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Aktien

Auf der Suche nach Value, wenn Wachstum dominiert

Für Value-Anleger waren die letzten zehn Jahre alles andere als einfach. Vereinzelte Kommentatoren haben den Anlagestil sogar bereits für tot erklärt. Die value-orientierte Templeton Global Equity Group lässt sich davon nicht aus der Fassung bringen – und setzt ihre Suche nach Deep Value-Chancen fort. Die im ersten Quartal dieses Jahres verzeichnete wachstumsgetriebene Rally an den US-Märkten war zwar eine Herausforderung, das Team hat jedoch – insbesondere in Japan und Europa – mehrere in Ungnade gefallene Aktien und Sektoren identifiziert, wo die Bewertungen angemessen und die Aussichten gut erscheinen. Tony Docal, Dylan Ball und Joanne Wong nehmen uns mit auf eine Weltreise an die Orte, an denen sie heute Chancen finden.

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Eine von politischen Entscheidungsträgern getriebene globale Rally an den Aktienmärkten

Im ersten Quartal 2019 verzeichneten Aktien weltweit eine starke Erholung gegenüber dem Ende 2018 verzeichneten Abverkauf. Der MSCI All Country World Index legte im ersten Quartal 2019 um 12,3 % zu.[1] Worauf war diese Rally zurückzuführen? Um es auf den Punkt zu bringen: politische Entscheidungsträger, die auf eine gemäßigtere Haltung umgeschwenkt sind. Es gab zuvor Ängste, die US-Zinsen würden zu Beginn dieses Jahres weiter ansteigen, die US-Notenbank entschied sich jedoch für einen geduldigeren Ansatz hinsichtlich der Normalisierung ihrer Geldpolitik und kündigte an, in ihrem mehrjährigen Straffungszyklus eine Pause einlegen zu wollen.

Ganz ähnlich räumte auch die Europäische Zentralbank eine negative Entwicklung der wirtschaftlichen Risiken ein und verschob ihre für Herbst dieses Jahres geplante Zinserhöhung auf Anfang 2020.

China schließlich signalisierte ebenfalls eine geldpolitische Lockerung und diverse Konjunkturmaßnahmen, darunter Steuersenkungen, Zinssenkungen, niedrigere Mindestreserveanforderungen für Banken und auch eine Erhöhung der Ausgaben. Einige dieser Maßnahmen zielen ausdrücklich auf den privaten Sektor und nicht auf staatliche Unternehmen ab, was ein verstärktes Beschäftigungswachstum nach sich ziehen könnte.

Unter den größeren Märkten erzielten China, Hongkong und die USA die stärkste Wertentwicklung, während sich Märkte mit moderateren strukturellen Wachstumsaussichten wie Europa und Japan als weniger robust erwiesen. Alles in allem konnten die Schwellenländer während des Quartals nicht mit den Industrieländern mithalten. Nichtsdestotrotz wurden insgesamt solide Zugewinne verbucht.[2]

Anleger wenden sich wachstumsstarken Sektoren zu 

Von der während des ersten Quartals verzeichneten Rally haben vor allem wachstumsstarke Sektoren wie Technologie sowie Medien und Unterhaltung profitiert, was teilweise die Stärke der technologielastigen Märkte in den USA und China erklärt. Traditionell defensive, generell als wachstumsarm geltende Sektoren wie nichtzyklische Konsumgüter, Telekommunikation und Gesundheit hingegen entwickelten sich am schwächsten. Gleiches galt für Banken, die durch eine Kombination aus geringem Wachstum und niedrigeren Erträgen in Mitleidenschaft gezogen wurden.

In Anbetracht dessen übertrafen wachstumsorientierte Anlagestile ihre Pendants mit Substanzorientierung. Die Höhe der Outperformance von Wachstumstiteln erwies sich als „perfekter Sturm“ für Substanzanleger, die in all diesen wachstumsstarken Sektoren und Regionen unterrepräsentiert waren.

Wachstumstitel entwickeln sich in der Regel überdurchschnittlich, wenn die wirtschaftlichen Bedingungen schwach sind und eine finanzielle Repression vorherrscht, da Unternehmen, die organisches Wachstum erzielen können, in einem von geringem Wachstum geprägten Umfeld zu einem Aufschlag gehandelt werden.

