Beyond Bulls & Bears

Wo bleibt der Schuldenabbau?

Dieses Posting steht Ihnen in den folgenden Sprachen zur Verfügung: Englisch Vereinfachtes Chinesisch Französisch Italienisch Spanisch Polnisch

In einem zurückliegenden Beitrag  befasste sich Matthias Hoppe, Senior Vice President und Portfolio Manager bei Franklin Templeton Solutions, mit der ausufernden Verschuldung in den USA. Nun untersucht er den seiner Ansicht nach unzureichenden Fortschritt beim Schuldenabbau in der restlichen Welt seit der globalen Finanzkrise.

Matthias Hoppe
Matthias Hoppe

Matthias Hoppe
Senior Vice President, Portfolio Manager
Franklin Templeton Solutions

Wir hören ständig, dass die Länder ihre Verschuldung reduzieren wollen. Aber wo werden die Schulden tatsächlich abgebaut? Wir könnten wohl argumentieren, dass Irland seine Schulden reduziert hat und vermutlich Griechenland ebenfalls. Dennoch scheint die Mehrheit der Länder ihren Schuldenberg seit der globalen Finanzkrise 2008–2009 nicht wirklich verringert zu haben – ganz im Gegenteil hat die Schuldenlast bei vielen sogar zugenommen. Ich habe dies bereits vor einigen Monaten im Zusammenhang mit dem Schuldenüberhang der USA erwähnt, jedoch lohnt es sich meiner Meinung nach, einen Blick auf den weltweiten Stand der Dinge zu werfen.

Bei der Betrachtung der globalen nichtfinanziellen Verschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) sehen wir, dass diese 2008 bei knapp über 200% lag und bis heute auf ungefähr 230% angestiegen ist. Aus globaler Sicht hat es also überhaupt keinen Schuldenabbau gegeben. Ganz im Gegenteil hat die Schuldenlast in den meisten Ländern zugenommen.

 Debt to GDP-de-DE

Natürlich hat es einige Schuldenschnitte gegeben, und das absolute Schuldenwachstum ist verringert worden. Allerdings dürfen wir nicht vergessen, dass dabei von der Schulden-Einkommensquote die Rede ist. Bei der Berechnung ist also nicht nur die ausstehende Schuldenlast, sondern auch das im Nenner stehende globale Einkommen von Bedeutung. Aufgrund der Tatsache, dass sich das globale Wachstum (d. h. das globale BIP-Wachstum) wesentlich verlangsamt, steigt die Schulden/BIP-Quote weiter an. Es sollte klargestellt werden, dass diese Zunahme zu einem großen Teil auf die Regierungen und deren Lockerungsmaßnahmen infolge der globalen Finanzkrise 2008–2009 zurückzuführen ist. Dahingegen sind die Schulden/BIP-Quoten des Privatsektors in der Regel unverändert geblieben.

Während die Privathaushalte ihre Schulden im Allgemeinen abgebaut haben, verharrt die Gesamtverschuldung hartnäckig auf hohem Niveau, was meiner Meinung nach eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung erheblich erschwert. Glücklicherweise sind zur selben Zeit die Schuldendienstkosten auf historisch tiefen Niveaus geblieben (was den Notenbankern dieser Welt zu verdanken ist). Doch dies kann nicht ewig so weitergeführt werden.

Ein weiterer wichtiger Teil dieser Diskussion über die globale Verschuldung ist natürlich China. Es könnte argumentiert werden, dass China und sein massives Konjunkturförderungsprogramm – abgesehen, von den TARPs und den QE-Programmen[1] – eine wichtige Rolle dabei spielten, dass sich die Welt durch die schwere Krise nach 2008 durchwursteln konnte. Von 2008 bis 2014 ist die Schulden/BIP-Quote in China um fast 90% gestiegen.

Heute liegt Chinas Schulden/BIP-Quote im Grunde auf dem Niveau, wo sich Griechenland vor drei Jahren befand. Ungefähr 80% der Schulden stammen aus dem Unternehmenssektor; allerdings sind viele chinesische Unternehmen staatlich finanziert, sodass ein beträchtlicher Teil dieser Verschuldung auch als Staatsschulden betrachtet werden können.

