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Schwellenländer: Wo wir Chancen sehen

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In der neuesten Ausgabe von „Global Macro Shifts“ bietet das Templeton Global Macro-Team eine detaillierte Analyse der Schwellenmärkte, die uns daran erinnert, auf welche Weise jedes Land seinen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen begegnet, und dass dies letztlich seine Leistungsfähigkeit bestimmt. In diesem kurzen Auszug aus dem vollen, forschungsbasierten Briefing schafft CIO Michael Hasenstab einen Überblick über die Sichtweisen des Teams.  

Eine kurze Zusammenfassung von Michael Hasenstab’s Blick auf die Schwellenländer:

Michael Hasenstab, Ph.D.
Executive Vice President, Portfolio Manager

Chief Investment Officer
Templeton Global Macro

 

Ohne Zweifel waren die letzten Jahre für die Schwellenmärkte herausfordernd: 2015 war das fünfte Jahr in Folge mit abnehmendem Wachstum. Da die Erholung direkt nach der Finanzkrise außergewöhnlich dynamisch verlief, war eine gewisse Verlangsamung allerdings auch zu erwarten. In den letzten Jahren aber kamen zu der normalen zyklischen Abschwächung bedeutende und miteinander zusammenhängende Schocks hinzu. Trotz der Schwere dieser Schocks ist jedoch keine systemische Schwellenländerkrise nach dem Muster der 1990er Jahre ausgebrochen. Stattdessen beschränken sich die Folgen bislang zumeist auf langsameres Wirtschaftswachstum; eine schwere Krise gibt es aber nicht. Der Grund für diese überraschende Widerstandsfähigkeit liegt in den Lektionen, die die Schwellenländer aus den vorigen Finanzkrisen gezogen haben. Viele von ihnen, wenn auch nicht alle, konnten dadurch inzwischen ansehnliche Puffer und Schutzmaßnahmen einrichten.

Die wichtigste Veränderung in den Schwellenländern, die ihre Anfälligkeit für Finanzkrisen verringert, war vielleicht die deutliche Vertiefung der inländischen Finanzmärkte im vergangenen Jahrzehnt. In vielen Ländern ist durch das Aufkommen einer breiten Mittelschicht eine zuverlässige einheimische Anlegerbasis entstanden. So ist das Gesamtvermögen bei inländischen Versicherungen und Pensionsfonds in den Schwellenländern von 2,3 Bio. US-Dollar im Jahr 2005 auf rund 6 Bio. US-Dollar in 2013 gestiegen, gestärkt vom Wachstum des Versicherungssektors in den asiatischen Schwellenländern und von Pensionsfonds in Lateinamerika.[1] Mexiko sticht mit der verringerten Abhängigkeit vom Bankensektor bei inländischen Finanzierungen heraus. Dieser Übergang zu einer ausgewogeneren Finanzierung hat die finanzielle Widerstandsfähigkeit des Landes erhöht. Einheimische institutionelle Anleger können ein stabilisierender Faktor sein, wenn die Preise für Vermögenswerte eindeutig nicht mehr zu den Fundamentaldaten passen; in der Vergangenheit aber fehlte es oft an einer starken Anlegerbasis im Inland, sodass die Auswirkungen von Finanzvolatilität oft noch verstärkt wurden.

Natürlich unterscheiden sich die konkreten Finanzkrisen in unterschiedlichen Regionen und Ländern deutlich. Jedoch gibt es offenbar auch gemeinsame Motive. Erstens scheint sich die Ansteckungsgefahr verringert zu haben. Seit mehreren Jahren sind mit Finanzverflechtungen, Handel und Währungsabwertungen aus Wettbewerbsgründen dieselben Transmissionsmechanismen am Werk, doch zuletzt haben sie Volkswirtschaften weniger massiv belastet als in früheren Zeiten. Zweitens waren die meisten der jüngsten Krisen wie beispielsweise in Brasilien relativ begrenzte Währungskrisen, die nicht sofort auch das Bankensystem erfasst haben. Insgesamt wurden die Verteidigungslinien gestärkt. Politikern in vielen Ländern stehen heute mehr Optionen und Zeit zur Verfügung, um zu reagieren, wenn die Volatilität zunimmt und ihre Volkswirtschaften unter Druck geraten. Seit der globalen Finanzkrise haben sich die Schuldenstände der Schwellenländer zwar erhöht. Diese Entwicklung spricht jedoch dafür, dass sich die Robustheit der Finanzarchitektur in vielen Ländern verbessert hat, sodass global gesehen die Widerstandsfähigkeit größer ist als in der Vergangenheit.

Anlegerbasen

Unter Beachtung der bedeutenden Veränderungen in den Schwellenländern über das vergangene Jahrzehnt haben wir in diesem Beitrag einen neuen Rahmen für die Einschätzung von Anlagerisiken und -chancen auf den einzelnen Märkten skizziert. Unser Modell geht über die traditionellen Indikatoren für externe Anfälligkeit hinaus, indem es die deutlich gestiegene Bedeutung der lokalen Anleihenmärkte berücksichtigt. Dazu konzentriert es sich auf die Stärke der Inlandsnachfrage, die Qualität der Makropolitik und den Grad, zu dem die einzelnen Länder aus früheren Krisen gelernt haben. Auf dieser Grundlage haben wir unseren proprietären Local Markets Resilience Index (LMRI) entwickelt, der die einzelnen Länder nach ihren aktuellen und prognostizierten Bedingungen bewertet. Wir sind der Meinung, dass diese Methode eine deutlich bessere Orientierung über Anlagechancen bietet als die enge Fokussierung auf Anfälligkeiten gegenüber externen Schocks, die an den Finanzmärkten noch immer dominiert.

Für jeden dieser Faktoren schätzen wir den aktuellen Stand und die zu erwartende Entwicklung ab, um den Grad des Risikos über unseren Anlagehorizont zu ermitteln. Die Bewertungen der fünf Einzelkategorien fassen wir dann zu einem Gesamtwert für jedes Land zusammen – unserem proprietären LMRI. Die Bewertungen in den einzelnen Kategorien basieren notwendigerweise in erheblichem Umfang auf unserer subjektiven Einschätzung. Trotzdem sind wir der Meinung, dass der Index eine sehr systematische Möglichkeit darstellt, unterschiedliche Märkte so einzuschätzen und zu vergleichen, dass wir die wahren Risiken bewerten und attraktive Gelegenheiten identifizieren können, wenn unsere Bewertung deutlich von der Risikoeinschätzung abweicht, die sich aus den Marktpreisen ergibt.

Die Bewertung der Länder basiert auf den oben beschriebenen fünf Kriterien. Jedem davon wird ein Wert zwischen -2 und +2 für die aktuelle Lage und für die vom Team erwartete Entwicklung gegeben. Die Grafik unten zeigt die Ergebnisse unseres Rankingsystems für ausgewählte Schwellenländer in unterschiedlichen Regionen.

Im nächsten Abschnitt stellen wir neben den Bewertungen vier Fallstudien vor, die einige Aspekte der von unserer Gruppe vorgenommenen Analysen zu einzelnen Ländern näher erläutern. Dafür haben wir Mexiko, Brasilien, Indonesien und Malaysia ausgewählt.

LMRI

Zusammenfassung unseres LMRI-Ratings für Mexiko

mex

Mexiko ist ein Musterbeispiel für ein Land, das die Lektionen früherer Krisen beherzigt und nicht nur Maßnahmen gegen makroökonomische Anfälligkeiten ergriffen, sondern auch weit reichende Strukturreformen auf den Weg gebracht hat. In unserem LMRI erzielt Mexiko die höchsten Bewertungen für „Gelernte Lektionen“ – das Land hat den Wechselkurs flexibilisiert, Devisenreserven aufgebaut und die kurzfristigen Schulden verringert – und für Strukturreformen, sowohl aktuell als auch in Bezug auf die Zukunft. Insgesamt stechen die Bemühungen Mexikos unter den Schwellenländern heraus. Der Policy-Mix wird immer besser – die zurückhaltende Fiskalpolitik hat die Abhängigkeit von Öleinnahmen verringert, und die Geldpolitik ist proaktiv. Die externe Anfälligkeit ist begrenzt, denn der Anteil von Öl an den Gesamtexporten ist zugunsten von Industrieerzeugnissen stetig gesunken. Auch die Inlandsnachfrage ist dank des robusten Wachstums der Reallöhne und der niedrigen Arbeitslosigkeit sehr stark, auch wenn wir aufgrund der anhaltenden Haushaltskonsolidierung eine gewisse Abschwächung erwarten. Insgesamt liegt die Bewertung Mexikos in unserem LMRI sowohl aktuell als auch für die Zukunft nahe am Maximum.

Zusammenfassung unseres LMRI-Ratings für Brasilien

bras

Brasilien sticht heraus als anfälliger Markt, dem allerdings unserer Einschätzung nach eine bedeutende Erholung bevorsteht. In unserem LMRI erhält das Land eine vorzeigbare Bewertung für gelernte Lektionen: Es hat einen flexiblen Wechselkurs eingeführt und zeichnet sich durch hohe Devisenreserven sowie begrenzte kurzfristige Schulden aus. Dies zeigt sich auch in der moderaten und besser werdenden Bewertung der Anfälligkeit gegenüber externen Schocks, bei der die Abhängigkeit von Rohstoffen die Achillesferse darstellt. Die aktuellen Bewertungen für den Policy-Mix, die Strukturreformen und die Inlandsnachfrage befinden sich auf dem niedrigsten Niveau, was auf die Kombination von tiefer Rezession und politischen Turbulenzen zurückzuführen ist. Jedoch prognostizieren wir eine Stabilisierung der Inlandsnachfrage, eine deutliche Verbesserung des Politik-Mix (die in manchen Bereichen bereits eingesetzt hat) durch die neue Regierung und eine gewisse Verbesserung bei Strukturreformen.

Zusammenfassung unseres LMRI-Ratings für Indonesien

indo

Indonesien zeigt bei den meisten unserer Schlüsselfaktoren eine konsistent gute Leistung. Bei der von der positiven demografischen Entwicklung gestützten Inlandsnachfrage geben wir dem Land die Höchstbewertung, sowohl aktuell als auch zukunftsgerichtet. Die Bewertung für den aktuellen und zukünftigen Policy-Mix ist ebenfalls gut, begründet durch eine vernünftige Fiskalpolitik und die jüngsten Reformen bei Subventionen. Die externe Anfälligkeit bewerten wir angesichts des gesunden Niveaus der Devisenreserven als moderat und stabil. Die Bewertung für Strukturreformen liegt im mittleren Bereich, wobei wir für die Zukunft eine leichte Verbesserung erwarten – Indonesien benötigt mehr Investitionen in Infrastrukturen. Bei den gelernten Lektionen vergeben wir aktuell wie für die Zukunft den hohen Wert +1; das Land hat die Lehren der asiatischen Finanzkrise beherzigt, indem es einen flexiblen Wechselkurs eingeführt hat und ein gesundes Maß an Devisenreserven vorhält.

Zusammenfassung unseres LMRI-Ratings für Malaysia

malay

Malaysia zeigt nach unseren Kennzahlen sehr gute Leistungen. In unserem LMRI überzeugt das Land mit der sehr starken Inlandsnachfrage, für die wir allerdings eine leichte Abschwächung prognostizieren. Die Höchstbewertung erhält es wegen der Einführung eines flexiblen Wechselkurses und vernünftiger Makropolitik für die gelernten Lektionen, aktuell wie zukunftsgerichtet. Die Bewertung bei Strukturreformen ist dank starker Institutionen und Transparenz gut, wobei wir Probleme bei der Umsetzung weiterer Reformen erwarten. Den Policy-Mix bewerten wir aktuell wie zukunftsgerichtet positiv (+1), begründet durch die anhaltende Haushaltskonsolidierung und die vernünftige Geldpolitik. Die externe Anfälligkeit ist dank starker Exportdiversifikation begrenzt, und wir erwarten hier weitere Verbesserungen.

Globales Umfeld

USA

Der Aufschwung in den USA verläuft weiter stetig. Das zerstreut die Sorge des Marktes, der zu Beginn des Jahres noch eine Rezession befürchtete. Im ersten Quartal 2016 stand das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) mit 0,8%1 zwar noch auf recht schwachen Füßen – was jedoch hauptsächlich auf die bekannten saisonalen Faktoren zurückzuführen war.[2] Kürzlich wies der Präsident der San Francisco Federal Reserve (Fed), John Williams, auf eine Analyse seiner Mitarbeiter hin, der zufolge das reale BIP-Wachstum nach einer saisonalen Bereinigung der Daten für das erste Quartal mehr als 2% beträgt.[3] Zudem fielen die Konjunkturindikatoren in den vergangenen Monaten durchgängig stark aus: das Verbrauchervertrauen steht nahe am Rekordniveau, die Einzelhandelsumsätze steigen, und der Häusermarkt ist nach wie vor robust.

