Beyond Bulls & Bears

Optimismus, Pessimismus und die Chancen

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Angesichts des S&P 500, der sich seit 2008 im Höhenflug befindet und in fünf der letzten sechs Jahre zweistellig zugelegt hat, und der weiterhin historisch extrem niedrigen Renditen von US-Schatzpapieren hinterfragen viele Anleger ihre Erwartungen zum künftigen langfristigen Gesamtertrag. Ed Perks, Chief Investment Officer und Portfoliomanager der Franklin Equity Group®, verrät, warum er den US-Markt nach wie vor optimistisch einschätzt und wo er derzeit nach Anlagechancen Ausschau hält.

Ed Perks
Ed Perks

Ed Perks, CFA
Chief Investment Officer, Executive Vice President, Portfolio Manager
Franklin Equity Group®

Mit Blick auf die breitere Investmentlandschaft und die letzte Ertragssaison der Unternehmen zeichnen sich ein paar Schlüsselthemen ab. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht wird die Unternehmensleistung durch nachlassendes Wachstum (insbesondere in vielen Regionen außerhalb der USA) im Zusammenspiel mit dem starken US-Dollar beeinträchtigt. Dies hören wir von verschiedenen US-Unternehmen, die in letzter Zeit ihre Quartalszahlen vorgelegt haben. Der starke Dollar sorgte bei vielen multinationalen Unternehmen für Gegenwind, weil die Aufwertung US-Unternehmen mit maßgeblichen Auslandsumsätzen belasten kann. Insgesamt gesehen wurden bislang eher moderate Umsatz- und Ertragssteigerungen gemeldet, wenngleich die Ergebnisse sektorbezogen ziemlich stark variieren. So wiesen Unternehmen aus Sektoren wie Technologie, zyklische Konsumgüter und Gesundheit beispielsweise höhere Wachstumsraten aus, allen voran in der Biotechnologie und bei medizinischen Dienstleistern.

Im Rahmen unserer wachstumsorientierten Strategien sind wir vor allem in einem Bereich zuversichtlich, nämlich im Gesundheitswesen – insbesondere in den Segmenten Spezialpharma und Biotechnologie. In diesen Sparten erkennen wir nach wie vor gute Ergebnisse durch Innovation, Forschung und Entwicklung (F&E), die die Medikamenten-Pipelines voranbringen und den längerfristigen Ausblick für Umsatz- und Ertragswachstum verbessern. Ferner ist auch das Thema Fusionen und Übernahmen (M&A) in diesem Sektor von großer Bedeutung und geht für uns über steuerlich motivierte Transaktionen hinaus. Wir sehen auch Chancen zur Optimierung ineffizienter Unternehmen durch bessere Ausführung im Management. Der technische Fortschritt lässt die Aussichten für den Gesundheitssektor ebenfalls rosiger erscheinen. Dieses Anlagethema sollte unseres Erachtens weiter im Fokus stehen.

Im Technologiesektor gehen wir von branchen- und plattformübergreifenden Anlagechancen durch die globale Verbreitung von Smartphones und den vermehrten Einsatz mobiler Computertechnik aus. Beispiele dafür sind medizinische Überwachungsgeräte für Diabetes, Fabrikautomation und Verbraucheranwendungen für Reisen, Spiele und soziale Medien. Die Bewertungen im Technologiesektor bleiben im Verhältnis zu ihren langfristigen Wachstumsaussichten unseres Erachtens pauschal weiter attraktiv. Das M&A-Thema herrscht in diesem Segment ebenfalls vor. Fusionen und Übernahmen könnten unserer Ansicht nach künftig zur Konsolidierung und Stärkung des Technologiesektors beitragen. Ferner beobachten wir, wie Technologieunternehmen über Dividenden und Aktienrückkaufprogramme zunehmend Barmittel an die Aktionäre zurückführen. Dies alles trägt zu unserem positiven mehrjährigen Ausblick für den IT-Sektor bei.

Ausblick für den US-Markt

Fürs kommende Jahr bewerten wir den Ausblick für die US-Wirtschaft und -Märkte weiterhin eher zuversichtlich, denn es liegen zwei maßgebliche Kräfte vor: der robuste Konsum und die Anreizeffekte niedrigerer Input-Kosten, allen voran der rasche und heftige Einbruch der Energiepreise. Billigere Energie könnte auf viele verschiedene Sektoren und Branchen auf breiter Front stimulierend wirken.

Im Hinblick auf die US-Verbraucher erkennen wir gewisse eindeutig positive Trends mit offenbar nachhaltiger Dynamik, darunter Beschäftigungszuwächse und steigendes Verbrauchervertrauen. Auch die allgemein höhere Kapazitätsauslastung in der Wirtschaft sollte diesen Kenngrößen 2015 weiter Unterstützung bieten. Langsameres Wachstum und andere Probleme auf Märkten außerhalb der USA können zwar für aufsehenerregende Schlagzeilen sorgen, doch dabei gilt, dass die US-Wirtschaft stark auf den eigenen Markt orientiert ist. Für viele US-Unternehmen sind ausländische Märkte zwar sicherlich wichtig, doch das Bruttoinlandsprodukt der USA entfällt zu rund 68% auf den Konsumsektor und nur zu etwa 13% auf den Export. US-Konsumenten sind heute besser aufgestellt als noch vor ein paar Jahren. Ihre Bilanzen haben sich parallel zu den US-Unternehmen stabilisiert, und der Konsum tendiert wieder dynamisch aufwärts. Niedrigere Energiepreise regen den Konsum zusätzlich an, denn Dollars, die sonst an der Tankstelle gelassen werden, können jetzt in andere Bereiche fließen.

 Reale US Konsumausgaben

Konsumklima

Doch niedrigere Energie-Input-Kosten sind unseres Erachtens nicht nur für Verbraucher vorteilhaft, sondern sollten sich auch spürbar auf die Produktion auswirken sowie auf eine ganze Reihe von Branchen, die in der Vergangenheit negativ mit den Energiepreisen korreliert haben, von Transport und Autoherstellung bis zur Kunststoffindustrie und zum Maschinenbau. Billigere Rohstoffe könnten binnenwirtschaftlich ausgerichteten Unternehmen zugutekommen und ihnen helfen, sich in Zeiten ungewissen globalen Wachstums von ihrer Vergleichsgruppe abzuheben.

Volatilität im Energiesektor: Chancen erschließen

Die jüngsten Turbulenzen im Energiesektor geben uns Gelegenheit, uns auf die Erschließung attraktiver Anlagechancen zu konzentrieren, die im Zusammenhang mit einem Phänomen auftreten, das ich als wahllosen Abverkauf bezeichnen würde. Es tritt in aller Regel auf, wenn ein Marktsegment so hohe Volatilität verzeichnet, wie wir sie in letzter Zeit im Energiesektor beobachtet haben. Ich würde die Entwicklungen der letzten Monate bei Energieaktien als Herdenmentalität in ihrer schlimmsten Form beschreiben. Uns geht es darum, die guten Unternehmen herauszupicken, die mit den schlechten ins Kröpfchen geraten. Darauf fokussieren wir uns nun schon seit Monaten.

In den letzten sechs Monaten haben sich im Energiesektor zunehmend Chancen bei Ölfelddienstleistern und -ausrüstern herausgebildet, die infolge drastisch reduzierter Investitionen im Upstream-Geschäft starke Verluste verbuchen. Kürzerfristig hat der Ausblick darunter sicherlich gelitten, doch längerfristig beurteilen wir dieses Segment des Energiemarkts weiter zuversichtlich. Das liegt vor allem an der hoch entwickelten Technik in vielen neuen Produktionsbereichen, aber auch an starken Bilanzen und attraktiven Dividenden. Das macht Ölfelddienstleister und -ausrüster meines Erachtens zu einem ansprechenden Segment für langfristige Investoren.

Bei 100 US-Dollar [pro Barrel] Öl können viele Unternehmen Geld verdienen. Kostet das Öl aber nur 55 – 65 US-Dollar, ist es weit wichtiger, die Aktivaqualität und die Fähigkeit des Managements zur Kostensenkung richtig zu beurteilen. In einem von niedrigeren Ölpreisen geprägten Umfeld sind diese Faktoren entscheidend für den Anlageerfolg. Künftig wird die Einzeltitelauswahl daher eine entsprechend größere Rolle spielen. Und genau darin liegt nach meiner Überzeugung der Mehrwert des aktiven Managements und insbesondere unseres Bottom-up-Prozesses zur Einzeltitelauswahl, dem Markenzeichen unserer Aktien- und Hybridstrategien.

kurs-gewinn

Portfoliopositionierung: Einschätzungen zu Unternehmens- und Wandelanleihen

Die starke Performance der Aktienmärkte, die wir im letzten Jahr generell beobachten konnten, eröffnet gewisse Gelegenheiten zur Gewinnmitnahme. Wir sind zwar vom Potenzial von Aktien in diesem Jahr nach wie vor überzeugt, setzen aber in unseren Hybrid-Portfolios etwas stärker auf Unternehmensanleihen – vor allem weil wir in diesem Segment ein interessanteres realisierbares Portfolio erkennen, trotz anhaltend niedriger Langfristzinsen. Wir haben erlebt, dass die Credit-Spreads stärker schwanken. Das lag unserer Ansicht nach zum Teil an eher technischen Faktoren wie zeitweiligen Kapitalabflüssen aus dem Sektor. Dadurch weiten sich die Spreads, und die Renditechancen steigen. Im zweiten Halbjahr 2014 sind die Renditen unseren Beobachtungen zufolge auf dem gesamten breiteren Markt für hochverzinsliche Unternehmensanleihen recht spürbar gestiegen. Wir erkennen überzeugende Chancen, bleiben aber auf unser fundamentales Credit Research ausgerichtet, um die unserer Ansicht nach herausragenden Gelegenheiten auf diesem Markt ausfindig zu machen. Ein weiterer Aspekt sind die Chancen, die wir derzeit bei wandelbaren Wertpapieren erkennen. Das Interesse an der Ausgabe von Wandelanleihen an Anleger hat in letzter Zeit offenbar zugenommen. Das verfolgen wir auf jeden Fall und gehen davon aus, dass sich für uns 2015 weitere Chancen ergeben könnten.

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