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Neuordnung der EZB-Sitzungen: Folgen für Anleger

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Der Rat der Europäischen Zentralbank hielt ihr letztes monatliches Treffen ab. Ab Januar 2015 finden die Treffen, bei denen Entscheidungen über das Zinsniveau und andere Aspekte der Wirtschaftsstrategie in der Eurozone gefasst werden, nur noch alle sechs Wochen statt. Obwohl diese Entwicklung von den meisten Marktbeobachtern kaum kommentiert wurde, ist sie nach Überzeugung von David Zahn, Head of European Fixed Income und Portfoliomanager bei der Franklin Templeton Fixed Income Group®, von großer Bedeutung und hat möglicherweise signifikante Folgen für Anleger.

David Zahn
David Zahn

David Zahn, CFA, FRM
Head of European Fixed Income
Senior Vice President, Portfolio Manager
Franklin Templeton Fixed Income Group®

Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Frequenz der Treffen ihres Rats neu zu regeln, so dass geldpolitische Entscheidungen nicht mehr monatlich getroffen werden, hat für Anleger einige interessante Folgen – darunter meiner Meinung nach eine potenzielle Reduzierung der Volatilität der Notenbank.

Traditionell traf sich der EZB-Rat, der die Vorsitzenden der nationalen Notenbanken der 18 Mitgliedsstaaten der Eurozone sowie den EZB-Vorstand umfasst, am ersten Donnerstag des Monats und entschied und kommunizierte dann evtl. Änderungen der Geldpolitik der Notenbank der Eurozone. Im Juli 2014 kündigte man dann aber still und leise eine Änderung dieses Zeitplans an, um einem Ansatz zu folgen, der stärker dem der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ähnelt. Demnach trifft man sich jetzt alle sechs Wochen.

Ein ähnlicher Vorschlag zur Verlängerung des Abstands zwischen den Treffen des geldpolitischen Ausschusses der Bank of England (BoE) steht auch in Großbritannien vor der Umsetzung, muss aber zunächst erst parlamentarisch genehmigt werden und wird wahrscheinlich nicht vor 2016 in Kraft treten. Nichtsdestotrotz handelt es sich um eine interessante Entwicklung, denn es bedeutet, dass in Zukunft die geldpolitischen Entscheidungen von EZB, des geldpolitischen Ausschusses der BoE und der Fed alle innerhalb von einer Woche getroffen werden.

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Kurzfristig betrachtet ist die engere zeitliche Nähe von EZB und Fed nicht unbedingt so signifikant, denn die beiden Notenbanken scheinen sich sowieso auf zwei voneinander abweichenden geldpolitischen Pfaden zu bewegen. Langfristig könnte dies meiner Meinung nach aber bedeuten, dass gemeinsame Bestrebungen zur geldpolitischen Straffung oder für Zinssenkungen viel leichter getroffen werden könnten, da aller Wahrscheinlichkeit nach die zeitlichen Abstände nicht länger als etwa eine Woche sein werden.

Anleger sollten sich dieser Entwicklungen bewusst sein, denn sie könnten sich meiner Meinung nach möglicherweise darauf auswirken, wie sich ihre Investments verhalten. Im Fall der längeren Abstände zwischen den Treffen der EZB – und potenziell des geldpolitischen Ausschusses der BoE – könnte es zu einer niedrigeren Notenbank-Volatilität kommen, denn wenn die Treffen nur noch alle sechs Wochen stattfinden, wird es wahrscheinlich nicht mehr die ständigen „Was kommt als nächstes“ Spekulationen geben, wie es derzeit der Fall ist. Kaum ist ein Treffen abgeschlossen, beginnen momentan Kommentaren bereits das nächste ins Auge zu fassen und über dessen Ausgang zu spekulieren.

Ich denke, dieser Schritt könnte auch den Ansatz der Notenbank bei der Kommunikation mit dem Markt verändern, denn die monatliche Plattform zum Gespräch mit den Marktteilnehmern wird es nicht mehr geben. Sechs Wochen sind kein sehr langer Zeitraum, es könnte aber bedeuten, dass die Notenbaken progressiver werden. Wahrscheinlich bedeutet es auch, dass die Reden der EZB-Vorstände in Zukunft sehr viel genauer analysiert werden – wie das jetzt schon bei den Reden der Fed-Vorstände der Fall ist.

Natürlich schenken Marktbeobachter den Reden dieser EZB-Vorstände heute schon ihre Aufmerksamkeit. Aber sie denken auch, sie können noch auf das monatliche EZB-Treffen warten, um die offizielle Sichtweise des EZB-Präsidenten Mario Draghi zu hören.

Ich habe mit Freude auch die jüngste Bekanntmachung der BoE vernommen. Demnach wird sie mehr Einzelheiten zu den Treffen des geldpolitischen Ausschusses veröffentlichen. Dazu zählt auch die häufigere Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls und sogar die Bereitstellung der Aufzeichnungen der Treffen nach acht Jahren. So können wir dann hören, was tatsächlich gesagt wurde.

Meiner Meinung nach hat die FED gezeigt, dass Transparenz für die Kommunikation von Gedanken einer Notenbank an den Markt äußerst hilfreich ist.

CFA® und Chartered Financial Analyst® sind Marken des CFA Institute.

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