Beyond Bulls & Bears

Die Politik und das Potenzial bei US-Biotech

Dieses Posting steht Ihnen in den folgenden Sprachen zur Verfügung: Englisch Französisch Spanisch Polnisch

Die US-Biotechbranche hat in diesem Jahr bislang auf dem Krankenbett gelegen, und zahlreiche Indizes der Branche notieren im negativen Bereich, obwohl sich der Aktienmarkt nach dem volatilen Start ins Jahr 2016 nun allmählich wieder zu stabilisieren scheint. Der Sektor ist wegen steigender Medikamentenpreise ins Kreuzfeuer der Kritik geraten und wird unter anderem durch politische Bestrebungen belastet, solche Preiserhöhungen zu begrenzen. Evan McCulloch, Senior Vice President und Director of Research für die Franklin Equity Group, hält Eingriffe des Gesetzgebers in der nächsten Legislaturperiode für möglich, glaubt aber nicht, dass diese die Branche schwächen würden. Er sieht eine „beispiellose“ Innovationswelle bei Biotech, die die negativen Auswirkungen neuer Vorschriften ausgleichen würde.

Evan McCulloch
Evan McCulloch

Evan McCulloch
Senior Vice President, Director of Research
Portfolio Manager
Franklin Equity Group

Der US-Biotechsektor hinkt dem Aktienmarkt in diesem Jahr bislang hinterher, da er mit zunehmender Kritik wegen der Preise für verschreibungspflichtige Medikamente zu kämpfen hat. Zwar hat er sich inzwischen von den Tiefs im ersten Quartal erholt, blieb jedoch Ende April immer noch hinter dem Gesamtmarkt zurück, und Sorgen um politische Einflussnahme auf die Medikamentenpreise – die unserer Ansicht nach übertrieben sind – spielen angesichts der in diesem Jahr anstehenden Präsidentschaftswahlen weiterhin eine bedeutende Rolle.

Tatsächlich sehen wir Potenzial für zusätzlichen Druck bei Preisen und Erstattungen, sind jedoch der Meinung, dass diese Belastungen durch die zuletzt zu beobachtende Innovationswelle mehr als ausgeglichen werden. Zusammen mit der jüngsten Korrektur bei den Aktienkursen und den dadurch entstandenen attraktiven Bewertungen bedeuten die potenziellen Fortschritte, dass wir unsere positive Einschätzung für Anlagen in diesem Sektor beibehalten.

Politisierung von verschreibungspflichtigen Medikamenten

Der politische Druck auf den Sektor nahm seinen Ausgang im vergangenen Sommer, nachdem ein kleines, nicht börsennotiertes Unternehmen den Preis für ein übernommenes älteres Medikament um 5.000% angehoben hatte; dadurch geriet dieses lange schwelende Thema in die öffentliche Diskussion und brachte die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton dazu, einen Plan für die Kostenkontrolle bei Medikamenten vorzulegen. Das Committee on Oversight and Reform im US-Repräsentantenhaus hatte bereits Anfang 2015 eine Untersuchung der Preiserhöhungen eines großen Pharmaunternehmens eingeleitet und beantragte eine Vorladung des kleinen Unternehmens wegen dessen Preiserhöhung.

Die Untersuchung des Repräsentantenhaus-Ausschusses ist noch im Gange, und die Medikamentenpreise sind weiterhin ein Wahlkampfthema. Selbst der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat Clintons Plan teilweise befürwortet und will beispielsweise Medicare erlauben, Medikamentenpreise auszuhandeln. Die Pharma- und Biotechbranche hat darauf auf zweierlei Weise reagiert. Auf der einen Seite haben ihre wichtigsten Verbände (die Pharmaceutical Research and Manufacturers of America für Pharmafirmen und die Biotechnology Innovation Organization für Biotechunternehmen) Werbekampagnen gestartet, die erklären, wie verschreibungspflichtige Medikamente die Lebensqualität von Patienten verbessert und ihnen geholfen haben, teurere Therapien wie Krankenhausaufenthalte zu vermeiden. Auf der anderen Seite haben sie schlicht ihre Preiserhöhungen gemäßigt. Außerdem wird unserer Ansicht nach das Geschäftsmodell, nicht mehr patentgeschützte Medikamente, für die es keine Generika-Konkurrenz gibt, mit dem alleinigen Ziel einer anschließenden Preiserhöhung zu kaufen, verschwinden.

