Beyond Bulls & Bears

Managerporträt: Michael McCarthy

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In einem Alter, in dem die meisten Kinder noch in der Sandkiste buddeln, stand Michael McCarthy schon im Sandfang auf dem Golfplatz. Seit er als Fünfjähriger seinen ersten Golfschläger in der Hand hielt, hat McCarthy, der jetzt der Chief Investment Officer der Franklin Equity Group ist, mehr als nur einen soliden Abschlag gelernt. Auf dem Golfplatz hat er auch gelernt, seine Emotionen zu kontrollieren, eine der Fähigkeiten, der er sein Investmentgeschick verdankt. Da er sich in seiner Karriere zumeist auf Small-Cap und Technologie konzentriert hat, kann man sich vorstellen, dass McCarthy reichlich Gelegenheit hatte, zu üben, wie man auch in stürmischen Zeiten die Ruhe wahrt. Wir wollten von Michael McCarthy mehr darüber erfahren, wie man im Investmentmanagement einen kühlen Kopf behält.

Michael McCarthy
Michael McCarthy

Michael McCarthy
Executive Vice President
Chief Investment Officer
Franklin Equity Group

Beyond Bulls & Bears: Wann begann Ihr Interesse an der Investmentfondsbranche?

Michael McCarthy: Schon als Teenager habe ich den Aktienmarkt, jedenfalls bestimmte Aktien, verfolgt. Die Saat war also schon früh gelegt. Damals musste man die Notierungen noch in der Zeitung nachsehen. Es gab weder Internet noch spezielle Fernsehprogramme mit globalen Finanznachrichten. Jeden Morgen habe ich erst die Sportseite gelesen und mir dann zwei, drei Aktien angesehen, die ich kannte. Mir war nicht richtig klar, warum sich die Preise jeden Tag änderten, aber ich war neugierig geworden. Als ich noch im College war, habe ich dann zwei Sommer Praktika bei Investmentfirmen gemacht. Als ich mit dem Studium fertig war, hatte ich das Glück, bei Franklin Templeton zum Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden. Inzwischen sind daraus 23 hervorragende Jahre geworden.

Beyond Bulls & Bears: Wodurch zeichnet sich Ihr Ansatz als Portfoliomanager aus?

Michael McCarthy: Unser Ansatz ist langfristig, wachstumsorientiert ausgerichtet und im Grunde konträr. Wir suchen Unternehmen, die unserer Einschätzung nach in den nächsten drei bis fünf Jahren kräftig zulegen könnten. Die versuchen wir dann auf einem Niveau zu kaufen, bei dem das langfristige Zuwachspotenzial nicht eingepreist ist. Häufig liegt das an kurzfristigen Problemen, die sich langfristig kaum auswirken, z. B., wenn der Quartalsgewinn hinter den Erwartungen zurückbleibt. Bei kleineren Unternehmen verläuft das Wachstum selten störungsfrei, und solche Volatilität machen wir uns zunutze. Ich denke, dass wir Wert bringen, weil wir langfristig denken, während die meisten Marktteilnehmer sehr kurzfristig orientiert sind.

Beyond Bulls & Bears: Ihre Spezialität ist der Small-Cap-Sektor. Was finden Sie an diesem Bereich so spannend?

Michael McCarthy: Es spannend, ein kleines Unternehmen zu finden, dass das Zeug hat, ein Large-Cap-Unternehmen zu werden. Unsere Analysten recherchieren gerne kleinere Unternehmen, für die sich die anderen an der Wall Street nicht so sehr interessieren. Beim Investieren in Small-Caps kommt es vor allem auf gutes Research an.

Beyond Bulls & Bears: Der Technologiesektor ist ein weiterer Schwerpunkt, den Sie im Laufe Ihrer Karriere gewählt haben. Wie hat sich dieser Sektor Ihrer Meinung nach seit der Dotcom-Blase Ende der 1990er / Anfang der 2000er verändert?

Michael McCarthy: Der Technologiesektor hat sich in den letzten 15 bis 20 Jahren enorm verändert. Ich glaube, so eine Zeit wie die Dotcom-Ära wird es zu meinen Lebzeiten nicht mehr geben, in keinem Sektor. Das war eine Zeit enormer Innovation und, letztendlich, auch enormer Spekulation. Für viele kleinere Unternehmen hatte das ein böses Ende. Heute ist das Innovationstempo nicht viel geringer, aber die Unternehmen stehen auf stabilerem Fuße. Junge Tech-Unternehmen gehen erst in viel späteren Entwicklungsphasen an die Börse, mit ausgereifteren Geschäftsmodellen und gesünderen Bilanzen. Insgesamt ist das Wachstum jetzt langsamer, aber auch weniger riskant, das ist meine Meinung.

Beyond Bulls & Bears: Was war der schwierigste Markt, mit dem Sie sich während Ihrer Karriere im Investmentmanagement auseinandersetzen mussten?

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Michael McCarthy mit seiner Frau Kristen und den Töchtern Keely und Emily

Michael McCarthy: Der Marktrückgang zu Beginn der Finanzkrise 2008 war eine schwierige Zeit. Die Preise sind zwischen Anfang 2008 bis zur Talsohle im März 2009 drastisch eingebrochen. Kein Marktbereich blieb verschont. Selbst die Aktien der besten Unternehmen hat es hart getroffen. Es war schwer, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen, und auch schwer, sich in seinen Entscheidungen nicht von der Angst leiten zu lassen. Ich freue mich, sagen zu können, dass wir uns an unserem Prozess gehalten haben. Wir haben die Preisrückgänge dazu genutzt, einige großartige Unternehmen zu Ausverkaufspreisen zu kaufen.

Beyond Bulls & Bears: Was ist der schwerste oder frustrierendste Teil Ihrer Arbeit?

Michael McCarthy: Ich glaube, für einen Portfoliomanager ist es das Schwierigste, emotionslos zu investieren. Aktienkursschwankungen können Frustration, Angst oder auch übermäßigen Optimismus auslösen. Für Portfoliomanager ist es ein ständiger Kampf, objektiv zu bleiben und nicht dem Herdentrieb zu folgen.

Beyond Bulls & Bears: Auf welche Leistung sind Sie am stolzesten?

Michael McCarthy: Ich bin sehr stolz auf das Team, das wir bei Franklin Equity Group aufgebaut haben, und auf den Erfolg und das Wachstum der letzten zwei Jahrzehnte. Das ist vielen Personen zu verdanken, vor allem Ed Jamieson, der in dieser Zeit die meiste Zeit als Chief Investment Officer fungierte. Aber der Gedanke daran, dass auch ich zu diesem Erfolg beigetragen habe, macht mich sehr stolz.

Beyond Bulls & Bears: Wir haben gehört, dass Sie leidenschaftlicher Golfspieler sind. Haben sich die Fähigkeiten, die Sie im Sport erlernt haben, auch im Investmentgeschäft bewährt?

Michael McCarthy: Ich war fünf Jahre alt, als ich mit dem Golfspielen begann, das ist also eine Leidenschaft, die ich mein ganzes Leben lang pflege. Und das Golfspiel ist für mich definitiv ein guter Ausgleich. Wer gut Golf spielen will, muss seine Gefühle im Griff haben. Das Gleiche gilt fürs Investieren. Beim Golf muss man kalkulierte Risiken eingehen, bei jedem Schlag muss man Risiko und Nutzen abwägen – das sind Fähigkeiten, die man definitiv auch beim Investieren braucht.