Beyond Bulls & Bears

Zwei Säulen des Wachstums in den USA: Verbraucher und Unternehmen

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Da die US-Wirtschaft und der Aktienmarkt bereits seit Ende der Finanzkrise 2009 ein generell starkes Wachstum verzeichnen, fragen sich vielleicht einige Anleger, ob bei den der Erholung zugrunde liegenden Fundamentaldaten möglicherweise eine Abschwächung begonnen hat. Nach Überzeugung von Grant Bowers, Portfoliomanager bei der Franklin Equity Group, ist das Fundament der US-Wirtschaft weiterhin in einem guten Zustand. Im Rahmen der Templeton Investment London Investor Conference 2015 diese Woche drückte Bowers seine Ansicht aus, dass die beiden Säulen – Konsumausgaben und Unternehmenserträge – auch weiterhin das Wirtschaftswachstum in den USA unterstützen werden. Er erläuterte außerdem seine Ansichten zu den Aktienbewertungen und Anlagegelegenheiten im aktuellen Marktklima.

Grant Bowers at the London Investor Conference
Grant Bowers auf der London Investor Conference

Grant Bowers
Vice President, Research Analyst
Portfoliomanager
Franklin Equity Group

Mit Blick auf den Rest des Jahres 2015 erwarten wir, dass die US-Wirtschaft weiter erstarken und die US-Aktienmärkte sich aller Wahrscheinlichkeit nach weiter positiv entwickeln werden. Das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal gab aufgrund unserer Meinung nach vorübergehender Probleme nach. Darunter waren die Widerstände aufgrund des steigenden Dollar, Streiks in den Häfen der Westküste und das harte Winterwetter, was im ersten Quartal 2015 zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in den USA um 0,7% führte.1 Wir sind aber nach wie vor der Überzeugung, dass die beiden Hauptsäulen der US-Wirtschaft – Konsumausgaben und Unternehmenserträge – weiterhin von einem moderaten Wirtschaftswachstum unterstützt werden.

Trotz leichten Rückgangs im Mai lag das Verbrauchervertrauen während der ersten Monate des Jahres 2015 auf dem höchsten Durchschnittsniveau seit Mai 2004.2 Eine relativ niedrige Arbeitslosigkeit und die moderate Inflation haben zur Erhaltung der positiven Stimmung unter Verbrauchern beigetragen. Gleichzeitig stieg das reale verfügbare persönliche Einkommen – das nach Steuern und Inflation adjustierte Einkommen – von 3,6% im vierten Quartal 2014 auf 6,2% im ersten Quartal 2015.3 Wir glauben, die Verbesserungen im Arbeitsmarkt, die steigenden persönlichen Einkommen und die sich bessernde Wirtschaftsstimmung werden in Zukunft den Konumsausgaben zugute kommen.

US-Verbraucher haben auch mehr Geld der Tasche, denn sie haben seit der Finanzkrise ihre persönlichen Schulden generell energisch reduziert und ihre Sparquote erhöht. Wir sehen dies als einen fundamentalen, wenn auch häufig übersehenen, Treiber der Stärke der Konsumausgaben in den kommenden Jahren.

Barmittel von Unternehmen steigen

Gleichzeitig haben auch viele US-Unternehmen Schulden getilgt und in den letzten Jahren starke Erträge generiert. Das Ergebnis: US-Unternehmen verfügen nun über große Summen Bargeld in ihren Bilanzen.

Die Frage, die sich vielen Anlegern stellt, lautet „Was haben die Unternehmen mit diesen Barmitteln in den kommenden Jahren vor?“ Zu den Bereichen, in denen Unternehmen diese Mittel aufgewendet haben, zählen weitere Dividendenerhöhungen und Aktienrückkäufe, was Kapital an Anleger zurückführt, laufende Investitionen und Kapitalausgaben sowie Forschung und Entwicklung, Produktivitätssteigerungen und die Reduzierung der Kostenstrukturen.

Der wichtigste Effekt der zusätzlichen Barmittel, die Unternehmen zur Verfügung stehen, ist die Aktivität im Bereich Fusionen und Übernahmen (M&A), die sich in letzter Zeit im Markt gezeigt hat. Wir konnten beobachten, wie sich die M&A Aktivität während der vergangenen zwei Jahre beschleunigt hat und wir glauben, dieser Trend wird sich in Zukunft fortsetzen, wenn US-Unternehmen weiterhin strategische Werte erwerben oder fragmentierte Branchen konsolidieren.