Denn dieses Thema hat zu viel politische Aufmerksamkeit erregt. Unserer Meinung dürften die Politiker, wenn im Januar 2017 die nächste Legislaturperiode des US-Kongresses beginnt, das Gefühl haben, etwas tun zu müssen. Wir rechnen deshalb damit, dass der Kongress ein kleineres Gesetz verabschieden wird, um Medikamente für Patienten bezahlbarer zu machen. Außerdem erwarten wir stärker marktbasierte Reformen wie höhere Rabatte oder eine vermehrte Substitution durch billigere Medikamente. Wir glauben nicht, dass irgendjemand „die goldene Gans töten“ möchte. Selbst Politiker würden zugeben, dass drakonische Preiskontrollen die Anreize für Investitionen in Medikamentenforschung und -entwicklung verringern würden, die in den vergangenen Jahren für mehrere therapeutische Durchbrüche gesorgt haben. Nach wie vor werden für viele Krankheiten effektivere Therapien und Medikamente benötigt, und niemand ist wirklich daran interessiert, dem Biotechsektor die Anreize dafür zu nehmen, weiterhin in neue Produkte und Arzneimittel zu investieren. Deshalb glauben wir, dass Einigkeit darüber herrscht, dass das richtige Vorgehen in einem Kompromiss liegt, der die Zukunftsaussichten für diese Branche bewahrt.

Beispiellose Innovation

Ohnehin sind wir der Meinung, dass der Sektor gut positioniert ist, um mit potenziellen Störungen einschließlich politischer Eingriffe zurechtzukommen. Auf das neue Zahlerumfeld hat sich die Branche vor zehn Jahren eingestellt und ihre Aktivitäten auf neue Plattformen für die Medikamentensuche, neuartige Wirkstoffe sowie auf Bereiche mit hohem ungedecktem medizinischem Bedarf ausgerichtet. Dies zahlt sich jetzt in Form von etwas aus, das wir als beispiellose Innovation in der Produktpipeline der Branche bezeichnen würden.

Derzeit sind wir von vielen Fortschritten begeistert, vor allem bei Therapien für Krankheiten wie insbesondere Alzheimer, die in unseren Augen in der Vergangenheit nicht hinreichend berücksichtigt wurden. Viele der Alzheimer-Produkte, die sich in den späten Phasen der klinischen Erprobung befinden, haben eine krankheitsmodifizierende Wirkung und bauen auf früheren Therapien auf, indem sie stärker auf die Symptome abzielen. Wir rechnen damit, dass die laufenden Studien in diesem Jahr wichtige Daten dazu liefern werden, und sind gespannt auf die Ergebnisse. Auch bei anderen neurodegenerativen Krankheiten wie Parkinson und amyotropher Lateralsklerose erwarten wir bald Fortschritte in der Behandlung.

Ebenfalls ermutigend finden wir, dass mehrere Krebsarten inzwischen weitgehend kontrolliert sind, darunter einige Lymphome, Prostatakrebs mit geringem Risiko und Brustkrebs im frühen Stadium. Dennoch gibt es im Kampf gegen diese Krankheit noch viel zu tun. Besonders interessant finden wir den Bereich Immunonkologie, bei dem das körpereigene Immunsystem zum Kampf gegen den Krebs genutzt wird. Spezielle Medikamentenklassen stimulieren unser Immunsystem dabei so, dass der Körper Krebs stärker natürlich bekämpfen kann; bislang waren damit unglaubliche Ergebnisse zu beobachten. In den nächsten Jahren dürfte es unserer Einschätzung nach für eine Reihe von Kombinationen derartiger immunonkologischer Wirkstoffe klinische Daten geben. Und wir sind optimistisch, dass diese Daten deutliche Fortschritte ermöglichen werden.

