Beyond Bulls & Bears

Jenseits aller Reden über eine Aktienmarktblase

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Wir gehen jetzt in das siebte Jahr eines Rekord-Bullenmarkts in den USA und einige Anleger fragen sich inzwischen wohl, ob die Aktienbewertungen nicht ein wenig aufgebläht sind. Diese Besorgnis wurde von US-Notenbank-Chefin Janet Yellen nicht unbedingt beschwichtigt, als sie letzten Monate nahelegte, US-Aktien könnten überbewertet sein. Serena Perin Vinton, Senior Vice President und Portfoliomanagerin bei der Franklin Equity Group gesteht zwar ein, dass die Bewertungen insgesamt möglicherweise am oberen Ende des Durchschnitts liegen, sie glaubt aber, es bestehen nach wie vor Gelegenheiten im Markt – wenn man weiß, wo man suchen muss. Sie erklärt, wie sie in sektorspezifischen Abschwungphasen günstige Gelegenheiten und potenzielles Wachstum bei technologischen Fortschritten findet.

Serena Perin Vinton
Serena Perin Vinton

Serena Perin Vinton, CFA
Senior Vice President, Portfolio Manager
Franklin Equity Group

Während der Bullenmarkt in den USA weitergeht haben sich einige Marktbeobachter besorgt über eine potenzielle Überhitzung der Aktienbewertungen geäußert. Die Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) Janet Yellen goss vergangenen Monat Öl in das Feuer, als sie warnte, es bestünden „potenzielle Gefahren“ bei den aktuellen Marktbewertungen, die sie als „recht hoch“ beschrieb. Ihre Bemerkungen führten zu intensiveren Diskussionen über eine potenzielle Blase im Aktienmarkt.

Insbesondere die Wertentwicklung des technologielastigen Nasdaq Composite Index führte zu einer kritischen Betrachtung der Sektoren Gesundheit und Technologie durch Marktexperten. Im März durchbrach der Nasdaq zum ersten Mal seit 15 Jahren die 5.000 Punkte Marke. Das rief den Dotcom-Crash im Jahr 2000 in Erinnerung, der direkt auf die Rekordbewertungen jener Zeit folgte.

Trotz der großen Nachfrage nach Aktien gibt es unserer Meinung nach überzeugende Gelegenheiten im Markt, wenn man einzelne Sektoren oder Unternehmen betrachtet. Bei vielen Unternehmen – sogar die im Gesundheitssektor – erscheinen uns die Bewertungen auch angemessen, wenn man ihr Wachstumspotenzial berücksichtigt.

Die positive Seite eines Abschwungs

Obwohl der Gesamtmarkt in letzter Zeit keine signifikante Korrektur erlebte, konnten wir rotierende Kursrückgänge in bestimmten Bereichen beobachten, so zum Beispiel in den Sektoren Energie, Materialien und Industrie. Die relative Stärke des US-Dollar und Fluktuationen des Ölpreises waren Faktoren, die zu diesen Kursrückgängen beigetragen haben, insbesondere bei Unternehmen, die in den Energiemärkten engagiert sind und Währungsbewegungen unterliegen. Anfang 2014 konnten wir beobachten, wie Besorgnis sich auf das Gesundheitswesen und Aktien mit Internetbezug auswirkte, obwohl diese Bereiche sich seitdem wieder erholen konnten.

Das hat zu Gelegenheiten für uns geführt bestehende Positionen zu erweitern oder neue Positionen aufzunehmen. Ein Beispiel ist ein Anbieter von Datenanalytik, der viele Kunden im Energiebereich hat. Die Volatilität des Ölpreises gab uns Gelegenheit, unsere bestehenden Position in einem unserer Meinung nach starken Unternehmen mit guten langfristigen Wachstumsaussichten trotz der kurzfristigen Ungewissheit zu erweitern.

