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Sechs Gründe für Klimawandel-Investments

Der jüngste Bericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) lässt wenig Zweifel an den Gefahren und dem raschen Fortgang des Klimawandels. Der IPCC, eine angesehene internationale Gruppe aus 195 führenden Klimawissenschaftlern der Welt, erforscht seit 1988 intensiv den Klimawandel und veröffentlicht immer wieder von Fachkollegen geprüfte Berichte.

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Warum ist der Klimawandel für Anleger von Bedeutung? Maarten Bloemen von der Templeton Global Equity Group und Matthew J. Kiernan, Chief Executive von Inflection Point Capital Management Inc., beleuchten die Folgen des Klimawandels für die Anleger.

 

Der jüngste Bericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) lässt wenig Zweifel an den Gefahren und dem raschen Fortgang des Klimawandels. Der IPCC, eine angesehene internationale Gruppe aus 195 führenden Klimawissenschaftlern der Welt, erforscht seit 1988 intensiv den Klimawandel und veröffentlicht immer wieder von Fachkollegen geprüfte Berichte. Der letzte große Bericht, der Ende 2018 nach zwei Jahren Bearbeitungszeit veröffentlicht wurde, bestätigte, dass die globale Erwärmung viel schneller fortschreitet, als vorherige Modelle vermutetet hatten.

Überdies stellte der Bericht fest, dass es noch nie so viele heftige Stürme, Überschwemmungen, Dürren, Waldbrände und schmelzendes Meereis gab wie im vergangenen Jahrzehnt. Der Bericht warnte zudem, dass die durchschnittlichen globalen Temperaturanstiege die viel größere Erwärmung in bestimmten Regionen, insbesondere der Arktis und der Antarktis, kaschieren, wo die Gletscher- und Eisschmelze eine verheerende Wirkung auf den Anstieg des Meeresspiegels haben könnte.

Darüber hinaus verschärfte der Bericht das angestrebte Ziel einer Erwärmung von 2° Celsius (oder weniger), das auf dem historischen Gipfel von Paris 2015 vereinbart wurde, auf 1,5° Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter. Bedenklicherweise warnte er, dass die „Emissionsbudgets“, die erforderlich sind, um die Erwärmung bei oder unter diesem Niveau zu halten, basierend auf aktuellen Emissionspfaden bereits in 11 Jahren ausgeschöpft sein könnten.1 

Ein aktueller Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WOM) unterstreicht den menschlichen Einfluss beim Klimawandel und stellt fest, dass alleine 2018 rund 62 Millionen Menschen direkt vom Klimawandel betroffen waren, darunter 2 Millionen zwangsumgesiedelte „Klimaflüchtlinge“.2 Überdies sind die Trends der letzten Jahre besonders besorgniserregend, denn nach zwei aufeinanderfolgenden Jahren mit Rückgängen stiegen die weltweiten CO2-Emissionen sowohl 2017 als auch 2018. 2018 stiegen die Emissionen um 1,77 %. Dies lag 70 % über dem durchschnittlichen Anstieg des vergangenen Jahrzehnts.3 

 

Zwar bleiben erhebliche Unsicherheiten, doch es gibt wenig Zweifel daran, dass sich das Klima ändert und dass der Mensch zu diesem Wandel beiträgt. Neben der breiteren gesellschaftlichen Bedeutung hat das sich ändernde Klima große Auswirkungen für Anleger, die gut aufgestellt sind, um eine konstruktive Antwort auf den Klimawandel zu fördern und hiervon möglicherweise zu profitieren. Insgesamt gibt es nach unserer Auffassung mindestens sechs gute Gründe für Anleger, um den Klimawandel ernst zu nehmen. Dies sind:

  1. Reaktion auf eine weltweite wirtschaftliche und industrielle Umstrukturierung

Die meisten Klimatologen sind der Auffassung, dass wir derzeit – unter sonst gleichen Bedingungen – auf einen Anstieg von 3 bis 4 °C zusteuern. Dies liegt weit über dem 2-Grad-Ziel des Pariser Abkommens und dem IPCC-Ziel von 1,5 °C. Selbst mit den drastischen Verbesserungen, die zur Erreichung der internationalen Klimaziele notwendig sind, gibt es keine Erfolgsgarantie.

Die Verringerung des Treibhausgasausstoßes auf die empfohlenen Niveaus wird eine drastische Neuausrichtung der gesamten Energie-Wertschöpfungskette hin zu Brennstoffen mit Null- oder geringen Emissionen erfordern. Die Folgen werden nicht auf die besonders belastenden Sektoren wie Kohle, Öl und Gas, Bergbau, Versorger und verarbeitendes Gewerbe begrenzt sein. Die Wettbewerbsdynamik nahezu jeder Branche und jedes Unternehmens wird betroffen sein. Umfang und Ausmaß der nötigen Änderungen werden wirklich umwälzend sein.

Wird nicht gehandelt, sind die Kosten nach unserer Auffassung enorm: Der Vermögensverwalter Schroders schätzt, dass unser aktueller 4-Grad-Pfad bis Ende des Jahrhunderts wirtschaftliche Schäden von mehr als 20 Billionen US-Dollar verursachen würde. Zum Vergleich: Dies würde einen dauerhaften wirtschaftlichen Schaden darstellen, der drei bis vier Mal größer ist als die Verluste durch die globale Finanzkrise 2008.4 

Die vielleicht wichtigste Folge der weltweiten industriellen und wirtschaftlichen Umstrukturierung für die Anleger besteht darin, dass die gesamte Grundlage für den Wettbewerbsvorteil eines Unternehmens neu ausgerichtet wird und dass Unternehmen, die den größten wirtschaftlichen Wert mit den geringsten Emissionen schöpfen können, bereits die Früchte ernten.

Dieses Streben nach größerer CO2-Effizienz ist auch zu beobachten bei der Umstellung traditioneller Autobauer auf emissionsarme und elektrische Autos, beim Bau und der Nachrüstung „grüner“ und energieeffizienter Gebäude, beim größeren Marktanteil und der Wettbewerbsfähigkeit erneuerbarer Energiequellen, einschließlich Wind- und Solarenergie, und den öffentlichen Bekenntnissen von Ölriesen, ihren CO2-Fußabdruck deutlich zu verringern.

Wie bei jeder großen industriellen Umstrukturierung wird der Übergang auf eine Welt mit emissionsärmerer Energie jedoch Gewinner und Verlierer hervorbringen. Es ist entscheidend, dass die Anleger beide erkennen können. Nach unserer Ansicht wird die Aufwärtsdimension bei Diskussionen um den Klimawandel zu häufig übersehen.

Zwei Beispiele: Der Markt für Elektrofahrzeuge (EF) wuchs alleine 2017 um beeindruckende 54 %5, und die Internationale Energieagentur (IEA) sagt für Sonne, Wind und andere erneuerbare Quellen bis 2050 einen Anteil von 50 % am gesamten neu erzeugten Strom voraus – gegenüber derzeit 25 %. Dagegen wird damit gerechnet, dass der Anteil der fossilen Brennstoffe an der Stromerzeugung bis 2050 auf nur noch 29 % verringert wird – gegenüber derzeit 63 %.6 

 

Unternehmen, die von dieser großen Umstrukturierung bei Energie profitieren werden, unterteilen sich in zwei breit gefasste Kategorien: Lösungsanbieter und widerstandsfähige Unternehmen im Übergang.

