Beyond Bulls & Bears

Malaysia aus einer anderen Perspektive

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Hanifah Hashim
Hanifah Hashim

Hanifah Hashim
Executive Director
Head of Malaysian Fixed Income & Sukuk

Seit Kurzem kämpft Malaysia nicht nur mit Hindernissen von außen, sondern auch mit Widrigkeiten im eigenen Land. In den Schlagzeilen zur Innenpolitik stehen die Schulden des staatlichen Unternehmens für strategische Entwicklung, 1Malaysia Development Berhad (1MDB), und das potenzielle wirtschaftliche Risiko beeinträchtigt das Vertrauen der Anleger.1 Neben der Volatilität im chinesischen Markt verschlechtern die Unsicherheit in der Eurozone, der niedrige Ölpreis und eine drohende Zinsanhebung in den USA die bereits negative Stimmung. Der malaysische Markt und seine Währung, der Ringgit, leiden trotz der Verbesserung des Länderratings von Fitch am 30. Juni 2015 weiter. Wir glauben, der aktuelle Kurs des Ringgit spiegelt nicht die zugrundeliegenden starken wirtschaftlichen Fundamentaldaten wider und die Währung wurde durch die negative Stimmung aufgrund dieser Unsicherheiten zu stark geschwächt.

 

Malaysia im globalen Kontext

Die drei großen Rating-Agenturen Fitch, Moody’s und Standard & Poor’s (S&P) bewerten Malaysia mit A-, A3 und A-, wobei Fitch und Standard & Poor’s von einem „stabilen” Ausblick sprechen und Moody’s bei einem „positiven” Ausblick bleibt. Dies entspricht unserer Einschätzung stabil bleibender wirtschaftlicher Fundamentaldaten in Malaysia. Das Team von Franklin Malaysia Fixed Income in Kuala Lumpur führt unabhängige Analysen anhand unseres eigenen Research-Modells durch, das die wichtigste Triebfeder unserer Kredit-Research-Tätigkeit darstellt. Wir berücksichtigen auch offizielle Angaben externer Quellen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Economic Intelligence Unit, der Weltbank und der malaysischen Regierungsbehörden. Dies unterstreicht unseren Anlageansatz der Durchführung unabhängiger Analysen und der Zusammenarbeit mit unserem breiteren Franklin Templeton Fixed Income Team, um Malaysia besser im Kontext globaler Marktdynamik beurteilen zu können.

An vielen wichtigen Fronten scheint Malaysia mit anderen Ländern im Ratingbereich A des Kreditspektrums vergleichbar zu sein, insbesondere hinsichtlich wichtiger makroökonomischer Kennzahlen wie Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP), Arbeitslosigkeit, Inflation, Verschuldungsquote und Leistungsbilanzsaldo. Der Vergleich dieser Kennzahlen mit den in Darstellung 1 aufgeführten Ländern mit ähnlichem Rating veranschaulicht wie sich das Land mit seinen wirtschaftlichen Fundamentaldaten gegenüber ähnlich gerateten oder benachbarten Ländern behauptet.

Malaysia Wirtschaftskennzahlen

Wir untersuchen auch erweiterte Indikatoren der Weltbank, die von Behörden für deren Analysen verwendet werden. Wir achten insbesondere auf die Wirksamkeit des Regierungshandelns und die Qualität der aufsichtsbehördlichen Kontrolle und sehen Malaysia in mehreren Bereichen weiterhin gleichauf mit anderen A-Ländern. Einigen Ländern mit A+-Rating sowie einigen Industrieländern ist das Land sogar voraus. In Malaysia gab es bemerkenswerterweise nie einen Ausfall oder eine Umschuldung. Das Land ist somit „makellos” in Bezug auf seine Staatsverschuldung. Dies verdeutlicht, wie wichtig es für Marktbeobachter und Anlegern ist, über Marktstörungen hinwegzusehen und entweder eigene Analysen durchzuführen oder solche von unabhängigen Spezialisten für den lokalen Markt zu untersuchen.

Malaysia Governance Indicators

Unser Ansatz zur Analyse der Staatsanleihen und Einschätzungen zu Malaysias Wirtschaftsaussichten

Der Prozess der Länderanalyse bei Franklin Templetons Malaysia Fixed Income Team beginnt mit der Betrachtung von sechs Hauptfaktoren: 1) politische Stabilität, 2) Wirtschaftsaktivität, 3) Außenhandel, 4) monetärer Sektor, 5) Haushaltsbilanz und 6) Schuldendynamik. Auf diese Faktoren wenden wir unterschiedliche Gewichtungen an. Wirtschaftsaktivität und monetärer Sektor haben die stärkste Gewichtung. Dies gehört zum quantitativen Aspekt unserer Research- und Analysearbeit und sollten unsere Ergebnisse für ein bestimmtes Land eine schwächere Dynamik vermuten lassen als weithin bekannte Indikatoren, würde dies in unseren Ausblick einfließen. Die Gewichtung jedes Faktors ist für alle von uns bewerteten Länder gleich. So stellen wir die Konsistenz unserer Analysen sicher und erleichtern den Vergleich zwischen Ländern.
Als vor Ort agierende Anlageprofis verfolgen wir bei der Länderanalyse einen ganzheitlichen Ansatz. Unsere Bewertungen basieren auf einem eigenen Research-Modell und internen Prognosen zu diesen Variablen, obwohl wir, wie bereits erwähnt, auch offizielle Angaben externer Quellen berücksichtigen. Die regelmäßige Beobachtung ermöglicht uns das Erkennen möglicher Probleme und negativer Trends, die sich auf die internen Bewertungen auswirken können.

Basierend auf unserer Analyse glauben wir, Malaysia wird stabil bleiben. Erkennbar sind jedoch auch Auswirkungen auf das Land durch Probleme an lokalpolitischer Front sowie schwächende Einflüsse von außerhalb, z. B. niedrige Ölpreise, eine mögliche Zinssteigerung in den USA und eine mögliche Flucht in sichere Häfen aufgrund der Situation in der Eurozone. Das externe Umfeld dürfe kurz- bis mittelfristig schwierig bleiben, denn die Volatilität in Chinas Markt drückt das Geschäftsklima und könnte die Rohstoffpreise weiter drücken.

Wir glauben jedoch, Malaysia wird auf makroökonomischer Ebene widerstandsfähig bleiben und erwarten ein leicht rückläufiges aber nach wie vor positives BIP-Wachstum bei niedriger Inflation und eine weiterhin positive Leistungsbilanz trotz des schwierigen Umfelds.

Obwohl wir einige mögliche Hürden für das BIP-Wachstum in den nächsten ein bis zwei Jahren sehen, glauben wir, das Wachstum könnte Mitte 2016 wieder zulegen. Malaysias Wirtschaft bietet auf längere Sicht ein positiveres Bild, da die Beeinträchtigung durch Ölpreise und das Haushaltsdefizit des Landes wie geplant langsam zurückgehen könnten.

Der private Konsum, eine wichtige Kennzahl unserer Analyse, die häufig auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung eines Schwellenlands schließen lässt, dürfte unseres Erachtens in diesem Zeitrahmen ebenfalls stabil bleiben. Wir glauben, in Kombination mit der staatlichen Unterstützung für die inländische Infrastrukturentwicklung dürfte der private Konsum zu positiven Entwicklungen wie Beschäftigungszuwachs, verbesserter Lebensqualität und verbesserter wirtschaftlicher Effizienz führen, die unserer Meinung nach langfristig aufrecht erhalten werden können.

In fiskalpolitischer Hinsicht erachten wir unsere Prognosen für Kreditausfälle bei der weiter wachsenden Geldmenge M2 mittelfristig als relativ stabil. Anlegersorgen um die Auswirkung des angeblichen Fehlverhaltens von 1MDB im Finanzsektor scheinen laut Tan Sri Dato’ Sri Dr. Zeti Akhtar Aziz, Chefin der Central Bank of Malaysia übertrieben. Sie sagte früher in diesem Jahr, keine einzelne Einrichtung habe systematische Auswirkungen auf das gesamte Finanzsystem der heimischen Wirtschaft.2

