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Warum ein Anstieg des Goldpreises positiv sein könnte

In den ersten sieben Monaten des Jahres erlangte Gold, angetrieben durch neue finanzielle Risiken und geopolitische Entwicklungen, nach einer mehrjährigen Talfahrt wieder etwas von seinem Glanz zurück. Auch wenn Donald Trumps überraschender Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl jüngst einen Einbruch der Goldpreise auslöste, vertritt Steve Land, Vice President und Portfolio Manager, Franklin Equity Group, die Auffassung, dass ein potenzieller Anstieg der US-Inflation und ein Rückgang auf Angebotsseite Gold im Jahr 2017 zu neuer Strahlkraft verhelfen könnten. In diesem Beitrag erörtert er potenzielle Schwierigkeiten und Chancen für Goldminenbetreiber im kommenden Jahr.

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Nach einem gelungenen Auftakt in das Jahr 2016 und dem Anstieg des Gold-Kassakurses von 1.060 US-Dollar je Unze zu Jahresbeginn [1] auf ein Hoch von 1.366 US-Dollar je Unze im Juli [2] verloren die Preise etwas von ihrem Glanz, da preisempfindliche chinesische und indische Anleger ihre Goldkäufe verringerten und die Anleger sich nach dem britischen Votum für den Austritt aus der Europäischen Union (Brexit) im Juni, das ein wichtiger Faktor für die Nachfragespitze im zweiten Quartal war, zurückhielten. Die Volatilität des Goldpreises erhöhte sich im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl Anfang November ebenfalls. Nachdem klar wurde, dass Donald Trump einen Überraschungssieg errungen hatte, schnellte der Goldpreis im internationalen Handel in der US-Wahlnacht um mehr als 60 US-Dollar je Unze nach oben, gab jedoch in demselben Umfang nach Öffnung der US-Märkte wieder nach. Nach der Wahl gab es einen Abverkauf bei Gold, da die Anleger in Sektoren rotierten, die als größere direkte Nutznießer eines republikanisch dominierten US-Kongresses unter dem neuen Präsidenten Trump gelten.

Der Goldpreis steht gegenwärtig bei rund 1.184 US-Dollar je Unze.[3] Dies ist knapp 11% mehr als zu Jahresbeginn. Anfang Januar begannen viele Anleger, ihr Geld in Vermögenswerte zu stecken, die traditionell als „sichere Häfen“ angesehen werden. Hierzu zählt auch Gold. Gold lockt die Anleger als Mittel zum Werterhalt an, wenn die Märkte in Aufruhr sind, denn es hat in der Regel eine geringe Korrelation mit anderen Anlageklassen und eine lange Geschichte als Finanzinstrument.

Auftrieb erhielten die Goldpreise in diesem Jahr überdies durch die historisch niedrigen Zinssätze in vielen Regionen der Welt. Niedrige Zinnsätze verringern die Opportunitätskosten des Besitzes von physischem Gold. Obwohl Gold keine Zinsen trägt und häufig Kosten für die Lagerung anfallen, wenden sich immer mehr Anleger in unserer Welt der negativen Zinsen Gold als einer Alternative zu Staatsanleihen zu. Gold bietet eine angemessene Liquidität und ist von Regionen, Finanzsystemen oder Regierungen unabhängig.

Im nächsten Jahr könnten auch die rund um den Globus stattfindenden Wahlen den Goldpreis beeinflussen, wie dies bereits die kurze Preisspitze nach den ersten Hochrechnungen in der US-Wahlnacht und dem Sieg Trumps zeigte. Einer der Hauptfaktoren bei Gold ist Unsicherheit. Auch wenn alle Wahlen, wie bei den Ergebnissen in den USA und der folgenden Marktreaktion zu beobachten war, Veränderungen mit sich bringen, scheinen die anstehenden Wahlen in Europa und anderen Regionen das Potenzial für mehr Turbulenzen zu haben.

Auch ein weiterer Anstieg der US-Inflation könnte die Goldpreise nach oben treiben, denn Gold gilt als Inflationsschutz. In diesem Jahr reagierten die Preise auf die Erwartungen hinsichtlich möglicher Schritte in der US-Geldpolitik mit einem Abverkauf, als die US-Notenbank (Fed) der Inflationsentwicklung voraus schien, und mit einem Anstieg, als die Fed bereit schien, hinter der Inflationskurve zurückzubleiben. Ich sollte erwähnen, dass eine Vorhersage der Goldpreise sehr schwierig und ihre Korrelation mit den Zinssätzen nicht klar ist. Die stärksten kurzfristigen Preisbewegungen resultieren in der Regel aus Ereignissen, mit denen der Markt nicht unbedingt rechnete, wie z. B. dem Brexit-Votum in Großbritannien im Juni.

Bedenken um Angebotsseite

Wie bei den meisten Rohstoffen bilden letztlich Angebot und Nachfrage die Grundlage für die Goldpreise. In diesem Jahr hat die höhere Nachfrage der Anleger nach Gold das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage drastisch angespannt. Das Angebot auf Minenseite ist historisch gesehen zu langsam, um auf höhere Preise zu reagieren; fünf schwache Jahre für Goldaktien hinterließen bei den Unternehmen überdehnte Bilanzen und enttäuschte Anleger: die kumulierte Fünfjahresrendite für den Zeitraum 2010 bis 2015 beträgt in dieser Branche -76,2%.[4] Bergbauunternehmen scheinen deutlich zu geringe Investitionen getätigt zu haben, so dass auch bei einer starken Erhöhung der Ausgaben nur schwer vorstellbar ist, wie die Goldförderung in fünf Jahren höher als gegenwärtig sein könnte. Häufig dauert der Prozess von der ersten Entdeckung eines Vorkommens über Machbarkeitsstudien und Baugenehmigung und -durchführung bis zur Eröffnung einer Fördermine 10 bis 15 Jahre.

Die fünfjährige Talfahrt bei Goldaktien zwang einer Branche Disziplin auf, die in der Vergangenheit nicht die üblichen finanziellen Renditen liefern musste. Uns scheint, dass die Goldminenbranche nach dem Abschwung mehr auf reale Kapitalrenditen und Generierung von freiem Cashflow achtet als je zuvor. Der Abschwung beim Gold zwang die Unternehmen zu Kostensenkungen und Ausgabenkürzungen. Nach unserer Ansicht leisten die Goldminenbetreiber in diesem Jahr bei steigendem Goldpreis bezüglich Kostenkontrolle und nachhaltiger Finanzdisziplin bisher ausgezeichnete Arbeit, und wir beobachten infolgedessen eine wesentliche Verbesserung des Cashflows und der Gewinne.

Künftig könnte es jedoch für die Unternehmen schwierig sein, diese Kostenkontrolle beizubehalten, denn insbesondere, wenn die Wirtschaftsaktivität insgesamt weiter zulegt, wird in der Regel ein Aufwärtsdruck auf die Energiepreise erzeugt. Der Goldminenbranche kamen in den vergangenen Jahren die niedrigen Ölpreise zugute, denn die Beförderung und Zerkleinerung großer Gesteinsmengen zur Goldextraktion ist sehr energieintensiv, und jede deutliche Steigerung der Ölpreise könnte die operativen Margen der Unternehmen schmälern. Schwache Währungen in einigen gewichtigen Bergbauländern wie z. B. Südafrika, Australien und Kanada halfen in den vergangenen fünf Jahren ebenfalls bei der Senkung der Kosten. Viele dieser rohstoffabhängigen Währungen haben jedoch jüngst aufgewertet. Dies dürfte die Vergleiche zum Vorjahr im vierten Quartal 2016 schwieriger gestalten.

Chancen abstecken

Wir erkennen attraktive Anlagegelegenheiten in der Goldbranche, da zahlreiche Unternehmen nach wie vor zu Preisen gehandelt werden, die weit unter den Kosten liegen, die heute für einen Neuaufbau der bestehenden Minen aufgebracht werden müssten. Es darf nicht vergessen werden, dass dies eine der volatilsten Branchen ist. Sogar nach der diesjährigen Rally liegt der Goldpreis weiterhin mehr als 50% unter dem Niveau von Ende 2010.

Nach unserer Einschätzung basiert eine Anlage in der Goldbranche teilweise auf der grundlegenden Überzeugung, dass exogene Ereignisse wie z. B. Brexit, zunehmende Handelsspannungen und inflationsfördernde Fiskal- und Geldpolitik durch viele Zentralbanken weltweit die Goldpreise stützen dürften. Bei steigenden Goldpreisen entstehen Gelegenheiten für Minen, deren Betrieb bei niedrigeren Goldpreisen nicht sinnvoll war, da qualitativ schlechtere Lagerstätten wirtschaftlich werden und die Kapitalkosten für neue Anlagen und Ausrüstung sinken. Überdies ermöglicht ein höherer Cashflow, die Verbindlichkeiten schneller als geplant abzuzahlen und neue Explorationsvorhaben oder schrittweise Erweiterungen der Anlagen umzusetzen.

Darüber hinaus legen die Bergbauunternehmen ihr Augenmerk weiterhin auf eine verbesserte Kostenstruktur ihres Betriebs, auf Schuldentilgung und Rationalisierung der Unternehmensteile. Dies dürfte zu einem höheren Leistungspotenzial führen und insbesondere in einem Umfeld mit steigendem Goldpreis Kurssteigerungen begünstigen. Nach unserer Einschätzung macht die Kombination aus hoher Volatilität und niedriger Korrelation mit dem Gesamtmarkt Goldaktien zu einer möglichen attraktiven Beimischung für ein Gesamtportfolio.

Die in diesem Dokument zum Ausdruck gebrachten Kommentare, Meinungen und Analysen sind die persönlichen Ansichten des Anlageverwalters und dienen ausschließlich Informationszwecken und der Informierung der Allgemeinheit. Sie sind weder als Anlageberatung oder Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers oder zur Übernahme einer Anlagestrategie zu verstehen. Sie stellen auch keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die Informationen in diesem Dokument entsprechen dem Datum der Veröffentlichung und können sich ohne Vorankündigung ändern. Sie sind nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt oder eine Anlage gedacht.

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des potenziellen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Im Edelmetallsektor kommt es zu Preis- und Kursschwankungen bei Gold und anderen Edelmetallen. Die Preise und Kurse von Edelmetallen reagieren stärker auf widrige Veränderungen der den Sektor betreffenden wirtschaftlichen Entwicklung oder regulatorischen Entwicklungen. Überdies kann bei Anlagen im Ausland das Risiko von Währungsschwankungen und politischer Unsicherheit bestehen. Anlagen in Entwicklungsländern beinhalten ähnliche Risiken, die jedoch aufgrund des relativ kleinen Volumens und der geringeren Liquidität dieser Märkte höher sind. Kleinere Unternehmen können gegenüber Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen besonders empfindlich sein, und ihre Wachstumsaussichten sind weniger sicher als die von größeren, etablierteren Unternehmen. Eine Anlage in einem nicht diversifizierten Portfolio birgt das Risiko höherer Preisschwankungen als bei einem diversifizierteren Portfolio.

[1] Quelle: FactSet. Für weitere Informationen zu Datenanbietern finden Sie unter www.franklintempletondatasources.com.

[2] Ebd.

[3] Quelle: Bloomberg. Stand: 25. November 2016. Für weitere Informationen zu Datenanbietern finden Sie unter www.franklintempletondatasources.com.

[4] Quelle: FTSE Russell, für den Fünfjahreszeitraum zum 30. September 2016. Goldminenaktien werden durch den FTSE Gold Mines Index repräsentiert, der alle Goldminenbetreiber umfasst, die eine nachhaltige, zurechenbare Goldförderung von mindestens 300.000 Unzen pro Jahr haben und die mindestens 51% ihres Umsatzes durch Goldabbau erzielen. Indizes werden nicht gemanagt. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein verlässlicher Indikator für die aktuelle oder zukünftige Wertentwicklung, noch stellt sie eine Garantie für die Zukunft dar.