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Anleihen

Hasenstab: US-Wahlkampfgetöse und die Wirklichkeit

Dr. Michael Hasenstab, CIO von Templeton Global Macro, hat in einem Video aus den Handelsraum seines Teams am Mittwochmorgen die Marktreaktionen auf das Wahlergebnis in den USA kommentiert. Seine Äußerungen wurden in den Kommentar übernommen, in dem er besonders auf die möglichen Folgen für Freihandelsabkommen, die Bewertung des mexikanischen Pesos, einen wachsenden Inflationsdruck und steigende Renditen der US-Schatzanleihen eingeht.

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Als die Wahlergebnisse spät in der Dienstagnacht in den USA (um die Mittagszeit am Mittwoch in Asien) sich bestätigten, gab es eine recht heftige Reaktion in vielen Märkten, Anlageklassen und Regionen.  Als der Tag in Europa begann und anschließend mit der Aufnahme des regulären Handels in New York am Mittwochmorgen, beobachteten wir mit Spannung eine interessante Zweiteilung. Ein Großteil der anfänglichen Panik machte eine Kehrtwende und setzte teilweise Kurs auf die entgegengesetzte Richtung.

Zunächst erlebten US-Schatzanleihen eine reflexartige Reaktion auf den Sieg Donald Trumps; ihre Renditen fielen und die Bondpreise zogen an. Diese Gewinne wurden jedoch rasch wieder abgegeben und im weiteren Verlauf des Handels beobachteten wir, dass die Rendite der 10-Jahres-Treasurys auf über 2% anstieg, rund 20 Basispunkte höher als die Notierung vor nur wenigen Tagen.

Ich halte dies für wichtig, denn es lehrt uns zwei Dinge. Erstens: Wenn die Märkte erschüttert werden, sind die anfälligsten Anlagen diejenigen, um die sich eine Blase gebildet hat. Wir sprechen seit einiger Zeit davon, dass die US-Treasurys überbewertet erscheinen. Ich hätte nicht unbedingt vorausgesagt, dass die Wahl der Auslöser für eine Korrektur der Lage sein würde, aber wenn die Erschütterung eintritt, werden verzerrte Märkte am heftigsten reagieren. Meiner Meinung nach haben die US-Treasurys dies bewiesen.

Zweitens: Wenn wir in Gedanken die möglichen Folgen einiger von Trumps Ideen durchgehen, bei denen es um höhere Zölle geht, dann besteht die unmittelbare Folge in steigenden Preisen – also Inflation. So enthält die Reaktion bei den Schatzanleihen aus meiner Sicht heute zwei Aspekte: Der Blase bei US-Treasurys geht jedoch die Luft aus, und es bestehen einige Bedenken, dass das Ergebnis der US-Wahl den vorhandenen Inflationsdruck noch verstärken könnte.

Folgen für die globalen Märkte

Mit Blick auf die Folgen für die globalen Märkte beobachteten wir zunächst, dass der japanische Yen und der Euro nach Bekanntgabe der US-Wahlergebnisse erheblich aufwerteten, dann jedoch ihre Gewinne vollständig wieder abgaben. In den ersten Handelsstunden an der US-Ostküste wurden sie sogar im Minus gehandelt. Diese Märkte reagierten auf steigende Renditen der US-Treasurys, wie wir es von ihnen erwartet hätten.

In den Schwellenmärkten beobachteten wir einige unterschiedliche Entwicklungen im Nachgang zu den US-Wahlergebnissen. Zahlreiche Märkte in Asien, die zunächst nachgegeben hatten, erholten sich vollständig oder teilweise von diesen Verlusten. Der indische Markt schloss sogar stärker als bei Eröffnung an diesem Tag und Indonesien holte den Verlust wieder deutlich auf. Andererseits war Lateinamerika natürlich stärker betroffen, angesichts der Äußerungen Trumps im Wahlkampf.

Besonders Mexiko befand sich im Visier der Trump-Kampagne vor der Wahl. Viele Händler hatten vorausgesagt, dass bei einem Wahlsieg Trumps der Peso heftig reagieren würde, und sie hatten sich entsprechend positioniert. Trumps Wahlsieg kam für viele überraschend, aber nach meiner Meinung waren die Sorgen zu einem großen Teil bereits eingepreist und viele Marktakteure waren vor der Wahl short im Peso und hatten ihre Positionen auf eine Abwertung ausgerichtet. Anfangs war der Markt ausverkauft und einige reflexartige Verluste nach dem Wahlergebnis wurden wieder wettgemacht. Die Marktreaktion bestätigt ferner die Tatsache, dass es Kontrollen und Ausgleichsmöglichkeiten im System gibt. Häufig bestehen große Unterschiede zwischen dem, was in einem Wahlkampf gesagt wird und was dann umgesetzt werden kann. Schließlich hat der Kongress handfeste Interessen, den Handel mit Mexiko nicht zu unterbrechen. Viele Arbeitskräfte und Unternehmen in den USA hängen stark vom Handel ab. Die Struktur dieses Handels kann über eine längere Zeitspanne angepasst werden, aber der Handel wird nicht vollständig eingestellt werden. Nach meiner Meinung ist das Bewusstsein vorhanden, dass es einen Unterschied zwischen dem Wahlkampfgetöse und der Umsetzung der Politik in der Wirklichkeit gibt.

In den übrigen Ländern Lateinamerikas gab es einen reflexartigen Ausverkauf, der sich mittlerweile etwas zurückgebildet hat. Wir sind nach wie vor positiv gegenüber Südamerika eingestellt. Viele Länder auf dem Subkontinent haben jahrzehntelange Erfahrungen mit populistischer Politik, die unfassbar versagt hat. Es gab einige grundlegende Ansichten dieser populistischen Bewegung, darunter ungeschickte Eingriffe von staatlicher Seite, am Binnenmarkt ausgerichtete Handelspolitik sowie Protektionismus. Diese Einstellungen führten zu Inflation, Wachstumsmangel, hoher Arbeitslosigkeit und gesellschaftlicher Instabilität. Im vergangen Jahr haben Länder wie Argentinien und Brasilien diesen Populismus abgelehnt. Ein Populismus, der leider in den Vereinigten Staaten und in Europa wieder an Stärke gewinnt. Die meisten Länder Südamerikas sind einem anderen Kurs gefolgt. Sie sind marktfreundlicher und haben einen konservativen fiskalischen Ansatz, eine plausible Geldpolitik, ein vorausschauendes Geschäftsumfeld und ihr Handel am Ausland orientiert.

Der Anstieg des Protektionismus in den USA und Europa bereitet uns Sorgen, jedoch ermutigt uns die längerfristige Perspektive in Lateinamerika. Ich bin der Meinung, wir haben viel aus der Reaktion des Marktes nach der US-Wahl gelernt. Wir haben gesehen, welche Märkte anfällig, welche ausverkauft sind. Und wir haben insbesondere gesehen, dass einige dieser Marktverwerfungen längerfristig Anlagechancen bieten. Für die Zukunft rechnen wir nach wie vor mit steigender Inflation in den Vereinigten Staaten, steigenden Renditen der US-Schatzanleihen, mit einer Abwertung des japanischen Yen und des Euro sowie mit einigen Aufwertungen in bestimmten Schwellenländern.

View more views on the US election from our global investment teams at: „America Decides: What Election’16 Could Mean for Your Portfolio.“ 

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Eine detaillierte Analyse finden Sie in den Global Macro Shifts, einer researchbasierten Veröffentlichung über die globalen Volkswirtschaften mit den Analysen und Einschätzungen von Dr. Michael Hasenstab und leitenden Mitgliedern von Templeton Global Macro.

Dr. Hasenstab verwaltet mit seinem Team die globalen Anleihestrategien von Templeton (z. B. uneingeschränkte festverzinsliche Anlagen, Währungen und Global Macro). Das an führenden Universitäten weltweit ausgebildete Team von Wirtschaftsexperten integriert globale makroökonomische Analysen in eingehendes landesspezifische Forschung, um langfristige Ungleichgewichte zu identifizieren, die Anlagechancen eröffnen.

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1. Treasuries, if held to maturity, offer a fixed rate of return and fixed principal value; their interest payments and principal are guaranteed.