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Die Europawahlen: Ein Stimmungsbarometer für die Lage in Europa

Wahlen für das Europaparlament sorgen normalerweise nicht für internationale Schlagzeilen. Da das Thema Brexit jedoch immer noch nicht beigelegt ist, ziehen sie dieses Mal erhebliches Augenmerk auf sich. David Zahn, Head of European Fixed Income, ist der Ansicht, dass die Wähler eindeutig ihre Frustration zum Ausdruck bringen. Was allerdings wirklich benötigt wird, um das Vertrauen der Anleger wieder zu stärken, ist ein gewisses Maß an Sicherheit bezüglich der weiteren Entwicklung.

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Normalerweise würden wir Europawahlen nicht als besonders wichtigen Faktor für die Finanzmärkte betrachten. Allerdings befinden wir uns nicht in normalen Zeiten und so gehen wir davon aus, dass die Ergebnisse genau unter die Lupe genommen werden.

Wie erwartet, haben rechtsextreme populistische Parteien ein starkes Ergebnis erzielt. Die Mehrheit im Parlament haben sie jedoch nicht erringen können. Auch die Grünen haben Sitze hinzugewonnen.

Diese Wahlergebnisse dürften allgemein zwar wohl kaum direkte Auswirkungen auf die Märkte haben, sie könnten jedoch als Stimmungsbarometer für die aktuelle Lage in Europa dienen. In der Vergangenheit wurde die Wahl der Mitglieder des Europaparlaments oft als Chance für Wähler gesehen, ihrer Frustration Luft zu machen, so dass generell häufig Protestwahlen zu beobachten sind. Wir sind daher vorsichtig, nicht allzu viel in die Ergebnisse hinein zu interpretieren.

Aber dennoch: wann immer ein Anleger in der Lage ist, zusätzliche Informationen zur aktuellen Stimmungslage zu erhalten, kann dies unserer Meinung nach nur nützlich sein.

Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass sich Anleihenanleger Sorgen machen könnten, dass eine starke populistische Fraktion im Europaparlament Reformen bremsen und dringend benötigtes Wachstum behindern könnte.

Wir sind eindeutig der Meinung, dass Europa Reformen benötigt, um seine Wirtschaft in Schwung zu bringen und ein höheres Wachstumspotenzial zu fördern.

Man darf nicht vergessen, dass es abgesehen von der Begrenzung der Einwanderung nicht sonderlich viel gibt, worüber sich die rechtsextremen Gruppierungen innerhalb Europas einig sind. Sie haben also keine klare Agenda, die sie vorantreiben könnten. Allerdings gehen wir durchaus davon aus, dass sie störenden Einfluss haben könnten.

Weitaus mächtiger als die Abgeordneten im Europaparlament sind die Präsidenten der verschiedenen Zweige des europäischen Verwaltungsapparats. Zu diesen Organen gehören: die Europäische Kommission, der Europäische Rat, das Europäische Parlament und die Europäische Zentralbank.

Wenn extremistische Parteien stärker im Europäischen Parlament vertreten sind, so könnte die in den kommenden Monaten anstehende Besetzung dieser Posten sehr viel weniger reibungslos verlaufen als in der Vergangenheit.

Welche Rolle spielen die britischen Abgeordneten?

Die Teilnahme des Vereinigten Königreichs an diesen Wahlen hat das Interesse daran zusätzlich verstärkt. Aufgrund der Verzögerung des Brexits wählt Großbritannien Abgeordnete für das Europaparlament. Allerdings ist unklar, wie lange die gewählten Kandidaten tatsächlich im Amt sein werden.

Zudem ist nicht gewiss, was mit diesen Sitzen im Europaparlament geschehen soll, wenn Großbritannien die Union verlässt. Werden die Sitze durch Nachwahlen sofort neu verteilt? Vor der unerwarteten Wiederaufnahme Großbritanniens in diese Wahl waren die Sitze bereits auf mehrere andere Länder aufgeteilt worden.

Sollte es zu Nachwahlen kommen, könnte sich die politische Zusammensetzung des Parlaments erneut ändern.

In ähnlicher Weise könnte der Erfolg der britischen Brexit-Partei dem Europäischen Parlament ein echter Dorn im Auge sein – zumindest bis das Land die Union verlässt. Wir gehen davon aus, dass die britischen Abgeordneten viel Lärm machen und das Parlament so stark wie möglich stören werden.

Wie gestaltet sich nun der Pfad für den Brexit?

Theresa May hat angekündigt, ihr Amt als britische Premierministerin am 7. Juni niederzulegen.

Vieles hängt nun davon ab, wer ihr Nachfolger wird.

Angesichts des starken Abschneidens der Brexit-Partei bei den Europawahlen und der EU-feindlichen Stimmung in der Basis der Konservativen Partei, gehen wir davon aus, dass die neue Spitze aus dem euroskeptischen Flügel der Partei stammen und bezüglich des Brexits eine härtere Linie verfolgen dürfte.

Daher hat sich unserer Einschätzung nach die Wahrscheinlichkeit eines No-Deal-Brexits deutlich erhöht.

Dieses No-Deal-Szenario spiegelt sich allmählich in den Märkten wider: Die Renditen auf 10-jährige Gilts sind auf ca. 1 % gesunken, und das Pfund Sterling wurde während der letzten Wochen gegenüber dem Euro immer weiter abverkauft.

Zahlreiche Anwärter haben bereits ihre Kandidatur angekündigt. Wir gehen davon aus, dass der neue Premierminister sein Amt frühestens im August oder September antreten wird. Damit bliebe nur sehr wenig Zeit für etwaige Nachverhandlungen mit der Europäischen Union – selbst wenn Bereitschaft bestünde, die Gespräche wieder aufzunehmen.

Wir schätzen die Wahrscheinlichkeit eines Brexits ohne vorheriges Abkommen auf 30 % bis 35 %

Vor diesem Hintergrund schätzen wir die Wahrscheinlichkeit eines No-Deal-Brexits auf 30 % bis 35 % – nicht weil dies so gewollt wäre, sondern weil schlicht und ergreifend die Zeit fehlen wird, um eine Einigung zu erzielen, die dieses Szenario vermeiden würde.

Die wahre Frage ist dann: inwiefern werden die beiden Seiten in der Lage sein, die gravierendsten Folgen eines Brexits ohne Austrittsabkommen abzufedern.

Die europäischen Behörden haben bereits angedeutet, dass sie einige der aktuellen Verfahren gerne beibehalten würden, bis ordentliche Ersatzabkommen ausgehandelt sind. Dieser Trend einer Suche nach kurzfristigen Abhilfemaßnahmen könnte sich verstärken, denn wenn das europäische Wachstum weiterhin schleppend verläuft, dürften die Behörden alle Faktoren vermeiden wollen, die eine weitere Verlangsamung nach sich ziehen könnten.

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des potenziellen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Anleihenkurse entwickeln sich im Allgemeinen in die den Zinsen entgegengesetzte Richtung. Wenn sich also die Anleihenkurse in einem Investmentportfolio an steigende Zinsen anpassen, kann der Wert des Portfolios sinken. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen.