Beyond Bulls & Bears

Globale Märkte im Fokus – Februar 2016

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Einschätzungen der Franklin Templeton Fixed Income Group®:

GEP_PMs_Fixed_Income_Group_2016

IN DIESER AUSGABE:
• US-Fundamentaldaten trotz weltweit turbulenter Finanzmärkte solide
• Wachstum der Weltwirtschaft langsamer, aber nach wie vor akzeptabel
• Wachstum in Europa schwach, aber stetig. Weiteres Nachlassen ist wahrscheinlich.

US-Fundamentaldaten trotz weltweit turbulenter Finanzmärkte solide

Das Jahr 2016 hat für die Finanzmärkte turbulent begonnen, ausgelöst von einer drastischen Verschlechterung der Stimmung unter den Anlegern in Bezug auf die Aussichten für die Weltwirtschaft und die Wirksamkeit der Zentralbankpolitik. Die US-Konjunkturdaten signalisierten zwar bestimmte Belastungsfaktoren, doch insgesamt begünstigen die Fundamentaldaten weiterhin ein fortgesetztes Wachstum in den USA. Wie erwartet, verringerte sich im vierten Quartal 2015 das annualisierte Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den USA auf nur noch 0,7%. Der Rückgang wurde verursacht durch sinkende Exporte aufgrund der negativen Auswirkungen des starken US-Dollar und des langsameren Wachstums weltweit. Der Anstieg der Konsumausgaben – ein wichtiger Wachstumstreiber für die Volkswirtschaft – fiel im vierten Quartal mit einer Jahresrate von 2,2% erneut relativ robust aus, wenngleich weniger hoch als noch im dritten Quartal. Schwach zeigten sich die Investitionen, was hauptsächlich auf deutlich sinkende Ausgaben bei Energie- und Bergbauunternehmen zurückzuführen war, die auf den Einbruch der Rohstoffpreise weltweit reagieren mussten.

Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe bestätigte eine anhaltend schwache Entwicklung im US-Produktionssektor: er lag im Januar zum vierten Mal in Folge unter 50 Punkten. Positiv zeigten sich die Auftragseingänge, die sich vor allem bei den inländischen Bestellungen erholten.

Die vierteljährliche Umfrage der US-Notenbank zu den Kreditbedingungen der Banken für Unternehmen fiel ebenfalls negativ aus: sie zeigte für das vierte Quartal die zweite Verschlechterung der Konditionen in Folge. Der Druck auf Unternehmen im Rohstoffbereich und in der Industrie führte zu Spekulationen darüber, ob bald auch bislang robuste Bereiche der US-Wirtschaft – insbesondere der Arbeitsmarkt und der Dienstleistungssektor – in Mitleidenschaft gezogen würden. Aus diesem Grund wurde der stabile Arbeitsmarktbericht für Januar positiv aufgenommen, auch wenn die Zahl der neu geschaffenen Stellen mit 151.000 hinter den Erwartungen zurückblieb. Die Arbeitslosenquote sank dadurch auf 4,9% und somit auf den niedrigsten Stand seit 2008. Für eine erfreuliche Überraschung sorgte der Anstieg der Stunden- löhne, der mit 2,5% im Jahresvergleich deutlich höher ausfiel als erwartet. Enttäuscht waren die Märkte über einen überraschend starken Rückgang des ISM-Einkaufsmanager- index für das nicht verarbeitende Gewerbe im Januar. Dieser zeigte zwar weiter ein Wachstum im Dienstleistungssektor, aber auch eine Abschwächung der Konjunktur, der Beschäftigung und der Auftragseingänge.

Die Inflationsdaten blieben schwach. Der Anstieg beim Gesamtindex der Verbraucherpreise für Dezember ging im Monatsvergleich leicht auf 0,1% zurück, und die Kernrate (ohne Lebensmittel und Energie) lag bei einem ähnlichen Wert. Im Jahresvergleich legten beide Kennzahlen gegenüber November etwas auf 0,7% bzw. 2,1% zu. Das von der Fed bevorzugte Inflationsmaß, die persönlichen Konsumausgaben (PCE), entwickelte sich im Dezember mit einer Gesamtveränderung um -0,1% und einer unveränderten Kernrate im Monatsver- gleich sowie einer Zunahme um 0,6% bzw. 1,4% im Jahres- vergleich ähnlich. Die Turbulenzen an den Märkten lenkten die Aufmerksamkeit verstärkt auf die weiteren Schritte der Fed nach ihrer ersten Leitzinserhöhung im Dezember. Auf der Sitzung hatte die Fed geschätzt, die Zinsen könnten bis Ende 2016 um weitere 100 Basispunkte angehoben werden; ein stetiger Fluss an schwachen globalen Daten und erhöhter Marktvolatilität sorgten jedoch dafür, dass das deutlich niedrigere Tempo, das vom Marktkonsens erwartet wird, zunehmend als das wahrscheinlichere Szenario erscheint. In ihrer Stellungnahme zur Entwicklung seit Dezember verwies Fed-Chefin Yellen auf anhaltende Stellenschaffungen und Lohnzuwächse, die die US-Wirtschaft stützen. Sie räumte jedoch ein, dass weitere Marktturbulenzen dem US-Wachstum schaden könnten. Weitere Zinserhöhungen wollte sie nicht ausschließen und betonte, die Entscheidungen der Fed würden weiterhin von den kommenden Daten über die Wirtschaftsaussichten abhängen, und jegliche potenziellen Änderungen würden vorsichtig ausfallen.

Bei den Preisen der verschiedenen US-Assetklassen gab es im Zuge der stark steigenden Risikoaversion der Anleger abrupte Verschiebungen. Die Renditen für US-Schatzanleihen näherten sich dem niedrigsten Stand seit der globalen Finanzkrise, unter anderem als Reaktion auf fallende Renditen für Staatsanleihen in anderen Teilen der Welt. Die US-Zinskurve wurde deutlich flacher – der Renditeunterschied zwischen zwei- und zehnjährigen Schatzanleihen war so gering wie seit acht Jahren nicht mehr. Riskantere US-Anlagen schlossen sich dem weltweiten Ausverkauf an, wobei Bankaktien durch die Sorge, dass auf längere Sicht niedrige bis negative Zinsen und eine flachere Zinskurve der Profitabilität der Institute schaden könnten. Im Zuge abnehmender Erwartungen für weitere US-Zinserhöhungen fiel der handelsgewichtete US-Dollar auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2015, sodass alle Gewinne aus der Zeit vor der Zinserhöhung im Dezember wieder zunichtegemacht wurden.

Wir sind der Meinung, dass die USA zwar keineswegs immun gegen negative Impulse aus dem Ausland sind, dass die Finanz- märkte jedoch das Abwärtspotenzial durch diese Risiken über- schätzen, denn die Fundamentaldaten sprechen weiterhin für eine relativ starke US-Wirtschaft. Unsicherheit über das globale Wachstum könnte zu anhaltender Marktvolatilität führen, und es gibt eindeutig weiterhin Risiken, etwa eine deutliche Abschwächung des US-Arbeitsmarkts oder eine starke globale Anpassungsreaktion wie eine „harte Landung“ in China. Wenn es nicht dazu kommt, dürfte die Fed jedoch eher zu dem Schluss gelangen, dass der richtige Weg nach vorne im Abwarten liegt statt in einer Umkehr der Richtung ihrer Geldpolitik.

Wachstum der Weltwirtschaft langsamer, aber nach wie vor akzeptabel

Nach der sehr überraschenden Entscheidung der Bank of Japan (BoJ), den Einlagenzins in den negativen Bereich zu senken, um die Inflation anzukurbeln, was sie zuvor ausgeschlossen hatte, nahm die Volatilität an den weltweiten Märkten zu. Obwohl die neue Politik nur für neue Einlagen bei der Zentralbank gilt, hatte sie für japanische Staatsanleihen und den japanischen Yen dramatische Auswirkungen. Die Renditen für japanische Staats- anleihen mit Laufzeiten unter zehn Jahren sanken abrupt in den negativen Bereich, und selbst die Rendite für die zehnjährige Anleihe fiel vorübergehend unter Null. Eine von der Marktvola- tilität zu Beginn des Jahres ausgelöste Flucht in vermeintlich sichere Häfen hatte zuvor eine Yen-Rally ausgelöst, die den größten Teil des Januar über anhielt. Nach der Ankündigung der BoJ am 29. Januar fiel die japanische Währung jedoch rapide, um anschließend wegen zunehmender Volatilität erneut die Richtung zu wechseln. Letztlich stieg der Yen auf den höchsten Stand gegenüber dem US-Dollar seit Ende 2014.
Die Daten aus China bestätigten die anhaltende Verlangsamung der Konjunktur des Landes. Das BIP-Wachstum im vierten Quartal betrug 6,8% gegenüber dem Vorjahr, und das Wachstum im Gesamtjahr 2015 war mit 6,9% das geringste seit 1990. Zudem gingen Stahlproduktion und Stromerzeugung in China zum ersten Mal seit mindestens 25 Jahren zurück. Bessere Nachrichten gab es jedoch aus dem Dienstleistungssektor, der 2015 um robuste 8,3% zulegte, da sich die Neuausrichtung der chinesischen Wirtschaft weg von Produktion und Bautätigkeit fortsetzte. Dennoch blieben die Anleger unsicher über das Ausmaß der Verlangsamung in China und fürchteten weiterhin mögliche Maßnahmen der Regierung für eine weitere Abwertung des Renminbi mit dem Ziel, den Produzenten im Land zu helfen, wozu auch die misslungene Kommunikation über die Absichten der People‘s Bank of China bei der jüngsten Renminbi-Abwertung im August 2015 beitrug.

Da es wenige Anzeichen für einen kurzfristigen Anstieg der gesunkenen Rohstoffnachfrage aus China gab, blieben die meisten Rohstoffpreise unter Druck. In einem extrem überver- sorgten Markt fielen die Ölpreise auf ein Zwölfjahrestief, wozu auch die Ausweitung der Produktion im Iran nach der Aufhe- bung der Sanktionen beitrug. Einen Teil ihrer Verluste machten sie aufgrund von Spekulationen, große ölproduzierende Länder könnten über eine Verringerung ihrer Förderung sprechen, vorübergehend wett, doch dann gaben sie erneut deutlich nach. Eine erwähnenswerte Ausnahme bei der allgemeinen Rohstoffschwäche war Gold, dessen Preis stark zulegte, weil Anleger Schutz vor den Verwerfungen an den Finanzmärkten suchten.
In einigen Schwellenländern gab es Anzeichen für Probleme, vor allem in solchen, deren Einnahmen stark ölabhängig sind. Nigeria beantragte einen Notfallkredit von der Weltbank und regionalen Institutionen, um zur Deckung eines Defizits von 15 Mrd. US-Dollar im Staatshaushalt beizutragen. Von Aserbaidschan wurde berichtet, das Land befinde sich in Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds, nachdem seine Währung nach der Abschaffung der Anbindung an den US-Dollar im Dezember dramatisch gefallen war. Aus anderen Ländern, die ihre Energie- versorgung größtenteils über Importe decken, gab es jedoch bessere Nachrichten, denn sie profitierten von niedrigeren Kosten. Indien beispielsweise meldete für das vierte Quartal ein relativ starkes BIP-Wachstum von 7,3%.

Wir sind weiterhin der Meinung, dass sich das weltweite Wachstum zwar fraglos abschwächt, aber nach wie vor ein akzeptables Tempo aufweist. Die Neuausrichtung in China dürfte eine Belas- tung bleiben, insbesondere für Länder, die von der hohen chine- sischen Nachfrage nach Rohstoffen abhängig sind. Ein Gegengewicht dazu dürfte jedoch die Fortsetzung der expansiven Geldpolitik in mehreren Ländern weltweit bilden, ebenso wie die Stärkung der Konsumausgaben in zahlreichen Volkswirtschaften, die sich durch die niedrigeren Energiepreise ergibt; beides könnte eine Stimulierung der weltweiten Nachfrage bedeuten.

Wachstum in Europa schwach, aber stetig. Weiteres Nachlassen ist wahrscheinlich.

