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Anleihen

Fed dreht an der Zinsschraube, Niedrigzinsklima dürfte jedoch längerfristig bleiben

Was Sie jetzt wissen müssen: Experten von Franklin Templeton Investments bieten kurze, aber informative Analysen zu brisanten Anlagethemen.

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Endlich können die Märkte die US-Zinsdebatte (zumindest vorläufig) abhaken, nachdem die US-Notenbank ihren kurzfristigen Leitzins zum ersten Mal seit einem Jahr angehoben hat. Obgleich weitere Zinsschritte in den USA in Kürze folgen dürften, wird das „längerfristig niedrige“ Zinsklima nach Einschätzung von Chris Molumphy der Franklin Templeton Fixed Income Group anhalten. Außerdem mahnt er zur Vorsicht vor den überzogenen Marktreaktionen, die nach der US-Präsidentschaftswahl zu beobachten waren.

F: Wie beurteilen Sie die Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) zur Anhebung der kurzfristigen Zinsen?

A: Insgesamt halten wir den Schritt der Fed angesichts des seit Langem ungewöhnlich niedrigen Leitzinsniveaus für angemessen. Die Anhebung war bereits seit langer Zeit erwartet worden und am Markt vollständig eingepreist. Daher sollten wir uns vor allem darauf konzentrieren, welchen Kurs die Fed in Sachen Geldpolitik 2017 und danach einschlagen könnte.

Der Leitzins verharrt (auch nach dieser Anhebung) auf extrem niedrigem Niveau, und wir gehen davon aus, dass die kurz- und auch die langfristigen Zinsen in Zukunft relativ niedrig bleiben werden.  2017 dürfte sich der US-Leitzins durchschnittlich bei 1% einpendeln, einem immer noch extrem niedrigen Niveau. Weitere Zinserhöhungen dürften folgen, jedoch voraussichtlich nur langsam. Denn die erste Zinserhöhung der Fed in diesem Zyklus fand im Dezember 2015 statt. Somit sind zwischen den beiden Zinserhöhungen volle 12 Monate vergangen. Wir gehen davon aus, dass sich der Abstand bis zur nächsten Anhebung in Zukunft verkürzen wird. Dennoch ist das Tempo der Zinserhöhungen extrem gemächlich und dürfte in den nächsten Jahren bei rund 0,75% pro Jahr liegen. Die Zinsen steigen, aber die Nominalsätze und das Tempo der künftigen Zinsschritte dürfen nicht außer Acht gelassen werden.

F: Welche Auswirkungen haben die Zinserhöhungen für Anleiheninvestoren?

A: Zunächst sollten wir sorgfältig zwischen kurz- und langfristigen Sätzen unterscheiden. Wir erwarten, dass die Fed die Zinsen am kurzen Ende 2017 und darüber hinaus weiter erhöhen wird. Die langfristigen Zinsen nehmen die Maßnahmen der Fed jedoch vorweg und haben sich bereits deutlich nach oben bewegt. Daher ist mit weiteren kräftigen Aufwärtsbewegungen am langen Ende nicht unbedingt zu rechnen.

Mit Blick auf die unterschiedlichen Anlageklassen im Anleihenuniversum sind allgemeine Prognosen schwierig, da die verschiedenen Anlageklassen von unterschiedlichen Faktoren getragen werden und sich durch unterschiedliche Zinssensitivitäten auszeichnen. Zum Beispiel könnten sich Leveraged Loans, die per se variabel verzinslich sind und eine sehr geringe Duration haben, in einem Umfeld steigender Kurzfristzinsen positiv entwickeln, da sie sich den steigenden Zinsen anpassen.

Auch Hochzinsunternehmensanleihen sind eine interessante Anlageklasse. Sie gelten in der Regel als mittelfristige Anlageklasse mit mittlerer Duration. Seit der US-Wahl sind die mittelfristigen Zinsen deutlich gestiegen. Hochzinsunternehmensanleihen werden in der Regel nicht nur durch die Zinsen sondern ebenso durch die Wirtschaft und die Wachstumsaussichten angetrieben. Ein Blick auf die aktuelle Performance zeigt, dass die aktienähnliche Komponente von High Yields die Durationskomponente mehr als wettgemacht hat. Die Duration misst die Sensivität des Instruments gegenüber Zinsveränderungen.

Kommunalanleihen (municipal bonds) kamen aufgrund ihrer langen Duration in letzter Zeit nicht von der Stelle. Zweifellos machten ihnen die steigenden Langfristzinsen zu schaffen. Dennoch sollten Anleger unbedingt beachten, dass die Anlageklasse letztendlich auf lange Sicht profitieren könnte. Wenn nämlich die mittel- und langfristigen Zinsen steigen, dürfte die Fähigkeit zur Wiederanlage in höher rentierliche Wertpapiere den Inhabern letztlich zugute kommen. Daher sind allgemeine Prognosen im Zusammenhang mit steigenden Zinsen unbedingt zu vermeiden. Vielmehr kommt es darauf an, die Auswirkung auf die unterschiedlichen Anlageklassen zu verstehen und die Anlagen zu diversifizieren.

F: In vielen Ländern wird über höhere staatliche Ausgaben spekuliert. Welche wirtschaftlichen und geldpolitischen Folgen könnte das Ihrer Ansicht nach haben?

A: Ein Anlegethema am Markt waren eindeutig höhere staatliche Ausgaben. Das Resultat könnten höhere Wirtschaftswachstumsraten und voraussichtlich Zinserhöhungen sein. Die hohe Risikobereitschaft hat eine Rally ausgelöst, da viele Anleger riskante Anlagen wie Aktien und Hochzinsunternehmensanleihen bevorzugen. Wir fragen uns, ob der Markt nicht etwas voreilig ist. Zumindest kurzfristig ist das wahrscheinlich der Fall.

In den USA wird mitunter prognostiziert, dass die Regierung unter Donald Trump die Infrastrukturausgaben erhöhen und Steuern senken wird. Wenn wir uns mit den Details in Bezug auf Umfang und Zeitpunkt dieser beiden potenziellen Maßnahmen befassen, werden die daraus resultierenden Effekte vom Markt wahrscheinlich etwas überbewertet.

Allein bei den Steuern ist zu bedenken, dass sich der US-Schuldenstand in den letzten sechs bis sieben Jahren in etwa verdoppelt hat und die Schuldenquote (Schulden zu Bruttoinlandsprodukt) bei ca. 75% liegt, was relativ hoch ist. Das jährliche US-Haushaltsdefizit hat die Talsohle bereits durchschritten. In Anbetracht all dieser Faktoren und eines republikanisch kontrollierten Kongresses dürften deutlich höhere defizitfinanzierte Ausgaben in Form von höheren Staatsausgaben oder Steuersenkungen wohl kaum denkbar sein.

Die Infrastrukturausgaben der USA auf Bundesebene sind vergleichsweise gemäßigt, aber selbst wenn sie prozentual deutlich steigen würden, wird sich der Zeitpunkt der Umsetzung voraussichtlich verschieben. Wie wir bereits 2009 und danach erfahren haben, sind sofort ausführbare Projekte dünn gesät.

In puncto Steuern wurde der Umfang des möglichen Steuerreformgesetzes gekürzt. Anfangs war während der Wahlkampagne von Donald Trump von 10 Billionen USD in zehn Jahren die Rede gewesen. Vor Kurzem wurden die Gesamtkosten des Pakets jedoch auf rund 3 Billionen USD, verteilt über zehn Jahre, reduziert. Der Markt scheint zwar bereits zu reagieren, wir müssen aber noch die Details eines etwaigen Plans abwarten. Zeitpunkt und Höhe der künftigen Steuerpakete dürften sich verschieben bzw. geringer ausfallen als ursprünglich erwartet.

F: Wirken sich die Veränderungen der politischen Landschaft in den USA Ihrer Meinung nach auf Ihre künftige Anlagestrategie oder die Aussichten aus?

A: Die Politik sorgt zwar immer wieder für Schlagzeilen, langfristig bestimmen jedoch die wirtschaftlichen Fundamentaldaten den Kurs an den Märkten. Wir ändern unsere Strategie in der Regel nicht aufgrund der politischen Landschaft. Diese politische Saison war jedoch in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich und wir verwenden viel Zeit auf die Analyse der potenziellen Folgen.

Wir sind vorsichtig optimistisch, dass sich das Klima geringerer Regulierung und sinkender Steuern unter dem Strich positiv auf das US-Wirtschaftswachstum und das Geschäftsklima im Allgemeinen auswirken könnte. Viele der geplanten Änderungen sind jedoch wohl leichter gesagt als getan. Es wäre vermessen anzunehmen, dass alles reibungslos verlaufen wird. Die Märkte werden möglicherweise überzogen auf mögliche positive Veränderungen reagieren, und sollten sich unseres Erachtens etwas stärker zurückhalten. Als Anleger analysieren wir tatsächliche politische Veränderungen gegenüber dem, was am Markt aktuell eingepreist wird.

 

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des potenziellen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Anleihenkurse entwickeln sich im Allgemeinen entgegen der Richtung der Zinsen. Wenn sich also die Anleihenkurse in einem Investmentportfolio an steigende Zinsen anpassen, kann der Wert des Portfolios sinken. Veränderungen der Finanzkraft eines Anleihenemittenten oder der Bonitätsbewertung einer Anleihe können sich auf deren Wert auswirken. Die Anlage in höher und variabel verzinslichen Anleihen und Schuldtiteln mit niedrigerem Rating birgt ein größeres Ausfallrisiko. Dies könnte zum Verlust des angelegten Kapitals führen – ein Risiko, das bei nachlassender Konjunktur steigen kann.

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