  • Lösungsanbieter: Unternehmen, deren Produkte und Dienstleistungen die globalen Emissionen direkt oder indirekt verringern, die Ressourceneffizienz verbessern und/oder vor den physikalischen Folgen des Klimawandels schützen. Solche Unternehmen sind bspw. Hersteller von Kathoden für EF-Batterien, Entwickler energiesparender Beleuchtung, Hersteller intelligenter Messgeräte, Entwickler/Betreiber von Offshore-Windparks und Hersteller von Windturbinen. Zu dieser Gruppe gehören auch Unternehmen, die den Übergang auf Emissionsarmut ermöglichen und deren Produkte und Dienstleistungen die Reichweite und Macht der direkten Lösungsanbieter erweitern, wie z. B. Kommunikationsnetze, cloudbasierte Software-Entwickler zur Beschleunigung von Energieeffizienz-Lösungen, Planer in der Abfall- und Wasserwirtschaft und Anbieter von Klimafinanzierung.
  • Widerstandsfähige Unternehmen im Übergang: Unternehmen, die 1) bereits eine relativ geringe CO2– und Ressourcenintensität haben, wie z. B. Pharmaunternehmen, oder 2) Unternehmen, deren Emissionen oder Ressourcenintensität erheblich sind und deren Fortschritte bei der Reduktion branchenführend sind. Hierzu gehören Unternehmen in Sektoren mit traditionell hohem Ausstoß, die ihre Emissionen und ihren Ressourcenverbrauch schneller senken als Wettbewerber der Branche, wie z. B. Fracht- und Logistikunternehmen oder Shopping-Mall-Immobilienunternehmen (REITs).
  1. Maximierung der risikobereinigten finanziellen Performance

Nach unserer Auffassung ermöglichen uns ein konsequenter Ansatz bei der Fundamentalanalyse, eine fundierte Kenntnis der Unternehmen und Branchen, ein enger Kontakt zum Management und letztlich eine effiziente Titelauswahl die Identifizierung und Steuerung von Umweltrisiken und potenziellen Chancen. Hierzu gehört ein Schwerpunkt auf dem Kauf unterbewerteter Unternehmen, deren Produkte und Lösungen Emissionen verringern und die Energieeffizienz steigern, sowie von Unternehmen, die den Übergang in eine emissionsärmere Zukunft tatsächlich vollziehen.

Viele Jahre lang galt bei Mainstream-Investments die „Weisheit“, dass eine Berücksichtigung der Faktoren Umwelt, Soziales und Governance (ESG) entweder irrelevant sei, oder sogar der finanziellen Performance schade. Doch seit kurzem wird diese herkömmliche Weisheit durch empirische Performance-Studien sowohl von Wissenschaftlern als auch von zuvor skeptischen Praktikern auf den Kopf gestellt.7 

Überdies liefert eine „Meta-Studie“ der Universität Oxford mit mehr als 200 Einzeltiteln noch mehr Belege für die Wirkung von ESG-Faktoren auf die finanzielle Performance. Die wichtigsten Ergebnisse lauten: 80 % der Studien zeigten, dass eine überdurchschnittliche Umweltperformance der Unternehmen zu einer besseren Entwicklung des Aktienkurses führte, und 88 % zeigten, dass robuste ESG-Praktiken gemessen nach herkömmlichen Buchführungsindikatoren zu einer besseren operativen Performance führten.8 

Somit belegen die Studien entgegen vorherigen Überzeugungen, dass die Integration wesentlicher ESG-Faktoren in die Investmentanalyse zu einer verbesserten risikobereinigten Performance führen kann und dass sie hierdurch gewiss nicht geschmälert wird.

Aus unserer Sicht liefern diese Untersuchungen überzeugende Beweise, dass gut integriertes, robustes ESG-Research die langfristigen risikobereinigten Renditen tatsächlich verbessern kann. Und es ist allgemein anerkannt ist, dass das wichtigste, wirkmächtigste und facettenreichste der unzähligen ESG-Themen heute der Klimawandel ist.

Überdies gibt es allen Grund zu der Annahme, dass der immer stärker aufkommende Klimawandel in Zukunft ein noch wichtigerer Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit und die Aktienkursentwicklung der Unternehmen sein wird. Anlagen in Unternehmen, die beim Umgang mit Klimarisiken und -chancen die Nase vorne haben, dürfte Portfolios gut für eine Zukunft wappnen, in der dieses kritische Thema eine immer größere Bedeutung erlangt.

