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Snapshot View: Fed weiterhin im Wartemodus

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Die US-Notenbank (Federal Reserve, Fed) hat sich bei ihrer Septembersitzung gegen eine Zinserhöhung entschieden, auch wenn einige Marktbeobachter der Ansicht sind, dass zahlreiche gute Argumente für einen solchen Schritt vorliegen. Nachfolgend erläutert zunächst Michael Hasenstab, CIO von Templeton Global Macro, seine Sicht der Lage. Er ist der Ansicht, dass die Fed aufgrund ihrer Untätigkeit riskiert, den Entwicklungen hinterherzulaufen. Danach erklärt Mark Mobius, Executive Chairman der Templeton Emerging Markets Group, warum die Schwellenmärkte seiner Einschätzung nach die früher oder später zu erwartende Zinserhöhung durch die Fed gut überstehen dürften.

Michael Hasenstab
Michael Hasenstab

Michael Hasenstab, Ph.D.
Stellvertretender Vorsitzender

Chief Investment Officer
Templeton Global Macro

Je länger die US-Notenbank (Federal Reserve, Fed) zögert, ihre Zinsen zu erhöhen, desto mehr steigt unserer Einschätzung nach ihr Risiko, ins Hintertreffen zu geraten. In den USA herrscht derzeit nahezu Vollbeschäftigung – ein Umstand, der unserer Ansicht nach eine Normalisierung der Zinsen rechtfertigen würde. Dennoch ist die Fed bislang tatenlos geblieben. Einer Reihe von Beobachtern zufolge liefert das schleppende Wirtschaftswachstum in den USA (sowie weltweit) der Fed Grund genug, um die Zinsen unverändert zu belassen. Wir argumentieren hingegen, dass Geldpolitik alleine das Wachstum nicht ankurbeln kann und dass dies auch nicht die Aufgabe der Notenbank ist. Stattdessen sollte sich die Fed auf ihr duales Mandat einer Maximierung der Beschäftigungszahlen und eine Stabilisierung der Preise konzentrieren.

Wenn die USA tatsächlich eine „neue Normalität“ erreicht haben, in der das Wachstum dauerhaft niedriger ausfällt, geht die Fed mit ihrer laxen Geldpolitik das Risiko ein, eine Real- oder Vermögenspreisinflation anzuheizen. Bei jeder ihrer geldpolitischen Sitzungen hat die US-Notenbank Ausreden gefunden, um ihre Zinsen unverändert zu belassen. Immer wieder führt sie als Grund hierfür diverse wirtschaftliche Herausforderungen weltweit an. Zum Glück für die Fed profitiert sie derzeit von globaler Liquidität, die für Abwärtsdruck auf die Zinsen sorgt. So ist sie in der Lage, die nächste Zinserhöhung weiter hinauszuzögern. Finanzielle Repression veranlasst einige Anleger dazu, US-Schatzanleihen zu kaufen, was für eine künstliche Nachfrage sorgt. Wenn die Gesamtinflation jedoch auf 3 % ansteigt, während Vollbeschäftigung herrscht und die Wirtschaft ihr volles Wachstumspotenzial ausschöpft, werden viele Anleger unserer Ansicht nach hinterfragen, warum sie eine 10-jährige Anleihe kaufen, die mit 1,6 % bis 1,7 % eine negative Realrendite bietet.

Daher haben wir Zinsrisiken – insbesondere bei US-Schatzanleihen – weiterhin vermieden. Wir wollen nicht darauf wetten, dass ausländische Anleger weiterhin daran interessiert sein werden, Defizite der USA zu finanzieren. Wir sind davon überzeugt, dass wir in den USA im kommenden Jahr eine expansive Fiskalpolitik beobachten werden. In Kombination mit einer expansiven Geldpolitik könnte sich – sofern die Notenbank ihren Kurs nicht ändert – im Hinblick auf die Inflationsdynamik eine toxische Mischung ergeben. Unserer Einschätzung nach gehen Anleger ein erhebliches Risiko ein, wenn sie darauf setzen, dass sich diese Rally bei Schatzanleihen, die über mehrere Jahrzehnte hinweg angehalten hat, wiederholen kann.

Weitere Einzelheiten zu den Ansichten des Teams in Bezug auf Inflation finden Sie in Global Macro Shifts: “Inflation: Tot oder nur vergessen?

Mark Mobius
Mark Mobius

Mark Mobius
Executive Chairman
Templeton Emerging Markets Group

Das Vertrauen der Anleger in die Schwellenländer hat sich in den jüngsten Monaten verstärkt, obwohl zunehmend damit zu rechnen ist, dass die US-Notenbank (Federal Reserve, Fed) ihre Zinsen noch in diesem Jahr kurzfristig anheben wird. Während die Fed bei ihrer Septembersitzung von einer Zinserhöhung abgesehen hat, setzten andere Zentralbanken weltweit weiterhin auf Unterstützung und geldpolitische Lockerung.

Unserer Ansicht nach verheißt die gemäßigte Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, der Bank of Japan und weiterer Notenbanken für das Wachstum und die Vermögenswerte der Schwellenländer Gutes. Gleichzeitig ist die Fed mit ihrer Verknappung dieses Jahr bislang äußerst vorsichtig vorgegangen. Wir sind der Meinung, dass es den Schwellenmärkten gelingen wird, geringfügige und allmähliche Erhöhungen der US-Zinsen gut zu überstehen. Und genau das scheint der Pfad zu sein, den die Entscheidungsträger der Fed eingeschlagen haben. Eine schnellere und aggressivere Anhebung der Zinsen in den USA würde aller Wahrscheinlichkeit nach sehr viel höhere Wellen schlagen, die sich weltweit bemerkbar machen würden.

Es bleibt abzuwarten, ob die Zentralbanken anderer führender Märkte reagieren werden, wenn die Fed ihre Geldpolitik verschärft. Falls andere große Zentralbanken weltweit ihre lockere Geldpolitik jedoch beibehalten und diese möglicherweise sogar beschleunigen, ist es hinsichtlich der globalen konjunkturellen Auswirkungen durchaus möglich, dass die Wirkung einer künftigen Zinsstraffung durch die Fed verpufft. Darüber hinaus erzielen viele Schwellenländer bei ihren Strukturreformen zur Ankurbelung des Wachstums greifbare Fortschritte, was wiederum ihren jeweiligen Aktienmärkten Auftrieb verleiht. Unserer Einschätzung nach verheißt dies für ihre langfristigen Aussichten Gutes.

Es sollte unbedingt beachtet werden, dass höhere Zinsen nicht automatisch zu einem Verfall an den Aktienmärkten führen. In der Vergangenheit ist es immer wieder vorgekommen, dass Schwellenmarktaktien ihren Aufwärtstrend trotz steigender Zinsen fortgesetzt haben, wie die nachfolgende Grafik zeigt. Wir dürfen nicht vergessen, dass das Geschehen an den Märkten durch eine Vielzahl komplexer Faktoren bestimmt wird. Zinssätze stellen lediglich einen dieser Einflussfaktoren dar.

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Auch wenn die Schwellenmärkte nach wie vor sehr empfindlich auf die makroökonomischen Indikatoren und die globale Geldpolitik reagieren (was bedeutet, dass die Volatilität noch eine Weile anhalten dürfte), sehen wir Anzeichen dafür, dass die Anleger wieder Vertrauen in die Schwellenmärkte fassen. Dass sich dies ändert, ist unserer Einschätzung nach unwahrscheinlich. Wir beobachten, dass sich viele positive langfristige Trends an den Schwellenmärkten fortsetzen. Hierzu zählen eine günstige demografische Entwicklung sowie ein Anstieg der Kaufkraft und der Konsumausgaben in zahlreichen Schwellenländern. Und diese Entwicklung ist noch lange nicht zu Ende. Daher glauben wir, dass die langfristigen Argumente für Anlagen in den Schwellenländern weiterhin gut sind.

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