Ein weiteres Beispiel ist ein Hersteller von Wein und Spirituosen. Das Unternehmen konnte seinen internationalen Vertrieb erweitern und seine Umsätze in Lokalwährung steigern. Aufgrund der Stärke des Dollars in letzter Zeit reflektiert die Topline des Unternehmens aber nicht dieses Wachstum. Sieht man von dem aktuellen Gegenwind einmal ab, verfügt das Unternehmen unserer Meinung nach über eine starke Bilanz bei der Einführung neuer Produkte und Reinvestitionen in sein Geschäft. Das macht es zu einem Beispiel für die Art nachhaltigen Wachstums, nach dem wir in Unternehmen für unsere Portfolios für Anlagen auf längere Sicht suchen.

Steigende Zinsen

Unserer Meinung nach stellt die Volatilität bei US-Aktien, die von den Energiepreisen bzw. Währungsproblemen betroffen sind, ein kurzfristiges Marktereignis dar, das nur ein paar Quartale lang dauern wird. Wir sehen aber noch eine andere potenzielle Ursache für Ungewissheit: steigende Zinsen in den USA.

Im Rahmen des Treffens des Offenmarktausschuss der US-Notenbank diesen Monat meldete die Fed, sie bereite sich, nach vielen Jahren einer äußerst lockeren Geldpolitik, auf Zinserhöhungen auf ein unserer Meinung nach normaleres Niveau vor. Obwohl diese Verlagerung der Geldpolitik die meisten Fed-Beobachter nicht überraschen würde, gehen wir davon aus, dass der Schritt für Volatilität sorgen wird, da die Märkte über Zeitpunkt und Umfang zukünftiger Zinserhöhungen spekulieren. Langfristig gesehen wäre eine Zinserhöhung unserer Meinung nach nicht zwangsläufig eine negative Entwicklung für die Aktienmärkte. Dies insbesondere auch, da eine Rückkehr zu normalen Zinsen als ein Zeichen des Vertrauens der Fed in die Stärke der US-Wirtschaft und ihren Glauben, dass die Wirtschaft auf eigenen Beinen stehen kann, gewertet werden könnte.

Obwohl wir davon ausgehen, dass viele der Widerstände im ersten Quartal vorübergehender Art sind, konzentrieren wir uns nach wie vor auf die Diversifizierung unserer Portfolios über verschiedene Endmärkte, makroökonomische Einflüsse und unternehmensspezifische Faktoren, von denen wir denken, sie können, ungeachtet der Gesamtrichtung der US-Wirtschaft, langfristig zur Wertentwicklung beitragen.

Wir sind bei vielen Marktsektoren optimistisch, u.a. Gesundheitswesen und Industriewerte. Zum Beispiel gab es jüngst neue Entdeckungen im Gesundheitssektor, insbesondere immunonkologische Behandlungen.  Diese verhelfe dem Immunsystem von Krebspatienten, Krebszellen zu erkennen und zu zerstören. Diese Therapien haben zu enormen Durchbrüchen im Kampf gegen Leukämie, Lymphome und Melanome geführt.

Im Industriesektor suchen Flugzeug- und Automobilhersteller nach Möglichkeiten ihre Produkte sicherer und treibstoffeffizienter zu machen. Wir erwarten Fortschritte in den Bereichen Sensorik, Verbindungstechnologie und Kohlenstoff-Verbundwerkstoffe, die den Herstellern von Luft- und Kraftfahrzeugen bei diesen Bestrebungen helfen.

Ein wesentlicher Nutzen unseres langfristigen Anlageansatzes ist, dass wir die Geduld haben abzuwarten, beispielsweise bis ein Technologieunternehmen zur vollen Reife gelangt. Und wir können über kurzfristige Probleme hinausblicken und Anlageentscheidungen auf Grundlage unserer Einschätzung der mehrjährigen Wachstumsaussichten treffen. Kommt es zu Volatilität im Markt, egal ob aufgrund von Währungsfluktuationen, Rohstoffpreisen oder Zinsen, haben wir die Möglichkeit, einen Schritt zurück zu treten und das Gesamtbild zu betrachten, um die kurzfristige Volatilität dann zu unserem potenziellen Vorteil zu nutzen.

 

Wichtige Hinweise:

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