Beyond Bulls & Bears

Ein Déjà-vu-Erlebnis

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Selbst nachdem die US-Notenbank schließlich die kurzfristigen Zinssätze angehoben hat, erwarten die Märkte derzeit keine drastischen Änderungen der globalen Geldpolitik im Jahr 2016. Das meint Peter Langerman, CEO von Franklin Mutual Series. Nach seiner Aussage bleiben viele der Entwicklungen des Jahres 2015  ̶  insbesondere niedrige Energiepreise und niedrige Zinsen rund um die Welt  ̶   wahrscheinlich unverändert, zumindest in den ersten Monaten des Jahres 2016. Lesen Sie seinen Ausblick auf das vor uns liegende Jahr.

Peter Langerman
Peter Langerman

Peter Langerman
Chairman, President
Chief Executive Officer
Franklin Mutual Series

Wir beginnen das Jahr 2016 mit einem Déjà-vu-Erlebnis. Aus unserer Sicht setzen sich mehrere Bereiche des globalen Finanzmarktes, an dem uns die langfristigen Risiko-Ertragsprofile im letzten Jahr generell attraktiver erschienen, am Auftakt des Jahres 2016 unverändert fort. Einige wichtige finanzielle und wirtschaftliche Faktoren, die unsere Investmentmeinungen im Laufe des Jahres 2015 geprägt haben, dürften anhalten. Dazu gehört das verhaltene Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten ebenso wie ein unverändertes Niedrigzinsumfeld, gedrückte Öl- und Rohstoffpreise, Sorgen um ein langsameres Wachstumstempo in China, Anflüge von Volatilität an den Finanzmärkten und eine Welle von Fusionen und Übernahmen (M&A).

Auf der Suche nach unterbewerteten Titeln in zyklischen US-Sektoren

In den Vereinigten Staaten erwarten Value-Investoren wie wir, dass wir weiterhin attraktive Gelegenheiten in den eher zyklischen Bereichen des Aktienmarktes finden werden, beispielsweise im Finanzsektor und bei den zyklischen Konsumgütern. Die Bewertungen vieler Unternehmen in defensiven Sektoren erscheinen uns weniger attraktiv. Investoren haben sie als Schutz gegen Volatilität und  ̶   dank ihrer relativ hohen Dividendenrenditen   ̶   als Ertragsquellen in einem Niedrigzinsumfeld entdeckt. Für Finanztitel könnte sich eine vorsichtige US-Notenbank (Fed), die Zinsen nur häppchenweise über die nächsten 12 Monate erhöht, als ein positiver Impulsgeber erweisen. Höhere Zinsen dürften helfen, die Netto-Zinsmargen  ̶  also die Zinsüberschüsse geteilt durch die zinstragenden Anlagen eines Finanzunternehmens  ̶   zu steigern. Aus unserer Sicht dürfte 2016 ein weiteres Jahr von Bedeutung für den Energiesektor werden. Fundamentale Indikatoren der Märkte signalisieren, dass die Rohölpreise weltweit niedrig bleiben werden und dass die Energieunternehmen dadurch unter Druck geraten. Wir werden weiterhin nach Anlagemöglichkeiten suchen und uns auf Unternehmen mit soliden Bilanzen konzentrieren. Sie sollten stark genug sein, um im Umfeld gedrückter Preise zu bestehen und profitable Wiederanlagechancen zu nutzen.

Die Präsidentschaftswahlen in den USA, geldpolitische Entscheidungen oder Verlautbarungen der Fed sowie geopolitische Ereignisse könnten weiterhin Anflüge von Volatilität auslösen, deren Folgen die globalen Aktienmärkte in den letzten beiden Jahren zu spüren bekam. Diese vorübergehenden Turbulenzen haben keinen Einfluss auf unseren Value-Investment-Ansatz. Er beruht auf gründlicher Einzelanalyse der Wertpapiere. Wir werden weiterhin solche Gelegenheiten nutzen, um unsere Positionen in Unternehmen aus- oder aufzubauen, die ein attraktives Risiko-Ertragsprofil aufweisen, jedoch über Gebühr in der Volatilität verfangen sind.

