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Perspektiven

Das Wahlergebnis in Frankreich – noch keine beschlossene Sache

Die beiden Kandidaten, die bei der entscheidenden zweiten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich am 7. Mai gegeneinander antreten werden, heben sich deutlich voneinander ab: Marine Le Pen und Emmanuel Macron. Hier macht sich David Zahn, Head of European Fixed Income, Franklin Templeton Fixed Income Group, Gedanken über die möglichen Auswirkungen der Stichwahl auf die Märkte.

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Auf dem Papier sieht es so aus, als stünde der Ausgang der Stichwahl in Frankreich nun bereits fest; die meisten Beobachter würden von einem klaren Sieg Emmanuel Macrons, der eher das Establishment vertritt, über die rechtsorientierte Marine Le Pen ausgehen.

Doch wenn uns die jüngsten politischen Ereignisse eines gelehrt haben, dann ist es, das Unerwartete zu erwarten.

Ein Sieg von Macron würde sicherlich den günstigsten Ausgang für die Märkte darstellen. Doch es gibt immer noch einige Unbekannten, die das Wahlergebnis beeinflussen könnten. Daher rechnen wir im Vorfeld der Stichwahl am 7. Mai und möglicherweise darüber hinaus weiterhin mit Volatilität an den Märkten.

Insbesondere halten wir es für wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, dass die Optionen für den künftigen französischen Staatspräsidenten, wer auch immer dies sein wird, ohne die Unterstützung des Parlaments wohl sehr begrenzt sein werden.

Weder Le Pen noch Macron genießen im Parlament umfassende Unterstützung. In der Tat hat Macron keine eigenen Vertreter im Parlament und müsste eine vollständige Riege von Kandidaten aufstellen. Natürlich könnten einige Politiker anderer Parteien zu ihm überlaufen, doch wir sehen in den Parlamentswahlen im Juni nun einen wesentlichen Schwerpunkt.

Im Hinblick auf die Entscheidung, wer letztendlich in den Élysée-Palast einziehen wird, sollten wir der Tatsache, dass Marine Le Pen aus der ersten Runde als Gesamtsiegerin hervorging, nicht allzu viel Bedeutung beimessen.

Stattdessen ist die drängendste Frage: „Wen unterstützen die Anhänger der ausgeschiedenen Kandidaten?“

Wir würden damit rechnen, dass Macron die Zustimmung der Wähler, die zuvor hinter François Fillon und Benoît Hamon standen, erhalten dürfte. Doch für wen werden sich die Anhänger des linksgerichteten Unruhestifters Jean-Luc Melenchon, der sich zuletzt zunehmender Popularität erfreute, entscheiden? Bisher sieht es so aus, als würde Macron die Rückendeckung von Anhängern aller drei Gruppen erhalten.

Doch obwohl Melenchon und Le Pen die entgegengesetzten Enden des politischen Spektrums vertreten, überschneiden sich ihre politischen Ambitionen zum Teil: darunter eine EU-skeptische Position, eine Lockerung fiskalpolitischer Regeln, eine Vergrößerung des Staatsapparats und Steuererhöhungen.

Es besteht also die Möglichkeit, dass einstige Anhänger Melenchons sich auf die Seite von Le Pen schlagen. Genauso gut könnten sie aus dem Verfahren aussteigen und in der zweiten Runde gar nicht wählen, was eine geringere Wahlbeteiligung zur Folge hätte.

Die politische Perspektive Macrons scheint sich in vielerlei Hinsicht mit der des amtierenden französischen Staatspräsidenten François Hollande zu decken, auch wenn er verlauten lässt, dass er einige neue Strukturreformen umsetzen möchte.

Macron hat bekannt gegeben, dass er sich für die Einhaltung der Defizitgrenze der EU von 3 % des Bruttoinlandsprodukts in Frankreich einsetzen möchte, doch das ist schwer mit einigen seiner weiteren Ambitionen vereinbar. Er möchte einige öffentliche Ausgaben kürzen, zugleich aber auch die Anzahl der Beamten vergrößern.

Macron vertritt also eher den traditionellen linken Flügel. Dennoch ist er EU-orientiert und möchte die Integration Frankreichs in der EU ausbauen.

Unseres Erachtens würde ein Sieg Macrons am 7. Mai wohl eine kurzfristige Rallye französischer Staatsanleihen auslösen. Doch auf längere Sicht wäre seine politische Richtung unserer Einschätzung nach weniger positiv, es könnte im Laufe der Zeit also negative Auswirkungen auf französische Staatsanleihen geben.

Die EU-progressiven Tendenzen von Macron würden sicherlich dem Euro zugutekommen, sodass die Anleihen der Peripherieländer bei einem Wahlsieg ebenfalls profitieren dürften. Andererseits würden deutsche Bundesanleihen meiner Meinung nach weniger gut abschneiden.

Im Hinblick auf die Finanzmärkte wäre ein Sieg von Le Pen im Mai wohl das schlechteste Szenario.

Auf kurze Sicht könnte die Politik von Le Pen die Wirtschaft in Frankreich durch steigende Ausgaben ankurbeln. Doch auf lange Sicht wäre dies wohl katastrophal, da das Defizit und der Staatsapparat wachsen würden, den die Finanzmärkte bereits für recht aufgebläht halten.

Somit gehen wir im Falle eines Wahlsiegs von Le Pen von einem deutlichen Verfall französischer Staatsanleihen aus.

Darüber hinaus würde ihr Wunsch, ein Referendum zu Frankreichs Mitgliedschaft in der EU abzuhalten, den Euro belasten.  Wir würden wohl einen Ausverkauf bei europäischen Peripherieanleihen und eine Rallye bei deutschen Bundesanleihen beobachten.

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