Beyond Bulls & Bears

Perspektiven

Was sind die wirklichen Gründe für die Volatilität am Ölmarkt?

Die jüngsten Angriffe auf Öltanker im Nahen Osten haben Schlagzeilen gemacht und geopolitische Ängste wieder aufflackern lassen. Fred Fromm von der Franklin Equity Group ist jedoch der Ansicht, dass andere Faktoren, und zwar insbesondere die globale Angebots- und Nachfragedynamik bei Öl, für die in diesem Jahr verzeichneten Phasen erhöhter Marktvolatilität verantwortlich sind.

Dieses Posting steht Ihnen in den folgenden Sprachen zur Verfügung: Englisch Vereinfachtes Chinesisch Französisch Italienisch

Nach den am 13. Juni verzeichneten Angriffen auf zwei Öltanker in der Straße von Hormuz – einer wichtigen Wasserstraße im Golf von Oman – fragen sich Anleger, ob solche Zwischenfälle den globalen Ölmarkt aus der Bahn werfen könnten. Angesichts der Tatsache, dass rund 40 % des weltweit gehandelten Öls durch diese Straße transportiert wird, ist das durchaus verständlich.[1]

Unserer Einschätzung nach ist es äußerst schwierig, die Richtung der Ölpreise allein auf Basis der Tankerangriffe vorherzusagen. Diese Arten von geopolitischen Spannungen sind allgegenwärtig, und ihre Bedeutung verändert sich in der Regel im Laufe der Zeit. Als aktuelles Beispiel wäre etwa der zunehmende Einfluss Russlands im Nahen Osten und die Abstimmung mit der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) anzuführen. Zum anderen wäre da der regionale Einfluss des Irans und das Verhältnis des Landes zu den USA, das zu diversen Stellvertreterkriegen und den Angriffen auf Tanker aus anderen Ländern geführt hat.

Als langfristig orientierte Anleger müssen wir bei der Analyse des Ölmarkts immer eine Vielzahl von Aspekten berücksichtigen. Infolgedessen prüfen wir bei der Analyse von Unternehmen und ihren Wertpapieren stets ein breites Spektrum an möglichen Entwicklungen.

Ist wirklich eine Abkühlung der Nachfrage nach Öl zu befürchten?

Derzeit scheint sich der Markt unserer Einschätzung nach stärker auf den schwachen Ausblick für die globale Ölnachfrage und weniger auf mögliche angebotsseitige Störungen im Nachgang der jüngsten Tankerangriffe zu konzentrieren. Nachdem sie im April auf den höchsten Stand der letzten sechs Monate geklettert waren, gaben die Rohölpreise im Mai und in der ersten Junihälfte rapide nach, da die Verschärfung des Handelsstreits zwischen den USA und China den Ausblick für das Wachstum des Fertigungssektors und der Energienachfrage eintrübte.

In ihrem im Juni veröffentlichten Ausblick für den Ölmarkt senkte die Internationale Energieagentur (IEA) ihre Nachfragewachstumsprognose für 2019 auf 1,2 Mio. Barrel pro Tag (mb/d), nachdem sie im Mai noch von 1,3 mb/d ausgegangen war.[2] Die IEA prognostizierte zudem, dass die Nachfrage im laufenden Quartal voraussichtlich beginnen würde, das Angebot zu übersteigen. Ein solches Ungleichgewicht war zuletzt Anfang 2018 verzeichnet worden.

Die US-Ölfeldproduktion trug dazu bei, die Ängste über eine Unterbrechung der Versorgung zu dämpfen. Die Fördermengen hatten zuletzt ein Rekordniveau von 12,0 mb/d erreicht, nachdem sie im Vorjahr noch bei 10,6 mb/d bzw. vor zwei Jahren bei 9,2 mb/d gelegen hatten.2 Darüber hinaus stiegen die Ölvorräte der USA in der zweiten Maihälfte auf fast 477 mb/d und erreichten damit den höchsten Stands seit Juli 2017.2

Viele Analysten blieben jedoch zurückhaltend, da konstante Fördermengen in den USA und eine höhere Produktion der OPEC und ihrer Verbündeten für ein dauerhaft erhöhtes Angebot am Markt sorgen dürften, wenn die OPEC beschließt, ihre Ausbringungsmengen Mitte 2019 wieder zu erhöhen. Im Januar hatten sich das Kartell und seine Partner darauf geeinigt, die eigenen Fördermengen bis Juni freiwillig zu drosseln. Diese Maßnahmen könnten im Rahmen einer für Anfang Juli angesetzten Sitzung verlängert werden.

Aktueller Ausblick und Strategie

Die Ende April aufgekommene Volatilität setzte sich im Mai und Juni fort, da sich Anleger über die Verhängung von Importzöllen und die potenziellen Auswirkungen auf das weltweite Wachstum zunehmend Sorgen machten. Da Kraftstoff – und damit auch die Ölnachfrage – in der Vergangenheit eng mit dem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts verknüpft war, wird zunehmend erwartet, dass sich die Nachfrage abschwächen und niedrigere realisierte Produzentenpreise nach sich ziehen wird.

