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Anleihen

Lebensmittelsicherheit aus ESG-Sicht

In den Schwellenländern steigt die Nachfrage der Verbraucher nach Fleisch. Allerdings bedrohen ansteckende Tierkrankheiten ihre traditionellen Quellen für tierische Eiweiße, so dass sie zur Sättigung der Nachfrage über ihre inländischen und regionalen Märkte hinausschauen müssen. In diesem Beitrag beschreibt Jimmy McGiveran von Franklin Templeton mittels einer Analyse der Faktoren Umwelt, Soziales und Governance (ESG) die weitreichenden Folgen für den weltweiten Lebensmittelsektor.

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Als Analysten verwenden wir viel Zeit auf die Beurteilung wesentlicher Kriterien, welche die Verfügbarkeit und den Preis von Lebensmitteln rund um den Globus beeinflussen können. Diese Kriterien können wirtschaftlich oder politisch sein, doch zunehmend spielen auch Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG) eine Rolle.

Lebensmittel- und Ernährungssicherheit etwa ist im Kontext der Befriedigung einer wachsenden Nachfrage ein wichtiger ESG-Aspekt.

Einhergehend mit unvorhersehbaren globalen Beziehungen sorgen die weltweite Bevölkerungsentwicklung und sich ändernde internationale Lieferketten dafür, dass sich Veränderungen in einem Teil der Welt andernorts verstärkt auswirken können.

Einer der interessantesten Aspekte sind derzeit die möglichen Folgen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in China für das weltweite Angebot an Fleischeiweißen.

Versorgung mit inländischem Schweinefleisch in China bedroht

Die Versorgung mit inländischem Schweinefleisch ist in China derzeit durch einen ansteckenden ASP-Erregerstamm gefährdet.

Schweinefleisch ist in China das am meisten verzehrte tierische Eiweiß, und rund 50 % der weltweiten Schweinefleischproduktion entfällt auf das Land.

Doch trotz dieser riesigen Inlandsproduktion verbraucht China nahezu das gesamte von ihm produzierte Fleisch selbst und exportiert Schweinefleisch nicht in größerem Umfang. Seine Importe sind proportional zum Wachstum seiner Mittelschicht gestiegen.

Chinesische Aufsichtsbehörden haben keine offiziellen Berichte über das Ausmaß dieser Infektion veröffentlicht, doch aktuelle Schätzungen gehen von einer Größenordnung von 10 % bis 30 % aus. Dies wäre nach unserer Analyse ein Anteil von rund 5 % bis 15 % an der weltweiten Schweinefleischproduktion.

Daher dürfte China Fleisch importieren müssen, um die von der ASP hinterlassene Lücke zu schließen. Dies wird größtenteils Schweinefleisch sein. Andere Sorten wie Rind und Geflügel dürften jedoch auch genutzt werden.

Die chinesischen Importe von Fleisch stiegen während des letzten großen Ausbruchs, der Viehbestände betraf (Geflügelpest von 2015 bis 2017), sprunghaft an, und das US-Landwirtschaftsministerium rechnet nun damit, dass China zum Ausgleich der ASP und ihrer Folgen seine Importe von Fleisch 2019 um rund 30 % wird steigern müssen.

Wie kann China seinen Hunger auf Schweinefleisch stillen?

Es ist unwahrscheinlich, dass die Knappheit auf dem chinesischen Inlandsmarkt durch Schweinefleischlieferungen aus den USA behoben wird.

Infolge des heftigen Handelsstreits mit den USA erhebt China Zölle in Höhe von 62 % auf Schweinefleischimporte aus den USA. China dürfte sich zur Deckung seines Eiweißbedarfs Brasilien, der Europäischen Union (EU) und Australien zuwenden.

Da diese Exporteure ihre Waren nun jedoch in eine neue Richtung lenken, sehen wir für die US-Schwellenländer, ESG, Lebensmittelproduktion, Lebensmittelsicherheit, Franklin Templeton Fixed Income Group, und insbesondere die Geflügelproduktion, nach wie vor eine Chance, da sie ihre Exporte in zuvor von der EU und Brasilien bediente Regionen steigern könnte.

Die US-Schweinefleischpreise sind seit Anfang März 2019 aufgrund des knapperen weltweiten Schweinefleischangebots gestiegen. Gleiches gilt für die Geflügelpreise.

Infolgedessen erwarten wir für die US-Geflügelbranche für den Zeitraum 2018 bis 2021 eine Zunahme der Verarbeitungskapazität von rund 10 % bis 12 %.

Biosicherheit als ESG-Anliegen

Die beste, wirksamste Methode beim Umgang mit Problemen bei der Biosicherheit ist Prävention. Zudem würde eine unterlassene Reaktion auf den Ausbruch einer Seuche nicht nur die Gesundheit der Verbraucher direkt beeinträchtigen, sondern auch die finanzielle Verfassung der involvierten Unternehmen.

Anhand der Reaktionen und Ergebnisse während vorheriger Krankheitsausbrüche lässt sich unschwer die Bedeutung moderner Biosicherheitsmaßnahmen erkennen. Dies sind z. B. die rasche Identifizierung und Liquidierung sowie Regulierungsmaßnahmen einschließlich Vorschriften für Fütterung, Aufzucht und Haltung.

Während der letzten großen Pandemie, die sich auf Geflügelproduzenten auswirkte, dem Ausbruch der Geflügelpest 2015 bis 2017, waren entwickelte Volkswirtschaften wie die USA und die EU in der Lage, ihre Biosicherheitsmaßnahmen wirksam zu aktivieren.

Ihre Behörden standen unablässig in Kontakt mit den Landwirten und speziellen Biosicherheitslaboren und -einrichtungen und waren in der Lage, die betroffenen Bestände mit minimaler zusätzlicher Ansteckung zu identifizieren und zu liquidieren. Es lässt sich jedoch nicht behaupten, dass die Folgen dieses Ausbruchs nicht groß waren.

Denn rund 10 % der gesamten Geflügelbestände in Nordamerika und der EU waren betroffen. In Anbetracht der Anspannung bei Angebot und Nachfrage sowohl auf Ebene der Landwirte als auch der Verarbeiter stiegen die Preise für Eier, Lebendhühner und verarbeitete Hühner deutlich.

Brasilien zum Vergleich

Dagegen ist das regulatorische Umfeld in Brasilien, egal, wie man es betrachtet, schlecht. Es mangelt dem Land an ausreichend Aufsichtspersonal für die Einrichtungen. Seit einiger Zeit verlässt sich die brasilianische Regierung darauf, dass die regulierten Unternehmen das Personal für ihre wirksame Regulierung selbst bereitstellen.

Eine 2017 begonnene Untersuchung zur Lebensmittelsicherheit in einigen der größten Fleischverarbeitungsunternehmen Brasiliens führte zu hohen Geldstrafen und Einbußen im internationalen Geschäft.

Auch wenn Brasilien den Erregerstamm der Geflügelpest in den Jahren 2015 bis 2017 letztlich ausrotten konnte, sind wir nicht überzeugt, dass die Regulierungsprobleme in der Lebensmittelbranche des Landes vollumfänglich angegangen und behoben wurden. Mit dem Beispiel Brasilien im Hinterkopf gibt die Betrachtung der aktuellen Lage in China wenig Anlass für Zuversicht.

Trüber Ausblick für die chinesische Schweinefleischproduktion

Sogar mit einem gemeinhin als schlecht geltenden Regulierungssystem waren die brasilianischen Produzenten in der Lage, den jüngsten Ausbruch der Geflügelpest zu beenden.

In China existiert der Stamm der Geflügelpest der Jahre 2015 bis 2017 hingegen weiter. Wir stellen uns daher eine Situation vor, in der eine viel ansteckendere Krankheit auf dem weltgrößten Markt für Schweinefleisch von einer Regierung gehandhabt wird, die noch mit der Eindämmung der Geflügelpest kämpft.

Nach unserer Beurteilung der wesentlichen ESG-Faktoren macht die Kombination aus schlechtem Meldesystem und begrenzter Aufsicht über familiengeführte Betriebe eine baldige Ausrottung der ASP in China unwahrscheinlich.

Viele Fachleute sind der Auffassung, dass China mindestens fünf Jahre braucht, um die Verluste bei der Schweinefleischproduktion wieder aufzuholen.

In Anbetracht des bereits angespannten Gleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage und dem erwarteten weiteren Nachfragewachstum dürften die Preise für tierische Eiweiße im Allgemeinen und für Schweinefleisch im Besonderen im kommenden Jahr weiter ansteigen.

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