Verschiedene Arten von Klimarisiken für Anleger
Aus unserer Sicht entstehen durch den Klimawandel mindestens vier Arten von Risiken für Unternehmen und ihre Investoren. Durch das Verständnis dieser Risiken können wir besser beurteilen, wie effizient einzelne Unternehmen diese angehen und hierdurch ihre langfristigen Erfolgschancen verbessern:

  • Physikalisches Risiko: Klimabedingte Ereignisse wie heftige Stürme, Überschwemmungen und Dürren haben wichtige internationale Lieferketten bereits unterbrochen. Ein frühes Beispiel sind die negativen Folgen der Überschwemmungen auf Halbleiter-Unternehmen in Thailand 2011. Eine der allgegenwärtigsten und ernsthaftesten Bedrohungen durch den Klimawandel ist der Meeresspiegelanstieg. Die Kombination aus Ozeanerwärmung und schmelzenden Gletschern und Eisschilden in Grönland und der Antarktis hob den durchschnittlichen Meeresspiegel in den letzten 25 Jahren bereits um rund 7,5 cm an.
  • Regulierungs-, Politik- und Steuerrisiken: Immer mehr und strengere nationale, regionale und lokale Vorschriften (wie strengere Emissionskontrollen, Energieeffizienz-Normen und Kraftstoffeffizienz-Normen für Autos) beeinflussen Unternehmen von Stockholm bis Singapur und dürften künftig eher noch herausfordernder werden. Ebenso gibt es einen von der Europäischen Union (EU) angeführten, unaufhaltsamen Trend hin zu einer stärkeren Besteuerung von CO2-Emissionen.
  • Transitions- und Wettbewerbsrisiko: Der Klimawandel beginnt in einigen Schlüsselbranchen bereits, die Regeln für Wettbewerbsvorteile neu zu schreiben. Im Automobilsektor beispielsweise werden Unternehmen ohne starke Präsenz am Markt für elektrische/emissionsarme Fahrzeuge zunehmend abgehängt werden. Im Energiesektor bleiben Unternehmen mit Reserven an „unverbrennbarem Kohlenstoff“ (aufgrund neuer Vorschriften und geänderter Wettbewerbsdynamik) möglicherweise auf „gestrandeten Vermögenswerten“ sitzen, die wirtschaftlich nicht verwertet werden können.9 
  • Reputationsrisiko: In Anbetracht des anhaltenden, langfristigen Übergangs zu einer emissionsarmen Weltwirtschaft besteht für Unternehmen, die als „Teil des Problems“ gelten, die Gefahr einer zunehmenden Schädigung der Reputation durch neu involvierte Interessenträger. Einige Öl- und Gasriesen sind sowohl mit Kunden- und Anlegerboykotts als auch einer wachsenden Gegenreaktion institutioneller Aktionäre konfrontiert. Im Sektor fossile Brennstoffe gibt es bereits erhebliche Deinvestitionen.

Es ist überdies zu beachten, dass die Folgen von Klima-Faktoren nicht auf Abwärtsrisiken beschränkt sind. Sie können auch zu Aufwärtschancen für Anleger führen. Unser globaler Klimawandel-Ansatz erfasst beide Dimensionen.

  1. Adressierung umweltpolitischer und sozialer Fragen

Bis Ende 2018 wurden durch menschliche Tätigkeiten jährlich mehr als 37 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente in die Atmosphäre ausgestoßen. Zu den nachteiligen umweltbezogenen und sozialen Folgen, die durch den Klimawandel bereits entstehen, gehören:

  • Gestiegene Häufigkeit und Stärke extremer Wettereignisse wie z. B. Wirbelstürme, Tornados, Dürren, Waldbrände, Hitzewellen und Überschwemmungen.
  • Anstieg des Meeresspiegels und vermehrte Küstenüberflutungen.
  • Die Verbreitung von Menschen-, Tier- und Pflanzenkrankheiten in neue Gebiete, in denen geeignetere, wärmere Temperaturen herrschen.
  • „Umweltflüchtlinge“ in Gebieten, die von Bangladesch über den Nahen Osten bis nach Afrika reichen: Extreme Wettererscheinungen wie Wirbelstürme, Küstenüberflutung, Dürren und Änderungen der jahreszeitlichen Wettermuster führen laut UN-Flüchtlingsagentur seit 2008 zur Vertreibung von durchschnittlich 20 Millionen Menschen jährlich.10 
  • Verschärfung bewaffneter Konflikte: In einem aktuellen Bericht behaupteten US-Militärexperten, dass beispielsweise klimabedingte Dürren als „Bedrohungsmultiplikatoren“ dienen und gewalttätige Konflikte wie etwa in Darfur, Somalia, dem Irak und Syrien verschärfen.11 

Überdies ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die nachteiligen umweltbezogenen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Klimawandels die Schwächsten unverhältnismäßig treffen werden. Daher erlangt ein gerechter Übergang in eine emissionsarme Wirtschaft immer größere Bedeutung und Priorität im weltweiten Klimadialog.

Die Anleger werden gemeinsam eine wichtige Rolle spielen, um diese Herausforderungen meistern zu können.

  1. Reaktion auf die wachsende Nachfrage von Kunden und Interessenträgern

In den letzten Jahren änderten sich die Haltung und die Prioritäten der Anleger grundlegend. Sowohl ihre Sorgen um den Klimawandel als auch ihre Erwartungen an Vermögensverwalter und deren Reaktion darauf sind gestiegen. Ein Maß für den möglichen Einfluss der Anleger ist das Wachstum bei gemeinsamen Klima-Initiativen institutioneller Anlegergruppen. Die vielleicht am größten und gewiss am längsten bestehende dieser Organisationen ist das mittlerweile als CDP bezeichnete Carbon Disclosure Project. Das CDP ist eine 2002 gegründete gemeinnützige Organisation, die weltweit genaue, systematische Erhebungen über große Unternehmen durchführt und versucht, ihre CO2-Emissionen, Systeme zum CO2-Management, künftigen Ziele bei der Emissionsreduktion und Versuche, Geschäftschancen zu nutzen, veranschaulicht.

Mittlerweile bringt das CDP rund 530 große Investoren mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt mehr als 100 Billionen USD zusammen und erhält und analysiert Daten von mehr als 7.000 Unternehmen. Daher ist es die wohl größte und zuverlässigste Quelle für Unternehmensdaten zum Klimawandel in der ganzen Welt.

In der Institutional Investors Group on Climate Change (IIGCC) arbeiten mehr als 170 große europäische Vermögenseigner und Anleger mit einem Vermögen von insgesamt über 23 Billionen Euro zusammen. Neben ihren Aktivitäten zur Förderung und Verbreitung von bewährten Praktiken bei ihren Mitgliedern stehen die IIGCC und ihr Sekretariat in intensivem Kontakt mit der Europäischen Kommission, dem beim Klimawandel weltweit vielleicht führenden politischen Gremium. Die IIGCC war ein wichtiger Faktor für den Erfolg des Pariser Abkommens von 2015. Ohne ihre tätige Mitwirkung und Einflussnahme hätten diese positiven Ergebnisse wohl kaum erreicht werden können.

In ähnlicher Weise wurde die Gruppe Climate Action 100+ mit rund 360 Investorenmitgliedern und einem Vermögen von insgesamt 34 Billionen US-Dollar mit dem ausdrücklichen Auftrag gegründet, auf die 100 größten „systemwichtigen Unternehmensemittenten“ Druck auszuüben, umfangreiche Klimamaßnahmen zu ergreifen.