Zudem zeichnet sich der Trend eines abnehmenden Haushaltsdefizits in Malaysia ab. Von 7,0% des BIP im Jahr 2009 sank es auf 3,5% im Jahr 2014.3 Das ursprüngliche Ziel von 3,0% des BIP im Jahr 2015 zu erreichen, war angesichts des Verfalls der Ölpreise um über 40% im letzten Jahr eine Herausforderung. Die umsichtigen wirtschaftspolitischen Reformen im Rahmen des Economic Transformation Programme (ETP) – entwickelt von der Regierung Malaysias um das Land bis 2020 in eine ertragsstarke Wirtschaft zu verwandeln – halfen, die Auswirkungen der niedrigen Ölpreise abzufedern. Zu diesen Reformen gehören die Abschaffung der Kraftstoffsubventionen, die Einführung der malaysischen Waren- und Dienstleistungssteuer und weitere Investitionskürzungen. Die Regierung hat inzwischen die Prognose für das Haushaltsdefizit 2015 auf ein realistisches Ziel von 3,2% des BIP korrigiert und wir glauben, die Entwicklung des Defizits bleibt überschaubar. Das angestrebte Haushaltsdefizit von Null könnte bis zum Jahr 2020 erreicht werden.

Andere Ereignisse, die wir genau beobachten, umfassen das innenpolitische Geschehen und das möglicherweise daraus resultierende politische Risiko. Was noch wichtiger ist: Die Märkte zeigen sich von der Einführung der Waren- und Dienstleistungssteuer weitgehend unberührt; wir denken, die Einnahmen aus der Steuer könnten viel größer sein als erwartet. Außerdem wirkt sich die Abschaffung der Ölsubventionen wahrscheinlich positiv auf die Staatseinkünfte aus und hilft Malaysia beim Abbau des Haushaltsdefizits. Anders ausgedrückt glauben wir, eine gesunde Wirtschaftsaktivität bleibt bestehen. Abgesehen davon schlagen sich niedrigere Kraftstoffpreise in einer niedrigeren Inflationsrate nieder, die unseres Erachtens die Auswirkungen der Einführung der Waren- und Dienstleistungssteuer abfedern dürfte.

Malaysia am Wendepunkt

Aus wirtschaftlicher Sicht befindet sich Malaysia an einem Wendepunkt. Das Anlegervertrauen war gering oder bestenfalls flüchtig vorhanden. Anlagespezialisten und andere Beobachter weltweit sehen die kommende Entwicklung des Landes jedoch aus anderer Perspektive. Viele Unsicherheiten, wie oben beschrieben, erschweren zusätzlich eine klare und rationale Analyse der Wirtschaftslandschaft des Landes. Doch mangelnde Einigkeit über die kommenden Ereignisse ist bei der Analyse eines jeden Landes, egal zu welcher Zeit, ganz normal. Dies unterstreicht unseres Erachtens nur, wie wichtig das Ausschöpfen von Expertenwissen und Ressourcen der Spezialisten für die lokalen Märkte vor Ort ist. Diese können über Schlagzeilen hinwegschauen und sich auf wichtige wirtschaftliche Fundamentaldaten und eigene Analyseverfahren konzentrieren, um Informationen zu erlangen, die anderen vielleicht entgehen. Das Malaysia Fixed Income Team von Franklin Templeton ist sich der vielen wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen in Malaysia bewusst. Wir glauben aber auch, das Land wird sich in den kommenden Monaten und Jahren widerstandsfähig zeigen, besonders auf längere Sicht.


1. Vollständig im Besitz der Regierung von Malaysia, ist 1Malaysia Development Berhad (1MDB) ein Unternehmen für strategische Entwicklung, das zur Förderung der langfristigen
wirtschaftlichen Entwicklung des Landes gegründet wurde.

2. Quelle: „Zeti: No one single entity will pose systemic risk,” veröffentlicht in The Star, 28. Januar 2015.

3. Quelle: IWF, World Economic Outlook Database, April 2015.

 

Wichtige Hinweise:

Die Kommentare, Meinungen und Analysen dienen ausschließlich zu Informationszwecken. Sie dürfen nicht als eine individuelle Anlageberatung oder Empfehlung, in ein Wertpapier zu investieren oder eine bestimmte Anlagestrategie zu verfolgen, aufgefasst werden. Da sich Markt- und Konjunkturbedingungen schnell verändern können, gelten Kommentare, Meinungen und Analysen nur für den Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags. Sie können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Material soll keine vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Branche, eine Anlage oder Strategie darstellen.

Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, inklusive des möglichen Verlusts der Anlagesumme. Ausländische Wertpapiere bringen spezielle Risiken mit sich, darunter Wechselkursschwankungen, wirtschaftliche und politische Ungewissheit. Anlagen in Schwellenländern sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und den nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren.