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Hat Indiens astronomisches Wachstum Zukunft?

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Angesichts Indiens überragender Marktentwicklung der letzten zwölf Monate stellt sich vielen Beobachtern die Frage nach ihrer längerfristigen Nachhaltigkeit. Sukumar Rajah, Managing Director und Chief Investment Officer, Local Asset Management, Asian Equity, sieht durchaus Gründe für die Auffassung, dass Indiens Stern steigt und langfristiges Vertrauen wiederhergestellt werden kann. Er erläutert verschiedene Details zum unlängst vorgestellten Unionshaushalt für 2015 und verweist auf einfach erreichbare Ziele, die Indiens neuer Premierminister Narendra Modi bei seinem Einstieg in ein gespannt erwartetes Reformprogramm berücksichtigen sollte.

Sukumar Rajah
Sukumar Rajah

Sukumar Rajah 
Managing Director, Chief Investment Officer
Franklin Templeton Local Asset Management, Asian Equity

Den meisten Berechnungen zufolge war das Jahr 2014 für Indien herausragend: Der MSCI India Index verbuchte im Jahresverlauf mit 24,9%[1] weltweit den höchsten Zuwachs. Das war seine beste Zwölfmonats-Performance seit fünf Jahren. Gleichzeitig steigerten sich die Unternehmenserträge um 16%[2] und damit stärker als in praktisch jedem anderen Land der Welt.

Vor diesem Hintergrund ist es nur verständlich, wenn Anleger skeptisch sind, ob eine solche Ausnahme-Performance aufrechterhalten oder gar wiederholt werden kann.

Unser Analystenteam und andere in Indien tätige Investmentexperten halten das Land für einen der wenigen Märkte der Welt, auf denen langfristige wie kurzfristige Fundamentaldaten weiter kontinuierlich aufwärts tendieren.

Auf kurze Sicht erholt sich Indien offenbar von einer Abschwächung, die die Konjunktur in den letzten Jahren belastete. Inzwischen nehmen wir beschleunigtes Wachstum des indischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) wahr. Parallel dazu gibt es Signale für die Rückbildung von Ungleichgewichten, die die Wirtschaft unter Druck setzen, wie das Leistungsbilanzdefizit, hohe Inflation und ein hohes Haushaltsdefizit. Wir erkennen Hinweise auf eine zyklische Erholung in Indien und auch Anzeichen für einen bereits erfolgten Marktumschwung.

Indien 170315

In unseren Überlegungen lassen wir uns aber nicht nur von der Aussicht auf diesen zyklischen Aufschwung leiten. Auch aus langfristiger Perspektive wirkt Indien unserer Ansicht nach ausgesprochen attraktiv. So weist Indien unseres Erachtens auf lange Sicht faktisch weit mehr Wachstumspotenzial auf als viele andere Märkte der Welt. Das ist verschiedenen Faktoren zu verdanken, unter anderem der Industrialisierung, dem demografischen Wandel und dem Reformprogramm, das die Regierung umsetzen will.

Wie viele andere Schwellenländer erlebt Indien einen Schub hin zu verstärkter Industrialisierung und wachsendem Infrastrukturbedarf, was die Regierungen zum Beispiel zu erheblichen Investitionen in Straße und Schiene veranlasst.

Diesen Trends liegen gute demografische Voraussetzungen zugrunde – in Form einer wachsenden Mittelschicht, einer zunehmenden Konsumentenzahl und einem größeren Angebot an qualifizierten Arbeitskräften.

Indiens Wachstum beruht nach unserem Eindruck zum Teil auf dem Gebrauchsgüterkonsum im Inland durch eine hohe Zahl gebildeter Verbraucher unter 25. Außerdem sorgt die junge Bevölkerung des Landes für eine positive demografische Lage mit einem geringeren Abhängigkeitsquotienten als in vielen anderen Industrieländern.

Indiens Mittelschicht weist unserer Ansicht nach noch Wachstumspotenzial auf, was den Endverbrauchermarkt weiter vergrößern könnte. Gleichzeitig verfolgen wir auch die Fortschritte der zugesicherten Strukturreformen. Im Nachgang zur indischen Parlamentswahl im letzten Jahr herrschte die Auffassung, dass der neu gewählte Premierminister Narendra Modi zum Chef einer unternehmensfreundlicheren Regierung werden würde. Seine Koalitionsregierung der nationalen demokratischen Allianz hat zweifellos viel über Verwaltungs- und Gesetzesreformen geredet.

Reformen auf administrativer Ebene – wie die beschleunigte Erteilung von Lizenzen für Unternehmen – versprechen leicht erreichbare Erfolge, weil die Regierung in der Lage sein sollte, sie ohne Zustimmung des Parlaments durchzusetzen.

Die Gesetzesreformen dagegen sind unseres Erachtens ein längerfristiges Projekt und dürften in den meisten Fällen eine Verabschiedung durch das indische Parlament voraussetzen. Wir haben die Hoffnung, dass die Regierung diese Reformen umsetzen kann. Das könnte jedoch im Einzelfall je nach dem betreffenden parlamentarischen Verfahren, für das sie sich entscheidet, zwischen sechs Monaten und eineinhalb Jahren dauern.

Die Bewertungen in Indien

Trotz der enormen Entwicklungen der letzten zwölf Monate bei Unternehmen und auf dem Aktienmarkt bewegen sich die Bewertungen in Indien unserer Ansicht nach in der Nähe des langfristigen Durchschnitts. Ferner halten wir künftig eine deutliche Beschleunigung des Wirtschaftswachstums und der Ertragssteigerungen für möglich, die noch nicht in die aktuellen Marktbewertungen eingeflossen ist.

Von unserer Warte als Investoren in Indien aus erkennen wir natürlich auch Spielraum für die Wertsteigerung unserer Portfolios. Dabei ist allerdings eine sorgfältige Einzeltitelauswahl von großer Bedeutung.

Diesbezüglich halten wir die im indischen Finanzsektor gebotenen Chancen für ausgesprochen interessant. Privatwirtschaftliche Banken gewinnen im Vergleich zu staatlichen Instituten Marktanteile und wachsen ungleich schneller. Das Bankensystem expandiert nach unserem Eindruck offenbar insgesamt mit einer robusten Rate, und die privatwirtschaftlichen Banken wachsen sogar noch dynamischer. Privatwirtschaftliche Institute arbeiten ferner generell rentabler, und ihre Bilanzqualität ist in aller Regel besser.

Außerdem halten wir auch etliche Industriewerte für gut aufgestellt, um von einem Aufschwung oder einer Erholung des Wirtschaftswachstums zu profitieren. Auch darin erkennen wir diverse interessante potenzielle Chancen.

Unionshaushalt 2015

Der Erdrutschsieg von Premierminister Modi bei den Wahlen im Mai 2014 weckte bei vielen Beobachtern große Hoffnungen auf ein umfassendes Reformpaket für das Fiskal- und Wirtschaftssystem des Landes.

Bei der fiskalpolitischen Planung für das Jahr, die dem vorliegenden Unionshaushalt zu entnehmen ist, zeigte sich die Regierung unserer Ansicht nach aber eher zurückhaltend. Sie bevorzugt einen pragmatischen Ansatz mit Schwerpunkt auf langfristigen Reformen. Auf schnelle „Scheinlösungen“ für die Wirtschaft verzichtet sie.

Offenbar geht die Regierung bei der Haushaltskonsolidierung langsamer vor als von vielen Marktbeobachtern erwartet. Unseres Erachtens stellt der Haushalt für 2015/2016 eine ausgewogene Mischung zwischen der Förderung der zyklischen Konjunkturerholung auf kurze bis mittlere Sicht und Strukturreformen für langfristiges Wachstum dar.

Dass die Regierung ihr Ziel der Haushaltskonsolidierung gelockert hat, um die öffentlichen Ausgaben zu erhöhen, ist unserer Ansicht nach für das Aufleben des Investitionszyklus kurz- bis mittelfristig vorteilhaft.

Der Haushalt enthielt eine Reihe von Posten, die wir als maßgebliche Pluspunkte werten, unter anderem:

  • Die Einführung einer landesweit einheitlichen Mehrwertsteuer: Die Maßnahmen sollen bis spätestens 1. April 2016 umgesetzt werden. Das halten wir für einen großen Schritt für ein Land mit einer Fülle bundesstaatlicher Steuern, die den Handel erschweren.
  • Verstärkte Maßnahmen gegen Korruption und Steuerhinterziehung: Eine vorgesehene 2%ige Steuer für Indiens Superreiche und eine 10-jährige Haftstrafe für Steuerhinterzieher sollen den Schwarzgeldmarkt austrocknen. Diese neuen Maßnahmen sollten Steuerhinterziehung verhindern, die in Indien seit vielen Jahren ein verbreitetes Problem ist.
  • Höhere Zuweisungen für Infrastruktur: Es soll ein neuer nationaler Fonds errichtet werden, über den 200 Mrd. INR im Jahr in steuerfreie Anleihen für Projekte in den Sektoren Schiene, Straße und Bewässerung fließen. Außerdem verringert der in letzter Zeit rückläufige Rohölpreis die Subventionszahlungen und ermöglicht der Zentralregierung die Flexibilität zur Finanzierung der vorgeschlagenen Erhöhung der Infrastrukturausgaben um 11,3 Mrd. US-Dollar.
  • Realistischer Einnahmeansatz: Das nominale BIP soll den Prognosen zufolge im Jahresvergleich um 11,5% wachsen, die Bruttosteuereinnahmen um 16%.[3] Dieser Ansatz ist nicht nur realistisch, sondern unserer Ansicht nach sogar konservativ, insbesondere im Vergleich zu den in den Vorjahren vorgestellten Haushalten, die eine Haushaltskonsolidierung auf Grundlage aggressiver Einnahmeansätze projizierten.
  • Maßnahmen zur Förderung von Finanzersparnissen: Es gibt Vorschläge für Anreize zur Umstellung von physischem Gold und Immobilien auf Versicherungen und Pensionsfonds
  • Verringerung der Körperschaftssteuern: Plangemäß sollen die Körperschaftssteuern über vier Jahre ab dem HJ 2017 von 30% auf 25% gesenkt werden. Indien, das einen der höchsten Körperschaftssteuersätze in ganz Asien aufweist, kann nun auf die Förderung verstärkter ausländischer Direktinvestitionen (FDI) setzen und zum Beschäftigungswachstum im nach Bevölkerung zweitgrößten Land der Welt beitragen.
  • Verstärkte Übertragung von Steuern auf die Bundesstaaten: Dadurch verringert sich die fiskalpolitische Abhängigkeit der Staatsregierungen von zentralen Ressourcen, und die Staaten erhalten mehr Autonomie bei der Finanzierung und Konzeption bedarfsgerechter Projekte. Das soll die Effizienz ihrer Ausgaben verbessern und rascher auf die Wirtschaft durchschlagen.

Der Haushalt enthielt jedoch in unseren Augen nicht nur gute Nachrichten. Verschiedene Elemente könnten unseres Erachtens kurzfristig für gewisse Marktvolatilität sorgen, insbesondere enttäuschend langsame Fortschritte beim Abbau des Haushaltsdefizits und mangelnde Aufklärung über die Rekapitalisierung staatlicher Banken. Der letzte Punkt wird von der Entscheidung zur Einrichtung eines autonomen Bank Bureau für bessere Governance allerdings etwas abgemildert, denn diese stimmt uns zuversichtlich.

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[1] Quelle: MSCI. Nähere Angaben zum Datenanbieter auf www.franklintempletondatasources.com. Indizes werden nicht gemanagt. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für die Zukunft.

[2] Quelle: MSCI, Factset, Credit Suisse Research, Dezember 2014. Nähere Angaben zum Datenanbieter auf www.franklintempletondatasources.com.

[3] Quelle: Finanzministerium, Indien Es gibt keine Garantie dafür, dass sich eine Schätzung bewahrheitet.