Während des 1. Quartals war eine Invertierung von Teilen der Zinsstrukturkurve für US-Staatsanleihen zu beobachten, d.h. die Rendite auf langfristige Instrumente lag unter der entsprechender Titel mit kürzerer Laufzeit. Eine Invertierung der Zinsstrukturkurve wird häufig als Vorläufer einer Rezession gewertet. Substanzanleger wurden also gleich doppelt getroffen: Angst vor rückläufigem Wachstum gepaart mit finanzieller Repression.

Europa und das Brexit-Drama

Was Europa anbelangt, musste die Wirtschaft der Eurozone in der zweiten Hälfte des Vorjahres einen traumatischen Schock hinnehmen, als der Abschwung in den USA und China begann, sich auf den Kontinent auszuwirken, und zwar insbesondere auf exportorientierte Unternehmen. Darüber hinaus unterbrach ein Großteil der deutschen Automobilbranche die Produktionstätigkeit aufgrund neuer Abgasprüfnormen, die Anfang September in Kraft traten.

In Frankreich haben derweil die zivilen Unruhen der als „Gelbwesten“ (gilets jaunes) bezeichneten Demonstranten die Wirtschaftstätigkeit innerhalb der zweitgrößten Volkswirtschaft des Euroraums gedämpft. In Italien setzte die Regierung die Diskussionen mit der EU über die Genehmigung ihres Haushaltsplans fort. All dies hatte eine niedrigere Industrieproduktion und einen Rückgang des Wachstums des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf weniger als 1 % zur Folge.

In Großbritannien ist während des vergangenen Quartals zweifellos sehr viel im Zuge des Brexit-Dramas geschehen. Leider gibt es jedoch kaum etwas, das als Fortschritt bezeichnet werden, so dass am Markt weiterhin Verwirrung herrscht. Premierministerin Theresa May hat eine weitere Verlängerung der Frist für den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union (EU) bis Ende Oktober erzielt. Wir haben natürlich sehr viel über den Brexit nachgedacht und sind zu dem Schluss gekommen, dass es angesichts der Pattsituation im britischen Parlament durchaus zu einer sogenannten „Volkswahl“ oder möglicherweise sogar zu einem zweiten Referendum kommen könnte.

May scheint zu glauben, dass Sie das Austrittsabkommen noch vor den für Ende Mai angesetzten EU-Wahlen abschließen und vom Parlament absegnen lassen kann. Die Brexit-Hardliner innerhalb der Konservativen Partei sehen dies anders, und in der Tat sind Spekulationen aufgekommen, sie könnten die Parteivorschriften womöglich ändern wollen, um Mays Führungsposition erneut anzufechten. Unseres Erachtens ist dies nach wie vor unwahrscheinlich.

Andererseits ist die EU sehr darauf bedacht, nicht für einen harten Brexit verantwortlich gemacht zu werden, muss gleichzeitig jedoch auch sicherstellen, dass sich dieses Thema nicht ewig hinzieht. Unserer Einschätzung nach besteht das größte Risiko in einer anhaltenden Pattsituation bezüglich des von May vorgelegten Austrittsabkommens. In diesem Fall ist es äußerst wahrscheinlich, dass das britische Parlament das Thema in Form eines möglichen Volksentscheids an die britischen Wähler zurückgibt. Bei der Abstimmung könnten die Wähler gefragt werden, ob sie zugunsten des Austrittsabkommens in seiner derzeitigen Fassung bzw. mit einigen kleineren Anpassungen stimmen würden, ob sie einen harten Brexit unterstützen würden, oder ob sie Artikel 50 vollständig zurücknehmen wollen. Eine weitere Abstimmung würde zweifellos eine Verlängerung über Ende Oktober hinaus erfordern.

Es besteht auch die Möglichkeit einer Parlamentswahl zur Beseitigung der Pattsituation. Eine weitere Wahl würde allerdings eine Rückkehr zum Anfangspunkt bedeuten, und das scheint weder im Interesse der Labour-Partei noch in dem der Konservativen oder gar der EU zu sein. Zudem bleibt die Unsicherheit bezüglich des möglichen Wahlergebnisses bestehen.

Kurse europäischer Aktien spiegeln Pessimismus wider

Trotz der offensichtlichen Unsicherheit sind wir der Ansicht, dass die Kurse europäischer Aktien einen übermäßigen Pessimismus widerspiegeln. Im Vergleich zu den USA sind europäische Aktien derzeit auf Basis des Kurs-Buchwert-Verhältnisses so günstig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Bei Betrachtung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses war die Region zuletzt vor der Staatsschuldenkrise vor einem Jahrzehnt so günstig wie heute.[3] Die Konsensmeinung ist durch die Bank weg pessimistisch, aus unserer Sicht bieten europäische Aktien value-orientierten Anleger jedoch aus mehreren Gründen Potenzial.

Die Bewertungen haben ein Niveau erreicht, bei dem Aktien aller Wahrscheinlichkeit nach auf jegliche positive Nachricht mit Kursgewinnen reagieren dürften. An der politischen Front sehen wir Anzeichen für Fortschritte. In Frankreich scheint die Katastrophe der Kathedrale Notre Dame das Land trotz der strukturellen Reformen, die Präsident Macron umzusetzen versucht, zu vereinen.

Darüber hinaus scheint es hinsichtlich des italienischen Haushaltsplans Fortschritte zwischen Italien und der Europäischen Kommission in Brüssel zu geben. Zudem ist der Brexit in der Region aus den Schlagzeilen verschwunden, seitdem das entsprechende Verfahren bis Ende Oktober verlängert wurde.

Unserer Meinung nach dürften makroökonomische Indikatoren eine Erholung der europäischen Aktienkurse auslösen. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in der Eurozone hat sich im März zwar abgeschwächt, wir scheinen uns jedoch allmählich einem Wendepunkt in der Industrieproduktion des Euroraums zu nähern, sodass eine Erholung bevorstehen dürfte.

Die Einzelhandelsumsätze haben sich als belastbar erwiesen, und andere Indikatoren wie etwa der IFO-Geschäftsklimaindex deuten ebenfalls auch eine wahrscheinliche Erholung im Laufe dieses Quartals hin.

Gegenwind in China

Chinesische Aktien haben sich seit Beginn des Jahres erholt, was vor allem Optimismus bezüglich einer zeitnahen Beendigung der Handelsgespräche zwischen den USA und China und Konjunkturmaßnahmen der Regierung, die zur Bekämpfung zunehmender wirtschaftlicher Belastungen eingeführt worden waren, zu verdanken ist. Mit 6,4 % verzeichnete China im vierten Quartal 2018 das schwächste BIP-Wachstum seit fast zwei Jahrzehnten. Auch bei den Exporten ist eine Abkühlung zu beobachten, und die Verbraucherpreise haben weiter an Dynamik verloren.

Selbst wenn sich das Wachstum in China abschwächt, verfügen die Spitzenpolitiker des Landes unserer Einschätzung nach zweifellos über die erforderlichen Instrumente, um die Wirtschaft kurzfristig zu steuern, beispielsweise über eine Kontrolle der Kapitalkonten, der Wechselkurse oder auch des Bankensystems.

China setzt in diesem Jahr fiskalpolitische Anreizmaßnahmen in Höhe von nahezu 300 Mrd. USD um, was fast 3 % des jährlichen BIP entspricht.[4]

China tut alles in seiner Macht Stehende, um das Wachstum anzukurbeln. So wurden während des jüngsten Zyklus bereits mehr als 70 Konjunkturmaßnahmen umgesetzt, darunter eine Lockerung der Geldpolitik, eine Senkung von Gebühren und direkte Kreditvergabe an den privaten Sektor. Zu den fiskalpolitischen Anreizmaßnahmen zählen neben Steuersenkungen auch erhöhte Infrastrukturinvestitionen, die durch Staatsanleihen finanziert werden. Aus längerfristiger Perspektive sind wir besorgt, dass derartige Initiativen die strukturellen Ungleichgewichte Chinas nur verstärken werden, kurzfristig sollten sie sich jedoch als effektive Maßnahmen zur Stützung des Wachstums erweisen.

Eine Verlangsamung des Wachstums in China hat natürlich auch Auswirkungen auf den Rest der Region. Da der chinesische Konsum für Nachbarländer immer wichtiger wird, kann eine Abkühlung der Binnennachfrage Chinas dem Rest Asiens schaden – insbesondere Ländern, die stark von Lieferungen nach China abhängig sind, wie etwa Japan, Südkorea, Taiwan und Singapur.

