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Zwei Meinungen zu Südkorea

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Das wirtschaftliche Wachstum in Südkorea ist in den letzten Monaten zurückgegangen, da das Land sich mit einer hohen Privatverschuldung und der Abwertung der Währung seines Hauptkonkurrenten Japan auseinandersetzen muss. Die südkoreanische Regierung hat Schritte zur Belebung der Wirtschaftsaktivität ergriffen, darunter radikale Zinssenkungen auf ein neues Rekordniveau im März. Die daraus resultierende Abwertung der Währung des Landes – in Verbindung mit niedrigeren Rohstoffpreisen – hat Exporteuren geholfen und den Aktienmärkten im bisherigen Jahresverlauf Auftrieb verliehen. Der in Südkorea ansässige Portfoliomanager Sung Sik Oh, Chief Investment Officer – Equity bei Franklin Templeton Local Asset Management, analysiert den dynamischen südkoreanischen Aktienmarkt, während Dong-il Kim, Chief Investment Officer – Fixed Income, auf die Wachstumssaussichten einer potenziellen Wiedervereinigung mit Nordkorea eingeht.

Sung Sik Oh
Sung Sik Oh

Sung Sik Oh
Chief Investment Officer–Equity
Local Asset Management–South Korea

Sung Sik Oh diskutiert den südkoreanischen Aktienmarkt:

Niedrigere Öl- und Rohstoffpreise haben dieses Jahr zu den Gewinnen im südkoreanischen Aktienmarkt beigetragen, da Unternehmen in dem Öl-importierenden, exportabhängigen Land aufgrund von Einsparungen bei ihren Energiekosten ihre Endergebnisse verbessern konnten. Besonders gut entwickelte sich der Chemiesektor, der in der Regel von niedrigeren Ölpreisen profitiert, da viele Unternehmen in der Branche Stoffe auf Ölbasis in ihren Produkten verwenden. So konnte der KOPSI Index der koreanischen Börse im bisherigen Jahresverlauf 9,76% zulegen.1

Das Kosmetiksegment des Chemiesektors konnte sich besonders gut entwickeln. Der fallende Ölpreis stellt dabei aber nur einen Faktor dar. Einige Anleger wissen wahrscheinlich gar nicht, dass südkoreanische Hautpflegeprodukte, die mit innovativen und hochwertigen Inhaltsstoffen locken, zu den populärsten der Welt geworden sind. In der Tat besuchen viele Touristen, besonders aus China, Südkorea nur um Hautpflegeprodukte zu kaufen. Die Kosmetikexporte sind in den letzten Jahren ebenfalls signifikant gestiegen – um 68% von 1,07 Mrd. US-Dollar 2012 auf 1,80 Mrd. US-Dollar 2014.2

Unternehmen im Gesundheitssektor haben dieses Jahr ebenfalls Beiträge zu den Zugewinnen des KOPSI Index geleistet. Die Hersteller medizinischer Geräte konnten ihre Exporte um 60% von 1,966 Mrd. US-Dollar auf geschätzt 3,148 Mrd. US-Dollar 2014 steigern.3 Ultraschallsysteme, weiche Kontaktlinsen und Zahnimplantate machen etwa ein Viertel des Werts der südkoreanischen Exporte im Bereich medizinische Produkte aus.4

Weiterhin kamen die Änderungen der Regierungspolitik, wie Zinssenkungen, Anbietern von Baumaterialien und Bauunternehmen zugute. Wir gehen aber nicht davon aus, dass die Zinssenkungen viele lokale Privatanleger in Aktien treiben werden, da viele sich auf die Verringerung der Privatschulden konzentrieren und weniger darauf, ihre Portfolios zu vergrößern.

Die Währungseffekte, denen Exporteure ausgesetzt sind, stellen eine weitere Herausforderung für Anleger in Südkorea dar. Die Bank of Korea (BOK) scheint diese Situation genau zu beobachten, insbesondere hinsichtlich des Werts des Wons gegenüber dem japanischen Yen. Falls jedoch die BOK die Zinsen weiter senken sollte, während die US-Notenbank Federal Reserve die Zinsen in den USA in diesem Jahr potenziell erhöht, gehen wir davon aus, dass es zu Kapitalabflüssen aus Südkorea kommen könnte.

Marktausblick

Solange das globale makroökonomische Klima stabil bleibt und die südkoreanische Regierung weiterhin eine wachstumsfördernde Politik verfolgt, ist der Ausblick für südkoreanische Aktien für den Rest des Jahres 2015 unserer Meinung nach weiterhin günstig. Hintergrund sind Verbesserungen bei den Unternehmenserträgen, die von niedrigeren Energiekosten und einer abwertenden Währung unterstützt werden. Wir denken auch, Aktien könnten von dem Reformpaket profitieren, das dieses Jahr in Kraft getreten ist und die größten Konzerne des Landes zwingt, bis zu 80% ihrer Nettoeinkünfte in Form von Dividenden, Inlandsinvestitionen oder Mitarbeitergehältern auszuschütten. Ansonsten droht eine Steuer in Höhe von 10% auf diese Gewinne. Die Unternehmen haben einen hohen freien Cashflow generiert, aber nur sehr wenig davon wurde an Aktionäre zurückgeführt. Einige Unternehmen haben bereits Aktienrückkäufe und höhere Dividendenausschüttungen angekündigt. Sollte dieser Trend sich fortsetzen, werden sich unserer Meinung nach auch die Aktienbewertungen wieder erholen.

Wir sehen derzeit insbesondere Potenzial bei Large-Cap Exporteuren, denn wir denken, die Weltwirtschaft wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach erholen und der südkoreanische Won gegenüber dem US-Dollar wahrscheinlich signifikant zulegen.

Dong-il Kim
Dong-il Kim

Dong-il Kim
Chief Investment Officer
Local Asset Management–South Korea

Dong-il Kim macht sich über den potenziellen Nutzen einer Wiedervereinigung mit Nordkorea Gedanken:

Die Schaffung einer Grundlage für eine Wiedervereinigung mit Nordkorea ist Teil des langfristigen Wirtschaftsplans der südkoreanischen Regierung. Wenn – bzw. falls – dies geschieht, eröffnet sich unserer Meinung nach eine großartige Chance für Südkorea.

Wir gehen davon aus, dass eine Wiedervereinigung zu einer Vergrößerung des Binnenmarkts für südkoreanische Firmen führen würde. Es wäre dem vereinigten Land dann auch möglich über gemeinsame Pipelines besser auf Rohstoffe zuzugreifen. Weiterhin gehen wir davon aus, dass die südkoreanische Regierung dazu in der Lage wäre den Verteidigungshaushalt, der 2,8% des BIP ausmacht5, erheblich zu reduzieren. Das gesparte Geld könnte für die Stärkung der Binnenwirtschaft aufgewendet werden.

Die wirtschaftliche Separation der beiden Länder darf nicht unterbewertet werden: Südkoreas BIP beläuft sich auf insgesamt 1,13 Bio. US-Dollar6, während das BIP Nordkoreas bei gerade einmal 29,5 Mrd. US-Dollar liegt.7 Südkoreanische Unternehmen haben versucht die Kluft zu schließen, indem sie sich um eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der nordkoreanischen Regierung bemühten. Seit 2000 betreiben Südkoreas Hyundai Asan und Nordkorea den Gaeseong Industrial Complex (GIC). Der nur etwa 60 Kilometer von Seoul, aber in Nordkorea liegende GIC verbindet südkoreanisches Kapital und Technologie mit nordkoreanischem Land und Arbeitskräften. Bis Ende des Jahres 2014 produzierten 124 Unternehmen mit Hilfe von 54.000 nordkoreanischen Arbeitern Produkte im Wert von etwa 470 Mio. US-Dollar.8 Obwohl der GIC aufgrund politischer Probleme eine Zeitlang geschlossen und vor kurzem Schauplatz von Lohnstreits war, wird der GIC unserer Meinung nach die Beziehung zwischen Nord und Süd verbessern. Einige Politiker in Südkorea beharren auch darauf, dass dem GIC ähnliche Projekte in anderen Regionen Nordkoreas die Beziehungen weiter verbessern könnten.

Insgesamt denken wir, eine Wiedervereinigung wäre langfristig eine positive Entwicklung für die Aktienmärkte. Trotz der Prognosen massiver Kosten und vorübergehender sozialer Unruhen würde der Nutzen einer Wiedervereinigung unserer Meinung nach die entstehenden Kosten überwiegen. Wir denken, langfristig gesehen würde eine neue Wachstumsdynamik in der vereinigten koreanischen Wirtschaft entstehen, wie dies auch in Deutschland der Fall war.


1. Quelle: Bloomberg LP, Stand: 1. Juni 2015. Indizes werden nicht verwaltet. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für die Zukunft.

2. Quelle: Korea Pharmaceutical Traders Association.

3. Quelle: US International Trade Administration.

4. Quelle: Korea Pharmaceutical Traders Association.

5. Quelle: Weltbank, Stand: 2013.

6. Quelle: The World Factbook der Central Intelligence Agency, Stand: Ende des Jahres 2014 (Schätzung).

7. Quelle: Ebd., Ende des Jahres 2013 (Schätzung).

8. Quelle: Ministerium für Wiedervereinigung, Ende des Jahres 2014.

 

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