Auch hat sich der Arbeitsmarkt weiter gefestigt. Nach wie vor werden schneller neue Stellen geschaffen, als die Zahl der Arbeitnehmer steigt. Gleichzeitig ist die Arbeitslosenquote auf 4,7% gefallen und die Erwerbsquote etwas gestiegen. Von der positiven Entwicklung ausgenommen war allein die Zahl der neuen Stellen im Mai, die unerwartet niedrig ausfiel. Zwar ist es nicht ungewöhnlich, dass das Tempo der Stellenschaffung im Zuge der Annäherung an Vollbeschäftigung abnimmt. Dennoch scheint die Mai-Zahl von nur 38.000 neuen Arbeitsplätzen außerhalb der Landwirtschaft (NFP) ein Ausreißer gewesen zu sein, der nicht zu den nach wie vor starken übrigen Arbeitsmarktzahlen passt. Seit kurzem schlagen sich die strafferen Bedingungen am Arbeitsmarkt auch in einem höheren Lohndruck nieder. So stieg der zusammengesetzte Lohnindex der Atlanta Fed im April gegenüber dem Vorjahr um 3,4% und damit so stark wie zuletzt Anfang 2009.[4]

Wie wir in der letzten Ausgabe von Global Macro Shifts (GMS 4)[5] prognostiziert hatten, steigt nun die Gesamtinflation allmählich. Die Kerninflation verharrt hingegen stabil bei rund 2%, was darauf hindeutet, dass der vorherige Rückgang der Gesamtinflation auf die sinkenden Energiepreise zurückzuführen war und nicht auf eine schwächere Konjunktur oder eine allgemeine disinflationäre Entwicklung. Seit Anfang des Jahres haben sich die Ölpreise zunächst stabilisiert und sich dann etwas stärker erholt als erwartet. In der letzten Ausgabe von GMS 4 haben wir ein Modell zur Inflationsprognose entwickelt. Wie wir erklärten, wäre der dämpfende Basiseffekt auf die Gesamtinflation wahrscheinlich auch dann bis Januar 2017 geschwunden, wenn die Ölpreise auf dem Niveau von 30 US-Dollar pro Barrel verharrt hätten. Schon dies hätte das Feld für eine sprunghafte Erholung der Verbraucherpreise bereitet. [6] Statt bei 30 US-Dollar zu verharren, sind die Ölpreise seitdem jedoch auf rund 50 US-Dollar pro Barrel gestiegen. Dies spricht dafür, dass sich die Erholung der Gesamtinflation in den kommenden Monaten sogar noch schneller fortsetzen dürfte.

Mit anderen Worten: Die jüngsten Daten zu Wirtschaftsleistung, Löhnen und Inflation rechtfertigen die vom Konsens abweichende Meinung, die wir in unserem GMS zu Beginn des Jahres erläutert hatten, nämlich dass ein Anstieg der Inflation bevorsteht, wobei die Risiken auf der Aufwärtsseite liegen.

Die Konjunktur- und Inflationsentwicklung spiegelte sich in gewissem Maße durch restriktivere Äußerungen der Fed-Vertreter im April und Mai wider, die mehrfach verlautbaren ließen, dass bereits bei der Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) im Juni eine zweite Zinserhöhung möglich wäre. Das bestätigten dann auch die Protokolle der FOMC-Sitzung von April. Dies wiederum zwang die Finanzmärkte, die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Juni oder Juli deutlich nach oben zu korrigieren, die zuvor nicht mehr in den Kursen berücksichtigt gewesen war. Die NFP-Daten von Mai jedoch drängten die Fed zurück zu einer vorsichtigeren Haltung: Bei der Sitzung im Juni beließ die Notenbank ihre Zinsen unverändert, und die Prognosepunkte wurden nach unten verschoben. Dies bedeutet, dass die FOMC-Mitglieder jetzt im Durchschnitt für dieses Jahr einen wenigen aggressiven Zinserhöhungszyklus erwarten. Auch diese veränderte Haltung der Fed wurde am Markt rasch eingepreist.

Die häufigen Veränderungen in der Rhetorik der US-Notenbank haben deren Glaubwürdigkeit beschädigt, insbesondere vor dem Hintergrund der allgemein robusten Wirtschaftsentwicklung. Nach der Zinserhöhung im Dezember 2015 hatte die Fed angedeutet, dass sie für 2016 wahrscheinlich vier weitere Zinsschritte für angemessen hielte. Nach einer weiteren Runde mit fallenden Ölpreisen und Aktienkursen äußerte sich die Fed zurückhaltender. Sie betonte die Abwärtsrisiken für das globale Wachstum und sorgte dafür, dass der Markt kaum oder gar keine Zinsveränderungen in diesem Jahr mehr erwartete. Als ihr Ton im April und Mai wieder strenger wurde, lagen die Erwartungen der Märkte unter den Prognosepunkten der Fed. Dies zeigt die Annahme, dass die Fed ihre Haltung ein weiteres Mal ändern könnte – was im Juni dann tatsächlich geschah.

Wir sind nach wie vor der Meinung, dass die Wachstums- und Inflationsentwicklung in den USA eine weitere deutliche Straffung der Geldpolitik erfordern wird. Tatsächlich bestätigen die jüngsten Trends in unseren Augen das zunehmende Risiko, dass die Fed mit ihrer geldpolitischen Reaktion der Entwicklung hinterherläuft. Wenn dem so ist, könnte sie im Verlauf von 2017 gezwungen sein, die Zinsen schneller zu erhöhen als derzeit geplant – und auch deutlich schneller, als es die Märkte aktuell erwarten.

Japan

Die Bank of Japan (BoJ) folgte indes dem Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB), der schwedischen Reichsbank und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und führte Negativzinsen ein. Die BoJ senkte ihren Leitzins im Januar um 10 auf -10 Basispunkte (Bp), um den deflationären Effekten durch sinkende Energiepreise entgegenzuwirken. Deren Bemühungen wurden allerdings dadurch konterkariert, dass die Fed gleichzeitig wieder ihre Rhetorik änderte. Bei ihrer Dezembersitzung hatte die Fed den Märkten noch den Eindruck vermittelt, sie werde 2016 vier Zinsanhebungen vornehmen. Bis März waren daraus nur noch zwei Zinserhöhungen geworden. Dementsprechend wurde am Markt im Februar statt einer Erhöhung um 90 Bp zeitweise nur noch eine Erhöhung um 20 Bp erwartet, was einer vorweggenommenen Lockerung um 70 Bp gegenüber Dezember entspricht.[7] Mit anderen Worten: Die veränderte Rhetorik der Fed überwog die Auswirkungen der Zinserhöhung im Dezember, sodass de facto eine Lockerung stattfand, die einen stärkeren Effekt hatte als die Zinsentscheidung der BoJ. Dies führte, wenig überraschend, zu einer deutlichen Aufwertung des japanischen Yen gegenüber dem US-Dollar; selbst nach den zuletzt wieder strengeren Aussagen der Fed stand der Yen bei Veröffentlichung unserer Analyse Mitte Juni rund 13% über seinem Niveau zu Beginn des Jahres. Seit Januar hat die BoJ ihre Zinsen nicht verändert. Unserer Meinung nach ist sie zu dem Schluss gekommen, dass eine weitere geldpolitische Lockerung von ihrer Seite wirkungslos wäre, bis die Fed ihren Zinserhöhungszyklus fortsetzt. Mit Blick auf die Zukunft erwarten wir, dass die Wachstums- und Inflationsaussichten die japanische Notenbank weiter zu einer geldpolitischen Lockerung tendieren lassen werden. Wenn die Fed ihre Geldpolitik letztlich weiter strafft, dürfte daher der Yen abermals deutlich abwerten.

Eurozone

Auch die EZB ist den Weg zu negativen Zinsen gegangen, um auf diese Weise Inflation und Inflationserwartungen wieder näher an ihr Ziel zu bringen. Das Wachstum in der Eurozone war zuletzt relativ solide, was einen zyklischen Aufschwung erkennen lässt, der vom schwächeren Euro und der expansiven Geldpolitik unterstützt wird. Angehäufte Überkapazitäten in der Wirtschaft bedeuten jedoch einen anhaltend gedämpften Preisdruck. Wir rechnen damit, dass die Geldpolitik der EZB noch eine Weile locker bleiben und somit später als die der Fed gestrafft werden wird.

China

Unsere Einschätzung für China hat sich nicht verändert. Die Politik ist mit einer Ausweitung des Kreditvolumens und etwas höheren Infrastruktur-Investitionen aktiv geworden, um eine weitere Abnahme des BIP-Wachstums zu verhindern. Die jüngsten Wirtschaftsdaten sprechen dafür, dass diese Maßnahmen allgemein Erfolg hatten. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass China im Jahr 2017 eine sanfte Landung schaffen wird und dass es dem Land gelingen dürfte, das schwierige Gleichgewicht zwischen Wachstumsunterstützung und der Aufrechterhaltung einer ausreichenden Reformdynamik zu finden. Die Aussichten für China sind weiterhin vom klassischen „Trilemma“ der Politik geprägt – also der Unmöglichkeit, gleichzeitig einen flexiblen Wechselkurs sicherzustellen, die Kapitalströme zu liberalisieren und eine unabhängige Geldpolitik zu betreiben. Zu Beginn des Jahres hatten die Finanzmärkte Sorge, das Land könne mit einer massiven Abwertung seiner Währung zur Wachstumsstärkung die Quadratur dieses Kreises versuchen. Wir waren der Auffassung, dass China stattdessen den Prozess der Kapitalbilanzliberalisierung verlangsamen und in manchen Fällen umkehren könnte. Kapitalverkehrskontrollen könnten genutzt werden, um den Verlust an Devisenreserven zu stoppen, den unmittelbaren Druck vom Wechselkurs zu nehmen und gleichzeitig eine schrittweise Abwertung zu erlauben. Tatsächlich ist die chinesische Regierung in diese Richtung gegangen, und wir rechnen damit, dass sie diese Strategie fortsetzen wird.

 

Lesen Sie für eine detailliertere Analyse „Schwellenländer: Wo wir Chancen sehen“, ein forschungsbasiertes Briefing über die globalen Volkswirtschaften mit Analysen und Einschätzungen von Dr. Michael Hasenstab und leitenden Mitgliedern von Templeton Global Macro. Dr. Hasenstab verwaltet mit seinem Team die globalen Anleihestrategien von Templeton (z. B. uneingeschränkte festverzinsliche Anlagen, Währungen und Global Macro). Das an führenden Universitäten weltweit ausgebildete Team von Wirtschaftsexperten integriert globale makroökonomische Analysen in eingehende Länderforschung, um langfristige Ungleichgewichte zu identifizieren, die Anlagechancen eröffnen.

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[1] Quelle: JP Morgan.

[2] Quelle: Bureau of Economic Analysis. Saisonbereinigte Jahresrate im Quartalsvergleich.

[3] Quelle: Federal Reserve Bank of San Francisco.

[4] Der Lohnindex der Atlanta Fed misst die durchschnittlichen Lohnsteigerungen bei einer repräsentativen Arbeitnehmergruppe, die für einen Zeitraum von zwölf Monaten durchgängig am selben Arbeitsplatz beschäftigt waren, um Kompositionseffekte zu verhindern.

[5] Inflation: Tot oder nur vergessen? (GMS 4) Templeton Global Macro, Franklin Templeton Investments, Februar 2016.

[6] In der GMS-Ausgabe Nr. 4 haben wir sieben verschiedene alternative Definitionen einer Phillips-Kurven-Beziehung getestet. Wir wählen das beste Prognosemodell, indem wir die mittlere quadratische Abweichung der Prognosen im Vergleich zu den tatsächlichen Inflationswerten minimieren. Unter Verwendung der von uns favorisierten Definition zur Vorhersage der Inflationsrate für die kommenden vier Quartale kommen wir zu dem Schluss, dass die Gesamtinflation basierend auf den aktuellen Fundamentaldaten bis Ende 2016 über 2% liegen dürfte. Anschließend nahmen wir in die Modellberechnung die Effekte aus dem Rückgang der Ölpreise im Jahresverlauf 2015 mit auf und berechneten, wie sich die Inflation entwickelt, wenn der Ölpreis auf einem Niveau von 30 US-Dollar pro Barrel verharrt.

[7] Quelle: Berechnungen von Templeton Global Macro, basierend auf Daten von Bloomberg. Die Berechnung der Zinssatzerwartungen basiert auf den Terminkursen für ein Jahr gegenüber dem Dreimonats-Libor, der als Referenzzinssatz dient.