Beyond Bulls & Bears

Aktien

US-Aktien: Politischer Rauch oder feste Säulen?

Während US-Aktien auf immer neue Höchststände klettern, fragen sich einige Marktbeobachter inzwischen, ob der Markt nicht möglicherweise eine „Wand der Sorgen“ erklimmt, die teilweise auf politischen Versprechungen beruht, die bislang noch nicht umgesetzt wurden. Grant Bowers, Vice President, Research Analyst und Portfolio Manager der Franklin Equity Group, erläutert seine Meinung dazu, ob die US-Wirtschaft weitere Kursgewinne des Marktes stützen kann und ob US-Aktien mittlerweile nicht vielleicht ein wenig teuer werden. Aus seiner Sicht erscheinen zwei „Säulen“ der US-Wirtschaft – Verbraucher und Unternehmen – weiterhin solide.

Dieses Posting steht Ihnen in den folgenden Sprachen zur Verfügung: Englisch Holländisch Französisch Italienisch Polnisch

Wir schätzen die aktuellen wirtschaftlichen Fundamentaldaten in den USA als stark ein. Sie spiegeln eine Wirtschaft wider, die sich immer noch in der Mitte des Zyklus befindet. Die Wirtschaftstätigkeit verstärkt sich, während die Inflation niedrig bleibt. Gleichzeitig fällt das Kreditwachstum stark aus, die Rentabilität der Unternehmen ist solide, die Zinsen liegen weiterhin auf einem historisch niedrigen Niveau und die Geldpolitik bleibt locker. Diese Phase des Konjunkturzyklus bietet in der Regel ein gutes Umfeld für Aktien.

Ein Großteil des Optimismus unmittelbar nach der US-Präsidentschaftswahl konzentrierte sich auf das Potenzial für wirtschaftsfreundliche politische Initiativen wie etwa Steuersenkungen und eine Lockerung von Vorschriften. In jüngster Zeit hat sich bei Anlegern ein gewisses Maß an Unsicherheit bezüglich der Umsetzung dieser Politik eingeschlichen. Darüber hinaus haben sie sich verstärkt auf politische Entwicklungen im Ausland konzentriert.

Aus Anlegersicht sind wir bezüglich der möglicherweise anstehenden positiven Veränderungen hoffnungsvoll, bevorzugen jedoch einen Fokus auf die Fundamentaldaten einzelner Unternehmen, die Kernelemente des wirtschaftlichen Umfelds und umfassendere, langfristige Wachstumstrends.

Zwei feste Säulen: Verbraucher und Unternehmen

Verbraucher und Unternehmen, aus unserer Sicht zwei der „Hauptsäulen“ der US-Wirtschaft, erscheinen uns weiterhin solide und bieten dem Markt langfristige Unterstützung.

Auf der Verbraucherseite haben wir in den letzten Wochen vereinzelte Anzeichen auf eine Abschwächung beobachtet, insbesondere im Bereich der Einzelhandelsumsätze. Insgesamt sind die Frühindikatoren für die Lage des Konsumsektors jedoch weiterhin stark und auf einem hohen Niveau.

Im März erreichte das Verbrauchervertrauen den höchsten Stand seit Dezember 2000.[1] Der Immobilienmarkt hat sich verbessert, das Beschäftigungswachstum ist weiterhin stark, die Arbeitslosenquote bleibt niedrig, und in vielen Bereichen verzeichnen wir ein verbessertes Lohnwachstum. Zwei der Bereiche, in denen zuletzt das stärkste Beschäftigungswachstum verzeichnet wurde, sind das verarbeitende Gewerbe und das Bauwesen – zwei Sektoren, die seit der Finanzkrise der Jahre 2007 bis 2009 hinterhergehinkt hatten.

Unserer Einschätzung nach ist der US-Verbrauchersektor stark und sollte der Wirtschaft künftig auch weiterhin Auftrieb verleihen.

In den USA hat gerade die Berichtssaison für die Unternehmensergebnisse im ersten Quartal begonnen. Die Ertragsergebnisse sollten Hinweise darauf liefern, ob sich der Ende des vergangenen Jahres im Nachgang der Wahlen verzeichnete Optimismus in diesem Jahr in einer greifbaren fundamentalen Verbesserung niedergeschlagen hat.

Bis Ende April hatten 58 % der im S&P 500 vertretenen Unternehmen ihre Ergebnisse vorgelegt. Etwa drei Viertel von ihnen haben die Schätzungen in Bezug auf sowohl Gewinn als auch Umsatz übertroffen. Aktuelle Schätzungen gehen derzeit von einem Ertragswachstum in Höhe von über 10 % im Jahr 2017 aus. [2] Wir sind der Ansicht, dass dieses Wachstumsniveau den Unternehmenssektor der Wirtschaft stützen und dem Markt Auftrieb verleihen sollte.

Ein technologischer Wandel

 Wir sehen auch weiterhin in zahlreichen Sektoren des Marktes potenzielle Chancen. Einen Bereich, den wir momentan besonders attraktiv einschätzen, ist der Technologiesektor. In der Vergangenheit haben wir schon öfters darauf hingewiesen, dass viele Unternehmen inzwischen erkannt haben, dass sie auf Investitionen in technologische Verbesserungen nicht verzichten können, wenn sie am globalen Markt wettbewerbsfähig bleiben wollen. Neue Software und Datenanalytik können bei vielen Unternehmen die Produktivität steigern und die Produktionskosten senken, was Wettbewerbsvorteile schafft. Diese Trends sind durchaus intakt und sollten die Ausgaben im Technologiesektor unserer Einschätzung nach weiterhin stärken.

Noch spannender und weniger offensichtlich sind die technologiebedingten Veränderungen, die in vielen Branchen außerhalb des Technologiesektors hinter den Kulissen stattfinden. Von der Industrie über den Energiesektor bis hin zum Gesundheitswesen lösen technologische Anwendungen grundlegende Veränderungen in traditionellen Branchen aus und ermöglichen weitläufige, umfassende Verbesserungen.

Ein Beispiel ist der Industriesektor, wo Konnektivität zwischen verschiedenen industriellen Geräten inzwischen zum Standard gehört. Erfasste Daten werden mit der Leistungsfähigkeit von Cloud Computing und Anwendungen auf der Basis künstlicher Intelligenz kombiniert, um Anbieter in herkömmlichen, nicht-technologischen Branchen in hocheffiziente globale Konzerne zu verwandeln. Im Industriesektor sind viele Experten der Ansicht, dass dies den Weg für wirklich „intelligente“ Fabriken ebnen wird, die unserer Einschätzung nach den nächsten Schritt hin zu einer vierten industriellen Revolution darstellen werden.

Die Auswirkungen steigender Zinsen

 Aus unserer Sicht spiegeln die Aussichten auf steigende Zinsen in den USA die solide Konjunkturlage wider. Wir sind der Ansicht, dass Aktien durchaus in der Lage sein sollten, moderate Zinserhöhungen während der nächsten Jahre wegzustecken. Die US-Notenbank geht in ihrem aktuellen Ausblick von zwei weiteren Zinserhöhungen im Jahr 2017 aus. Sofern sich die Konjunkturlage nicht drastisch ändert, scheint der Markt mit diesem Tempo keine Probleme zu haben. Weit im Voraus angekündigte, inkrementelle Zinserhöhungen dürften unseren positiven Ausblick für US-Aktien nicht spürbar belasten.

Aktienbewertungen: Spiegelbild eines starken Marktes

Während der letzten Jahre sind die Bewertungen angestiegen. Das zukunftsgerichtete Kurs-Gewinn-Verhältnis (des S&P 500 Index) liegt derzeit über dem langfristigen Durchschnitt, erscheint aus unserer Sicht jedoch durchaus tragbar.[3] Die aktuelle Bewertung alleine bereitet uns zwar keine Sorgen, wir behalten sie jedoch im Zuge der Überwachung unserer Portfolios genau im Auge. Wir betrachten Bewertungen im breiteren Kontext und sehen sie als Spiegelbild einer starken Wirtschaft, eines besser werdenden Ausblicks für die Unternehmensgewinne und der Aussichten für eine wirtschaftsfreundliche Steuer- und Regulierungspolitik in Washington, D.C.

Es sollte beachtet werden, dass der Markt in Zeiten, in denen Aktien zu relativ niedrigen Bewertungskennzahlen gehandelt wurden, vereinzelte Enttäuschungen stets gut weggesteckt hat, insbesondere in einer frühen Phase des Zyklus. In einer sich erholenden Wirtschaft werden Rückschläge in der Regel recht schnell überwunden. Da wir uns jedoch bereits im achten Jahr des aktuellen Konjunkturzyklus befinden, liegen die Tage günstiger Bewertungen in den USA aus unserer Sicht jedoch schon lange hinter uns. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich wachstumsorientierten Anlegern keine Chancen eröffnen.

Wir gehen davon aus, dass die Anlagerenditen in den kommenden Jahren vor allem durch die Ertragslage bestimmt werden. Es seit darauf hingewiesen, dass Enttäuschungen aller Wahrscheinlichkeit nach zu verstärkter Volatilität führen werden. Dies konnten wir bereits 2016 beobachten, als die globalen Märkte im Zuge einer Abschwächung des Ertragswachstums abverkauft wurden. In der Vergangenheit haben diese Abverkäufe opportunistischen Anlegern immer wieder Chancen eröffnet, hochwertige Unternehmen zu attraktiven Kursen zu kaufen.

Als aktive Manager konzentrieren wir uns darauf, mehrjährige langfristige Wachstumsthemen zu identifizieren. Hierbei liegt unser Schwerpunkt auf Unternehmen, die sich in unseren Augen durch starke Wettbewerbsvorteile hervorheben und gleichzeitig gut aufgestellt sind, um – ungeachtet kurzfristiger Marktturbulenzen – von langfristigen Wachstumstrends zu profitieren.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

In diesem Dokument möglicherweise verwendete externe Daten wurden von Franklin Templeton Investments („FTI“) nicht unabhängig verifiziert, bewertet oder überprüft. FTI haftet auf keinen Fall für Verluste, die durch die Nutzung dieser Informationen entstehen. Das Vertrauen auf die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Material liegt ausschließlich im alleinigen Ermessen des Nutzers. Manche Produkte, Dienstleistungen und Informationen sind möglicherweise nicht in jedem Land verfügbar und werden außerhalb der USA von anderen mit FTI verbundenen Unternehmen und/oder ihren Vertriebsstellen, wie nach lokalem Recht und lokalen Vorschriften zulässig, angeboten. Bitte wenden Sie sich für weitere Informationen über die Verfügbarkeit von Produkten und Dienstleistungen in Ihrem Land an Ihren eigenen professionellen Berater.

Die neuesten Investment-Updates finden Sie auf Twitter @FTI_Germany.

 

Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, inklusive des möglichen Verlusts der Anlagesumme. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen. Ein Investment in schnell wachsende Branchen, einschließlich Technologie (die in der Vergangenheit eine hohe Volatilität aufwiesen), können zu größeren Kursschwankungen führen, insbesondere kurzfristig, da sich die Produkte dort sehr schnell wandeln. Außerdem werden sie durch Entwicklungen und Veränderungen in der staatlichen Regulierung von Unternehmen beeinflusst, die den wissenschaftlichen oder technologischen Fortschritt fördern.

[1] Umfrage zum Konsumklima des Conference Board, März 2017

[2] Quelle: FactSet, Stand: 28. April 2017  Es gibt keine Garantie dafür, dass sich Schätzungen oder Prognosen bewahrheiten. Für weitere Informationen zu Datenanbietern finden Sie unter www.franklintempletondatasources.com.

[3] Indizes werden nicht gemanagt. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt. Das KGV ist eine Bewertungskennzahl. Es wird berechnet, indem der Marktpreis einer Aktie durch den Jahresgewinn je Aktie des Unternehmens geteilt wird.