Ein weiterer Bereich, den wir für spannend halten, ist Gentherapie. Dabei geht es um direkte Manipulationen von DNA und RNA, um bei unterschiedlichen Genkrankheiten direkt auf die Ursachen Einfluss zu nehmen. Dass Gentherapie bei Blutkrankheiten wie Beta-Thalassämie und Sichelzellenanämie funktioniert, wurde bereits belegt. Auch bei neurodegenerativen Erkrankungen wie spinaler Muskelatrophie und bestimmten seltenen Augenkrankheiten zeigt sie Wirkung. Wir sind zuversichtlich, dass Gentherapie breitere Anwendung finden und eine transformative Wirkung für viele seltene Genkrankheiten haben wird, die mit den bisherigen traditionelleren Ansätzen nicht behandelt werden konnten.

Unserer Meinung nach bieten diese neuartigen Therapien, insbesondere in Bereichen mit dem höchsten ungedeckten medizinischen Bedarf, einen hohen klinischen Wert oder haben nur begrenzte Konkurrenz, sodass sie sich als widerstandsfähig gegen Preisdruck erweisen dürften. Die Fundamentaldaten der Branche sind unserer Meinung nach weiterhin stark. Dafür sprechen volle Pipelines, die Kooperation zwischen Medikamentenentwicklern und der US-Arzneimittelbehörde FDA sowie kontinuierliche Fortschritte bei der medizinischen Innovation. Diese Faktoren stimmen uns trotz des potenziellen Ereignisrisikos durch die Präsidentschaftswahl zuversichtlich für die Aussichten für Biotechaktien in diesem Jahr.

Die in diesem Dokument zum Ausdruck gebrachten Kommentare, Meinungen und Analysen sind die persönlichen Ansichten des Anlageverwalters und dienen ausschließlich Informationszwecken und der Informierung der Allgemeinheit. Sie sind weder als Anlageberatung oder Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers oder zur Übernahme einer Anlagestrategie zu verstehen. Sie stellen auch keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die Informationen in diesem Dokument entsprechen dem Datum der Veröffentlichung und können sich ohne Vorankündigung ändern. Sie sind nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt oder eine Anlage gedacht.

 In diesem Dokument möglicherweise verwendete externe Daten wurden von Franklin Templeton Investments („FTI“) nicht unabhängig verifiziert, bewertet oder überprüft. FTI haftet auf keinen Fall für Verluste, die durch die Nutzung dieser Informationen entstehen. Das Vertrauen auf die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument liegt im alleinigen Ermessen des Nutzers. Manche Produkte, Dienstleistungen und Informationen sind möglicherweise nicht in jedem Land verfügbar und werden außerhalb der USA von anderen mit FTI verbundenen Unternehmen und/oder ihren Vertriebsstellen, wie nach lokalem Recht und lokalen Vorschriften zulässig, angeboten. Bitte wenden Sie sich für weitere Informationen über die Verfügbarkeit von Produkten und Dienstleistungen in Ihrem Land an Ihren eigenen professionellen Berater.

Sie wollen weitere Einschätzungen von Franklin Templeton Investments per E-Mail erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Blog Beyond Bulls & Bears.

Die neuesten Tipps und Infos für Anleger finden Sie auf Twitter @FTI_Germany.

Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, einschließlich des möglichen Verlusts des angelegten Kapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Das Portfolio ist ein nicht diversifiziertes Portfolio mit Konzentration in einem einzelnen Sektor, was Risiken bezüglich Patentfragen, Produktverantwortung, staatlicher Regulierungsvorschriften und behördlicher Genehmigungen für neue Medikamente und Medizinprodukte mit sich bringt. Viele Biotechnologieunternehmen sind klein und/oder relativ jung. Kleinere Unternehmen können besonders anfällig für Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sein und haben weniger sichere Wachstumsaussichten als größere, besser etablierte Unternehmen und können insbesondere auf kurze Sicht volatil sein. Das Portfolio kann auch in ausländische Unternehmen investieren, die besondere Risiken mit sich bringen, darunter Währungsschwankungen und politische Unsicherheit.