Zu allen drei Organisationen gehören einige der größten und einflussreichsten institutionellen Anleger der Welt, und Franklin Templeton schickt sich an, ihnen beizutreten. Durch die Mitgliedschaft in diesen Organisationen erhalten wir Zugang zu weltweit weiterentwickelten Best Practices, stärken unsere Analysefähigkeiten und unsere Bemühungen um politisches Engagement. Im Hinblick auf das CDP erhalten unsere Analysten und Portfoliomanager überdies direkten Zugang zur weltgrößten Sammlung detaillierter, unternehmensspezifischer Daten, einschließlich quantitativer und qualitativer Informationen.

Einer der kräftigsten Treiber für das drastische Nachfragewachstum bei Privatanlegern nach nachhaltigen Investments ist das Aufkommen der Millennials als bedeutende Kraft in der Welt des Investments. Eine aktuelle Studie von Morgan Stanley unter 1.000 US-Privatanlegern ergab, dass die Millennials im Vergleich zu anderen Anlegern nachhaltige Lösungen doppelt so häufig bevorzugen. Der Prozentanteil der Millennials, die an diesen Lösungen „sehr interessiert“ waren, verdoppelte sich von 2015 bis 2017, und beeindruckende 90 % von ihnen wünschten sich eine nachhaltige Option für ihre Altersvorsorgepläne.12 

Der Klimawandel, der vor einem Jahrzehnt selbst bei den informiertesten Anlegern kaum Beachtung fand, ist mittlerweile eines der kritischsten Themen für Vermögensverwalter und ihre Kunden.

  1. Einhaltung strengerer Regulierungs- und Transparenzvorschriften

Die wachsende Besorgnis von Staat und Gesellschaft um den Klimawandel geht mit immer mehr Gesetzen, Vorschriften und in vielen Ländern mit Steuern auf CO2-Emissionen einher. So stieg im 20-Jahreszeitraum zwischen 1997 und 2017 die Anzahl der Gesetze zum Klimawandel weltweit um das 20-fache. Mittlerweile gibt es mehr als 1.200.13 

Der Schwerpunkt der neuen Vorschriften liegt darauf, Engagements in Klimarisiken, die CO2-Emissionen und Management-Strategien sowohl für Unternehmen als auch Anleger transparenter zu machen. Bei jeder klimabezogenen Beurteilung von Unternehmen ist die Verfügbarkeit belastbarer Daten und Unternehmensinformationen für die Anleger eine Vorbedingung. In vielen Ländern ist die Offenlegung dieser Daten noch freiwillig, doch wird dies durch den Gesetzgeber zunehmend vorgeschrieben.

Der Druck auf Anleger, standardisierte Klima-Daten offenzulegen, ist bisher nicht so stark wie in Bezug auf die Offenlegung durch Unternehmen. Dennoch nimmt er zu, und dies dürfte auch künftig so bleiben.

Eine der ehrgeizigsten aktuellen Vorschriften ist das französische Energiewende-Gesetz mit seinem Artikel 173, der großen Investoren in dem Land vorschreibt, die Höhe des Klimarisikos in ihren Investmentportfolios jährlich zu beurteilen und das Ergebnis zu veröffentlichen. Ebenso besteht in Schweden für staatliche Pensionsfonds nun die gesetzliche Pflicht, den CO2-Fußabdruck ihrer Portfolios zu beurteilen und zu veröffentlichen.

2018 kündigte die EU ihre Absicht an, Anlegern die Berücksichtigung von ESG-Themen (einschließlich Klimawandel) ausdrücklich vorzuschreiben, und ähnliche Gesetze werden auch im Vereinigten Königreich erwogen.

  1. Erfüllung sich ändernder treuhänderischer Aufgaben

Die treuhänderische Verantwortung sind die gesetzlichen und finanziellen Pflichten von Anlegern als Teil ihrer „Sorgfaltspflicht“ gegenüber den Eignern der ihnen anvertrauten Vermögenswerte. Treuhänder und/oder Verwalter haben gegenüber den wirtschaftlichen Eignern der Vermögenswerte die treuhänderische Verantwortung, sie umsichtig und ausschließlich in deren besten Interessen zu verwalten. Die Art dieser Aufgaben wird in der Regel in Gesetzen beschrieben und wurde über Jahrhunderte auch in der Rechtsprechung entwickelt.

