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Entwicklungen, die das Marktgeschehen in Europa unserer Meinung nach in den nächsten Monaten bestimmen dürften

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Während europäische Anleger und Marktteilnehmer aus ihrem Sommerurlaub zurückkehren und sich auf das letzte Drittel des Jahres 2019 vorbereiten, beleuchtet unser Head of Fixed Income David Zahn die Themen, die seiner Meinung nach das Marktgeschehen in den kommenden Monaten bestimmen werden. Hier sind die aus seiner Sicht wichtigsten Themen für globale Anleger, die die Entwicklungen in Europa beobachten.

Geld- und Fiskalpolitik im Euroraum

Unseres Erachtens werden sich europäische Anleger, die aus ihrem Sommerurlaub zurückkehren, in erster Linie auf die am 12. September stattfindende Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) konzentrieren.

Es stellt sich die Frage, ob die EZB die Markterwartungen erfüllen kann, nachdem in den letzten drei Monaten erhebliche Bewegungen bei europäischen Anleihen zu beobachten waren.

In der Vergangenheit hatte sich die EZB einen Ruf gemacht, die Erwartungen immer wieder zu übertreffen. Derzeit bereitet uns jedoch die Frage Sorgen, ob ihre Kommunikationsmaßnahmen ausreichen werden, um den Markt zu stützen.

Wir rechnen mit mehreren Ankündigungen:

  • Eine Zinssenkung

Wir glauben nicht, dass es wirklich einen Unterschied macht, wie hoch die Senkung ausfällt – sei es 10, 15 oder sogar 20 Basispunkte – solange sie bedeutungsvoll ist.[1]

  • Tiering

Wir gehen davon aus, dass die EZB zur Unterstützung des Bankensystems auch ein Tiering (d.h. eine Staffelung) einführen wird, wodurch die Gebühren, die Banken auf einen Teil ihrer überschüssigen liquiden Mittel zahlen, effektiv gesenkt werden. Die Einführung einer Tiering-Struktur würde dem Markt signalisieren, dass die Zinsen noch über einen längeren Zeitraum hinweg niedrig bleiben dürften. Hätte sie die Absicht, die Zinsen nur kurzfristig zu senken (mit der Erwartung, dass sie nach sechs Monaten oder einem Jahr wieder angehoben werden), würde sie sich die Einführung einer solchen Tiering-Struktur ersparen.

  • Wiederaufnahme von Maßnahmen zur quantitativen Lockerung (QE)

Wir erwarten eine erneute Einführung eines Wertpapierkaufprogramms, das sich in erster Linie auf Staatsanleihen konzentrieren dürfte. Allerdings dürften dieses Mal Unternehmensanleihen stärker vertreten sein als in früheren Runden.

  • An- oder Aufhebung der Obergrenze für Anlagenkäufe

Wir gehen davon aus, dass die EZB wahrscheinlich ihre Absicht ankündigen wird, den prozentualen Anteil, den sie an einzelnen Emissionen halten darf, zu überdenken bzw. anzupassen. Derzeit darf die EZB maximal 33 % einer Emission erwerben. Wir rechnen mit einer Überarbeitung dieser Richtlinie. Im Rahmen ihres Anleihekaufprogramms darf die Bank Wertpapiere in Höhe von 30 Mrd. EUR pro Monat kaufen. Bei einer Obergrenze von 33 % dürfte der Asset-Pool jedoch recht schnell erschöpft sein.

Notwendigkeit einer fiskalpolitischen Reaktion

Die Märkte haben hohe Erwartungen an die EZB, und wir befürchten, dass die Renditen deutlich ansteigen könnten, wenn es ihr nicht gelingt, diese Erwartungen zu erfüllen.

Unserer Meinung nach besteht außerdem Bedarf an fiskalpolitischen Reaktionen seitens der Regierung, um die geldpolitischen Maßnahmen der Zentralbank zu begleiten. Diese dürften aller Wahrscheinlichkeit nach die Form eines umfangreichen Infrastrukturprojekts annehmen.

Angesichts der starken Ergebnisse der Grünen bei den Europaparlamentswahlen gehen wir davon aus, dass die fiskalpolitische Unterstützung in Form eines ökologisch ausgerichteten Infrastrukturprojekts erfolgen könnte, das darauf abzielt, bis 2050 eine CO2-Neutralität der Europäischen Union (EU) zu erreichen. Ein solches Projekt würde eine Möglichkeit bieten, die Wähler zufriedenzustellen und dabei zu zeigen, dass die Politik konkrete Maßnahmen ergreift.

Wir gehen davon aus, dass sich die EZB daran beteiligen könnte, indem sie Anleihen aufkauft, die von einer supranationalen Organisationen wie etwa der Europäischen Investitionsbank (EIB) begeben werden. Die sich daraus ergebenden dauerhaften Zusatzausgaben könnten potenziell das Wachstum in Europa und möglicherweise auch die Inflation ankurbeln.

Viele Kommentatoren gehen also davon aus, dass die Renditen nur noch sinken werden – in unseren Augen besteht eines der großen Risiken für Europa jedoch darin, dass ein derartiges Großprojekt einen Anstieg der Renditen nach sich ziehen könnte.

Eine neue Regierung in Italien

Die politische Situation in Italien hat während der Sommermonate immer wieder Schlagzeilen gemacht.

In den letzten Wochen ist die unorthodoxe Koalition von Lega und Fünf-Sterne-Partei zerbrochen. Daraus hervorgegangen ist eine neue Regierung, die von der Fünf-Sterne-Partei und der Mitte-Links-Partei PD (Demokratische Partei) gebildet wird.

Wir vertreten schon seit langem die Meinung, dass ein Regierungswechsel in Italien nicht unbedingt allzu große Marktverwerfungen auslösen muss. In diesem Fall könnte die Entwicklung für italienische Staatsanleihen (BTPs) positiv sein, da hiermit nun eine der zentralistischen Parteien an der Regierung beteiligt ist.

Wir gehen davon aus, dass die geplanten Ausgaben der neuen Regierung weniger aggressiv ausfallen werden als die ihrer Vorgängerin. Die PD hat zudem Interesse an parlamentarischen Reformen signalisiert, insbesondere im Hinblick auf eine Reduzierung der Anzahl der Abgeordneten im Parlament.

Es besteht natürlich keine Garantie, dass die neue Regierung die gesamte Amtszeit überdauern wird. Lega liegt in den italienischen Meinungsumfragen auch weiterhin vorne, und ihr Vorsitzender Matteo Salvini dürfte ein hohes Profil wahren. Seine Rhetorik dürfte sich verschärfen und könnte Volatilität auslösen, die möglicherweise Kaufgelegenheiten eröffnen könnte.

Angesichts der Bildung der neuen Regierung rechnen wir jedoch mit gewissen Fortschritten im Hinblick auf Reformen sowie mit einer gewissen haushaltspolitischen Einschränkung in Italien. In Kombination mit dem wahrscheinlichen Neustart eines QE-Programms in der Eurozone gehen wir davon aus, dass die italienischen Anleiherenditen sinken und sich dabei denen deutscher Bundesanleihen annähern dürften.

Erwartungen eines No-Deal-Brexits nehmen zu

Seitdem Boris Johnson das Amt den britischen Premierministers angetreten hat, ist die Wahrscheinlichkeit eines No-Deal-Brexits unserer Einschätzung nach deutlich gestiegen.

Johnson hat unmissverständlich klar gemacht, dass er beabsichtigt, das Vereinigte Königreich am 31. Oktober mit oder ohne Abkommen aus der EU herauszuführen. Wir halten die Wahrscheinlichkeit, dass Europa mit einem besseren Angebot an den Verhandlungstisch zurückkehrt, nicht für null – in der Vergangenheit hat die EU immer wieder auf waghalsige politische Manöver gesetzt. Allerdings halten wir den bestehenden Handlungsspielraum für recht gering.

Angesichts des aktuellen Niveaus britischer Staatsanleihen sowie des Pfunds Sterling gehen wir davon aus, dass die Märkte allmählich beginnen, die reale Möglichkeit eines Austritts ohne Abkommen einzupreisen.

Wir gehen davon aus, dass es bis zum 31. Oktober noch erhebliche Turbulenzen und Volatilität geben wird. Die wirkliche Frage ist jedoch, wie die britische Regierung und die EU letztlich auf einen No-Deal-Austritt reagieren werden. Nähere Einzelheiten hierzu sind bislang noch nicht auszumachen.  Auf allgemeiner Ebene gehen wir davon aus, dass der weitere Verlauf des Jahres 2019 von anhaltender Volatilität an den Märkten geprägt sein wird.

Unsere Analyse deutet darauf hin, dass die Märkte ein überhöhtes Niveau erreichen. Wir rechnen mit erhöhter Volatilität an den Märkten, da die Auswirkungen eines politischen Fehlers oder eines geopolitischen Schocks verschärft ausfallen könnten.

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[1] Ein Basispunkt ist eine Maßeinheit. Ein Basispunkt entspricht 0,01 %.