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Fed erhöht den Leitzins: Vorweihnachtlicher Segen oder eher ein Fluch?

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Die US-Notenbank (Fed) hat im Anschluss an die Sitzung ihres geldpolitischen Ausschusses vom 15. bis 16. Dezember nun die geldpolitische Wende eingeleitet und ihren Leitzins für kurzfristige Kredite (Federal Funds Rate) um 25 Basispunkte bzw. 0,25% auf eine Spanne von 0,25% bis 0,50% angehoben – eine Entscheidung, die von den Marktteilnehmern schon seit Monaten (wenn nicht sogar Jahren) erwartet worden war. Sollten Marktbeobachter die Entscheidung der Fed im Dezember nun als vorweihnachtlichen Segen oder eher als Fluch betrachten? Ed Perks, Chief Investment Officer sowie Aktien- und Portfoliomanager meint, dass die Entscheidung der Fed auf jeden Fall dazu beitragen wird, die Unsicherheit zu beseitigen, die die Märkte seit Monaten umtreibt. Er ist der Auffassung, dass der kleine Zinsschritt kein Vorbote einer aggressiveren Zinsstraffung ist, die die Märkte in eine Abwärtsspirale schicken würde.

Ed Perks
Ed Perks

Ed Perks, CFA
Executive Vice President
Chief Investment Officer
Franklin Templeton Equity

Im Fokus der Anleger stand in diesem Jahr immer wieder die Unsicherheit darüber, welchen weiteren Kurs die Fed einschlagen wird. Das hat zweifellos zur Volatilität an den Aktienmärkten beigetragen. Schon vor über einem Jahr hatte die US-Notenbank (Fed) erstmals eine mögliche Zinserhöhung angedeutet, ließ jedoch ihren Worten erst jetzt auch Taten folgen. Wir sehen die Anhebung jedoch als Schritt hin zur Normalisierung – nach einer außergewöhnlich langen Phase der lockeren Geldpolitik. Die Erhöhung der Fed Funds Rate um 25 Basispunkte auf der Dezembersitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) ist der erste Zinsschritt seit 2006, kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise. Mit ihrer ultralockeren Geldpolitik hatte die Notenbank während der Finanzkrise 2008 bis 2009 unserer Meinung nach auf eine Notsituation reagiert, die inzwischen jedoch längst überwunden ist. Daher war eine Anpassung überfällig. Wir sehen in der Zinswende durch die Fed eine Bestätigung, dass die Wirtschaft und das Finanzsystem in den USA die Krise endgültig hinter sich gelassen haben. Für uns Anleger ist die Entscheidung also eher positiv zu bewerten.

Tatsächlich waren wir etwas enttäuscht, als sich die Fed auf der September- und Oktobersitzung abwartend verhielt. Denn die anhaltende Unsicherheit über die Zinsentwicklung hat Anleger und Unternehmer lange davon abgehalten, wichtige Entscheidungen zu treffen. Zudem haben die Zinsspekulationen zu einer erhöhten Marktvolatilität beigetragen.

Zwar könnten sich steigende Zinssätze kurzfristig sicherlich negativ auf zinssensitive Aktien beispielsweise in den Bereichen Versorgung, Banken und Immobilienfonds (REITs) auswirken. Insgesamt gehen wir allerdings davon aus, dass die Unternehmen den Zinserhöhungszyklus der Fed gut verkraften werden. Denn die potenziell negativen Effekte werden durch ein anhaltendes Wirtschafts- und Ertragswachstum mehr als ausgeglichen. Zudem hat die Fed angedeutet, dass sie weitere Zinserhöhungen mit Augenmaß und schrittweise vornehmen wird. Zum Auftakt des Jahres 2016 verzeichnet die US-Wirtschaft ein robustes Stellenwachstum, und die Arbeitslosenquote ist landesweit auf 5% gefallen – ein Niveau, das mitunter als Vollbeschäftigung betrachtet wird. Zudem wachsen die Löhne so schnell wie seit etwa fünf Jahren nicht mehr. Darüber hinaus haben sich die Konsumausgaben – darunter die Fahrzeug- und Häuserverkäufe – solide entwickelt und in den letzten Monaten sogar noch zugenommen.

Kein Grund zur Panik

Unserer Auffassung nach ist ein geringer oder allmählicher Anstieg der Leitzinsen mit Sicherheit kein Grund für die Anleger, in Panik zu verfallen. Auch in früheren Phasen der geldpolitischen Straffung schaltete die Börsenampel für US-Aktien nicht automatisch auf Rot. Zwar ist es richtig, dass die US-Aktienmärkte in den ersten Monaten nach Beginn eines Zinserhöhungszyklus der Fed häufig etwas unter Druck geraten sind. Auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten haben sie in der Regel dann aber wieder Fahrt aufgenommen. Normalerweise erfolgen Zinserhöhungen vor dem Hintergrund verbesserter makroökonomischer Rahmenbedingungen, die wiederum mit steigenden Unternehmensgewinnen und anziehenden Aktienkursen einhergehen. Wie die nachfolgenden Grafiken zeigen, verharrte der S&P 500 bisher im ersten Jahr nach einer ersten Leitzinserhöhung durch die Fed meist auf dem gleichen Niveau.[1] Im zweiten und dritten Jahr nach der Zinswende stiegen die Kurse dann aber wieder an. Dies stimmt uns für die längerfristige Entwicklung an den Märkten optimistisch. Darüber hinaus waren die Einjahresrenditen während der beiden letzten Zinserhöhungszyklen der Fed (1999 und 2004) positiv.[2]

US-Zinserhöhung

Außerdem war festzustellen, dass bestimmte Sektoren in Zinserhöhungsphasen überdurchschnittlich gut abschneiden, wobei jedoch die Wertentwicklung der Vergangenheit keine Garantie für die Zukunft ist. Während Technologiewerte beispielsweise im Zeitraum nach Juni 1999 eine deutliche Outperformance erzielten, behaupteten sich energiebezogene Aktien in den drei von uns analysierten Zinssenkungsphasen ab dem Jahr 1994 am besten. In fünf der sechs betrachteten Zinserhöhungsphasen seit 1974 zogen außerdem die Ölpreise an.[3]

US Zinserhoehung und oelpreise

Trotz der hohen Turbulenzen im Energiesektor im vergangenen Jahr könnte nun ein günstiger Zeitpunkt gekommen sein, um hier nach unterbewerteten Titeln zu suchen. Denn die Energiebranche könnte für eine Erholung im Verlauf des Jahres 2016 reif sein. Für besonders interessant halten wir integrierte multinationale Ölkonzerne, die starke Bilanzen, diversifizierte Geschäftsmodelle, Kostensenkungsspielräume sowie potenziell hohe Cashflows und stabile Dividendenrenditen aufweisen.

Außerhalb des Energiesektors hat unser Analystenteam Anlagechancen in verschiedenen anderen Sektoren identifiziert, darunter die Bereiche Informationstechnologie, Industrie, zyklische Konsumgüter und Gesundheit. Sie alle dürften eine solide Performance verzeichnen, wenn die Aktienmärkte vor dem Hintergrund der abnehmenden Unsicherheit am Markt wieder steigen.

Wir werden die Politik der Fed in nächster Zeit weiter im Blick behalten und genau beobachten, wie sich die Entwicklung der Langfristzinsen auf die Wirtschaft, die Risikoneigungen, die Risikoaufschläge, die Inflationserwartungen sowie das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage niederschlagen wird. Bessere Aussichten und Anlagemöglichkeiten bei dividendenstarken Aktien in einem breiteren Spektrum von Unternehmen und Sektoren dürften weitere Chancen an den Aktienmärkten eröffnen. Wir suchen weiterhin nach attraktiven Kaufgelegenheiten, die aus kurzfristigen Marktrückgängen und einem übertriebenen Pessimismus der Anleger resultieren. Wir weisen außerdem darauf hin, dass die Notenbanken anderer Länder – darunter die Europäische Zentralbank, die People’s Bank of China und die Bank of Japan – anders als die Fed ihre lockere Geldpolitik im kommenden Jahr fortführen dürften. Diese Liquiditätszufuhr sollte die globalen Aktienmärkte wie auch das globale Wachstum stützen.
Vorteile eines aktiven Managements  

Wenn die Volatilität an den Märkten steigt, können wir durch unseren flexiblen Ansatz des aktiven Managements potenzielle Marktverwerfungen ausnutzen. Die Chancen, unterbewertete Titel zu identifizieren, sind in weniger volatilen Zeiten und in Phasen, in denen die Märkte unter hohem Druck stehen, größer. Das war beispielsweise während der globalen Finanzkrise, der Euro-Schuldenkrise, in Inflationsphasen und in Zinserhöhungsphasen. Unabhängig davon, in welche Richtung sich die Zinsen weiter entwickeln, bieten sich unserer Meinung nach für geduldige Anleger nicht nur im kommenden Jahr 2016, sondern auch danach weiterhin gute Renditechancen.

 

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[1]Quellen: FactSet; S&P 500. Basierend auf der kumulierten durchschnittlichen Kursrendite innerhalb eines Jahres nach einer ersten Anhebung der US-Zinsen seit 4. Februar 1994. Indizes werden nicht gemanagt. Es ist nicht möglich, in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Renditen nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für die Zukunft. Weitere Informationen zum Datenanbieter finden Sie unter www.franklintempletondatasources.com.

[2]Quelle: FactSet. Basierend auf der kumulierten durchschnittlichen Kursrendite innerhalb eines Jahres nach einer ersten Anhebung der US-Zinsen seit 1. März 1974.

[3] Ibid.