Beyond Bulls & Bears

Globale Märkte im Fokus: August 2016

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EINSCHÄTZUNGEN DER FRANKLIN TEMPLETON FIXED INCOME GROUP®

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Anleger reagieren gelassen auf enttäuschendes Gesamtwachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in USA

Die vorläufigen Werte für das Wirtschaftswachstum in den USA für das zweite Quartal 2016 blieben hinter den breit gefassten Erwartungen des Marktes zurück. Der Großteil des Problems wurde jedoch durch eine Verlagerung innerhalb der volatilen Lagerbestands-Komponente verursacht. Da Lagerbestände von Berichtszeitraum zu Berichtszeitraum signifikant schwanken können, ohne dass das Nettoergebnis langfristig beeinflusst würde, neigen wir nicht dazu, weitläufige Schlussfolgerungen bezüglich der Wachstumsaussichten für die USA zu ziehen, insbesondere, da die annualisierte Wachstumsrate von 1,2% von soliden Konsumwerten begleitet wurde.

Einzelhandelsumsätze in den USA sind im Juni im Vergleich zum Vormonat um robuste 0,6% gestiegen. Zudem gab es eine kräftige Erholung in den Beschäftigtenzahlen (ohne Landwirtschaft) nach schwachen Werten im Mai. Darüber hinaus wurden die Werte für das Stellenwachstum im Mai und Juni nach oben korrigiert und die Gehälter stabilisieren sich weiterhin.

Auch wenn die Gesamtarbeitslosenrate im Juni tatsächlich ein wenig auf 4,9% angestiegen ist und im Juli auf diesem Stand geblieben ist, war der Anstieg doch primär einem Anstieg der Beschäftigungsquote zuzuschreiben. Die allgemeine Tendenz der in kurzen Abständen veröffentlichten Daten, wie zum Beispiel anfängliche und fortgesetzte Arbeitslosenunterstützung, haben das Bild eines Marktes gezeichnet, der sich einer Vollbeschäftigung annähert. Die Unterstützungsleistungen folgen weiterhin einem Abwärtstrend, während die Gesamtzahl der offenen Stellen wuchs.
Darüber hinaus zeigten die im Juli für die 12-Monats-Periode bis Ende Juni 2016 veröffentlichten Zahlen für den Beschäftigungskosten-Index insgesamt eine Zunahme von 2,3%. Der Anteil des Indexes „Gehälter und Löhne“ hat in der 12-monatigen Periode, die zum Juni 2016 endete, um 2,5% zugenommen, während der Anteil „Zusatzleistungen“ im gleichen Zeitraum um 2,0% stieg. Auch wenn sie ein wenig langsamer wachsen, sind diese Zahlen doch ein zusätzlicher Beleg dafür, dass die Arbeitsbedingungen zukünftige Zunahmen in den Konsumausgaben stützen sollten.
Die Indizes für Aktivitäten im verarbeitenden Gewerbe haben sich im Juli konsolidiert und belegen damit eine weitere Stabilisierung im verarbeitenden Gewerbe, während die Auswirkungen des starken Anstiegs des US-Dollars früher im Jahr langsam nachlassen. Eine der weiteren positiven Entwicklungen waren Zunahmen in der Produktion, während neue Auftragseingänge und neue Exportaufträge weiterhin solide zunehmen. Zugewinne im Dienstleistungssektor haben im Vergleich zum Vormonatsniveau ein wenig nachgelassen. In den Details des Berichtes fanden sich Zunahmen in Auftragseingängen, neuen Exportaufträgen und Auftragsrückständen als Belege eines fortgesetzten Wachstums. Die Gesamtinflationszahlen blieben im Juni gedämpft, da Zunahmen bei Energie und anderen Posten einen auffälligen Rückgang in Lebensmittelkosten ausgeglichen haben. Im Vergleich zu den Zahlen von vor zwei Jahren haben die Kosten für Dienstleistungen in beschleunigtem Maße zugenommen, währen die Kosten für Güter gesunken sind.

Die oben erwähnten Referenzen bezüglich verbesserter wirtschaftlicher Aktivität finden sich auch sowohl in den Aufzeichnungen der Junisitzung der US-Notenbank, als auch in einem Statement, das gegen Ende Juli veröffentlicht wurde. Trotz des ein wenig aggressiven Tons dieser Bekanntmachungen hat der Ausschuss sich erneut vorerst dagegen entschieden, die Zinsen anzuheben. Die meisten Indikatoren für den Zustand des amerikanischen Arbeitsmarktes seit dem Arbeitsmarktbericht im Mai deuten darauf hin, dass die schwachen Werte in jenem Monat eher eine Anomalie als den Beginn eines Negativtrends dargestellt haben. Die Aufzeichnungen der Junisitzung deuten zudem auf Bedenken bezüglich der Auswirkungen des (zum Zeitpunkt der Sitzung) anstehenden Brexit-Votums auf die Finanzmärkte hin. Das Ergebnis des Votums scheint jedoch mittlerweile auf den globalen Märkten nach einem kurzen anfänglichen Volatilitätsausbruch eingepreist worden zu sein.

In der Tat scheint es, als würden Anleger von festverzinslichen Anlagen gelassen auf die enttäuschenden BIP-Werte im zweiten Quartal reagieren, wie man an einer Verengung der Spreads so-wohl im Investment-Grade- als auch im High-Yield-Markt erkennen kann. Wir sind der Meinung, dass eine akzeptable Performance im Konsumsektor, auch wenn sie ein wenig durch Unternehmensinvestitionen und Regierungsausgaben eingeschränkt worden ist, in der Lage zu sein scheint, in der zweiten Jahres-halfte ein dem Trend entsprechendes Wachstum vorzuweisen (außer im Falle von unerwarteten Schocks). Dennoch glauben wir, dass ein koordiniertes Vorgehen inklusive zusätzlicher haushaltspolitischer Maßnahmen eine willkommene Unterstützung für das Wirtschaftswachstum bieten könnten. Auch wenn dieser Ansatz von der US-Notenbankchefin Janet Yellen verfochten wurde, könnte es von einer Verbesserung im politischen Klima abhängen, ob eine Umsetzung auch stattfinden wird.

Gegenseitige Unterstützung unter Industrieländern für koordinierte Herangehensweise bei Wirtschaftspolitik nimmt vermutlich zu

Die Finanzautoritäten der USA denken nicht als einzige über Alternativen zur Geldpolitik nach. Sowohl Japan als auch die Eurozone scheinen einen Punkt erreicht zu haben, an dem quantitative Lockerung (QE) mehr Schaden als Gutes verursachen könnte. In beiden Fällen haben Anleihekäufe durch die Zentralbanken zu flacheren Renditekurven geführt, da Anleger die Anleihekurse in die Höhe getrieben haben. Mit der Zeit hat dies zu negativen Zinsraten geführt, welche ihrerseits negative Auswirkungen auf die Möglichkeiten des Bankensektors, aus ihren Vermögenswerten Erträge zu generieren, gehabt haben. Aus dieser Perspektive heraus betrachtet wäre ein koordiniertes Vorgehen bei Wachstumsmaßnahmen hilfreich, um diese unbeabsichtigten Auswirkungen auf den Anleihenmarkt zu beheben.

Die Regierung des japanischen Premierministers Shinzo Abe hat möglicherweise diese Einschränkungen implizit anerkannt, als die Bank of Japan angekündigt hat, nur eine symbolische Erhöhung vorzunehmen und die QE-Maßnahmen aufgrund einer Schwäche des inländisches Aktienmarktes und einer fortgesetzten Aufwertung des japanischen Yen zu prüfen. Das Finanzministerium hat kurz danach ein neues Paket mit Finanzmaßnahmen angekündigt. Wir nehmen an, dass die japanische Regierung damit ihre Absichten anzeigt, ihre Vorgehensweise bezüglich haushalts- und finanzpolitischen Maßnahmen zu ändern, um das Problem des schwachen Wachstums anzugehen.
Der geldpolitische Ausschuss der Bank of England (BOE) senkt den Leitzins in Folge des Brexit-Referendums und kündigt zu-gleich ein weiteres Maßnahmenpaket an – inklusive des Erwerbs von Unternehmens- und Staatsanleihen, ebenso wie einem Darlehensprogramm für Banken. Trotz der Unsicherheiten rund um die Mechanismen und das Timing des tatsächlichen Brexit-Prozesses wird er letzten Endes vermutlich negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum Großbritanniens haben.

Aktuelle Indikatoren für Industrieaktivitäten zeigen bereits ein starkes Nachlassen der Aktivität auf. Die BOE hat öffentlich zum Ausdruck gebracht, dass es ihr widerstrebt, einen rein geldpolitischen Ansatz zu verfolgen, da sie Bedenken bezüglich der möglichen Auswirkungen niedriger Zinsen auf den Banken- und Baugewerbesektor hat. Doch Bedenken über das Ausmaß eines Rückgangs könnten als Anstoß für die zusätzlichen Maßnahmen gedient haben. Ohne die Einschränkungen für den Staatshaushalt, den die Mitgliedschaft in der Europäischen Union mit sich bringt und angesichts der Bedenken, die bezüglich weiterer Maßnahmen zur quantitativen Lockerung angeführt wurden, scheint es wahrscheinlich, dass Großbritannien früher oder später einen koordinierten Ansatz wählen und ein entsprechendes Paket mit haushaltspolitischen Maßnahmen später im Jahr ankündigen wird.

Die europäischen Wirtschaftsdaten, die unmittelbar nach dem Brexit-Referendum veröffentlicht wurden, waren insgesamt positiv. Bei positivem Wirtschaftswachstum hat die Arbeitslosenquote von 10,1% im Juni eine Stabilität der Arbeitsmarktbedingungen in der Eurozone angedeutet. Darüber hinaus ist die Inflation im Juli auf immer noch sehr niedrige 0,2% im Jahresvergleich gestiegen, auch wenn die Kerninflation bei 0,9% geblieben ist. Niedrigere Energiepreise aufgrund des globalen Überangebots an Rohöl haben die Inflation in den letzten Quartalen gedrückt. In der Folge wird die Gesamt-Jahresinflation vermutlich steigen, sobald diese Effekte nachlassen. Im zweiten Quartal hat die französische Wirtschaft stagniert. Dies ist hauptsächlich schwachen Ausgaben der Haushalte und geringeren Unternehmensinvestitionen zuzuschreiben. Die Wirtschaft Spaniens verzeichnet ein moderates Wachstum. Deutschlands vorläufige Einschätzung der Inflationsdaten deutet darauf hin, dass die Inflation der Verbraucherpreise im Juli gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein wenig gestiegen ist, während die Arbeitslosenquote gesunken ist. Die europäische Politik ist nach wie vor aufgrund einer Reihe von Faktoren mit einer durchwachsenen Wirtschaftslage konfrontiert. Diese Faktoren beinhalten den unerwarteten Zustrom an Flüchtlingen, ein hohes Maß an Privatverschuldung und eine wahrgenommene Schwäche des Finanzsektors, auch wenn dieser letzte Punkt in gewissem Maße durch die Ergebnisse der jüngsten Stresstests für europäische Banken gemildert wurde. Zugleich hat die politische Situation in Europa weiterhin das Potential, die einsetzende Erholung zu destabilisieren, betrachtet man die beispiellose populistische Protektionismusbewegung, die wenig Anzeichen zeigt, in der nächsten Zeit nachzulassen.

Nach der Ankündigung einer massiven Ausweitung ihres Kauf-programms früher im Jahr scheint die Europäische Zentralbank (EZB) nun nach dem Brexit-Referendum eine abwartende Haltung eingenommen zu haben. Berücksichtigt man die große Menge an Unsicherheiten rund um dieses Ereignis, war der Vor-stand der EZB vermutlich darauf bedacht, mehr Detailinformationen zu erhalten, bevor er sich übereilt auf ein Maßnahmenpaket festlegt. Vorstandsmitglied der EZB Benoît Coeuré hat angedeutet, dass es zusätzlichen Handlungsspielraum gibt, den Einlagenzinssatz zu senken, falls die Vorteile weiterhin die Nachteile überwiegen sollten. Auch wenn wenig über spezifische haushaltspolitische Maßnahmen gesprochen worden ist, haben die Entscheidungsträger in der EU doch unauffällig Spanien und Portugal erlaubt, die offiziellen Haushaltsbeschränkungen zu überschreiten. Dies könnte ein Signal für eine wachsende Bereitschaft sein, traditionelle Ansätze im Kampf gegen schwaches Wachstum hinter sich zu lassen. Auch wenn Geldpolitik weiterhin eine wichtige Rolle spielt, wie man sowohl am aktuellen Handeln der BOE als auch an einer Zinssenkung im August durch die australische Notenbank erkennen kann, hat der größte Teil der Fördermaßnahmen seit der weltweiten Finanzkrise 2008–2009 aus mehreren Gründen auf der geldpolitischen anstatt der haushaltspolitischen Ebene stattgefunden. In dem Maße, in dem die Politik mit den Grenzen des geldpolitischen Ansatzes konfrontiert wird, geht das Gespräch zunehmend über in eine Diskussion über potentielle Alternativen im Kampf gegen schwaches Wachstum. Mit Blick auf die Zukunft sind wir der Ansicht, dass der Dialog sich vermutlich ausweiten und in den kommenden Monaten weitere Länder mit einschließen wird.

Juli-Daten weisen weiterhin auf Stabilität in bedeutendsten Schwellenland-Wirtschaften hin

Das Wirtschaftswachstum in China verzeichnet im zweiten Quartal 2016 eine Zunahme um 6,7% und liegt damit beim gleichen Wert wie im vorherigen Quartal. Die Junidaten deuten weiterhin Fortschritte im Übergang zu einer konsumorientierten Wirtschaft an, da die Einzelhandelsumsätze zugelegt haben. Zugleich stützten Industrieproduktion und Anlageinvestitionen ebenfalls das Wachstumstempo. Auch Privatinvestitionen reflektieren diesen Übergang, da Investitionen in die Rohstoffindustrie hinter Zuwächsen in Dienstleistungssektoren wie Informationstechnologie oder Gesundheitswesen zurückblieben. Industrielle Gewinne waren ein weiterer Lichtblick, nachdem sie 2015 einen nachhaltigen Rückgang verzeichnet hatten. Chinas jährlicher Verbraucherpreisindex (VPI) hat im Juni im Jahresvergleich zugelegt, hauptsächlich aufgrund von Preiserhöhungen für Lebensmittel, Dienstleistungen, Konsumgüter und Non-Food-Artikel.

In Indien ist der VPI im Juni bei 5,8% geblieben, wobei Lebensmittel einen beträchtlichen Anteil an diesem Ergebnis geleistet haben. Die Aussichten für die Inflation in Indien haben in Form einer robusten Monsun-Saison eine günstige naturliche Entwicklung erfahren. Dies könnte dazu beitragen, die starke Erhöhung der Lebensmittelpreise zu mildern, die ein Hindernis für das Ziel der Reserve Bank of India war, die Inflation bis 2017 auf 5% zu deckeln. Indiens Produktionsgüter für den Export zeigten im Monatsverlauf eine weitere Stabilisierung bei einem monatlichen Handelsdefizit, das vor dem Hintergrund einer Zunahme der Exporte im Juni auf 8,1 Mrd. US-Dollar gestiegen ist.

In Lateinamerika hat Brasilien eine abwartende Haltung eingenommen, da der Nationalkongress erst kürzlich aus der Winter-pause zurückgekehrt ist. Brasiliens unmittelbare Zukunft hängt in weiten Teilen von den Maßnahmen der Gesetzgeber ab, wenn sie ihre Aktivitäten wieder aufgenommen haben. Eines der Themen, bei dem eine Entscheidung aussteht, ist eine potentielle Änderung eines Wiedereinbürgerungsgesetztes, das die Steuereinnahmen der Regierung erhöhen könnte. In der Zwischenzeit sind in den Aufzeichnungen der Gremiumssitzung der Zentralbank eine Mehrzahl von ausgewogenen Risiken für das Inflationsziel vermerkt. Die Politik zögert weiterhin, die Zinsen zu erhöhen, bis sich eine günstigere Kombination von wirtschaftlichen Faktoren aufzeigt, die ein nicht-inflationäres Wachstum fördern könnten.

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