Längerfristig könnten einige dieser regionalen Anbieter jedoch von einem länger währenden Handelskrieg profitieren, da sich Lieferketten potenziell von China nach Südostasien verlagern könnten. Einige dieser Länder wie etwa Vietnam, Indien und/oder Bangladesch könnten zunehmende Bestellungen aus den USA verzeichnen, während Budgets von China abgezogen und anderweitig eingesetzt werden. Südkorea könnte von einem Bezug höherwertiger Artikel, beispielsweise von Elektronikgeräten und Maschinen, durch die USA profitieren.

Vereinzelte Schnäppchen in Japan

In Japan hat die Regierung ihre Einschätzung der Wirtschaft kürzlich erstmals seit drei Jahren nach unten korrigiert. Als Hauptgrund hierfür führte sie das langsamere Wachstum in China an. Die Probleme Japans sind also tatsächlich teilweise auf die Schwierigkeiten Chinas zurückzuführen. Darüber hinaus gibt es noch das Problem der zweiten Verbrauchssteuer, die im Oktober dieses Jahres in Kraft treten soll. Angesichts der Auswirkungen, die die erste Steuererhöhung im Jahr 2014 auf den Markt hatte, gibt es diesbezüglich einige Bedenken. Auf allgemeinerer Ebene spiegelt die Schwäche Japans aller Wahrscheinlichkeit nach auch generelle Sorgen über die anhaltenden Handelsspannungen und die von US-Präsident Trump eingeführten Handelszölle wider, da Japan eine hohe Konzentration auf die Sektoren Automobil und Elektronik aufweist.

Japan ist zudem einer der wenigen Märkte weltweit, die nicht nur ein allgemeines Nachfragedefizit aufweisen, sondern auch zu einem erheblichen Abschlag auf historische Bewertungsniveaus gehandelt werden. Die Zurückhaltung der Anleger ist auf frühere Probleme wie niedriges Wachstum, hohe Bewertungen, eine übermäßige Verschuldung und schwache Renditen zurückzuführen. Allerdings haben sich die Bedingungen während der letzten Jahre verbessert.

Reformen der Corporate Governance gewinnen in Japan an Fahrt, und zuletzt sind die Gewinne auf den höchsten Stand seit mehreren Jahrzehnten gestiegen, während gleichzeitig die Verschuldung auf das niedrigste Niveau der letzten Jahrzehnte gefallen ist. Hinzu kommt, dass die japanische Wirtschaft der Bank of Japan zufolge zwei Jahre in Folge ein über dem Potenzial liegendes Wachstum erreicht hat, wobei es sich um die längste Serie seit der Zeit vor der weltweiten Finanzkrise handelt.

Vor allem aber sind wir davon überzeugt, dass die Bewertungen attraktiver werden. Der japanische Markt wird auf Basis des Kurs-Gewinn- sowie des Kurs-Buchwert-Verhältnisses zu dem höchsten jemals verzeichneten Abschlag gegenüber den USA und dem Rest der Welt gehandelt.[5] Strukturelle Belastungen wie eine alternde Bevölkerung und eine hohe staatliche Verschuldung sind zwar noch nicht überwunden, Japan erzielt in dieser Hinsicht jedoch Fortschritte. Wir finden in Japan auch weiterhin vereinzelte Schnäppchen, die hinsichtlich der Sektoren auf eine relativ breite Basis entfallen, unter anderem auf Bereiche wie Technologie, Industrie, Kommunikationsdienste, nichtzyklische Konsumgüter oder Gesundheit.

Auf der Suche nach weltweitem Value-Potenzial

Aus Anlegersicht sind wir der Ansicht, dass sich die Chancen in Asien optimal nutzen lassen, wenn man auf die langfristige Vermögensbildung und das Nachfragepotenzial der asiatischen Verbraucher setzt. Darüber hinaus finden wir zahlreiche potenzielle Chancen unter Anbietern von kritischen Dienstleistungen und Infrastruktur, wie etwa Versorger, Telekommunikationsanbieter und Versicherer. In China halten wir zahlreiche Unternehmen auch weiterhin aufgrund der günstigen Bewertungen für attraktiv, auch wenn man äußerst selektiv vorgehen muss, um Chancen ausfindig zu machen. Daher haben wir staatliche Unternehmen aufgrund der potenziell übermäßigen Verschuldung und überschüssigen Kapazitäten gemieden und uns stattdessen auf einige der verbraucher- und dienstleistungsorientierten Sektoren Chinas konzentriert.