Zu beachten ist allerdings, dass der Begriff der treuhänderischen Pflichten nicht statisch ist. Umfang und Anforderungen der treuhänderischen Verantwortung ändern und entwickeln sich ebenso wie gesellschaftliche Werte und Prioritäten. Im Hinblick auf den Klimawandel (und generell ESG) wird der Begriff der treuhänderischen Verantwortung geradezu auf den Kopf gestellt.

Über viele Jahre hinweg war die weit verbreitete – wenn auch falsche – Überzeugung, dass die Adressierung von ESG-Themen mit den treuhänderischen Aufgaben von Anlegern unvereinbar ist, eines der größten Hindernisse für das Wachstum bei verantwortlichen und nachhaltigen Investments. Denn die Anleger dachten, dass ESG-Überlegungen für die finanzielle Performance der Unternehmen weitgehend unerheblich seien. Daher galt die Überzeugung, dass die Integration von ESG-Faktoren das Chancenspektrum eines Anlegers einengen und daher die Renditen belasten und treuhänderische Pflichten verletzen würde.

Mittlerweile wissen wir, dass diese Meinung nicht auf empirischen Analysen oder Beweisen basierte, sondern auf falschen Annahmen darüber beruhte, was „ESG-Investments“ eigentlich sind. Dennoch waren diese Meinungen weit verbreitet und in einigen Fällen in Gesetzen und Vorschriften verankert. Sie waren das größte Einzelhindernis für ein stärkeres Aufkommen von ESG-Investments.

All dies ändert sich jedoch allmählich, und der Begriff der treuhänderischen Pflicht wandelt sich rasch in das Gegenteil seiner früheren Bedeutung. Heute wird zunehmend akzeptiert, dass eine fehlende Adressierung von ESG-Themen eine Abkehr von der treuhänderischen Verantwortung darstellt. Diese neue Auslegung wird nun immer mehr in Gesetzen, Vorschriften und der realen Branchenpraxis verankert.

Sie möchten weitere Einblicke in dieses Thema? Dann lesen Sie das Topic Paper „Freilegung von Wertpotenzial mit Klimawandel-Investments“.

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  1. Quelle: Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC), „Sonderbericht: 1,5 °C globale Erwärmung“, Oktober 2018.
  2. Quelle: Weltorganisation für Meteorologie, „State of the Global Climate in 2018“, März 2019.
  3. Quelle: Internationale Energieagentur, Global Energy and CO2 Status Report, 2018.
  4. Quelle: Schroders, Schroders Climate Dashboard, Oktober 2018.
  5. Quelle: Internationale Energieagentur, „Global EV Outlook 2018“, Mai 2019.
  6. Quelle: Ebd., World Energy Outlook, 2018.
  7. Quelle: AIMA Research, „ESG’s Evolving Performance“; MSCI, „How Markets Price ESG“, Juli 2018; J.P. Morgan, „ESG: Environmental, Social, and Governance Investing“, März 2018; und State Street Global Investors, „IQ Insights”, 2018.
  8. Quelle: Oxford University, Gordon Clark et al., „From the Stockholder to the Stakeholders“, März 2015.
  9. Quelle: Der Begriff der „gestrandeten Vermögenswerte“ wurde durch die einflussreiche NGO Carbon Tracker bekannt gemacht. Siehe Carbon Tracker, „Unburnable Carbon 2013: Wasted Capital and Stranded Assets“, 2013.
  10. Quelle: UNCHR, November 2016.
  11. Quelle: US-Verteidigungsministerium, Bericht über „Effects of a Changing Climate“, Januar 2019.
  12. Quelle: Morgan Stanley, „New Data from Individual Investors“, Sustainable Signals, 2017.
  13. Quelle: Grantham Institute on Climate Change and the Environment et al., „Global Trends in Climate Change Legislation and Litigation“, 2017.

Kategorien: Aktien, Perspektiven

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