Beyond Bulls & Bears

Globale Märkte im Fokus – März 2016

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Aktuelle Einschätzungen der Franklin Templeton Fixed Income Group:
 GEP_PMs_Fixed_Income_Group_2016

IN DIESER AUSGABE:

  • US-Wirtschaftsdaten beruhigend, Ölpreise stabilisiert
  • Chinesische Wirtschaft verlangsamt sich weiter, Nachrichten für Rohstoffproduzenten werden aber besser
  • EZB handelt bei Inflation entschlossen, Realwirtschaft hält sich gut

US-Wirtschaftsdaten beruhigend, Ölpreise stabilisiert

Die an den jüngsten Daten zu erkennende Wider­stands­fähig­keit der US-Wirtschaft passt zu unserer zuletzt dargelegten Einschätzung, dass die US-Fundamentaldaten weiterhin relativ solide sind und dass den Marktschwankungen zu Beginn des Jahres möglicherweise eine Überschätzung der externen Risiken für das US-Wachstum zugrunde lag. Die Geldpolitiker der US-Notenbank (Fed) haben vielfach erkennen lassen, wie sehr diese externen Entwicklungen Einfluss auf ihre künftigen Entscheidungen haben werden. Da sie immer wieder betont haben, dass weitere Zinsschritte von den Daten abhängen werden, ist wahrscheinlich, dass die allgemein positiven Wirtschaftsdaten aus dem vergangenen Monat eine wichtige Rolle bei ihren Überlegungen spielen werden.

Im Februar und unmittelbar nach Monatsende gab es beruhi­gende Anzeichen dafür, dass die US-Wirtschaft trotz des nachlassenden globalen Wachstums auf Kurs bleibt. Zusam­men mit der Stabilisierung der Ölpreise trug diese Entwicklung dazu bei, die Unruhe an den Finanzmärkten einzudämmen, die seit Anfang des Jahres zu beobachten war. Die Unsicherheit darüber, wie die US-Wirtschaft mit der Schwäche anderer Länder und der Straffung der Finanzbedingungen zurecht­kommen wird, erreichte ihren Höhepunkt Mitte Februar, was zu höherer Volatilität führte. Die zunehmende Risikoaversion der Anleger ließ die Renditen für zehnjährige US-Schatzanleihen auf ihr niedrigstes Niveau seit 2012 fallen; gleichzeitig nahm der Unterschied zwischen den Fed-Vorhersagen für das Timing künftiger US-Leitzinser­höhun­gen und dem Marktkonsens, der ein deutlich langsameres Tempo dafür erwartet, weiter zu.

In der zweiten Februarhälfte lagen mehrere Wirtschaftsdaten über den Konsenserwartungen, was pessimistischen Prognosen widersprach, laut denen die US-Wirtschaft vor einem Abgleiten in die Rezession steht. Zu den positiven Neuigkeiten zählten eine Aufwärtsrevision beim Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im vierten Quartal 2015 von 0,7% auf 1,0%; allerdings lag dies zum Großteil an höheren Lagerbeständen, was als poten­zielle Belastung für die US-Wirtschaft in den ersten drei Monaten 2016 gesehen wurde. Die Stärke des US-Konsums wurde im Januar unterstrichen von einer Zunahme der persönlichen Ein­kommen sowie der Konsumausgaben um 0,5% im Vergleich zum Vormonat, was dafür spricht, dass dieser wichtige Wachstums­treiber intakt bleibt. Gestärkt wurden die Einnahmen von einem Monatsanstieg der Löhne und Gehälter um 0,6%, dem dritten soliden Zuwachs in den vergangenen vier Monaten in Folge. Dies bestätigt die Erwartung, dass sich der robuste US-Arbeits­markt positiv auf die Konsumnachfrage auswirken dürfte.

Der Arbeitsmarktbericht für Februar lieferte weitere Belege dafür, dass die Entwicklung der US-Wirtschaft durch externe Belastungen nicht deutlich beeinträchtigt wurde. Die Zahl der neuen Stellen war mit 242.000 deutlich höher als erwartet und wurde begleitet von einer Aufwärtsrevision der Zahl der in den zwei Monaten zuvor geschaffenen Arbeitsplätze. Die Arbeits­losenquote blieb mit 4,9% unverändert auf dem niedrigsten Stand seit 2008. Die Beschäftigungsquote setzte ihre Erholung fort und stieg leicht auf 62,9%, weil der starke Arbeitsmarkt mehr Menschen dazu brachte, erstmals oder erneut nach einem Arbeitsplatz zu suchen. Weniger positiv war der Feb­ruar-Bericht in Bezug auf die Löhne: Mit einem Rückgang um 0,1% gegenüber dem Vormonat nach +0,5% im Januar war die Entwicklung der Stundenlöhne schlechter als erwartet; im Jahres­vergleich stiegen sie um 2,2% und damit 0,3% weniger als im Vormonat. Besser entwickelte sich die US-Industrie, wo Produktion und Bestellungen von Gebrauchsgütern im Januar zeigten, dass die Sorgen wegen der zuvor schwachen Daten möglicherweise übertrieben waren. Der Einkaufsmanagerindex des Institute for Supply Management (ISM) für das verarbeitende Gewerbe blieb im Februar leicht unter der Expansionsschwelle von 50 Punkten, doch der Trend bei Produktion und Auftragsein­gängen war positiv. Insgesamt zeigte sich, dass sich die Inlands­nachfrage bei den meisten Unternehmen recht gut gehalten hat, während die Bedingungen für Exporteure und energiebezogene Sektoren schwierig blieben. Der Einkaufs­managerindex des Dienstleis­tungs-ISM blieb im Februar im expansiven Bereich. Gegenüber dem Vormonat gab es hier kaum Veränderungen, außer beim Beschäftigungsteil der Umfrage, wo zum ersten Mal seit Anfang 2014 ein leichter Rückgang zu beobachten war.

Gleichzeitig deuteten starke Daten darauf hin, dass der Inflations­druck in den USA zunehmen könnte. Die von der Fed bevorzugte Kennzahl, der Preisindex für die persönlichen Kern-Konsumaus­gaben, stieg im Januar im Jahresvergleich stärker als erwartet auf 1,7%, das höchste Niveau seit mehr als drei Jahren und nicht weit entfernt von dem 2%-Zielwert der Fed. Die Kern-Ver­brau­cher­preise stiegen im Monatsvergleich um 0,3%; im Jahres­ver­gleich waren es 2,2% und damit 0,1% mehr als im Dezember. Die Preise einschließlich Lebensmitteln und Energie blieben, gebremst von einem Rückgang um 2,8% bei Energie und um 4,8% bei Benzin, im Monatsvergleich insgesamt unverändert und stiegen im Jahresvergleich um 1,4%.

Das Ausmaß der Schwäche bei den Energiepreisen zeigte sich an einem Rückgang beim Preis für West Texas Intermediate, der Benchmark für US-Öl, der in der zweiten Februarwoche ein Zwölf­jahrestief von rund 26 US-Dollar pro Barrel erreichte. Zusam­men mit den besseren Konjunkturdaten trug dies zu einer allgemeineren Erholung bei Risikoanlagen bei, sodass Aktien insgesamt einen großen Teil der Verluste wettmachten, die sie seit Anfang 2016 erlitten hatten. Eine Erholung im Zuge der anziehenden Ölpreise gab es zudem auch bei einem wichtigen Indikator für die zukünftige Inflation auf der Grundlage von inflationsindexierten US-Schatzanleihen, der zuvor den Einbruch des Ölpreises nachvollzogen hatte und Anfang Februar auf den niedrigsten Stand seit der globalen Finanzkrise gefallen war.

Chinesische Wirtschaft verlangsamt sich weiter, Nachrichten für Rohstoffprodu­zen­ten werden aber besser

Im Gegensatz zur verbesserten Lage in den USA blieb das Bild für den Rest der Welt relativ unsicher. Daten aus China unterstri­chen das Ausmaß der Verlangsamung seiner Wirtschaft – die offiziellen PMIs für Produktion wie Dienstleistungen gingen im Februar zurück, ersterer auf das niedrigste Niveau seit 2009. Als Reaktion auf das schwächere Wachstum senkte die chinesische Regierung ihre Wachstumsprognose für 2016 auf 6,5–7% und kündigte ein Konjunkturpaket an; das für dieses Jahr prognosti­zierte Haushaltsdefizit von 3% des BIP lag jedoch unter den Konsenserwartungen. Die Ratingagentur Moody‘s senkte ihren Ausblick für chinesische Staatsanleihen von stabil auf negativ. Als Begründung nannte sie steigende Schulden und sinkende Devisenreserven sowie die Unsicherheit über die Fähigkeit der chinesischen Regierung, Reformen umzusetzen.

Das Treffen der G20-Finanzminister im Februar in Schanghai war geprägt von der Frage, wie das Problem des schwachen globalen Wachstums angegangen werden könnte. Für ein glo­bal koordiniertes Konjunkturpaket, wie vom Internationalen Währungsfonds im Vorfeld verlangt, gab es wenig Unterstüt­zung, und auch bei anderen möglichen politischen Maßnah­men herrschte wenig Einigkeit zwischen den Ländern. Der Chef der People‘s Bank of China ließ jedoch erkennen, dass sich die chinesische Politik im Klaren darüber ist, dass sie nach der verwirrenden Kommunikation seit dem vergangenen Sommer die Markterwartungen in Bezug auf ihre Renminbi-Strategie besser steuern muss.

Trotz anhaltender Sorgen um die Verlangsamung in China war die Stabilisierung der Ölpreise eine gute Nachricht für Länder, die viel Öl produzieren, ebenso wie eine weitere Rally bei Industriemetallen und Eisenerz, deren Preise auf ihre höchsten Stände seit Beginn dieses Jahres stiegen. Als Folge davon notierten die Währungen vieler dieser Länder im Februar fest und machten einen Teil der Verluste wett, die sie zuvor im Zuge einbrechender Rohstoffpreise verzeichnet hatten.

Die Folgen der Entscheidung der Bank of Japan (BoJ), negati­ve Zinsen einzuführen, machten sich weiter bemerkbar. Die zweite Februarhälfte über blieb die Rendite für zehnjährige japanische Staatsanleihen unter Null, und bei der nächsten Auktion verkaufte die Regierung zum ersten Mal neue zehn­jähri­ge Anleihen mit negativer Rendite; außer bei der Schweiz hatte es dies bislang noch bei keinem Land gegeben. Ein Großteil der Emission sollte, so wurde erwartet, im Rahmen ihres größeren Anleihenkaufprogramms zurück an die BoJ verkauft werden. Jedoch warf die anhaltende Stärke des japa­nischen Yen Fragen über die Wirksamkeit der Umstellung der BoJ-Politik auf negative Zinsen aus, insbesondere da sich die Zentralbank für eine gestaffelte Struktur entschieden hatte, die eine Abwertung der Währung fördern und zugleich Banken und Sparer schützen sollte.

An anderer Stelle rückte die Rückkehr Argentiniens an die inter­nationalen Kapitalmärkte näher, nachdem die neue Regierung des Landes eine vorläufige Einigung mit ihren wichtigsten Gläubi­gern erzielt hatte, die frühere Restrukturierungsangebote nicht angenommen hatten. Die scheidende populistische Regierung hatte Verhandlungen über eine solche Einigung lange abgelehnt, sodass die Gläubiger vor US-Gerichten eine Entscheidung erwirk­ten, die 2014 zu einem Zahlungsausfall Argentiniens geführt und so die Emission neuer Schulden verhindert hatte. Die neu gewählte Regierung geht die Umsetzung vieler versproche­ner Reformen an, darunter die Abschaffung von Kapitalver­kehrs­kontrollen und die Senkung der hohen Exportzölle. Die Einigung mit den Gläubigern muss noch vom Parlament gebilligt werden, was jedoch gelingen dürfte. Dies würde den Weg zur Emission neuer Anleihen ebnen, die laut dem argentinischen Finanz­minister Alfonso Prat-Gay ein Volumen von 15 Mrd. US-Dollar haben dürfte.

Die Stabilisierung der Rohstoffpreise ist ebenso willkommen wie der Rückgang der Volatilität an den Finanzmärkten. Sie bietet eine robustere Grundlage für die Weltwirtschaft, deren Wachstum weiterhin akzeptabel, wenn auch niedriger als wünschenswert ist. Die Stimulierung durch die lockere Geldpolitik dürfte einen Ausgleich zur schwachen weltweiten Nachfrage darstellen. Allerdings teilen wir die allgemeinen Bedenken in Bezug darauf, dass die Wirksamkeit negativer Leitzinsen beschränkt ist, wenn sie nicht zielgenau genug sind.

EZB handelt bei Inflation entschlossen, Realwirtschaft hält sich gut

Die Eurozone ist im Februar zum ersten Mal seit September 2015 wieder in die Deflation gerutscht, wobei sich der Großteil des Preisrückgangs gegenüber dem Vorjahr durch die stark gesunkenen Energiepreise erklärt. Die Kerninflationsrate nahm im selben Zeitraum auf 0,7% nach 1,0% im Vormonat ab. Das Niedriginflationsumfeld trug dazu bei, dass die Europäische Zentralbank (EZB) nach ihrer Sitzung im März ein aggressives Maßnahmenpaket vorstellte, bestehend aus einer Leitzinssen­kung, einer zusätzlichen Senkung des Einlagenzinses, der dadurch weiter in den negativen Bereich geriet, und einer Vergrößerung von Umfang und Ausmaß ihres Anleihenkauf­programms. Gleichzeitig senkte die EZB ihre Inflationsprogno­se für 2016 von 1,0% auf 0,1%. Andere Daten für Europa waren insgesamt leicht negativ, was für das Argument spricht, Europa habe mehr unter der Schwä­che der Schwellenländer zu leiden als die USA. Der Ifo-Ge­schäfts­klimaindex in Deutschland sank im Februar auf 98,8 Pun­kte, das niedrigste Niveau seit 2012, nach 102,3 Punk­ten im Januar. Eine Umfrage unter deutschen Verbrauchern, die einen starken Anteil am Wachstum in der größten Volkswirt­schaft Europas haben, fiel jedoch besser aus als im Februar vom Marktkonsens erwartet, da der engere Arbeitsmarkt im Land das Konsumklima stützte.

Das zuletzt häufiger zu beobachtende Muster, dass sich Wähler von den etablierten Parteien abwenden und sich für populistische Alternativen entscheiden, war bei den Parlamentswahlen in Irland im Februar erneut zu beobachten. Ihr unklares Ergebnis lässt erwarten, dass dem Land lange Verhandlungen für die Bildung einer Regierungskoalition bevorstehen könnten. Die Wahlen in der Slowakei gingen ähnlich aus, ebenso wie der zuvor durchgeführte Urnengang in Portugal und Spanien. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, in welcher Breite Wähler in der Eurozone unzufrieden sind mit der Mischung aus Sparpolitik und schwachem bis vernachlässigbarem Wachstum ihrer Ein­kom­men seit der globalen Finanzkrise und den anschließenden regionalen Schuldenproblemen. In Spanien gibt es seit Ende vergangenen Jahres keine Regierung, sodass Neuwahlen im Juni weiter als die wahrscheinlichste Entwicklung erscheinen; zuvor waren Versuche der sozialistischen Partei gescheitert, eine Minder­heitsregierung zu bilden. Umfragen zeigen jedoch, dass auch eine weitere Wahl wenig an der tiefen Spaltung der politischen Landschaft Spaniens ändern würden.

Wie erwartet, kündigte die britische Regierung an, dass sie im Juni ein Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union (EU) abhalten wird. Nachdem ein wichtiger konservativer Politiker seine Unterstützung für die Austrittskam­pagne angekündigt hatte, war ein Anstieg der Volatilität bei Anlagen mit Bezug auf Großbritannien zu verzeichnen. So weiteten sich die Aufschläge für britische Emittenten von in Euro denominierten Anleihen deutlich aus, und das britische Pfund fiel gegenüber dem US-Dollar auf den niedrigsten Stand seit 2009.

Für die europäischen Märkte bestehen eindeutig einige kurzfris­tige Risiken, wie etwa die Möglichkeit, dass die britische Bevölke­rung im Juni für einen Ausstieg aus der EU stimmen könnte – insbesondere, wenn sich die europäischen Wirtschaftsdaten im Vorfeld des Referendums verschlechtern oder sich die Flücht­lingskrise weiter zuspitzt. Trotzdem sind wir nach wie vor der Ansicht, dass die Konjunkturentwicklung in Europa insgesamt passabel ist und dass die „Realwirtschaft“ – also die Produktion von Gütern und Dienstleistungen – bislang kaum von der jüngsten Volatilität an den Finanzmärkten betroffen ist. Die Inflation ist zwar weiterhin niedrig, aber zuletzt immerhin gestiegen. Ähnlich ist das Wachstum zwar keineswegs robust, doch es wird größtenteils vom Inlandskonsum angetrieben.