Beyond Bulls & Bears

Anleihen

Hysterie wegen US-Zinskurve

Die Inversion der US-Zinskurve hat in der Finanzpresse große Aufmerksamkeit erregt, da sie ein Vorbote der wirtschaftlichen Rezession darstellen soll. Sonal Desai, CIO Fixed Income Team,  plädiert für mehr Besonnenheit bei Marktteilnehmern und Kommentatoren und erklärt wie es um den Zustand großer Volkswirtschaften tatsächlich bestellt ist.

Dieses Posting steht Ihnen in den folgenden Sprachen zur Verfügung: Englisch Vereinfachtes Chinesisch Italienisch Spanisch Polnisch

Die jüngste Inversion der Zinskurve der US-Treasuries hat die Finanzpresse in einen gewissen Rausch versetzt.
Ich sehe einen krassen Widerspruch darin, dass so viele Marktteilnehmer und Kommentatoren das erhöhte Maß an wirtschaftlicher Unsicherheit betonen und gleichzeitig flache oder invertierte Zinskurven als narrensichere Indikatoren für eine Rezession betrachten. Ich sehe das als völlig fehlgeleitet an – ich denke, die Zinskurve sagt uns nichts darüber aus, was der Realwirtschaft bevorsteht.

Ja, die anhaltende Unsicherheit im Handel hat einige Auswirkungen auf die Stimmung der Unternehmen. Aber wir leben seit fast drei Jahren mit Handelsunsicherheit, mit sehr geringen wirtschaftlichen Auswirkungen. Die US-Wirtschaft behauptet sich gut, und jetzt profitiert sie von einer moderaten Fed.

China hat ein wenig Schwäche gezeigt, aber keine starke Verlangsamung; und die jüngsten Daten zeigen, dass Chinas niedrigere Exporte in die Vereinigten Staaten durch stärkere Exporte in den Rest der Welt ausgeglichen wurden. Die Schwäche in Europa ist ausgeprägter, insbesondere in Deutschland, wie wir es bei den jüngsten Daten zum Bruttoinlandsprodukt gesehen haben, aber keineswegs ein Zusammenbruch.

Die US-Wirtschaft schafft weiterhin mit einem robusten Tempo Arbeitsplätze, auch wenn die Arbeitslosenquote bereits auf einem 50-Jahres-Tiefstand liegt. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter stiegen 2017 um 4,7%, 2018 um 5% und in der ersten Jahreshälfte um 5,1%.1 Der private Konsum treibt die Wirtschaft voran, und die Sparquote der Haushalte liegt im Juni dieses Jahres bei sehr guten 8,1%.2

Kurz gesagt: Die Wirtschaftsdaten zeigen keine Hinweise darauf, dass sich weder die Vereinigten Staaten noch die Weltwirtschaft einer Rezession nähern.
Die Märkte für Staatsanleihen sind nach wie vor durch die große Rolle verzerrt, die die Zentralbanken weiterhin spielen. Und jetzt hat die Fed die Zinsen gesenkt und die Möglichkeit weiterer Senkungen signalisiert; die Europäische Zentralbank hat die Tür zu einer Wiederaufnahme der quantitativen Lockerung geöffnet. Die großen Zentralbanken laden die Anleger im Wesentlichen ein, die Konjunkturdaten zu ignorieren und auf niedrigere Renditen zu setzen.

Also, ich denke, die Rentenmärkte setzen auf die Fed, und die Fed hat gerade eine Wendung genommen und nebenbei die Wirtschaftsdaten ignoriert. Aber diese Wette auf die Fed gibt keinerlei Hinweis darauf, wohin die Wirtschaft geht. Mit anderen Worten, ich denke, dass die Zinskurve von US-Treasuries überhaupt keinen Wert als Indikator für eine Rezession hat. Es ist nur ein guter Indikator für die „Dovishness“ der Fed im Moment und ein Zeichen von Panik auf den Märkten.

Die Märkte und die Fed scheinen sich gegenseitig anzusehen, nähren sich gegenseitig mit Angst und ignorieren völlig, was in der Realwirtschaft tatsächlich vor sich geht.


Sie möchten weitere Einschätzungen von Franklin Templeton per E-Mail erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Blog Beyond Bulls & Bears.

Die neuesten Tipps und Infos für Anleger finden Sie auf Twitter@FTI_Germany und auf LinkedIn.

Wichtige rechtliche Hinweise

Diese Unterlagen sollen ausschließlich allgemeinem Interesse dienen und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers oder zur Übernahme einer Anlagestrategie zu verstehen. Sie stellen auch keine Rechts- oder Steuerberatung dar.

Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen, Aussagen und Analysen geben die Einschätzung zum 14. August wieder und können sich jederzeit ohne Vorankündigung ändern. Die vorliegenden Informationen stellen keine vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region oder einen Markt dar.

Bei der Erstellung dieses Materials wurden möglicherweise Daten von Dritten genutzt. Franklin Templeton Investments („FTI“) hat diese Daten nicht unabhängig begutachtet, validiert und überprüft. FTI haftet für keinerlei Verluste, die durch die Nutzung dieser Informationen entstehen. Es liegt im alleinigen Ermessen des Nutzers, auf die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Material zu vertrauen.

Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des potenziellen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Anleihenkurse entwickeln sich im Allgemeinen in die den Zinsen entgegengesetzte Richtung. Wenn sich also die Anleihenkurse in einem Investmentportfolio an steigende Zinsen anpassen, kann der Wert des Portfolios sinken.  Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie wirtschaftliche Unsicherheit und politische Veränderungen. Anlagen in Schwellenländern sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Zusätzliche Risiken ergeben sich aus dem kleineren Marktumfang, der geringeren Liquidität sowie dem Mangel an festen rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte. Solche Anlagen können im Verlauf eines bestimmten Jahres erheblichen Preisschwankungen unterworfen sein.

1.  Quelle: US Bureau of Economic Analysis.

2.  Quelle: ebd.