Im Hinblick auf konkrete Sektorpositionen sind wir trotz der Sorgen über eine Regulierung und die Entwicklung der Preise auch weiterhin von Gesundheitswerten überzeugt. Das Gesundheitswesen hat ein überdurchschnittliches Gewinn- und Umsatzwachstum geboten, wird jedoch zu unterdurchschnittlichen Bewertungen gehandelt – sowohl im historischen Vergleich als auch gegenüber einigen der anderen teureren Sektoren des globalen Markts. Der Sektor ist in der Lage, seine Herausforderungen durch Innovationen zu überwinden, und dürfte Produkte und ein Gewinnwachstum bieten, das der Markt unserer Einschätzung nach noch nicht erkannt hat.

Der Technologiesektor erscheint er uns teuer. Wir haben hier die teuren, Growth-Aktien gemieden. Stattdessen sehen wir Chancen bei reiferen Software-Unternehmen mit positiven Cashflows, bei Hardware-Unternehmen mit Restrukturierungspotenzial und bei Halbleiterherstellern, die durch Versorgungsengpässe übermäßig unter Druck geraten sind.

Energiewerte mussten im zweiten Halbjahr 2018, als der Preis für Rohöl der Sorte Brent auf 50 USD je Barrel abrutschte, empfindliche Rückschläge hinnehmen. Der Sektor dürfte wohl überverkauft gewesen sein, so dass eine potenzielle Erholung wahrscheinlich geworden war. Diese stellte sich dann im ersten Quartal auch ein, als der Ölpreis um rund 35 % auf 70 USD je Barrel zulegte.

Wenn sich Öl derart stark erholt, wird es für uns weniger attraktiv. Allerdings sehen wir nach wie vor Wertpotenzial bei den größeren, integrierten Ölkonzernen, die hohe Dividenden, einen zunehmenden freien Cashflow und steigende Renditen aufweisen.

Auch im Sektor nichtzyklische Konsumgüter sind Wertpotenziale nur sehr vereinzelt zu finden. Anleger haben sich allgemein auf die wahrgenommenen Gewinner konzentriert, die ein überdurchschnittliches Wachstum erzielen. Allerdings werden hierdurch die bereits hohen Bewertungen dieser Aktien weiter in die Höhe getrieben. Während der letzten Jahre haben Unternehmen im Bereich der nichtzyklischen Konsumgüter den Druck auf ihre Bruttomargen durch Einschnitte bei den Gemeinkosten und Marketing-Ausgaben ausgeglichen. Wie der zuletzt von mehreren Unternehmen (sowohl in Europa als auch in den USA) gemeldete Verlust von Marktanteilen jedoch zeigt, sieht es so aus, als hätten einige der Firmen ihre Ausgaben ein wenig zu drastisch gesenkt.

Gleichzeitig sind im Bereich des Lebensmitteleinzelhandels grundlegende Veränderungen zu beobachten: Einzelhändler investieren in E-Commerce und Eigenmarken, um den Aufstieg von alternativen Plattformen wie Amazon sowie von Discount-Einzelhändlern abzuwehren. Dies hat negative Auswirkungen auf zahlreiche Hersteller, insbesondere in den USA. Innerhalb des Sektors sehen wir Chancen bei einigen der niedrig bewerteten Lebensmittel- und Getränkeunternehmen mit positivem Cashflow, die überschüssige liquide Mittel erwirtschaften, die an Aktionäre zurückgeführt werden könnten.

Darüber hinaus gefallen uns ausgewählte Einzelhändler in den Bereichen Lebensmittel und Basiskonsumgüter, wo die Branchenbelastungen unserer Einschätzung nach bereits weitläufig bekannt sind, der Markt die Fähigkeiten dieser Unternehmen zur Verbesserung ihrer Gewinnlage jedoch nicht angemessen würdigt. Gleichzeitig vermeiden wir Unternehmen mit strapazierten Bilanzen sowie solche, bei denen das Argument der Bewertung schlichtweg nicht durch eine überzeugende Strategie zur Erzielung eines nachhaltigen, langfristigen Wachstums gestützt wird.