Die BIP-Daten für das vierte Quartal in der Eurozone bestätigten das Bild eines schwachen und vor allem vom Inlandskonsum getragenen Wachstums; trotzdem war die Zunahme um 1,5% im Gesamtjahr 2015 die höchste seit 2011. In Deutschland, der größten Volkswirtschaft der Region, stieg die Konjunktur in den letzten drei Monaten 2015 um 0,3% und wurde dabei von den schwachen Auslandsmärkten gebremst. Das BIP in Italien wuchs dagegen im gleichen Zeitraum fast gar nicht, und in Griechenland fiel es gegenüber dem Vorquartal um 0,6%. Trotz anziehender Teuerungsraten in der Eurozone im Januar – die jährliche Gesamtinflation stieg auf den höchsten Wert seit 2014 – blieb die Konsenserwartung, dass der Preisdruck in der Region in den kommenden Monaten erneut nachlassen wird, weil sich die Auswirkungen der niedrigeren Ölpreise bemerkbar machen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) nahm die Folgen eines langsameren Wachstums der Exportmärkte und disinflationärer Entwicklungen vorweg und machte rasch klar, dass es schon im März eine weitere Runde der geldpolitischen Lockerung geben könne. Diese Aussagen führten zu deutlich sinkenden Renditen bei Anleihen aus der Eurozone, und bis Ende Januar fielen die Renditen aller deutschen Bundesanleihen mit Laufzeiten unter zehn Jahren unter Null. Nachdem die schwedische Zentralbank die Märkte mit einer Senkung ihres Leitzinses tiefer in den negativen Bereich als erwartet überrascht hatte, gingen die Renditen noch weiter zurück.

Europa war von der in den letzten Wochen an den Finanzmärkten herrschenden Volatilität stark betroffen. Einige europäische Banken gerieten unter Druck, da sich die Anleger um einen Liquiditätsmangel bei einigen relativ neuen Fremdkapitalinstrumenten in ihren Bilanzen sorgten. Ebenfalls gab es Befürchtungen über das Volumen an notleidenden Krediten bei einigen italienischen Instituten. Jedoch wurde Ende Januar eine Einigung zwischen Italien und der Europäischen Union über den Verkauf solcher Kredite an private Anleger erzielt.
In mehreren Ländern war politische Unsicherheit zu erkennen. Im politischen System Spaniens gab es weiter Stillstand, während versucht wurde, nach den unklar ausgegangenen Wahlen im Dezember eine eher links orientierte Regierung zu bilden. Portugal gelang es endlich, seinen Staatshaushalt von der Euro- päischen Kommission genehmigen zu lassen. Dann jedoch erschreckte seine sozialistische Regierung die Anleger mit der Ankündigung von Plänen, die Privatisierung der nationalen Fluggesellschaft rückgängig zu machen, was eine Verkaufswelle bei portugiesischen Staatsanleihen auslöste. Die Politik der neuen polnischen Regierung rückte in den Fokus der Märkte, nachdem die Ratingagentur Standard & Poor’s die Kreditwürdigkeit des Landes herabgestuft hatte. Die Agentur begründete ihren Schritt damit, dass wichtige öffentlich-rechtliche Einrichtungen ihre Unabhängigkeit eingebüßt hätten.

Trotz der starken Fokussierung des Marktes auf Negativmeldungen sind wir der Meinung, dass die Bedingungen in der Eurozone in Wirklichkeit gar nicht so schlecht sind. Das Wachstum ist schwach, aber stetig, und das Inflationsumfeld hat sich gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert. Trotz erheblicher Speku- lationen ist der Bankensektor unserer Ansicht nach allgemein in recht gutem Zustand, denn die Kapitalausstattung im System ist insgesamt deutlich höher als seit vielen Jahren. Manche Banken haben Probleme zu lösen, doch darum kümmern sich schritt- weise die Regierungen und die Institute selbst. In Bezug auf die Geldpolitik wird die EZB im März fast mit Sicherheit weitere Maßnahmen bekanntgeben und die geldpolitischen Zügel erneut lockern. Dies dürfte zu mehr Zuversicht bei den Anlegern führen, dass die Zentralbank auf absehbare Zeit ihr Anleihenkaufprogramm fortsetzt.