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ETFs

Eine neue Sicht auf die Geld-Brief-Spannen für ETF-Anleger

Jason Xavier, Head of EMEA ETF Capital Markets bei Franklin Templeton, begibt sich auf die Suche, um Investments in börsengehandelte Fonds (ETF) zu entzaubern. In diesem Beitrag untersucht er, warum manche Anleger die Bedeutung von Geld-Brief-Spannen bei der Beurteilung der Attraktivität von ETF falsch verstehen.

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In mehreren Beiträgen versuchten wir bereits, die Fehleinschätzungen mancher Anleger zu ETF zu korrigieren. In älteren Beiträge betrachteten wir die Rolle von Handelsvolumen und Größe und die Widerstandsfähigkeit des Marktes.

In diesem Beitrag befassen wir uns nun mit „Geld-Brief-Spannen“ und zeigen auf, warum einige der am stärksten genutzten Kennzahlen irreführend sein können.

Beurteilung der Spanne

In vielen Fällen weisen ETFs bestimmte Eigenschaften auf, die denen von Aktien und Investmentfonds ähnlich sind. Die Geld-Brief-Spanne ist eine davon.

Wir sind der Meinung, dass die Transparenz der Geld-Brief-Spanne, wie sie im ETF-Ökosystem besteht, zur Demokratisierung dieses Anlagestils beiträgt.

Einfach ausgedrückt ist der Geldkurs (Bid) der höchste Betrag, zu dem eine Person bereit ist zu kaufen, und der Briefkurs (Ask) der niedrigste Betrag, zu dem eine Person bereit ist zu verkaufen. Der Unterschied zwischen diesen Kursen ist die „Spanne“ (Spread). Diese Spanne berücksichtigt in der Regel die Ausführungskosten in Bezug auf den zugrunde liegenden Anlagenkorb sowie die Absicherungskosten für den Market Maker.

Auf den ersten Blick könnte es offensichtlich erscheinen, dass eine engere besser als eine größere Spanne ist. Ein kleiner Abstand zwischen dem Preis, den Käufer zu zahlen bereit sind, und jenem, den Verkäufer bieten, bedeutet, dass der Markt sehr liquide ist, ein intensiver Preiswettbewerb herrscht und eine hohe Nachfrage nach dem jeweiligen Vermögenswert besteht.

Eine differenziertere Kalkulation

Allerdings ist die Situation etwas differenzierter. Zur Veranschaulichung haben wir hier zwei Beispiele angeführt:

Wir stellen uns zwei ETF mit identischen zugrunde liegenden Wertpapieren vor.

ETF A hat einen Geldkurs (den der Käufer zu zahlen bereit ist) von € 21,02 und einen Briefkurs (den der Verkäufer bietet) von € 21,05.

ETF B hat einen Geldkurs (den der Käufer zu zahlen bereit ist) von € 98,73 und einen Briefkurs (den der Verkäufer bietet) von € 98,79.

Somit beträgt die Spanne bei ETF A drei Cent und bei ETF B sechs Cent. Die Betrachtung der Spanne in Euro/Cent erlaubt uns jedoch lediglich eine eingeschränkte Sicht.

Ganz anders gestaltet sich die Lage, wenn die Spanne in Prozent zum Kurs des Titels ausgedrückt wird.

In diesem Falle erhalten wir folgende Spannen:

ETF A: 100 x (€ 21,05 – € 21,02)/€ 21,05 = 0,14 % oder rund 14 Basispunkte.1

ETF B: 100 x (€ 98,79 – € 98,73)/€ 98,79 = 0,06 % oder rund sechs Basispunkte.

Einfacher ausgedrückt stellt eine Spanne von drei Cent einen größeren Anteil am niedrigeren Kurs dar als die Spanne von sechs Cent an dem höheren Kurs.

Wie hoch ist der Wert?

Die Geld-Brief-Spanne spiegelt jedoch nicht den Wert des ETF wider.

Aus unserer Sicht ist dies ein wichtiger Aspekt, der näherer Erörterung bedarf. Der Kurs eines ETF – insbesondere eines neu aufgelegten ETF – wird durch die Kosten für die Zusammenstellung des zugrunde liegenden Wertpapierkorbes beeinflusst.

Schauen wir uns ein anderes Beispiel an. Wir nehmen nun zwei separate ETF mit identischen zugrunde liegenden Wertpapieren in gleichen Gewichtungen an. Basierend auf dem Preis des Wertpapierkorbes sind beide ETF € 27,50 wert.

Der Markt für ETF A ist: Geldkurs von € 27,39 / Briefkurs von € 27,53
Der Markt für ETF B ist: Geldkurs von € 27,48 / Briefkurs von € 27,55

Die Spanne bei ETF A ist (mit 14 Cent) somit fast doppelt so hoch wie bei ETF B (mit sieben Cent).

Doch trotz der weiteren Spanne könnten Anleger der Auffassung sein, ETF A sei erstrebenswerter, weil seine Anteile näher am Preis des zugrunde liegenden Korbes angeboten werden.

Anders gesagt: Falls die beiden ETFs identisch sind und den gleichen zugrunde liegenden Wertpapierkorb haben, ist der Wert der Wertpapiere ebenfalls der gleiche. Es ist daher verständlich, dass ein Anleger den ETF kaufen möchte, der zu einem niedrigeren Kurs angeboten wird, um weniger für das gleiche Wertpapier zu zahlen.

Was bedeutet all dies für potenzielle Anleger? Eine der wichtigsten Aufgaben unseres ETF Capital Markets Teams liegt in der Zusammenarbeit mit den Marktteilnehmern und der Erörterung der Kosten für die Zusammenstellung des Korbes und die Auswirkung auf den Kurs des ETF.

Potenzielle Anleger sollen die Sicherheit haben, dass Anteile auf Niveaus erworben werden können, die mit dem Preis des zugrunde liegenden Korbes im Einklang stehen.

Die früheren Artikel Jason Xaviers finden Sie hier: http://global.beyondbullsandbears.com/author/pm-xavier/

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des potenziellen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Maklerprovisionen und ETF Aufwendungen schmälern die Renditen. ETF Anteile können den Tag über zu ihrem Marktpreis an der Börse, an der sie notiert sind, gekauft oder verkauft werden. ETFs werden wie Aktien gehandelt. Ihr Marktwert schwankt, und sie können zu Kursen gehandelt werden, die über oder unter ihrem Nettoinventarwert liegen. Es kann jedoch nicht garantiert werden, dass ein aktiver Handelsmarkt für ETF Anteile entsteht oder gepflegt wird oder dass deren Notierung fortgeführt wird oder unverändert bleibt. ETF-Anteile können zwar an Sekundärmärkten gehandelt werden, aber eventuell werden sie nicht unter allen Marktbedingungen ohne Weiteres gehandelt, und in Zeiten von Marktstörungen können sie erhebliche Abschläge aufweisen.
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  1. Ein Basispunkt ist eine Maßeinheit. Ein Basispunkt entspricht 0,01 %.