Beyond Bulls & Bears

Managerporträt: Heather Arnold

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Einige Experten sagen, die Tätigung von Geldanlagen ist mehr eine Kunst als eine Wissenschaft. Heather Arnold, die Abschlüsse in Kunst und Wirtschaftswissenschaften hat, würde dem zustimmen. Sie sagt, durch ihr Kunststudium hat sie ein besseres Verständnis der Welt und das veranlasst sie, bei Anlageentscheidungen alle Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Als Director of Research, Research Analyst und Portfoliomanagerin der Templeton Global Equity Group bieten sich Arnold viele Gelegenheiten, insbesondere in Europa, Bewertungen durchzuführen, was eines ihrer Fachbereiche ist. Aber als langjährige Schülerin des verstorbenen Sir John Templeton verfolgt sie bei Investitionen keinen voreiligen Ansatz. Stattdessen betrachte sie alle Aspekte eines Unternehmens bevor sie die Entscheidung trifft, ob sie es ihrer Sammlung hinzufügt. Wir wollten mehr über Heather Arnold und ihren Ansatz beim Investmentmanagement erfahren.

Heather Arnold
Heather Arnold

Heather Arnold, CFA
Director of Research, Research Analyst
Portfoliomanager
Templeton Global Equity Group

Beyond Bulls & Bears: Wann erwachte Ihr Interesse an der Investmentfondsbranche?

Heather Arnold: Mein Vater hat mein Interesse geweckt als ich gerade in die Highschool gekommen war. Er interessierte sich sehr für Firmen und Aktien und sprach gerne beim Abendessen über sie. Ich besuchte zusammen mit ihm Jahre bevor ich für die Firma arbeiten sollte eine Hauptversammlung von Templeton. Da saßen Hunderte von Menschen in einem Auditorium und hörten Sir John Templeton zu. Damals, das war in den 1980er Jahren, herrschte in der Weltwirtschaft und den Märkten Panik. Sir John sprach aber mit ruhigem und aufrichtigem Optimismus über das enorme Potenzial, das er in den Aktien sah, die er in verschiedenen Ländern in der ganzen Welt hielt. Er war unglaublich inspirierend, was sein Unternehmen, Geldanlagen und die Welt betraf. Seitdem hänge ich am Haken.

Beyond Bulls & Bears: Wodurch zeichnet sich Ihr Ansatz als Portfoliomanager aus?

Heather Arnold: Ich bin vollkommen von unserem Templeton Wertprozess überzeugt: Wir kaufen eine Reihe von Aktien, von denen wir denken, sie sind extrem niedrig bewertet, streuen soweit dies möglich ist über Sektoren und Länder und warten dann geduldig ab.

Beyond Bulls & Bears: Was war der schwierigste Markt, mit dem Sie sich während Ihrer Karriere im Investmentmanagement auseinander setzen mussten?

Heather Arnold: Die schwierigste Phase war während der Blase im Technologiesektor Ende der 1990er Jahre. Wochen bevor die Blase geplatzt ist, im Februar 2000, bat man mich bei einer AIMR  (Association for Investment Management and Research, jetzt das CFA Institute) Veranstaltung zum Thema „Ist Value-Investing tot?“ zu sprechen. Die beiden Growth-Manager sprachen zuerst und lieferten überzeugende Argumente dafür, dass dem so sei. Der dritte Sprecher begann damit gegen das Thema zu argumentieren, gab dann aber mitten in seiner Präsentation, scheinbar geschlagen, auf. Dann war ich dran. Es kam mir so vor, als sei ich der letzte Mensch, der sich noch für das Value-Investing einsetzte, ein Prozess an den ich, trotz aller Beweise des Gegenteils damals, immer noch fest glaubte. Jemand im Publikum fragte, ob ich das letzte Mitglied der  „Die Erde ist eine Scheibe Gesellschaft“ sei. Aber wie man so sagt: Die Zeit heilt alle Wunden.

Beyond Bulls & Bears: Welche Ratschläge haben Sie während Ihres Beruflebens erhalten, an die Sie sich immer noch halten?

Heather Arnold: Frei nach den Worten des verstorbenen Sir John Templeton: Keep it simple – halte es einfach. Natürlich sah das bei ihm viel einfacher aus, als es ist.

Beyond Bulls & Bears: Sie verfügen über viele Jahre Erfahrung als Anleger in Europa, das in letzter Zeit mit seinen eigenen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat. Was ist Ihr Ausblick für die Region? In welchen Sektoren finden Sie noch Wertchancen?

Heather Arnold: Die Wirtschaft scheint sich aufgrund der Kombination aus quantitativen Lockerungen, einem schwächeren Euro und den niedrigeren Energiepreisen zu erholen. Wir konnten in einigen der Länder, die während der Schuldenkrise, die 2009 ihren Anfang nahm, in Schwierigkeiten gerieten, vielversprechende Strukturreformen beobachten und es gibt ebenso ermutigende Initiativen auf Ebene der Unternehmen. Viele europäische Aktien werden immer noch mit Abschlägen gegenüber vergleichbaren Unternehmen im Rest der Welt gehandelt. Wir sehen überall potenzielle Chancen. Potenziell herausragender Wert findet sich aber immer noch in bestimmten Unternehmen in den Sektoren Energie, Finanzwesen und Industrie.

Beyond Bulls & Bears: Eines der Länder, das Sie für die Templeton Global Equity Group abdecken, ist Russland. Was ist Ihrer Meinung nach das größte Missverständnis, das in Hinsicht auf das Land unter Anlegern besteht? Wie ist Ihr Ausblick für Russland?