Wir gehen davon aus, dass gegen Beginn der zweiten Hälfte dieses Jahres zunehmend Anzeichen zutage treten werden, dass sich die weltweite Wachstumsschwäche ihrem Ende nähert und dass sich die belastenden Faktoren allmählich umkehren. Die chinesische Wirtschaft scheint sich zu erholen, die Wirtschaft der Eurozone nimmt allmählich an Fahrt auf, und die US-Notenbank ist von einer restriktiven auf eine neutrale Haltung umgeschwenkt.

Und schließlich kommt hinzu, dass der US-Markt auf der Basis diverser Kennzahlen, unter anderem auf Grundlage des Shiller-KGVs oder auch des Verhältnisses von Marktkapitalisierung zu BIP (dieses wird auch als der Buffett Indikator bezeichnet), sogar das hohe Bewertungsniveau des Jahres 1929 übertroffen hat. Lediglich während der Technologieblase der späten 90er Jahre waren noch extremere Bewertungen zu beobachten.[6] Während die Gewinne von US-Unternehmen allmählich unter Druck geraten, könnten wir endlich den Anfang einer dauerhaften Underperformance des US-Markts verzeichnen.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir nicht in den USA investieren. Immerhin ist dies ein äußerst tiefer und liquider Markt mit vereinzelten attraktiven Chancen.  Wir finden jedoch im Vergleich zum Rest der Welt nicht genügend Wertpotenzial, um die Gewichtung von ca. 55 % zu rechtfertigen, die dieser Einzelmarkt innerhalb der globalen Benchmark (MSCI All Country World Index) hält.[7]

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[1] Quelle: MSCI-Indizes, Stand: 31. März 2019. Der MSCI All Country World Index umfasst Unternehmen mit hoher und mittlerer Kapitalisierung aus 23 Industrie- und 24 Schwellenländern. MSCI gibt keine Gewährleistung und übernimmt keinerlei Haftung für hierin wiedergegebene MSCI-Daten. Indizes werden nicht gemanagt. Es ist nicht möglich, in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung. Weitere Informationen zum Datenanbieter finden Sie unter www.franklintempletondatasources.com.

[2] Quelle: MSCI-Indizes, Stand: 31. März 2019. MSCI Emerging Markets Index und MSCI World Index. Der MSCI Emerging Markets Index umfasst Unternehmen mit hoher und mittlerer Marktkapitalisierung aus 24 Schwellenländern. Der MSCI World Index umfasst Unternehmen mit hoher und mittlerer Kapitalisierung aus 23 Industrieländern. Indizes werden nicht gemanagt, und es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung. Weitere Informationen zum Datenanbieter finden Sie unter www.franklintempletondatasources.com.

[3] Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist eine Bewertungskennzahl, die berechnet wird, indem man den Aktienkurs durch den Gewinn pro Aktie teilt. Für einen Index ist das KGV das gewichtete Mittel der KGVs aller Aktien im Index. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) eines Unternehmens berechnet sich, indem der aktuelle Aktienkurs durch den Buchwert des Unternehmens (oder den Nettowert) je Aktie geteilt wird. Das KBV für einen Index ergibt sich aus dem gewichteten Durchschnitt der Kurs-Buchwert-Verhältnisse der im Index enthaltenen Aktien.

[4] Quelle: ISI Evercore Macro Views, 7. April 2019.

[5] Quelle: Credit Suisse Global Equity Strategy, 27. Februar 2019.

[6] Quelle: Research Affiliates LLC, auf Basis von Daten aus der Robert Shiller-Datenbank sowie von Wirtschaftsdaten der US-Notenbank (FRED), Stand: 31. Dezember 2018.

[7] Der MSCI All Country World Index (ACWI) umfasst Unternehmen mit hoher und mittlerer Kapitalisierung aus 23 Industrie- und 24 Schwellenländern. Indizes werden nicht gemanagt, und es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt. MSCI gibt keine Gewährleistung und übernimmt keinerlei Haftung für hierin wiedergegebene MSCI-Daten. Eine Weiterverbreitung oder weitere Nutzung ist nicht zulässig. Dieser Bericht wurde von MSCI weder erstellt noch bestätigt. Weitere Informationen zu Datenanbietern finden Sie unter www.franklintempletondatasources.com.