Als Anleger in Rohstoffmärkten, die stark durch wirtschaftliche Trends beeinflusst werden, sind wir der Ansicht, dass die eigene Einschätzungen stets dynamisch sein müssen. Die jüngsten Trends scheinen eindeutig Anzeichen auf eine Abkühlung der Wirtschaftstätigkeit aufzuweisen. Allerdings fallen die Indikatoren uneinheitlich aus und könnten durch Sorgen über die Entwicklung der Handelsbeziehung zwischen den USA und China und den damit verbundenen Zöllen beeinflusst sein. Diese könnten sich als vorübergehend erweisen, wenn in näherer Zukunft eine entsprechende Lösung gefunden wird.

Vor diesem Hintergrund sind wir der Ansicht, dass Angebots- und Nachfragefaktoren berücksichtigt werden müssen, ebenso wie Aktienbewertungen und das, was sie über die vorherrschenden Meinungen unter Anlegern implizieren. Auch wenn wir uns erhöhter Unsicherheit ausgesetzt sehen, hat die sich daraus ergebende Aktienmarktschwäche aus unserer Sicht zahlreiche Anlagechancen bei hochwertigen Unternehmen eröffnet. Wir gehen davon aus, dass sich diese Aktien im Zuge eines schärferen Abschwungs als widerstandsfähiger erweisen sollten, gleichzeitig bei einer Erholung jedoch immer noch überzeugendes Aufwärtspotenzial bieten dürften.

Es besteht zwar jederzeit die Möglichkeit einer angebotsseitigen Störung (dies haben wir aus erster Hand in Venezuela erleben können), die jüngsten Tankerangriffe im Nahen Osten haben jedoch das Potenzial für eine deutlichere Einschränkung des Ölangebots erhöht. Der Zeitpunkt, der Schweregrad und die Dauerhaftigkeit solcher Entwicklungen lassen sich allerdings nur schwerlich vorhersagen, so dass es alles andere als einfach ist, sie in eine Szenarioanalyse einzubinden.

CFA® und Chartered Financial Analyst® sind Marken des CFA Instituts.

Sie möchten weitere Einschätzungen von Franklin Templeton per E-Mail erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Blog Beyond Bulls & Bears.

Die neuesten Tipps und Infos für Anleger finden Sie auf Twitter @FTI_Germany und auf LinkedIn.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen sind die persönlichen Ansichten der Anlageverwalter und werden ausschließlich zur allgemeinen Information bereitgestellt. Sie sind nicht als Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers oder zur Übernahme einer bestimmten Anlagestrategie zu verstehen. Sie stellen auch keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die vorstehenden Informationen entsprechen dem Datum der Veröffentlichung und können sich ohne Vorankündigung ändern. Sie sind nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt oder eine Anlage gedacht.

In diesem Dokument möglicherweise verwendete externe Daten wurden von Franklin Templeton Investments („FTI“) nicht unabhängig verifiziert, bewertet oder überprüft. FTI haftet auf keinen Fall für Verluste, die durch die Nutzung dieser Informationen entstehen. Das Vertrauen auf die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument liegt im alleinigen Ermessen des Nutzers. Manche Produkte, Dienstleistungen und Informationen sind möglicherweise nicht in jedem Land verfügbar und werden außerhalb der USA von anderen mit FTI verbundenen Unternehmen und/oder ihren Vertriebsstellen, wie nach lokalem Recht und lokalen Vorschriften zulässig, angeboten. Bitte wenden Sie sich für weitere Informationen über die Verfügbarkeit von Produkten und Dienstleistungen in Ihrem Land an Ihren eigenen professionellen Berater.

Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, inklusive des möglichen Verlusts der Anlagesumme. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück.  Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen. Anlagen im Rohstoffsektor bergen spezifische Risiken, unter anderem weil sie stärker auf widrige Veränderungen der den Sektor betreffenden wirtschaftlichen Entwicklung oder regulatorischen Entwicklungen reagieren. Die Kurse von Wachstumsaktien können erheblich sinken, wenn das betreffende Unternehmen seine Ertrags- oder Umsatzprognosen nicht erfüllt; ihre Kurse können volatiler sein als die anderer Wertpapiere, insbesondere über kurze Zeiträume. Kleinere Unternehmen können besonders anfällig für Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sein und haben weniger sichere Wachstumsaussichten als größere, besser etablierte Unternehmen und können insbesondere auf kurze Sicht volatil sein. Der Fonds kann auch in ausländische Unternehmen investieren, die besondere Risiken mit sich bringen, darunter Währungsschwankungen und politische Unsicherheit.

[1] Quelle: Bloomberg.

[2] Quelle: IEA Oil Market Report, 14. Juni 2019.