Zusammentreffen unterstützender Faktoren für europäische Volkswirtschaften und Unternehmen

Mit Blick auf Europa erscheinen uns die Bewertungen der Aktienmärkte in der Region Ende 2015 unverändert attraktiv im Vergleich zu denen in den Vereinigten Staaten und anderen Regionen (gemessen am Kurs-Cashflow-Verhältnis und an der attraktiven Dividendenrendite vieler Unternehmen). Ein Zusammentreffen von Faktoren, die 2015 aufkamen, dürfte die Volkswirtschaften und Unternehmen in Europa 2016 unterstützen: Der schwächere Euro wirkt sich positiv auf Exporte und Unternehmensgewinne aus, niedrige Ölpreise sind gut für Verbraucher und Unternehmen, die unbegrenzte Geldschwemme durch die Europäische Zentralbank hilft, die Refinanzierungskosten der Banken zu senken und die Bilanzen der Geldinstitute zu stärken. Wir gehen außerdem von einem langsameren Wachstumstempo in China aus. Es erscheint uns jedoch wichtiger für europäische als für US-amerikanische Unternehmen und dürfte die wirtschaftliche Erholung in Europa nicht aus der Bahn werfen.

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Eine konstruktive Sicht auf China

In Asien bleibt China für uns weiterhin attraktiver als Japan. Auf fundamentaler Basis behalten wir unsere konstruktive Sicht auf den von der chinesischen Regierung verfolgten langfristigen Umbau der Wirtschaft. Der Übergang von Investitionen in Sachanlagen hin zum Binnenkonsum dürfte sich jedoch als weniger komfortabel erweisen, als mach einer erwartet. Nach unserer Meinung muss der Preis für die noch in der „alten Wirtschaft“ vorhandenen Ineffizienzen irgendwann bezahlt werden. Höchstwahrscheinlich durch das Bankensystem, was Gelegenheiten für uns schaffen wird, die eventuell 2016 zu Tage treten. Außerdem werden wir nach weiteren Ideen unter Einzeltiteln suchen, deren Impulse weniger durch gesamtwirtschaftliche Faktoren bestimmt werden. In Japan hingegen dürften die lockere Geldpolitik sowie die Wirtschaftspolitik von Premier Shinzo Abe vermutlich begrenzte Vorteile für die Wirtschaft bringen.

Gelegenheiten bei komplexen M&A-Transaktionen

Neben den Aktien dürften aus unserer Sicht die für M&A-Aktivitäten günstigen Faktoren weiter bestehen. Angesichts der weit verbreiteten Grenzen für Umsatzwachstum und gestiegener Margen bei US-Unternehmen bleiben M&A-Transaktionen vermutlich eine attraktive Option, um den Gewinnen durch Größe und/oder Kostensenkungen auf die Sprünge zu helfen. Aus unserer Sicht werden die interessantesten Deals diejenigen bleiben, die von Natur aus komplex sind und wo das regulatorische Risiko als erheblich wahrgenommen wird. Dadurch entstehen attraktive Spread-Chancen. Wir werden weiterhin Fusionsarbitrage-Positionen anstreben, die darauf ausgerichtet sind, von dem Abschluss der Transaktion zu profitieren, jedoch ebenso Investments in eines oder beide der beteiligten Unternehmen, um von dem Spread zwischen dem tatsächlichen Kurs des Übernahmeziels und dem Gebotskurs sowie einer eventuellen Wertschöpfung zu profitieren, die nach dem Abschluss der Übernahme entsteht.

Auf dem Markt für Schulden von notleidenden Unternehmen fällt es uns unverändert schwer, überzeugende neue Gelegenheiten zu finden. Dank der niedrigen Zinsen stehen Kredite weiterhin in großem Umfang zur Verfügung. Auf der Basis der Konsensusaussichten auf ein verhaltenes Wachstum in den USA im Jahr 2016 und eines vorsichtigen Ansatzes der Fed bei zusätzlichen Zinsanhebungen sehen wir nicht, dass fundamentale Änderungen im Markt für Schulden notleidender Unternehmen anstehen. Falls die Konsensusaussicht generell zutrifft, dürften nach unserer Meinung die attraktivsten Gelegenheiten im Energiesektor entstehen, wo niedrige Rohstoffpreise einige Emittenten unter Druck setzen könnten. Oder aber im oberen Bereich der Kapitalstruktur (besicherte und erstrangige Wertpapiere sowie Refinanzierungen) in den übrigen Sektoren.