Es gibt aber nicht nur positive Nachrichten für US-Unternehmen. Die jüngste Stärke des US-Dollar gegenüber anderen Währungen, wie dem Euro und Yen, hat für viele international tätige Firmen einen gewissen Widerstand für das Ertragswachstum geschaffen. Wir gehen zwar davon aus, dass die aktuelle Dollarstärke sich aller Wahrscheinlichkeit fortsetzen wird. Doch halten wir dies für keine langfristige Beeinträchtigung des Ertragswachstum bei vielen Unternehmen. Wir sind nach wie vor der Überzeugung, die Umsätze werden aller Wahrscheinlichkeit nach weiter mit moderatem Tempo steigen.

Bestandsaufnahme

Wir denken, das aktuelle Wirtschaftsklima in Verbindung mit einer niedrigen Inflation und niedrigen Zinsen bietet einen gesunden fundamentalen Hintergrund für eine weiterhin gute Entwicklung von US-Aktien für den Rest des Jahres 2015 und den Beginn des Jahres 2016. Ein langsames, aber stetiges Wachstum unterstützt eine gesunde Wirtschaft und wir glauben, der Markt könnte länger stärker sein, als viele erwarten. Die aktuellen Bewertungen im US-Markt sind dennoch nicht so billig, wie sie es vor einigen Jahren noch waren. Sie sind unserer Meinung nach aber immer noch angemessen. Wir finden nach wie vor vereinzelt Gelegenheiten bei Unternehmen, die schneller wachsen als der Gesamtmarkt und – so scheint uns – in der Lage sind, über einen Zeitraum von mehreren Jahren hinweg ein nachhaltiges Wachstum zu liefern. Diese Anlagegelegenheiten finden sich in allen Branchen und Sektoren. Wir konzentrieren uns aber primär auf unserer Meinung nach hochwertige Geschäftsmodelle, die von mehrjährigen säkularen Wachstumstrends profitieren.

Wir finden beispielsweise nach wie vor attraktive Gelegenheiten im Gesundheitssektor. Dort treibt ein äußerst starker säkularer Rückenwind die vermehrte Nutzung und den Konsums medizinischer Versorgung in den USA und weltweit an. Die Kombination aus alternden Bevölkerungen, besseren Behandlungsoptionen und Innovationen durch neue Medikamente schaffen ein attraktives Investitionsklima. Unternehmen im Gesundheitssektor vergrößern auch immer weiter ihre Bemühungen im Bereich Forschung und Entwicklung. Das führt zu innovativen Entdeckungen sowie Heil- und Behandlungsmethoden für viele Krankheiten. Diese Gelegenheiten bestehen nicht nur in den Bereichen Pharmazie und Biotech. Unserer Meinung nach sind die Aussichten für Anbieter von medizinischen Dienstleistern, Instrumenten und Diagnostikverfahren glänzend.

Zinsen

Nach Jahren äußerst lockerer geldpolitischer Anreize seit der Finanzkrise 2008 scheint die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) nun bereit zu sein, in diesem Jahr die Kreditkosten zum ersten Mal seit Mitte 2006 wieder anzuheben. Bei derzeit noch zahmer Inflation in den USA und einem nach wie vor unter Druck stehenden Arbeitsmarkt – insbesondere in Hinblick auf die Entlohnung – wiederholte Fed-Chefin Janet Yellen im März, dass die weithin erwarteten Zinserhöhungen, wenn sie beginnen, aller Wahrscheinlichkeit nach gering und schrittweise sein werden. Wir sehen die Aussichten auf Zinserhöhungen als Reflektion einer gesunden Wirtschaft. Selbst bei dem Ausblick auf zukünftig steigende Zinsen, bleibt unser Ausblick für die US-Aktienmärkte positiv. Allerdings würde es uns nicht überraschen, wenn es zu phasenweiser Marktvolatilität kommt, wenn die Fed sich auf Zinserhöhungen vorbereitet und die geopolitischen Risiken weiter bestehen bleiben. Als langfristige Anleger sind wir der Ansicht, dass Volatilität häufig auch Anlagegelegenheiten mit sich bringt.


1. Quelle: US Department of Commerce, Bureau of Economic Development, 3. Juni 2015.

2. Quelle: University of Michigan, Verbraucherumfrage. Die Umfrage wurde im Mai 2015 durchgeführt.

3. Quelle: US Department of Commerce, Bureau of Economic Analysis, Pressemitteilung vom 29. April 2015.

 

Wichtige Hinweise:

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