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Anleihen

Hintergrund der GCC-Schuldemissionen in Rekordhöhe

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Erstmalig haben alle sechs Mitglieder des Golfkooperationsrates (GCC) – Bahrain, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate – Anleihen im Umlauf an internationalen Anleihemärkten. Dino Kronfol, Chief Investment Officer, Franklin Templeton Global Sukuk und MENA Fixed Income Strategies, beschreibt einige der möglichen, für Anleger hierdurch entstehenden potenziellen Chancen und erläutert die Gründe für seine Meinung, dass GCC-Anleihen nicht nur als bloßer Bestandteil in einem Schwellenmarktengagement betrachtet werden sollten.

Eine Folge der Anstrengungen der Länder des Golfkooperationsrates (GCC), für ihre Wirtschaften weg von der traditionellen Grundlage fossiler Energieträger zu diversifizieren ist ihre neu entdeckte Begeisterung für die Teilnahme an den internationalen Anleihemärkten.

Wenngleich die durch einige GCC-Mitglieder durchgeführten haushaltspolitischen und strukturellen Reformen zur Senkung ihrer Abhängigkeit vom Öl die Sektoren unterschiedlich beeinflusst, waren sie eindeutig positiv für ihre Kreditwürdigkeit. Insgesamt scheint der Ansatz in letzter Zeit das Vertrauen der Märkte beeinflusst zu haben.

Aus unserer Sicht wird die Reformagenda in drei Dimensionen umgesetzt: die Regierungen bekämpfen die Korruption und andere Ineffizienzen, rationalisieren die Ausgaben und reformieren die Abgabensysteme. Zu diesen Plänen gehört die Umsetzung der Mehrwertsteuer bis 2018, der Wegfall großzügiger Subventionen und die Einführung von Abgaben auf Tabak, alkoholfreie Getränke und ungenutzte Grundstücke.

Kurzfristige Herausforderungen, langfristiger Nutzen

Kurzfristig dürften die Reformen in der GCC-Region für einige Sektoren Herausforderungen mit sich bringen, jedoch halten wir die Reformen für eindeutig positiv für die Region. Die Branchen in der Region werden wahrscheinlich unterschiedlich betroffen sein, während Kostenbasis, Margen und Geschäftsmodelle an die sich verändernden Rahmenbedingungen in den GCC-Staaten angepasst werden.

Wir würden davon ausgehen, dass die Sektoren Gesundheit und Bildung besonders von diesen staatlichen Anstrengungen profitieren dürften, den Privatsektor zu mobilisieren, eine aktivere Rolle zu spielen und die Dienstgüte zu steigern. Sektoren hingegen, die auf billige Energie oder Produktionsfaktoren angewiesen sind, werden ein böses Erwachen erleben, wenn die Politik Subventionen für Öl und Gas streicht und Reformen umsetzt, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und die inländischen Arbeitskräfte zu fördern.

Lokale Politiker bemühen sich weiterhin erheblich, im Rahmen der Diversifizierungsmaßnahmen ihre Vision zu formulieren, das regulatorische und rechtliche Umfeld zu verbessern, ausländische Investoren anzulocken, die Kapitalmärkte zu öffnen, in etablierte Indizes aufgenommen zu werden und ihre jeweiligen Anleihemärkte zu entwickeln. Unserer Einschätzung nach dürfte diese Kombination aus strukturellen Reformen und einer spannenden Marktentwicklung die Renditen stützen, den GCC-Ländern dabei helfen, eine stärkere internationale Präsenz zu erreichen und weiterhin Potenzial zur Diversifizierung für internationale und regionale Investoren bieten.[1]

Internationale Anleihen

Die Stabilisierung der Ölpreise und große Emissionen von Staatsanleihen aus GCC-Ländern haben die Finanzierungsbedingungen verbessert. 2016 wurde die Rekordsumme von 71 Mrd. US-Dollar emittiert und ebenfalls 2016 stieg der Anteil der GCC-Anleihen an den staatlichen Auslandsschulden der Schwellenmärkte von 12% auf 18%. In den GCC-Ländern gibt es mehr als 160 Emittenten, die den Markt angezapft haben. Der dortige, wachsende Unternehmenssektor stellt heute 16% der Auslandsschulden der Unternehmen in Schwellenmärkten dar – mehr als Lateinamerika oder die Schwellenmärkte in Europa.