Heather Arnold: Russland verfügt unserer Meinung nach über enormes Potenzial. Manchmal scheint das Land aber seiner eigenen Entwicklung im Wege zu stehen. Das scheint in letzter Zeit der Fall zu sein. Es gibt jedoch häufig auch einen Hoffnungsschimmer. Russische Unternehmen stehen zur Beschwichtigung ihrer Aktionäre unter ungeheurem Druck, ihr Kapital zu erhalten und die Erträge zu verbessern. Einige russische Unternehmen haben die jüngste Krise in Russland – Folge der Sanktionen im Zusammenhang mit dem Engagement des Landes in der Ukraine – genutzt, um ihre Corporate Governance zu stärken, die im Allgemeinen besorgniserregend weit unter den weltweiten Standards liegt. Langfristig, wenn der Ölpreis sich erholt (was er unser Meinung nach letztendlich auch tun wird) und sofern Russland sich hinreichend an die Waffenruhe hält, so dass die von den USA und Europa verhängten Sanktionen aufgehoben werden, könnten russische Unternehmen sich schnell erholen und in eine stärkere Wettbewerbsposition als zuvor geraten.

Beyond Bulls & Bears: Sie haben Bachelor-Abschlüsse in Wirtschaftswissenschaften und Kunstgeschichte. Wie nutzen Ihnen Ihre Kunstkenntnisse bei Anlagekonzepten?

Heather Arnold: Je mehr Sie herumkommen, erkunden und sehen, desto besser wird Ihr Verständnis der Welt um Sie herum. Um wirklich lohnenswerte Chancen in den Märkten und im Leben zu finden, ist es hilfreich, wenn man sein Netz weit auswirft und aufgeschlossen bleibt.

Beyond Bulls & Bears: Da Sie ja einen Abschluss in Kunstgeschichte haben, müssen Sie im Rahmen Ihrer Reisen viele Museen besucht haben. Haben Sie ein Lieblingsmuseum? Und wenn ja, warum? 

Heather Arnold:Die Tate Modern in London befindet sich in einem alten Kraftwerk an der Themse. Es ist eines meiner Lieblingsmuseen. Ich habe dort während der Olympischen Spiele in London 2012 an einem Performance Art Projekt teilgenommen. Es ist für mich wie ein zuhause. Das Lousiana Museum of Modern Art außerhalb Kopenhagens verfügt über eine fantastische Sammlung in einer schönen Umgebung. Das gilt auch für Storm King, einen Skulpturenpark am Hudson River im Bundesstaat New York. Dann ist da noch die Art Gallery of Ontario in meiner Heimatstadt Toronto, die vor kurzem von Frank Gehry umgestaltet wurde und heute ein Museum von Weltklasse ist. Hier gilt das gleiche, wie für Aktien – warum sollte man sich auf nur einen Favoriten beschränken?

Beyond Bulls & Bears: Haben Sie jemals über eine Karriere in der Kunstwelt nachgedacht?

Heather Arnold: Mein erster Arbeitsplatz war bei einer Kunstgalerie in Toronto. Ich verdiente 9.000 kanadische Dollar im Jahr und beschloss, dass ich Kunst lieber sammeln als verkaufen wollte.

participating in the Ride for Hope 2013
Heather Arnold nimmt am Ride for Hope 2013 in Eleuthera, Bahamas teil.

Beyond Bulls & Bears: Auf welche Leistung sind Sie am stolzesten?

Heather Arnold: Drei Wochen nachdem ich nach Nassau gezogen bin, fuhr ich 50 Meilen Fahrrad im Rahmen der Wohltätigkeitsveranstaltung Ride for Hope, die Geld für Krebsbehandlungen und die Patientenbetreuung sammelt. Ich war schon seit Jahren nicht mehr Fahrrad gefahren und freute mich sehr, dass die alte Redensart „Fahrrad fahren verlernt man nie“ auf mich zutraf.

Beyond Bulls & Bears: Sie sind Direktorin am College Ready Bahamas, einer Organisation, die Studenten auf den Bahamas hilft, sich auf das College vorzubereiten und sich dort zu bewerben. Was war an der Mission dieser Organisation für Sie am interessantesten?

Heather Arnold: College Ready Bahamas hilft Schülern auf den Bahamas sich auf die SAT Zulassungsexamen für die Universität vorzubereiten. Ich glaube fest an Bildung und daran die Welt zu erkunden. College Ready hilft Studenten auf den Bahamas im Rahmen ihrer College-Ausbildung beides zu tun.

Beyond Bulls & Bears: Welche anderen Aktivitäten oder Hobbys verfolgen Sie in Ihrer Freizeit?

Heather Arnold: Fahrrad fahren, Kayaking, Pilates, Holzschnitzerei und Zeit mit meinen Söhnen verbringen. Und natürlich lesen.

Wichtige Hinweise:

Heather Arnolds Kommentare, Meinungen und Analysen dienen ausschließlich zu Informationszwecken. Sie dürfen nicht als eine individuelle Anlageberatung oder Empfehlung, in ein Wertpapier zu investieren oder eine bestimmte Anlagestrategie zu verfolgen, aufgefasst werden. Da sich Markt- und Konjunkturbedingungen schnell verändern können, gelten Kommentare, Meinungen und Analysen nur für den Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags. Sie können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Material soll keine vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Branche, eine Anlage oder Strategie darstellen. 

Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, inklusive des möglichen Verlusts der Anlagesumme. Ausländische Wertpapiere bringen spezielle Risiken mit sich, darunter Wechselkursschwankungen, wirtschaftliche und politische Ungewissheit. Anlagen in Schwellenländern sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und den nicht so festgefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren.