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Anleihen

Lichtblick für Europa nach turbulenter Woche

Die Entwicklungen in Europa, darunter der Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi und die überraschende Entscheidung der Europäischen Zentralbank, das monatliche Volumen ihres Anleihekaufprogramms im kommenden Jahr zu senken, haben zu einer turbulenten Woche für Anleger beigetragen. David Zahn, Head of European Fixed Income, Franklin Templeton Fixed Income Group, stellt seine Analyse der Situation dar und erklärt, warum er in beiden Fällen einen Lichtblick sieht.

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Politik bereitete vielen Investoren auf der ganzen Welt in den letzten sechs bis zwölf Monaten Kopfzerbrechen, und wohl nirgends so sehr wie in Europa. Obgleich ich es für wichtig halte, weiterhin die zugrunde liegenden Fundamentaldaten zu berücksichtigen, behaupte ich, dass Regierungs- und Geldpolitik im kommenden Jahr die wichtigsten Impulsgeber für Finanzmärkte sein werden.

Daher warten wir gespannt auf die jüngsten Ankündigungen der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Ankündigung der EZB bestätigte ihr Vorhaben, das Anleihekaufprogramm bis Ende 2017 zu verlängern, dabei jedoch das monatliche Volumen von bisher 80 Milliarden Euro ab April 2017 auf 60 Milliarden Euro monatlich zu senken.

Anfangs schienen einige Anleger anzunehmen, dass dieser Schritt das Auslaufen des Programms einleiten würde. Wir sehen das anders.

Auf absoluter Basis wurde der Betrag, den die EZB ihren Erwartungen nach über die gesamte Laufzeit des Programms für den Kauf von Anleihen einsetzen wird, angehoben. Außerdem sind wir der Meinung, dass die EZB nun länger geldpolitische Lockerungsmaßnahmen (QE) ergreifen kann, da sie die Beschränkungen für den Kauf von Anleihen zum Teil aufgehoben hat.

Der Markt geht davon aus, dass die EZB eine weniger entgegenkommende Geldpolitik verfolgen könnte. Wir sind indes der Ansicht, dass sich die EZB genauso entgegenkommend verhalten könnte, und dies sogar für länger als bisher angenommen.

Wir rechnen infolge der Ankündigung mit deutlich steileren Zinsstrukturkurven in Europa und somit beträchtlich höheren Zinsen auf Schuldtitel mit langen Laufzeiten als auf Papiere mit kurzen Laufzeiten. Außerhalb Europas wiesen die japanischen Behörden ebenso darauf hin, dass sie eine steilere Zinsstrukturkurve bräuchten. Anleger sollten daher überlegen, ob ihre Portfolios entsprechend positioniert sind, wenn sich hier ein langfristiger Trend abzeichnet.

Desgleichen sollte erwähnt werden, dass EZB-Präsident Mario Draghi und seine Kollegen demonstriert haben, dass sie sich der potenziellen politischen Risiken bewusst sind; die Stellungnahme der EZB bei ihrer letzten Sitzung merkt ausdrücklich an, dass sie das Anleihekaufprogramm wieder ausweiten könnte, sollte sie dies für erforderlich halten.

Die Beziehung zu Italien

Unterdessen scheinen die Märkte die Niederlage des italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi beim Verfassungsreferendum in seiner Heimat und seinen anschließenden Rücktritt größtenteils gelassen hingenommen zu haben. Im Gegensatz zu anderen Volksabstimmungen in diesem Jahr – genauer gesagt das EU-Referendum in Großbritannien und die Präsidentschaftswahl in den USA – entsprach das Resultat im Großen und Ganzen den Erwartungen. Negative Wahrnehmungen seitens des Markts scheinen in den Kursen weitgehend berücksichtigt zu sein.

Unserer Ansicht nach ist es von größerer Bedeutung, wie sich die Situation in Italien von nun an weiterentwickeln wird. Eine vorgezogene Wahl ist unseres Erachtens unwahrscheinlich; für ein adäquates Vorgehen bei einer Neuwahl müsste eine Art Wahlreform stattfinden.

Paradoxerweise könnte sich das Scheitern Renzis, Unterstützung für seine Verfassungsreform zu gewinnen, welche die Kompetenzen des Senats im italienischen Parlament eingeschränkt und den amtierenden Ministerpräsidenten gestärkt hätte, aus Sicht von Anlegern als Segen herausstellen, da so das Schädigungspotenzial einer neuen Regierung in Grenzen gehalten wird.

Keine neue Regierung könnte ohne Prüfung durch den Senat automatisch sämtliche Gesetze und Vorschriften des Landes ändern. Das mag diejenigen, die Bedenken über eine stark links- oder stark rechtsgerichtete Regierung hegen, in gewisser Weise beruhigen.

Frankreich im Rampenlicht

Während wir die Aussichten auf eine unmittelbar bevorstehende Wahl in Italien mit Skepsis betrachten, verfolgen wir die Situation in Frankreich genau. Dort findet im April und Mai nächsten Jahres die Präsidentschaftswahl statt.

Den Aussichten auf einen Aufstieg der rechtsgerichteten Parteivorsitzenden der Front National, Marine Le Pen, wird dort viel Beachtung geschenkt. Sie ist eine bekennende Euroskeptikerin und viele Beobachter stellen die Frage: Für den Fall, dass Le Pen Präsidentin wird, könnte sie eine Volksabstimmung zur Mitgliedschaft Frankreichs in der Eurozone oder gar zur Mitgliedschaft in der EU einberufen?

Wir halten die Aussichten für eine EU ohne Frankreich für fraglich, daher werden viele Anleger die Meinungsumfragen in Frankreich in den kommenden Monaten genau verfolgen. Wir gehen davon aus, dass sich französische Staatsanleihen und Anlagen in Frankreich im Allgemeinen weitgehend im Einklang mit Meinungsumfragen entwickeln werden.

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Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des potenziellen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Anleihenkurse entwickeln sich im Allgemeinen entgegen der Richtung der Zinsen. Wenn sich also die Anleihenkurse in einem Investmentportfolio an steigende Zinsen anpassen, kann der Wert des Portfolios sinken. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen.