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Macron gewinnt die Frankreichwahl. Aber kann er auch liefern?

Die französischen Wähler haben wie erwartet Emmanuel Macron im zweiten Wahlgang zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. Nachfolgend die Einschätzungen der Anlageexperten von Franklin Templeton zu den Aussichten, die Präsident Macron beschert. Ihrer Ansicht nach dürfte der selbstbewusste politische Outsider kein leichtes Spiel haben.

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Endlich hatten die Umfragen einmal recht. Schon vor dem ersten Wahlgang galt Emmanuel Macron als Favorit für das französische Präsidentschaftsamt. Daher war sein Wahlsieg an den Märkten weitgehend eingepreist.

Längerfristig sollte unseres Erachtens jedoch unbedingt berücksichtigt werden, dass Macron politisch völlig unerfahren ist. Le Pen und auch der linksextreme Kandidat Jean-Luc Melenchon haben sich im ersten Wahlgang zwar als Systemgegener inszeniert, aber dennoch sind beide erfahrene politische Veteranen. Das ist Macron nicht. Seine politische Bewegung ist erst ein Jahr alt.

Die brennendste Frage lautet nach unserer Meinung daher, ob Macron in der Lage sein wird, sich eine politische Mehrheit zu verschaffen, um die Umsetzung seines Reformprogramms zu unterstützen. Dabei ist nicht zu vergessen, dass am 11. und 18. Juni die französischen Parlamentswahlen stattfinden sollen. Ihr Ausgang dürfte entscheidend dafür sein, ob Macron in der Lage sein wird, seine Wahlversprechen zu erfüllen.

Wir gehen davon aus, dass die Wahlen im Juni zu einem weitgehend zersplitterten Parlament führen werden. Zu Beginn der Präsidentschaftswahl gab es vier Kandidaten, die sehr unterschiedliche Bereiche des politischen Spektrums repräsentierten und auf die jeweils rund 20% der Stimmen entfielen. Diese Zersplitterung dürfte sich auch in der Zusammensetzung der neuen französischen Nationalversammlung widerspiegeln.

Daher wird Macron mit allen Seiten verhandeln müssen, um seine geplanten Reformen durchzusetzen, insbesondere aber vielleicht mit den konservativen Republikanern.

Dringend benötigte Reformen in Sicht?

Was Wirtschafts- und Arbeitsmarktreformen anbelangt, gilt Frankreich in Europa seit jeher als Schlusslicht. Unseres Erachtens ist vor allem eine Reform des chaotischen französischen Arbeitsmarktes überfällig. Die Arbeitslosigkeit ist untragbar hoch, teilweise aufgrund der strengen Arbeitsgesetze, die es Unternehmen schwer machen, Angestellte zu entlassen. Folglich stellen Unternehmen kaum neue Mitarbeiter ein.

Um seine Arbeitsmarktreformen durchzusetzen, wird Macron sich mit den französischen Gewerkschaften auseinandersetzen und ihre enorme Macht beschneiden müssen. Diese ist während des Jahrzehnte dauernden Machtkampfs gewachsen. Unseres Erachtens sind diese Reformen für Frankreich extrem wichtig. Sie könnten sich nicht nur auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt in Frankreich, sondern auch in Europa im Allgemeinen positiv auswirken.

Wir rechnen mit erbittertem Widerstand der Gewerkschaften sowie  lautstarken Protesten und und heftigen landesweiten Streiks. Dennoch ist dieser Schritt für die französische Wirtschaft wohl unvermeidlich. Sollte Macron mit seiner Arbeitsmarktreform vorankommen, dürften die operativen Margen in Frankreich steigen, die Arbeitslosigkeit sinken und sich die Aussichten für ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) insgesamt verbessern.


Die Aufmerksamkeit der Anleger richtet sich auf Macrons Qualität als Regierungschef

Die Finanzmärkte dürften den Sieg von Emmanuel Macron bei der Präsidentschaftswahl zwar begrüßen. Die Kursrally wird jedoch durch die Erwartung auf steigende Zinsen und die Fokussierung auf die Herausforderungen für Macron voraussichtlich gedämpft werden. Im Anschluss an Macrons Erfolg im ersten Wahlgang kam es an den französischen Aktienmärkten teilweise zu einer Rally. Nun werden die Anleger wahrscheinlich sorgfältig beobachten, ob er nach einer schwierigen Kampagne in der Lage ist, das Land zu regieren.

Langfristig wird Macron mit seiner Regierung voraussichtlich in die Fußsstapfen seines Vorgängers Francois Hollande treten. Gleichwohl wird die neue Regierung eine investitionsfreundlichere Politik verfolgen und stärker nach rechts rücken. Aufgrund der Eigenart der französischen Politik wird der politische Neuling Macron voraussichtlich erfahrene Politiker aus etablierten Parteien in sein Kabinett berufen müssen. Macron hat keine bedeutende etablierte politische Partei hinter sich. Daher gehen wir davon aus, dass die Parteien, deren Kandidaten im ersten Wahlgang gescheitert sind, darum kämpfen werden, bei den Parlamentswahlen im Juni Sitze im Parlament zu erringen, um so Einfluss zu gewinnen.

Vor allem die rechtsgerichtete Partei „Les Républicains“ schnitt in der ersten Runde besser ab als ihr Mitte-Links-Rivale „Parti Socialiste“. Sie dürfte alles daran setzen, sich für die Verhandlungen mit Macron über wichtige Kabinettsposten eine stärkere Position zu sichern. Die politische Ausrichtung von Macrons Koalition dürfte von entscheidender Bedeutung sein. Die Agenda des neuen Präsidenten ist wirtschaftsfreundlicher als die seines Vorgängers Hollande. Aber seine gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Reformpläne könnten deutlich gebremst werden, wenn er die Unterstützung der rechten und der linken Mainstreamparteien benötigt.

Mögliche Nutznießer

Für Anleger ergibt sich folgendes Bild: Angenommen Macron gelingt es, Unterstützung zu gewinnen und die zentralen Aspekte seiner Reformagenda umzusetzen, dürften vor allem Aktien aus den Bereichen saubere Energie, Forschung und Entwicklung (F&E), Technologie, Gesundheit und Infrastrukturprojekte profitieren.

Ferner dürfte Macrons Wahlsieg voraussichtlich Aktien zugute kommen, die von einem Aufschwung in Frankreich getragen werden (vor allem zyklische Substanzwerte), sowie Aktien, die von einer möglichen Senkung der Körperschaftssteuer beflügelt würden. Und nicht zuletzt wird Macrons Wahlsieg sich voraussichtlich positiv auf die Peripherieländer Europas auswirken, allen voran auf zyklische Aktien.


Erfreuliches Ergebnis für Aktien aus der Eurozone

An den europäischen Märkten war der Wahlsieg von Emmanuel Macron weitgehend eingepreist. Nun haben die Wähler diese Annahme bestätigt. Das Ergebnis der französischen Präsidentschaftswahl ist jedoch nicht nur für Frankreich, sondern für die Eurozone allgemein von Bedeutung.

Bei einem Sieg von Marine Le Pen hätte die Möglichkeit bestanden, dass die Franzosen für einen Austritt aus der Europäische Union (EU) votieren würden. Ein potenzielles „Frexit“-Szenario würde zweifellos das Vertrauen in europäische Aktien trüben. Wir sind der Ansicht, dass Macrons Wahlsieg für Frankreich und für die Eurozone gleichermaßen gut ist. Als Anleger gehen wir davon aus, dass sich das Ergebnis für Aktien von Banken und Versicherungen und möglicherweise auch von Energieunternehmen aus der Region als günstig erweisen könnte.

Auf der anderen Seite dürfte der Sieg Macrons weniger wachstumsstarke Unternehmen nicht besonders stützen. Ferner werden defensivere Bereiche des Aktienmarktes wie Verbrauchsgüter eventuell nicht Schritt halten, ebenso wie Telekommunikationswerte und Versorger, deren Erträge stark reguliert sind.

Verläuft das Wachstum in der Eurozone nach Plan?

Unsere Ausgangsannahme ist, dass die Eurozone zusammenhalten wird. Die entschieden pro-europäische Haltung von Macron stützt diese Annahme. Nachdem die Wahl vorbei ist, widmen wir unsere Aufmerksamkeit nun der Ausweitung der Erholung innerhalb der Eurozone, die durch ein Frankreich unter Macron beflügelt wird. Mehrere Leitindikatoren in der Eurozone, unter anderem zur Industrieproduktion sowie die Einkaufsmanagerindizes (PMI), tendierten im ersten Quartal 2017 äußerst robust.

Wir hoffen auf eine Fortsetzung der sanften Inflation und erwarten derweil eine angemessene Reaktion der Europäischen Zentralbank in Form einer Drosselung der Anleihekäufe und letztlich einer Zinserhöhung. Der Ölpreisanstieg hat Anfang des Jahres zu einem rasanten Anstieg der Gesamtinflation in der Eurozone geführt, die sich auf das gesamte System ausgewirkt hat. Inzwischen geht der Preisauftrieb bereits wieder zurück. Die Kerninflation hat sich bei rund 1% normalisiert. Dennoch hoffen wir, dass die Kerninflation in der Eurozone weiter auf ein Niveau von 2,2% steigt, das aktuell in Deutschland gemessen wird.


Für französische Anleihen bleiben langfristige Fragen offen

Der weitgehend erwartete Sieg von Emmanuel Macron dürfte an den Märkten zumindest kurzfristig begrüßt werden. Im Anleihenuniversum rechnen wir mit einer weiteren Rally der Erleichterung bei französischen Staatsanleihen, obwohl der Wahlsieg nach dem ersten Wahlgang bereits weitgehend eingepreist worden war. Danach dürfte der Druck auf Macron, sein Regierungsprogramm exakt zu umreißen, rasch zunehmen. Bislang sind seine Pläne noch sehr vage.

Viel wird vom Ausgang der Wahl der Nationalversammlung im Juni abhängen, vor allem, ob er die Unterstützung rivalisierender Parteien erhält. Wir nehmen an, dass die Regierung von Macron etwas weiter links im politischen Spektrum anzusiedeln sein wird als von einigen Kommentatoren ursprünglich angenommen.

Aus seinen Bekundungen lässt sich bislang nicht ableiten, dass er Frankreichs Defizit spürbar verringern oder die wachsende öffentliche Verschuldung in den Griff bekommen würde.

Das verheißt für die französischen Fundamentaldaten langfristig nichts Gutes. Mittelfristig rechnen wir mit einem Ausverkauf französischer Staatsanleihen, sobald Anlegern die Auswirkungen von Macrons Wahlsieg in vollem Umfang bewusst werden. Aktuell bestimmt die Politik den Kurs an den Märkten.  Sobald die Anleger klar sehen, könnten französische Staatsanleihen hinterherhinken.

Französische Staatsanleihen werden aktuell auf ähnlichem Niveau wie Bundesanleihen gehandelt, obwohl sie sich nicht ähnlich sind. Frankreich hat ein großes Leistungsbilanzdefizit, ein immenses Haushaltsdefizit und eine hohe Staatschuldenquote. Die Anleger werden mit der Zeit erkennen, dass französische Staatsanleihen, gemessen an den Fundamentaldaten, deutlich niedriger bewertet werden sollten.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

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