir davon aus, dass ein weiteres schwaches Wahlergebnis wohl das Ende der Amtszeit Theresa Mays als Premierministerin bedeuten dürfte.

Spanische Wahlergebnisse untermauern unsere positive Einschätzung

In Anbetracht der jüngsten spanischen Wahlergebnisse erwarten wir weitgehend ähnliche Resultate in Spanien. Wir hielten Spanien bereits zuvor für eines der aus Anlegersicht interessantesten Länder Europas. Die Wahlergebnisse haben diese Einschätzung untermauert.

Die sozialistische Partei des Landes konnte sich die höchste Anzahl an Sitzen sichern, und wir gehen davon aus, dass sie auch weiterhin die Zügel in der Hand halten wird. Allerdings glauben wir nicht, dass sie allzu große Eile haben wird, eine Koalitionsregierung zu bilden. Unserer Einschätzung nach dürfte sie hierfür zunächst einmal die Europawahlen abwarten.

Viele Kommentatoren haben sich auf den scheinbaren Erfolg der rechtsgerichteten Vox-Partei konzentriert, die bei der Wahl 24 Sitze erringen konnte. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass das von Vox erzielte Ergebnis schwächer ist als sich die Partei erhofft hatte.

Aus Anlegersicht ist die zuletzt zu beobachtende fiskalpolitische Fokussierung der spanischen Regierung positiv einzuschätzen. Spanien ist eines der am schnellsten wachsenden Länder in Europa: im ersten Quartal 2019 lag die jährliche Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bei über 2 %[1]. Das Verhältnis von Verschuldung zu BIP ist leicht gestiegen, das Haushaltsdefizit liegt jedoch unterhalb der Marke von 3 %[2].

Unserer Meinung nach bieten spanische Anleihen einen erheblichen Aufschlag gegenüber denen aus Frankreich und Deutschland.

 

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des potenziellen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Anleihenkurse entwickeln sich im Allgemeinen in die den Zinsen entgegengesetzte Richtung. Wenn sich also die Anleihenkurse in einem Investmentportfolio an steigende Zinsen anpassen, kann der Wert des Portfolios sinken. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen.

[1] Quelle: Instituto Nacional de Estadística

[2] Quelle: Eurostat