China debt-de-DE

Was bedeutet das für China? Der hohe Verschuldungsgrad ist unter anderem die Folge einer hohen Sparquote in Kombination mit der finanziellen Intermediation durch die chinesischen Banken. Die chinesischen Haushalte sind grundsätzlich Nettosparer; tatsächlich ist die Haushaltsverschuldung in China tiefer als in den meisten anderen asiatischen Ländern. Thailand zum Beispiel hat etwa einen doppelt so hohen Verschuldungsgrad (gemessen am BIP) wie China.[2]

Auf der anderen Seite ist der chinesische Unternehmenssektor ein Nettoschuldner. Die Ersparnisse der chinesischen Haushalte werden also in Form von Krediten an die Unternehmen weitergegeben. Dies sollte zunächst etwas Positives sein, da die Ersparnisse einer Person die Schulden einer anderen Person darstellen. Es wird davon ausgegangen, dass dieser Vorgang zu einer Beschleunigung der Wirtschaft führt, da die Ressourcen in die profitabelsten Geschäfte geleitet werden. Leider ist in China ein Punkt erreicht worden, wo sich eine höhere Verschuldung nicht mehr im gleichen Ausmaß in den Wachstumsraten niederschlägt wie in der Vergangenheit. Von 2004–2007 führte jede zusätzliche Verschuldung zu einer BIP-Zunahme in gleicher Höhe.[3] Heute wird eine zusätzliche Verschuldung von ungefähr drei Renminbi benötigt, um ein BIP-Wachstum von einem Renminbi zu erzeugen.[4] Meiner Meinung nach scheint hier das wirkliche Problem zu liegen.

 

Die in diesem Dokument zum Ausdruck gebrachten Kommentare, Meinungen und Analysen sind die persönlichen Ansichten des Anlageverwalters und dienen ausschließlich Informationszwecken und der Informierung der Allgemeinheit. Sie sind weder als Anlageberatung oder Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers oder zur Übernahme einer Anlagestrategie zu verstehen. Sie stellen auch keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die vorstehenden Informationen entsprechen dem Datum der Veröffentlichung und können sich ohne Vorankündigung ändern. Sie sind nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt oder eine Anlage gedacht.

In diesem Dokument möglicherweise verwendete externe Daten wurden von Franklin Templeton Investments („FTI“) nicht unabhängig verifiziert, bewertet oder überprüft. FTI haftet auf keinen Fall für Verluste, die durch die Nutzung dieser Informationen entstehen. Das Vertrauen auf die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Material liegt ausschließlich im alleinigen Ermessen des Nutzers. Manche Produkte, Dienstleistungen und Informationen sind möglicherweise nicht in jedem Land verfügbar und werden außerhalb der USA von anderen mit FTI verbundenen Unternehmen und/oder ihren Vertriebsstellen, wie nach lokalem Recht und lokalen Vorschriften zulässig, angeboten. Bitte wenden Sie sich für weitere Informationen über die Verfügbarkeit von Produkten und Dienstleistungen in Ihrem Land an Ihren eigenen professionellen Berater.

Sie wollen weitere Einschätzungen von Franklin Templeton Investments per E-Mail erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Blog Beyond Bulls & Bears. Die neuesten Tipps und Infos für Anleger finden Sie auf Twitter @FTI_Germany.

Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, inklusive des möglichen Verlusts der Anlagesumme. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe auch die Grenzmärkte gehören, sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und die nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren.

[1] TARP bezieht sich auf das sog. „Troubled Asset Relief Program“, das 2008 durch Präsident George Bush verabschiedet wurde und das auf die Stabilisierung des US-Finanzsystems, eine konjunkturelle Belebung sowie die Verhinderung von vermeidbaren Zwangsvollstreckungen abzielte. QE steht für „Quantitative Easing“ (quantitative Lockerung) und bezieht sich auf eine Geldpolitik, bei der die Zinsen gesenkt werden und das Geldangebot durch den Ankauf von Staatsanleihen oder anderen Wertpapieren am Sekundärmarkt erhöht wird.

[2] Quelle: Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Datenzugriff via Thomson Reuters Datastream. Stand: 31. Dezember 2015

[3] Quelle: HSBC, aus einem Bericht vom 21. April 2016.

[4] Ebd.