Alle diese kürzlichen Kapitalmarktaktivitäten werden die Binnenliquidität und die operative Umgebung bei Banken, bei denen eine Konsolidierung durch die jüngsten Fusionen und Übernahmen stattgefunden hat, sowie aus unserer Sicht die Wachstumsaussichten verbessern. Bei den Ratingmaßnahmen dürfte das Gröbste hinter uns liegen und die Fundamentaldaten für Kredite werden sich auf den Weg einer allmählichen Verbesserung machen.

Trotz einer steigenden Emissionstätigkeit in der GCC-Region sind ihre Anleihenmärkte noch lange nicht gesättigt. Wir halten die Region auf der internationalen Bühne für unterrepräsentiert und die meisten Teilnehmer sind in dieser Region chronisch untergewichtet.

Wie alle Märkte, die sich in der Entwicklung befinden, sollten steigende Emissionen von Staatsanleihen als Türöffner für die Aufnahme in Referenzindizes öffnen und letztendlich zu weiterer Finanzierung durch Banken und Unternehmen animieren. Wir gehen davon aus, dass der derzeitige GCC-Anleihenmarkt, der derzeit auf mehr als 300 Mrd. US-Dollar geschätzt wird, sich weiter entwickelt und in zahlreichen Aspekten ein etabliertes führendes Segment im Gesamtmarkt der Euro-Anleihen und ebenso im Shariah-konformen Segment des Marktes werden wird. Sowohl auf Euro lautende Anleihen als auch Shariah-konforme Anleihen stoßen auf das Interesse renditehungriger Anleger.  Angesichts der in der Region generell attraktiven Renditen pro Durationeinheit, hohen Bonitätsnoten und dem weltweiten Appetit auf Anleihen scheint es uns nicht, dass die Nachfrage nach GCC-Anleihen in nächster Zeit nachgeben dürfte.

Allerdings dürften nach unserer Meinung Anleger, die im derzeitigen Umfeld über Schwellenmarktanleihen oder globale festverzinsliche Depots anlegen, nicht genügend GCC-Engagement erhalten. Dieses Basisniveau an Engagement wird aus unserer Sicht nicht ausreichen, um potenzielle Vorteile zu ernten. Wir müssen sie nahezu ermuntern, GCC-Anleihen unabhängig zu betrachten, um heute in die Anleihenstory von morgen zu investieren.

Die hohen Ölreserven in der Region ermöglichen es der Politik, sich erheblich Zeit und Raum zu nehmen, um die geplanten politischen Maßnahmen für die Unterstützung neuer Emissionen und weiterer Strukturreformen umzusetzen.

Wir werden wohl weiterhin ein gemäßigtes Tempo bei Haushaltskonsolidierung und Strukturreformen erleben, die diese Länder auf ein viel nachhaltigeres Fundament stellen werden. Die Reformen und anschließenden Anleiheemissionen, derzeit im Ausland, jedoch später womöglich im Inland, werden Anlegern weltweit die langfristige Chance bieten, einige der höchsten risikogewichteten Renditen zu nutzen, welche die GCC-Anleihemärkte als Gruppe heute zu einem spannenden Anlagebereich machen.

Die Entwicklung der GCC-Region weg von der Abhängigkeit vom Öl dürfte aus unserer Sicht für eine Änderung der Gestalt und des Einflusses dieses regionalen Anleihemarktes sprechen. Wir gehen davon aus, dass die GCC-Region sich in den nächsten Jahren zu einem wesentlichen Bestandteil globaler festverzinslicher Anlagen entwickeln und Chancen für vorausschauende Anleger bieten wird.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, inklusive des möglichen Verlusts der Anlagesumme. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Anleihenkurse entwickeln sich im Allgemeinen gegenläufig zu den Zinsen. Wenn sich die Anleihenkurse in einem Investmentportfolio den steigenden Zinsen anpassen, kann der Wert des Portfolios sinken. Anlagen in Entwicklungsländern, zu denen als Untergruppe auch die Grenzmärkte gehören, sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre relativ kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und die nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. Solche Anlagen können im Verlauf eines bestimmten Jahres erheblichen Preisschwankungen unterworfen sein. Anlagen im Energiesektor bergen spezifische Risiken, unter anderem weil sie stärker auf widrige Veränderungen der den Sektor betreffenden wirtschaftlichen Entwicklung oder regulatorischen Entwicklungen reagieren.

[1] Diversifizierung ist keine Gewinngarantie und bietet keinen Schutz vor Verlusten.