Beyond Bulls & Bears

Ein Blick auf Schulden und defensive Positionierung

Dieses Posting steht Ihnen in den folgenden Sprachen zur Verfügung: Englisch Holländisch Französisch Italienisch Polnisch

Im ersten Beitrag der neuen Serie beschreibt Matthias Hoppe, Senior Vice President und Portfoliomanager der Franklin Diversified Fonds, warum Anleger vor dem Hintergrund von seiner Ansicht nach problematischen Faktoren in den USA über eine defensive Positionierung ihrer Portfolios nachdenken sollten.

Matthias Hoppe
Matthias Hoppe

Matthias Hoppe
Senior Vice President, Portfolio Manager
Franklin Templeton Solutions

Wirklich ein Segen?  19 Billionen Dollar, und es werden mehr

Wenn Alexander Hamilton noch leben würde, wäre er wahrscheinlich bestürzt, welch enorme Schuldenlast sein Land in den Jahren seit seinem Tod aufgehäuft hat.

Was im Jahr 1789 mit lediglich 19.608,81 Dollar begann (ein Kredit, den Hamilton selbst als erster US-Finanzminister aufnahm), ist inzwischen auf monumentale 19 Billionen Dollar angewachsen; ausgeschrieben bedeutet das 19.000.000.000.000 Dollar – 58.000 Dollar für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind in den USA.


Ein Bild kann vielleicht dabei helfen, besser zu verstehen, wie riesig diese Last ist: Wenn man 19 Billionen Dollar sauber in 1-Dollar-Scheinen aufeinander legen würde, würde sich ein Stapel mit einer Höhe von 2.075.175 Kilometern ergeben – sechsmal die Entfernung von der Erde zum Mond.

Und wenn Hamilton diese Entwicklung noch nicht schrecklich genug finden würde, gehen Ökonomen oft noch weiter und führen sein obiges Zitat als Rechtfertigung für die Schuldenschwemme von heute an (wobei sie anscheinend die Einschränkung „nicht exzessiv“ bewusst außer Acht lassen).

Das Verhältnis der Schulden außerhalb des US-Finanzsektors (also von Haushalten, Unternehmen sowie Regierungen auf Bundes- und Bundesstaatenebene) zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA ist 2015 auf den Rekordwert von 248% gestiegen, nach dem vorigen Rekord von 245% im Jahr 2009. Die Gesamtschulden einschließlich des Finanzsektors nahmen im vergangenen Jahr um rund 2 Billionen Dollar zu und damit 1,4 Billionen Dollar stärker als das nominale BIP.

Damit stand das Verhältnis von Gesamtschulden zu BIP Ende 2015 bei 370% und somit deutlich über dem Niveau von 250–300%, ab dem Wirtschaftsforscher üblicherweise davon ausgehen, dass Schulden die Produktivität nicht mehr erhöhen, sondern drücken.

hoppe blog 2305

Ebenfalls bedenklich: Wie der Ökonom Van R. Hoisington vor kurzem schrieb, waren in den 45 Jahren bis zum Jahr 2000 ungefähr 1,70 Dollar an Schulden erforderlich, um in den USA 1 Dollar an BIP zu generieren. Seit neuen Jahrtausend aber wurden für 1 Dollar BIP durchschnittlich 3,30 Dollar Schulden gebraucht. Diese Zunahme zeigt: Amerikanische Bürger (und Unternehmen) machen in ihren kollektiven Bilanzen zwar weiterhin fast alles zu Schulden, was sich irgendwie dafür eignet, doch die Rendite jedes geliehenen Dollars nimmt rapide ab.

Ohne Frage ist diese enorme Last – mit der sowohl die USA als auch die Industrieländer weltweit zu tun haben – ein erhebliches Problem. Schulden haben nicht nur einen Einfluss auf die BIP-Entwicklung, sondern auch auf die Fundamentaldaten von Unternehmen. Ich gehe davon aus, dass dieser Belastungsfaktor bestehen bleiben wird.

Zur Erinnerung: Schulden bedeuten gewissermaßen eine Vorziehung zukünftiger Ausgaben. Was also ist für die Ausgaben der Zukunft zu erwarten?

Das wichtigste Ergebnis meiner Analysen (und auch meines Instinktes) lautet, dass die Aussichten für das Wachstum in den USA nicht unbedingt rosig sind. Zu der Belastung durch Verschuldung/schlechtere Fundamentaldaten kommen weitere wenig ermutigende Faktoren hinzu. Aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass Anleger ihre Portfolios entsprechend positionieren sollten.

Unsere Strategie bei Aktien war zuletzt weitgehend defensiv. Wir haben mit Taktiken gearbeitet, die eine Erhöhung der Gesamtrendite für den Fall versprachen, dass die Märkte stark nachgeben; gleichzeitig haben wir an Beta[1]-Positionen festgehalten, um bei einer Rally dabei zu sein. Wir schlagen nicht vor, am US-amerikanischen, japanischen und europäischen Aktienmarkt von Bord zu gehen. Aus Vorsichtsgründen empfiehlt es sich aber, die Rettungsboote zu untersuchen und das Hauptsegel zu bergen.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

In diesem Dokument möglicherweise verwendete externe Daten wurden von Franklin Templeton Investments („FTI“) nicht unabhängig verifiziert, bewertet oder überprüft. FTI haftet auf keinen Fall für Verluste, die durch die Nutzung dieser Informationen entstehen. Das Vertrauen auf die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument liegt im alleinigen Ermessen des Nutzers. Manche Produkte, Dienstleistungen und Informationen sind möglicherweise nicht in jedem Land verfügbar und werden außerhalb der USA von anderen mit FTI verbundenen Unternehmen und/oder ihren Vertriebsstellen, wie nach lokalem Recht und lokalen Vorschriften zulässig, angeboten. Bitte wenden Sie sich für weitere Informationen über die Verfügbarkeit von Produkten und Dienstleistungen in Ihrem Land an Ihren eigenen professionellen Berater.

Um Analysen von Franklin Templeton als E-Mail zu erhalten, abonnieren Sie den Blog Beyond Bulls & Bears.

Die neuesten Tipps und Infos für Anleger finden Sie auf Twitter @FTI_Germany.

Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, einschließlich des möglichen Verlusts des angelegten Kapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück.  Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen.

[1]Beta ist eine Kennzahl für das Ausmaß der historischen Kursschwankungen eines Portfolios im Verhältnis zu den Schwankungen des Gesamtmarktes (oder eines passenden Marktindex). Der Markt (oder Index) bekommt einen Beta-Wert von 1,00. In einem Portfolio mit einem Beta von 1,20 sind die Kurse also um 12% gestiegen oder gefallen, wenn es am Gesamtmarkt eine Bewegung um 10% gegeben hat.